Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Wartensee v. 11.2./12.2./14.2.1833 (Keilhau)


F. an Johannes Arnold Barop in Wartensee v. 11.2./12.2./14.2.1833 (Keilhau)
(KN 44,4, Brieforiginal 1 B 4° 4 S. und KN 44,9 Anhang/Zettel 16° 1 S. v. 14.2.1833)

Keilhau, Montags am 11en Tage im Monat der Klarheit 1833.


Barop!
Gott zum Gruß allem zuvor!

Es rücken nun immer mehr die Zeiten der Ausführung, des öffentlichen, offenen Hervor- und Auftre-
tens heran, daß nun auch keine Zeit mehr zu verliehren ist, die Vorbereitungen und die Vorarbeiten
dazu zu liefern. Eine solche Vorarbeit ist mir die öffentliche Anzeige einmal des fortbestehenden Wirkens
Keilhau, dann der Eröffnung der Willisauer Erziehungsanstalt. Die Nothwendigkeit, des nach Umständen
möglichst baldigen Hervortretens dieser Doppelanzeige ist mir so wichtig, daß ich Dir mehr als einen
Bogen langen Brief schreiben müßte, wollte ich Dir entwickelnd alles darlegen, ja nur andeuten. Finde
und entwickele Dir selbst an und aus dem Ausdrucke: - diese Anzeige erscheint mir als der Anschieß-
punkt, das Krystallisationsstäbchen in der jetzigen unbestimmten wogenden Zeit, an und durch
welches vieles zu einer bestimmten klaren festen Gestalt gelangen kann, wo wenn auch jeder als
ein einzelnes, besonderes in sich geschlossenes Ganze dasteht, doch leicht in dieser durch diesen einzigen
Anschießpunkt, diese einzige Gestaltungslinie das zur das Ganze (z.B. der ganzen jetzigen Zeit[)] in allen
seinen Gestaltungen durchgehende einzige Gestaltungs-wirkende Gesetz erkannt werden kann.
Führe Deiner Anschauung zur Klarmachung dessen was ich sagen will nur das Bild eines einzigen aus mehre-
ren, sonderen Einzelheiten bestehenden Bergkrystall vor, wo der Parallelismus, die Gleichlaufen-
heit des Grund- und so das Einigungsgesetze für alle und für jeden einzelnen angiebt. Nun
wirst Du wohl mich verstehen.- Dieses so allgemein in mir Lebende bestimmte mich den[n] auch vor
einigen Tagen mich, im Moment der Einigung dieser Grundempfindungen in und zu einem Gedanken
eine Anzeige für beyde Anstalten an Middendorffen zum Niederschreiben auszusprechen. Nach einer,
während dieser einigen Tage mehrmals wiedergekehrten einzelnen und gemeinsamen Durcharbeitung
ist endlich nachstehnde Anzeige als der klare klare Kern übrig geblieben. Ich eile, sie Dir und
Euch zur weiteren Prüfung auch v und Durcharbeitung auch von Deinem und Euerm Standpunkt hier
vorzulegen; dann aber auch ganz besonders sie dem Willisauer Vereine zur Prüfung und Geneh-
migung mitzutheilen. Folgendes ist nun zu diesem Zwecke diese Anzeige selbst.


Anzeige.

"Die unterzeichneten Erziehungsanstalten zeigen, im Geiste ursprünglicher Einigung und Gemeinsam-
"heit, die eine ihr - unter dem hohen Schutze Hochfürstlicher Regierung zu Rudolstadt seit 1816 - un-
"unterbrochen fortbestehendes Wirken (wieder oder weiter) für das nächstkünftige Sommerhalbjahr,
"und die andere - von Wartensee nach Willisau verlegt, - in ihrem äußeren Bestehen durch einen
"Verein von Familienvätern sicher gegründet und von der hohen Kantonsregierung zu Luzern genehmi-
"get - ihre Eröffnung als Willisauer Erziehungsanstalt "für die Jugend des Kantons Luzern
"wie der übrigen Schweiz und des Auslandes" auf nächstkünftige Ostern hiermit an.
