Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Wartensee v. 7.2.1833 (Keilhau)


F. an Johannes Arnold Barop in Wartensee v. 7.2.1833 (Keilhau)
(KN 44,3, Brieforiginal 1 B 4° 3 S.)

    Keilhau am 7en Tage im Monat der Klarheit 1833.


         Barop!
Gott zum Gruß allem zuvor!

Die Lebenserscheinungen drängen sich hier jetzt so schnell und so gewaltig daß ich eigentlich gestern gleich unmittelbar
nach Abgang des Briefes an Dich schon wieder einen neuen hätte beginnen sollen doch aber der Drang der Lebensthatsachen
war so lebendig, daß ich meinen festen Vorsatz aufgeben mußte. Doch jetzt eilig damit Du diesen Brief womöglich mit der
morgenden Post erhältst.
Erstlich – Wenn es es mir einigermassen möglich ist erhältst Du mit diesem Brief abschriftlich die Correspondenz mit
Nitzelnadel a) die Worte welche Langethal zu Ferdinands Brief hinzufügte. b. dessen des Nitzelnadels Antwort darauf
c. unsere Erwiederung darauf. – An sich wie es scheint unwichtig; aber auch Kleinigkeiten bekommen im großen Zu-
sammenhang oft Bedeutung. Und Nitzelnadels Brief hat wenigstens das Gute, um dadurch einen kleinen Beytrag zu erhalten zu erkennen was für ein Geist in Deutsch-
lands jungen Erziehern lebe, wenigstens in einem und den anderen. –
Und Du mußt jetzt still in Dir das Ganze nicht nur aufnehmen sondern auch in Klarheit überschauen. -
Zweytens. Habe ich vor ein Paar Tagen folgenden Brief aus Teplitz in Böhmen von einer gewissen Frau Amberg erhalten.
“unbekannterweise erlaube ich mir zufolge einer gütigen Aufforderung der Fr. v. Arnim zu Grunau bey Bayreuth, an Sie v.[verehrter] HE. Prof:
diese Zeilen zu richten, begleitet von der angelegentlichen Bitte, mir geneigtest mittheilen zu wollen, was für Bedingungen
Leistungen, und Erwartungen, ein junges Mädchen von 19 Jahren, meine angenommene Tochter [Luise Hermann] welche mir unendlich lieb und werth ist,
und ich so gerne Ihrer Vorsorge anvertrauen möchte, von dem Aufenthalt in Ihrem werthen Hause nützliches für deren Zukunft zu er-
warten hätte? und ob dadurch der Hauptzweck - daß Luise die französische Sprache vollkommen geläufig lerne erreicht werde? Ich denke,
daß sie dazu in Ihrem Hause in der Schweiz die beste Gelegenheit haben würde, wenn anders Sie immer en famille französisch rede? -
Ich verweise Sie an Luisens Brief an Mathilde [v. Schönfeld], woraus Hochdieselben ersehen werden, welches die näheren Verhältnisse sind. Ich weiß
bisher noch eigentlich garnichts näheres über dieses mir jedoch von Frau von Arnim als ein vortrefflich geschil-
dertes Institut; doch erwähnte
dieselbe in ihrem gestern erhaltenen Briefe nichts von der näheren Einrichtung, und die genaueren Details erwähnte Sie [sc.: sie] nur oberflächl.[ich]
Sie würden sich mir daher recht sehr verbinden wenn Sie mich gütigst in Kenntniß setzen wollten, und ersuche ich Sie hochgeschätzter Herr Professor
hierdurch höflichst darum, es würde mich sehr erfreuen, wenn Sie die Güte hätten, mit mir über diese Gegenstände zu correspondiren, indem
Sie mir auch Ihre Pläne für die Zukunft mittheilen, und ob mein Wunsch wie der von Luisen realisirt werden dürfte, und unter welchen
Bedingungen? - Sie werden es ganz natürl[ich] finden, wie sehr, wie schon gesagt, es auch mein Wunsch wäre daß wir übereinkommen möchten,
daß ich Ihnen heute noch nicht bestimmteres sagen kann; Frau von Arnim wird gerne jede Auskunft so Hochdieselben verlangen über Luisens Fähigkeiten
und Character ertheilen, dieselbe kennt diese genau. – Es empfiehlt sich Ihnen Allen unbekannterweise angelegentlichst hochachtungsvoll.[”]
Hierauf ist gestern diese Antwort gegeben [worden], im Auszug. [1] Eingegangen unter jährigem Kostgeld von 100 [Rth] Pr.Ct, 2 vielleicht Erleichterung in der 2ten Hälfte
des Jahres, wenn ihre Darreichung für das Ganze dieses möglich machte, 3. die Aussicht der Möglichkeit ihres Eintritts in den Kreis als wirkendes Glied
und die Bedingungen der Anstalt in d. Schweiz, in Bezug auf den Eintritt, [4. fehlt] 5. die Bedingungen in dieser Hinsicht für Keilhau, 6. das Fortbestehen Keilhaus in Fr. tem-
poraler Abwesenheit unter der besonderen Führung der 3 ältesten Freunde u Mit-
arbeiter L M u B (Die Pflegetochter heißt Louise Hermann).