"In Rücksicht auf den Geist und Zweck nun, sich auf ihre bisherigen Anzeigen, Anzeigeschriften und vielfach
"öffentlich mitgetheilten Lehr- und Unterrichtspläne beziehend, sprechen sie in Übereinstimmung mit denselben
"aus, daß zur Erreichung dieses Zweckes in ihnen drey Abtheilungen oder Stufen bestehen.
"Die erste begreift in Bezug auf Erziehung das Alter bis zum 10en Jahre oder auch, wenn bey dem Unter-
"richten nur die Ausbildung für die einfachen bürgerlichen Gewerbe als künftiger Lebensberuf festgehalten
"wird das noch weitere Erziehungs- und Unterrichtsfähige Alter in sich;
"Die zweyte das Erziehungsalter bis und mit dem 12en Jahre oder in Beziehung auf Unterricht, die
"Ausbildung zum höheren Geschäftsleben, wie vorhin bestimmt, auch über dieses Alter hinauf;
"Die dritte Stufe endlich begreift als Erziehung das Alter über 12 Jahre, wenn der Unterricht
"zugleich die Vorbildung für die höhere Kunst und Wissenschaft, letztere bis zur Universitätsreife
"beabsichtigt.
"Der Unterricht ist auf den verschiedenen Stufen hinsichtlich des Umfangs ihrem gesetzten Ziele entsprechend,
"indem die classischen Sprachen für die letzte Stufe und die lebenden (:die deutsche, französische, italianische und englische:) für die zweyte Stufe vorwalten, so
"daß also jeder Zögling auf seiner Stufe, für seinen Beruf vollständig vorgebildet austreten kann.
"Dem uns vielseitig ausgesprochenem Wunsche zu genügen, fügen wir hier zugleich für die verschiedenen
"Stufen in den beyden Erziehungsanstalten die Angaben der jährlichen Erziehungsgelder bey.
"Erstlich in Keilhau für die erste Stufe 100 Rthlr. sächsisch. Conv. für die zweyte Stufe 150. Rthlr. sächsisch. Conv.
"für die dritte Stufe 200 Rthlr. sächsisch. Conv:
"Zweytens für die Willisauer Erziehungsanstalt, entsprechend den Localverhältnissen und der Gesammt-
"stellungen dieser Anstalt, für die erste Stufe 22 Carolin, für die zweyte Stufe 30 Carolin und für die dritte
"Stufe 40 Carolin.
"Über das Nähere geben die unterzeichneten Erziehungsanstalten denjenigen Eltern und Vormündern,
"welche für ihre Kinder u. Pflegebefohlenen eine mit dem Geiste der Erziehungs- und Lehrweise
"und dem Zwecke dieser Anstalten in Übereinstimmung stehende Erziehung suchen, auf portofreye
"Anfragen die weitere und ins Einzelne gehende Auskunft.
"Keilhau in Thüringen und Willisau im Kanton Luzern im Monat März 1833.
"Die allgemeine Deutsche Erziehung[s]anstalt in Keilhau (bey Rudolstadt) und
"die Willisauer Erziehungsanstalt im Kanton Luzern.
"Der gemein Friedrich same Vorsteher beyder:
         Friedrich WAFröbel
    (gegenwärtig in Willisau)
"und während der wechselzeitigen Abwesenheit desselben die gemeinsamen Führer der ersteren
         H. Langethal, W. Middendorff, J. Barop.["] /
[1R]
Mit dieser Anzeige sowohl in Hinsicht auf Inhalt als Form ist hier alles, sind hier alle die darüber eine Stimme haben können
nicht nur ausgleichend, sondern aus eigener innere Überzeugung und Gefühl und so völliger Beystimmung einverstanden.