Drittens. Frau v. Ahlefeld schreibt unterm 30. Januar an Carl Clemens. “Du bist zwar bey Deinen von mir sehr hoch gesch.[ätzten] Lehrern in guten
Händen, und ihr Rath wird Dich immer mit Vernunft und Liebe zum Guten hinleiten, indessen ist die Gegenwart Deines väterlichen Freundes Fröbel jetzt wohl
ganz geeignet, etwas Festes über Deine Zukunft zu entscheiden, da ihre Berathungen über solche Gegenstände immer gemeinsam sind, und es seyn müssen.
Wenn Du also wirklich Neigung für Naturwissensch. hast, so will ich dieser, so beschränkt auch meine Kräfte sind, keinen Einhalt thun, da
Herr Langethal, dessen Charakter und Einsicht ich mit meinen unbedingtesten Vertrauen verehre, auch versichert, daß wenn Du nur treu und
frey seyn wirst, auch diesen Weg, der mir freylich nicht wünschenswerth erscheint, für Dich zum Glück und zu der Wahrscheinlichkeit
eines dereinstigen Unterkommens führen kann, so wie auch wenn Du nicht einseitig Dich dieser Wissenschaft ergiebst, sondern fort-
setzest, wo Du schon einen so schönen Grund gelegt hast, als Sprachen u.s.w. daß Du was Deinem guten Herzen gewiß
auch um Deinetwillen lieb seyn wird, recht bald Deine eigenen Bedürfnisse Dir selber verdienen kannst. Große Reisen sind, wie
mir hier ein sehr kluger und erfahrener Mann versichert, zur Ausbildung eines Naturforschers nicht wesentlich nothwendig,
und dieß freut mich sehr, da mir die Mittel fehlen, Dich bey dem besten Willen von meiner Seite dabey zu unterstützen.
Die Natur umgiebt den Menschen überall, und ein späteres Versetzen nach Willisau wird Dir in den herrlichen Umgeb-
ungen der Schweiz, die noch immer wie ein Wunderland in meiner Erinnerung lebt, ganz neue Welten des Erforschens
so wie des Entzückens aufschließen. Daher waffne Dich mit dem Ernst, der das Rechte will und der entschlossen ist
allen Eifer, sowie geistige und physische Kräfte aufzubieten, und auf eine vernünftige Weise das Ziel einer würdigen
und nützlichen Bestimmung zu erreichen. Sprich ganz offen mit HErrn Fröbel, sein und der Lehrer gefaßter Beschluß soll auch
der Meinige seyn. Will er Dich mit nach Willisau nehmen, so soll es mich freuen – meint er aber, Du müßtest noch eine Zeitlang – (um Dich zu vervollkommnen zu dem, was Du in mehrfacher Hinsicht zu lernen angefangen) – in Keilhau
bleiben, so bitte ihn, den Termin zu bestimmen, wenn Du ihm dorthin folgen darfst, und strenge dann Deinen Willen so wohl wie Deine
Kräfte so viel Dir möglich ist, an, um diese noch recht zu nutzen, und immer noch fester in dem zu werden, was
Du bereits gelernt hast, und was Dir noch zu wissen obliegt. pp Ch. v. Ahlefeld.” – (: Wilhelm Clemens ist fest für die Gärtnerei bestimmt)
Warum ich Dir nun wohl diesen langen Brief abgeschrieben? Warum? - Weil es nach einer, auf Veranlassung dieses Brie-
fes gemeinsamen Berathung zwischen mir Langethl. Midd. und meiner Frau, unter gewissen Bedingungen, über welche wir noch
von Dir die Entscheidung [er]hoffen – bestimmt worden ist, das[s] auch Carl Clemens mit nach Willisau gehe, wenn anders
die Frau v. Ahlefeld die Kosten tragen kann welche es im Augenblick fordert: Reisekosten, Gestellung in Kleidern pp.