Du wirst nun wohl so gut seyn und uns einmal noch Deine und Euere Ansicht davon mittheilen, besonders
aber sie deutlich abgeschrieben dem Vereine oder dessen Ausschusse auch zur Prüfung vorlegen, und uns dann
nicht nur im Allgemeinen Euere und ihre besondere Meinung mittheilen sondern uns nach Einigung der-
selben eine neu angefertigte Anzeige überschicken. Ich bitte aber alles so zumachen, daß dann die
weiteren Berathungen leicht abgemacht werden können. Übrigens mußt Du bey Deiner Stellung und bey
ihren Erörterungen ganz fest halten, daß das eigentlich Pädagogische ganz in unserer Hand steht und so auch
der Verkehr deßhalb mit dem Publikum, wenn nur dasselbe, das heißt unser Verkehren dem Bestehen
und der Fortentwickelung Willisau, wobey wir ja selbst am meisten interessirt sind oder auch dem Verein
- was ja ebenfalls in unserem Interesse li[e]gt - kein Nachtheil dadurch geschehe. Nun meyne aber nicht nur
ich, sondern wir alle daß dieß durch diese Anzeige nicht nur nicht der Fall sey, sondern daß in den wenigen
Worten, theils wo des Vereines als theils auch der sonstigen schweizerischen Verhältnissen Erwähnung geschiehet, dieß nur
auf eine für sie ehrenvolle Weise geschehe - so z.B. (dieß bemerke ich aber zunächst nur für
Dich) [da, ] wo eine monarchisch souveraine und eine demokratisch souveraine Regierung hier in wahren freund-
schaftlich[em] Einverständniß zur Schützung eines gemeinsamen rein menschlichen erscheinen; eben so wo eine
protestantische Gemeinsamheit (Wir) nur [sc.: und] eine catholische (der Verein) ebenso in brüderlicher Eintracht
nicht nur nebeneinander sondern in inniger Einigung zur Förderung des rein menschlichen dastehen.-
Barop! viel geht für die Denkenden in der Gegenwart aus diesem Zukunft und Dokument hervor was
so trocken und gleichsam so steinern da steht.
Der Beysatz wörtlich aus dem von dem Luzern: gr. Rath der hohen Cantons Regierung genehmigten Vertrage
genommen "für die Jugend des Cantons Luzern, wie der übrigen Schweiz und des Auslandes" halte ich eben-
falls für alle sehr wichtig erstlich ist es ein Dokument, ja wie eine Frucht ja einen Talismann des Friedens[.]
Diesen einigenden Punkt der Schweiz - eigentlich wirklich der einzige den sie in rein moralischer Hinsicht
ich wollte sagen außer ihrer Geschichte - ich kann aber sagen wirklich haben, sollten die Schweizer in Gold schreiben lassen.
Aber auch diesen Männer Verein ist er auf das höchste l ehrenvoll und giebt ihnen
wegen des sich darin ausgesprochnen allgemeinsinnigen - einen bleibenden Namen in der Bildungsgeschichte
der Schweiz.
Überhaupt ist die Thatsache, welche ich in einem der vorigen Briefe schon anders aussprach, hinsichtlich auf die Bil-
dungsgeschichte des Menschengeschlechtes höchst wichtig - daß die ausübende Bildung Erziehung nun zwar
für einen so klar erkannten als klar nachweislichen menschenwürdigen Zweck eine Gemeinsamheit
erfahrener und einsichtiger Familienväter zu einer Gesamtheit ergreift - Barop denke dießes
durch - reihe zunächst daran nur den Gedanken von Ferdinand Weißer Vater und früher Teskes - und
nimm auf einen Augenblick an, daß dieses im Lande deutscher Zunge nach und nach Fortent-
wickelung gewinne, und siehe dann was dadurch erreicht werden könnte und vergleiche dieß mit alle dem
wornach dieses Land wenn auch zuerst nur im Einzelnen seit 50 bis 60 Jahre[n] oder willst Du die mehr allgemeine Stimme seit diesem
Jahrhunderte strebte, ja gehe über dieses Land und diese
Zeit in vergangenen Jahrhunderte und auf ganze Festlande hin - und siehe dann wie Ahnung und
Forderung und Leistung und Wirklichkeit sich entsprechen. Hoffentlich werdet ihr nun immer mehr die
Wichtigkeit der Erfassung des kleinen und des Augenblick[s] und die Einigung der verschiedenen Lebensrich-
tungen in Einem Lebenspunkte, einsehen; aber auch einsehen was aus einem solchen Erfassen und
Handeln für ganze Gesamtheiten in Gegenwart und Zukunft für Heilbringende und Seegensreiche Wir-
kungen hervorgehen können.-
Ich halte dafür daß diese Anzeige, wenn nicht wesentliche Gründe dagegen aufgestellt werden können, - so in dem
besonders in Norddeutschland viel gelesenen Allgemeinen Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen, wohin es eigentlich schon
als Actenstück deutscher Erziehung gehört, abgedruckt werde - im Rudolstädter Wochenblatt - in der Isis von Oken, welche
ja auch so ziemlich alle Actenstücke unserer Bestrebungen enthält, auch besonders unter den Gebildeten weit verbreitet ist
unter den Gebildeten, welche schon ihres Studiums und Lebensberufes das Naturgetreue auch in Erziehung und Unterricht selbst
in der Behandlung der Sprachen aufsuchen müssen, - und wirklich aufsuchen, wovon ich einen sehr sprechenden Beweis auf meiner
Reise von Fr[an]kfurt nach Gotha erhielt.- Die Allgemeine Zeitung wurde zur allgemeinen Verbreitung schon immer als das allge-
meinste Blatt erkannt.- Ob für die Schweizerzeitungen, namentlich für das Luzerner Intelligenzblatt, die Anzeige
eine andere Form haben müßten, will ich Euer aller Ermessen anheim stellen; es kann dieß recht gut geschehen,
vielleicht könnte dann doch ohnegeachtet jener Luzernerischen Anzeige gleichsam für den Kanton; doch die hier vor-
geschlagene für die allgemeine Schweiz in der Neuen Argauer Zeitung, gewiß unentgeldlich aufgenommen werden.
Alles dieß nun Dir und Euch zur ferneren Prüfung anheim gestellt.
*

Dienstag am 12en. Soweit war gestern dieser Brief an Dich fertig, er erwartete zum völligen Abschluß nur die Ankunft
Deines Briefes - welche zeither [sc.: seither] in der Regel Mondtags Nachmittag zwischen 4 und 6 hier ankommen - um wenn es
nöthig wäre, als Antwort darauf sogleich noch einige Zeilen hinzuzufügen. Doch Dein Brief war so gewichtig,
daß sich nicht gleich eine Antwort darauf in wenige Zeilen zusammenpressen ließ.- Wie nun auch alles sich
noch ferner entwickeln wird, so bleibt es in der innern Geschichte des Ganzen immer merkwürdig, daß auch
hier und von hieraus, wozu dieser Brief sogleich das entgegenkommende, entsprechende Dokument in sich
enthält alles Äußere bis zur Eröffnung völlig abgeschlossen war und ist.
Aber noch ein Anderes, welches das Naturgesetzliche der innern Entwickelung des Ganzen zeigt, davon zeugt und
deßhalb wichtig ist, das ist dieses: - Ich habe schon früher auf die Erscheinung an den Bäumen so auch zunächst gleich
an den Rosensträuchen aufmerksam gemacht, daß wie die eine Knospe bis zu einem gewissen Punkt äußer-
lich entwickelt ist, sogleich schon wieder eine neue Knospe zur weiteren Fortentwickelung wenn auch
nur in der Andeutung erscheint. Bey den Rosen veredelt man ja sogar schon mit dieser zweyten Kno um
Johanni sichtbar hervortretenden Knospe schon.- Schon in früheren Briefen, aus der Schweiz hierher, deutete ich an, wo /
[2]
sich dieses Naturgesetz auch in unseren, besonders in meinem Leben ausspreche, und Du hast in meinem vorigen Brief auch
schon den Beweis dafür in Händen, wovon ich Dir hier nur noch, ehe [ich] zur eigentlichen Beantwortung Deines Brie-
fes gehe, für die weitere Entwickelung vorlegen will.