Viertens. Weil man doch die Menschen etwas auch aus dem Styl ihrer Briefe kennen lernen kann, so sollst Du hier
auch noch
den Brief HE. Gnüges in Abschrift erhalten welchen derselbe kürzlich schrieb. Warum Dir diesen Brief zu diesem
Zweck? jetzt davon gleich nachher. Der Brief lautet – Erfurt, den 4en Februar 1833. “Hochgeehrter Herr – Sie werden
gütigst verzeihen, daß sich meine Reise zu Ihnen so lange verschoben hat. Die vorige Woche habe ich dazu benutzt, meinen
Schwager den Oberamtmann Kolligs im Hannöverschen und 3 Schwestern noch einmal zu sehen und von dieser Reise
kaum zurückgekehrt erfahre ich, daß das beabsichtigte Concert des Erfurter Musikvereins – (: dessen ordentl. Mitglied er ist:) -
erst auf den 12en dieses festgesetzt sey, und daß man Tags vorher von Seite des GesangVereines mir zu Ehren /
[Fußnote* 1 Satz, gehört zu S.1R Mitte, dort eingefügt unter *-*] /
[1R]
ein kleines Abschiedsfest beschlossen habe. Wollte ich diese Aufmerksamkeit unbeachtet lassen, so würde dieß
sehr undankbar von mir seyn und man würde mir es gewiß sehr übel nehmen. Deßhalb habe ich beschlossen
meine Reise zu Ihnen sogleich nach dem Concert den 13en d. Monats anzutreten. Alsdann könnte ich gleich
ganz bei Ihnen bleiben oder auch wieder einige Tage hierher zurückkehren, wie es Ihnen am liebsten wäre.
Auch möchte ich Sie ersuchen, mir wo möglich diese Woche noch Nachricht zukommen zu lassen über die Art und Weise
unserer Reise nach der Schweiz und ob ich mein Gepäck gleich mitnehmen kann, oder nicht, damit ich mich
gleich darauf einrichten könne.
Sie und Herrn Langethal, so wie überhaupt die ganze Keilhauer Familie, Alt und Jung, herzlich grüßen[d] bleibe
ich Ew. Wohlgeboren ergebenster Fr. Gnüge, Musiklehrer.[”] Das Alter von Gnüge 23 ½ Jahre habe ich wohl schon geschrieben.
Fünftens: Da es nicht möglich seyn wird daß Mathilde v. Schönfeld Hedwig [v.Guttenberg] mit nach Willisau gehen kann, so wird wohl
auch Mathilde v Schönfeld dann hier als ihre besondere Pflegerin, hier zurückbleiben müssen
und so wird auch nach der Frau v. Arnim Gedanken Louise Herrmann Mathilden ersetzen. Auch sie soll sehr
lieb und kindlich seyn. – Siebentens: Daß dagegen auch Ludowika mit nach Willisau geht ist ganz bestimmt und klar. -
Sechstens. Nun endlich zur Hauptsache dieses Briefes. Heut am Morgen hat sich sehr schnell der Gedanke entwik-
kelt wo es nur einigermaßen möglich ist eine Flugreise nach Berlin anzutreten. Die Veranlassung zu diesem
Gedanken liegt wohl einer Tochter von solcher Gesinnung wie sie meine Frau in ihrem rein töchterlichen Herzen trägt sehr
nahe zumal da wir sehr lang und seit der Zeit fast seit ich hier bin keinen Brief aus Berlin erhalten haben. – Heute hat
meine Frau abermals an Malchen geschrieben und dringend mit umgehender Post um einige Zeilen Nachricht gebeten. Es wird
nun wohl alles so eingerichtet werden, daß unmittelbar nach Eingang des Briefes die Reise angetreten werden kann.
Da nun auch Albert [Weimann] zu Ende dieses Monats zur Hochzeit seiner Schwester zu Hause seyn soll, so könnte es vielleicht mög-
lich gemacht werden daß wir drey Meine Frau, ich und Albert die Reise bis Berlin gemeinsam machten.
Schreibe mir nun so schnell Du kannst alle die Notizzen und etwaige Briefchen welche Du für das Ganze und für
mich in Berlin nur immer wichtig hältst; willst Du selbst an B-r [Bauer] schreiben?] da ja nun auch die von seiner Seite zwischen Euch
beyde zur Entscheidung festgesetzte Thatsache eingetreten ist. – Soll ich nicht Nachfrage wegen dem Chemischen Buche halten? -
aber wo? - Den Putzke [Butzke] werde ich von meiner Seite aufsuchen. Fast denke ich B---rn [Bauern] auch, was meinst Du? -
Genug ich erwarte Notizzen deßhalb von Dir, bin ich schon abgereiset ehe sie kommen, so können sie mir nachgeschickt
werden. Wenn nur die Anzeige von Seite des Willisauer Vereines bald einliefe, daß nun alle Bedingungen
zur Eröffnung der Anstalt erfüllt seyn und ich darum zurück kehren möchte pp. Gerne reise ich vor Eingang dieses Dokumentes nicht ab nach Berlin.
Achtens Weil sich nun so die Abreise meiner, meiner Frau und zunächst Ludowikas noch acht Tage länger
als ich Anfangs glaubte verspäten könnte, so habe ich den Gedanken die 3 oder 4 jungen Leute, also Gnüge
Languth, Titus und vielleicht Carl zu Fuß voraus reisen zu lassen wozu sie große Lust haben. Ich meine
aber nicht nach Willisau – sondern nach Wartensee, Du und ihr könntet sie so ein Wenig in das schweizer
Leben einführen und sie könnten es in ein Paar frischen langen Zügen genießen selbst wenn sie nur 4 Tage
früher als ich bey Euch einträfen. Es fragt sich nur daß Ihr und Du die Erlaubniß von Fräulein Salesie be-
kämet ihnen so lang Quartier in Wartensee geben zu dürfen. Und am Ende könntet ihr sie ja auch in Eggers-
wyl oder in Sempach beym Krutzwirth einquartieren. Sonst ließe sich ja auch wohl eine Art Streu mit Betten
machen oder zwey in einem Bette schlafen, was freylich das wenigst Zweckmäßige wäre. Nun ich wollte Dich nur da-
rauf vorbereiten. Ich halte es [für] sehr gut wenn sie auch nur ein Paar Tage in Wartensee lebten und so durch Dich nach
und nach in das ernste, feste, fordernde Willisauer Leben eingeführt würden. Du könntest sie auch schon vor-
her besonders mit Luzern bekannt machen, was wohl für ihre erwartenden Gemüther gut wäre, sie erkennten wohl so
auch zuerst die Nothwendigkeit eines sehr achtsamen, sorglichen, besonder[s] schonend besonnenen Handelns. Die jungen
Leute vor meiner oder unserer aller Ankunft in Willisau, nach Willisau zu führen halte ich nicht für gut, da
ihnen dort leicht eine falsche Stellung gegeben oder sie sich nehmen könnten [*] besonders auch die Stellung welche sie sich zu einem Ganzen geben[*]. Von dem äußerlichen Hervortre-
ten, der Art des äußerlichen Hervortretens des inneren Verhältnisses kommt alles an, so meine ich es z.B.