Albert Weimanns jetzige Reise nach Hause, das gesammte Stehen der Posener (:so will ich alle Eltern im Großherzogtum
Posen nennen; welche uns ihre Söhne zur Erziehung anvertraut haben:) - zu uns - die Nothwendigkeit, daß sie
um ihrer selbst willen gerade jetzt fordernd für Keilhau wirken müssen, ihnen diese Nothwendigkeit zu
zeigen, wenigstens ahnbar zu machen, dieß bestimmte mich sogleich den Gedanken Dir schon mitgetheilten
Gedanken von Weißer, Ferdinands Vater sogleich aufzunehmen und ihn [sc.: ihm] deßhalb durch Langethal schreiben
zu lassen.- Hier ist dieser Brief. "Herrn Weißer in Chodzesen, Papierfabrik:) Keilh[.] den 10en Febr. 1833.
Erstlich wegen Ferdinands Weihnachtsgeschenken. Weiter heißt es wörtlich:
"Ihr u. des Herrn Teske offenes Vertrauen mit welchem sie Ihr Bedenken wegen der Erz. Anstalt in Keilhau (:hinsichtlich ihres Fort-
"bestehens nach Errichtung einer neuen Tochteranstalt in der Schweiz:) aussprechen, hat uns sehr erfreuet. Wie gut
"wäre es, wenn jedes Bedenken, ja jeder Zweifel durch offenes männliches Vertrauen sich uns ausspräche!- Freu-
"dig erfüllen wir darum unsere Pflicht, die Sache, wie sie ist, Ihnen, den sorgenden Vätern, den vertrauenden Män-
"nern auszusprechen.- Die allgem. d. Erz: Anst. ist die Mutteranstalt für die Willisauer Erz: Anst: und hat
"die Bestimmung es zu bleiben. Alle Lehrer in derselben sollen möglichst in Keilh. vorgebildet werden, oder doch
"möglichst eine Zeitlang in K. leben. Hieraus schon, abgesehen davon, was die allgem. d. Erz. Anstalt an sich
"fordert, wird Ihnen hervorgehen, daß es uns allen, wie insbesondere He. Fröbel angelegentlichste Sorge seyn
"und bleiben muß nicht nur Keilhau in dem jetzigen Stande seiner Leistungen zu erhalten, sondern vielmehr diesen
"aus allen Kräften zu erhöhen, damit Keilhau dem von uns gesetzten Ziele immer vollkommener entspreche.
"Sorgend möge jedes Blick sich nach Keilhau zurück wenden, der mit ihm in Verbindung stand!-
"In Ihrer geehrten Zuschrift sprachen Sie zugleich aus bey Erwähnung der von Wa[r]tensee nach Willisau verlegten und dort
"durch einen Verein von Familienväter welche das Bedürfniß der Erziehung ihrer Kinder tief empfinden, gegründeten Erz[.] An[.]