auch mit der äußerlichen Hervortretung unserer innerlich rein menschlichen Verhältnissen durch und mit
der Bezeichnung durch Du. Das Du hat schlechterdings eine höhere und höchste Bedeutung, dieß geht rein daraus
hervor daß wir zu Gott und zu poetischen Personen Du sagen. Vor Herabziehung dieser Bedeutung muß
man sich aber auf das Höchste hüten. Sieh Barop! In unserem hiesigen Leben welches gleich in seinen ersten
Momenten rein menschlich, rein fromm, rein poetisch war ( mißverstehe diese Ausdrücke ja nicht) – siehe da konnte
sich das Du in seiner höheren Bedeutung eben bis jetzt erhalten ja durchdringen; In Willisau müssen wir diesen
dreyfachen Ausdruck des einen reinen Lebensgeistes erst sichern ja erst fühlen machen; Ohne dieses Durchfühlen
des Geistes sinkt das Du zum Ausdruck einer familiären Brüderschaft. Warum sage ich dieß? – Darum! -
Erfurth ist für mich eine Stadt der höchsten Äußerlichkeit; das Du kann dort nur die hier angedeutete Bedeutung
haben; auch HErr Gnüge kann schwerlich eine andere Bedeutung als die angedeutete des Du unter Nichtverwandten
kennen, darum bitte ich Dich und Ferdinand seyd auch in Beziehung auf dieß neue Glied sorgfältig mit dem Gebrauche
des Du, damit ihr in den Augen der Andern und selbst in den Augen dessen den ihr durch das Du heben wollt nicht
sinkt und das Ganze sinken macht, statt ihn und das Ganze zu heben. Auch Ferdinanden theile Dich darüber mit;
Könntet Ihr so dem neuen Gliede gleich den höhern Geist der auch in Willisau herrschen oder willst Du lieber
wehen und wirken soll, anerkennen machen so ist unglaublich viel gewonnen. Mögen darum, wenn es sich
irgend einmal so machen sollte die jungen Leute ausgelassen froh seyn, gut! aber lasse sie ja das Gemei-
ne und sogenannt Burschikose vermeiden, das Burschikose ist ein furchtbares Gift. – Ich möchte Dir die Worte
Herders die er in seiner Ariadne der Frauenwelt ausspricht zurufen: “Dir vertraue ich mein Heiligstes an
die Pflege der kommenden glücklichen Nachwelt!” pp. Hast Du Gelegenheit dazu so sichere gleich vom ersten Augenblick
eine ruhige, klare, offene, frohe, freudige Stellung der Jünglingswelt, der Jungfrauenwelt gegenüber. Ein
Hauch im Anfang, vernichtet und versetzt oder schafft und bringt Berge zu Hindernissen.
Neuntens nun noch ein Paar wichtige hauswirthschaftliche Bestimmungen, nemlich wegen Bettstellen und Betten. /
[2]
[Zeichnung eines
  Bettgestells mit Maßstab und Maßen]
Die Form der Bettstellen habe ich Dir so wie auch den Rheinländischen Maaßstab schon zurückge-
lassen; da es jedoch seyn könnte daß Du beydes verlegt hättest so folgt beydes hier nochmals.
Es würden also zunächst für die 3 oder 4 mitkommenden Gehülfen und Lehrer Bettstellen nöthig seyn. Ich nehme
sogleich vier an, die Länge jeder dieser Bettstellen wäre im Innern gemessen 5 Fuß 9 Zoll
die Breite gleichfalls im Innern gemessen 2 Fuß 3 Zoll.
die Höhe oder Breite eines Seitenbrettes mit Leiste 9 oder 9 ½ Zoll
die Höhe der Füße im Lichten 8 Zoll
die Höhe des Fuß- und des Kopfbrettes ohne die Füße 1 Fuß 7 Zoll.
Eine zweyte etwas kleinere Bettstelle könnte für Ludowika gemacht werden; die Länge im Innern wäre 5 F. 2 Z.
die Breite 2 Fuß 1 ½ Zoll im Innern; sonst alles wie oben angegeben.
Eine dritte oder auch vierte} dagegen längere Bettstelle als die ersten vier wirst Du für Euch nach Umständen zu besorgen nicht ver-
gessen; Du kennst nun die Personenzahl und die Personen selbst welche ohne Zweifel mit
nach Willisau kommen und so überlasse ich Dir alles aufs Beste zu besorgen. Kämen nur ein Paar Men-
schen so ließe sich die Anfertigung von Bettstellen wohl noch aufschieben, aber bedenke daß wir unser 8-9 sogleich
nach Willisau kommen werden.
Die Bänke sind hier 10 Zoll breit, 18 Zoll hoch. - Die kleinen 4-eckigen Klapptische an welchen, wie ich höre
die Kinder gern schreiben, sind 2 F 6 Zoll hoch.
Nun noch das Wesentlichste erkunde Dich doch bey Herrn Fischer in Sempach dessen Tochter sich wie Du
weißt mit Verfertigung von Bettwerk beschäftigt, was – erstl[ich] RoßhaarMatrazzen das Stück
für die oben angegebene Größe kosten würde - zweitens das Stück Laubmatrazze gleicher Größe
drittens das Stück durchnähete Decken für die Größe dieser Betten. Melde uns dieß sobald Du kannst da-
mit wir darnach uns einrichten ob es gerathen sey, Matrazzen von hier mitzunehmen. Irre ich nicht
so liefert Fischer auch die Federkissen zu dem Bettwerk, schreibe uns doch über alles dieß kurz was die
Preise sind.
Zehntens. Das Wichtigste dünkt mich nun ist nach dem nun gewonnenen Stande der Dinge die
ganz scharfe Festsetzung des §§ 1. - 2c – 4 drittens pp.– im Vertrage d.h. die ganz genaue Bestimmung dessen was
unter Inventarium der Erziehungs- und Lehranstalt zu verstehen sey, und was sonach der Verein nicht
nur laut Vertrag zu stellen, sondern auch zu erhalten hat. Dieser Punkt dünkt mich ist der aller-
wichtigste welcher noch vor meiner Überkunft in der die Schweiz und nach Willisau bestimmt werden muß.
Nach meiner einfachen Meynung gehören hierher: erstlich alles was zum Unterrichten unmittelbar in die
Schulstube gehört: Tische, Stühle, Bänke, Schwarze Tafeln vielleicht nebst Gestellen. - Zähltafeln, bleyerne Tintefässer Tastaturen; ein Clavier
wenigstens, zur eigentlichen Gesangsführung aber ein Fortepiano oder Flügel;
Schränke für die Bücher der Einzelnen, wie in Keilhau in den Lehrstuben; - Betten und Bettstellen
für die Lehrer und Gehülfen. – Bettstellen für die Zöglinge. Die Nacht- und Waschgeschirre für die Zöglinge. -
Wäsch- und Kleider- und Spielwerkschränke. Du weißt daß sie selbst von physikalischen Appara-
te[n] sprachen, so gehören auch angemessene Naturhistorische Sammlungen zunächst eine systematische Mine-
raliensammlung hierher. (Wie weit ist nach München? Dort ist glaub ich jetzt die Leonhardsche Anstalt dafür.)
auch Erd- und Himmelsgloben gehörten hierher. – Du wirst leicht aus dem Stand der Sache ermessen was
gut und nothwendig ist schon jetzt oder eigentlich erst bey der nächsten Versammlung Pfingsten dieses Jahres zu
erwähnen. Der Vertrag spricht ja bestimmt auch von Hausgeräth, also auch Stühlen, Tischen, Kommoden (: die Schweitzer
sagen Cantrum :) Spiegel in die Wohnstuben des Vorstehers, denn das erste einer Lehr- und Erziehungsanstalt
ist doch ihr Führer. – Ich möchte daß sich diese Punkte alle auf dem freundlichsten Punkt ausglichen; der Verein
siehet ja daß ich alle die besten Kräfte eine um auch das Beste und Tüchtigste zu leisten, ja daß ich selbst
zwar im Einklang mit dem Ganzen - aber doch auch um Willisau gleich tüchtig auftreten zu machen -
gar manche leicht nachzuweisende JahresEinnahme von am Ende vielleicht mehr als 1000 Fr[an]ken (wenn Albert
August und Karl mitkommen sollten) von vielleicht 1500 Schweizer Frken entzöge, wenigstens dort mit
mir fürbrächte. Dieß muß Dir bey den Verhandlungen und unserm Interesse kein Kleines Gewicht geben, denn
wir bringen Geistige und Materielle Mittel. Nun Du wirst die Freyheit des Wirkens stets im Auge auch das Materielle Interesse nicht aus dem Auge lassen. -
Müssen nicht auch in mehreren Zimmern Vorhänge bleiben? - Die rothen, die sich so gut zum ganzen Zimmer machen
dächte ich müßten Inventarium seyn.
Endlich und zuletzt lasse doch von Ferdinand, den ich nun wie alle grüße, in seiner beliebten Perlschrift – meine
und Schnieders erste Eingabe bey dem Erziehungsrathe in Luzern wegen Genehmigung zur Ausführung der Erziehungsanstalt –
abschreiben, sie liegt obgleich im Concept doch von Schnyder wie von mir unterschrieben ich glaube vom 31 Jul dadirt
in den Wartensee betreffenden Papieren. – Ich habe Lust alle diese Thatsachen dem Fürsten zu übergeben. Lebt wohl Euer
FrFröbel
[2R]
[Barops Adresse]