"den Gedanken aus, wenn wie auch in Ihrer Gegend die Errichtung einer solchen Erziehungs Anstalt gewünscht wird. Sie
"sagen: ""Auch hier wird das Bedürfniß einer guten Erz: Anstalt gewiß empfunden, die Abhilfe dieses Bedürf-
"nisses liegt aber hier an dem gänzlichen Mangel guter Pädagogen. Ein einziger tüchtiger Mann würde viel-
"leicht diesem Mangel abhelfen können, und sich dadurch den Dank vieler Familienväter verdienen."" Ein
"solcher Gedanke wenn auch in seiner ersten Veranlassung nur ganz zufällig ausgesprochen, konnte an uns
"nicht unbeachtet vorüber gehen, da ja das jetzt so freudig vor uns aufblühende, als in sich tief begründete Wil-
"lisauer Unternehmen, einen eben solchen Gedanken sein Daseyn verdankt. Herrn Fröbel mußte er insbesondere
"näher treten, da er in der Mitte dieses neuen Wirkens steht, und ihm deßhalb das Ganze seiner innern Wechsel-
"beziehung nach klar vorliegt und da er, dem Geiste seines Wirkens gemäß, allen, das Bedürfniß einer
"durchgreifenden tüchtigen Erziehung für ihre Kinder fühlenden Eltern, auch die Mittel zur Befriedigung dieses Bedürfnisses darzu[-]
"reichen strebt. Er thut Ihnen deßhalb den Vorschlag, wenn es Ihnen anders mit Ausführung die-
"ses Gedankens irgend Ernst ist, sich deswegen mit Herrn Teske, der schon früher einen ähnlichen Gedanken
"Herrn Fröbel ausgesprochen, über die äußeren Mittel der Ausführung dieses Gedankens gemeinsam zu bera-
"then. Da solchen Unternehmungen, wenn sie auf rechtem Grund erbauet und Ausgezeichnetes dadurch erreicht
"werden soll, immer eine längere Zeit bis zum Beginn ihrer Verwirklichung bedürfen, (:weil sie, je gründlicher
"sie sind, und je Ausgezeichneteres erreicht werden soll, um so mehr mit Hindernissen zu kämpfen haben:) wel-
"ches an der jetzt zu Ostern erst eröffnet werdenden Schweizeranstalt deutlich hervortritt, indem sie bey
"einem Zusammentreffen der günstigsten Verhältnisse und Umstände, dennoch gegen 2 Jahre von dem,
"Ihrem geäußerten Gedanken ähnlichen Keime, bis zu der jetzigen Stufe der Reife ihres öffentlichen
"Hervortretens nöthig hatte; so wäre es wohl sehr der Sache entsprechend, wenn Sie nach gemeinsamer
"Berathung vielleicht (:wie es in Willisau auch der Fall war, wo der Gedanke auch nur von zweyen Begann [sc.: begann]
"und die Ausführung endlich die angesehensten Bewohner der Stadt und Umgegend umfaßte:) - mit mehreren
"Familienvätern zu einem bestimmten Ergebnis namentlich, in Beziehung auf das Örtliche und die äußeren
"Mittel, wodurch das Ganze auszuführen wäre, gekommen wären, sich dann unmittelbar an Herrn Fröbel
"wendeten. Herr Fr. deutet Ihnen in dieser Beziehung an, was Ihnen auch wohl schon aus dem Ganzen vorschwe-
"ben wird, daß, wenn eine solche Anstalt wirklich auch in der Nähe einer Stadt oder irgend eines Ortes ausgeführt
"werden sollte, dieß immer so geschehen müßte, daß das Erziehungslocale mehr außerhalb der Stadt und fast
"auf dem Lande, umgeben von dem zu einem solchen Erziehungszwecke nöthigen Grund und Boden statt finden müßte.
"Es wird nun ganz von Ihnen abhängen, ob Sie diesen Gedanken ganz fallen lassen wollen, oder ob Sie sich deßhalb
"vorausgesetzt, daß Sie die Ausführung desselben von Herrn Fröbel und den mit ihm geeinten Kräften
"wünschen, an denselben wenden wollen. Dieses könnte dann entweder durch Keilhau vermittelt geschehen - (:wo
"Fröbel noch bis Mitte März verweilen wird: - oder unmittelbar nach Willisau in der Schweiz im Kanton Luzern.
"Genehmigen Sie die hochachtenden Grüße von uns allen, und insbesonders von He. F. mit [we]lchen wir uns unterzeichnen.["]
Ich wüßte nun eigentlich zu dieser Thatsache nichts mehr hinzu zu setzen was Du Dir nicht selber sagen könntest. Fändest Du
irgend einmal in Dir Grund von diesem Gedanken der Posener Gebrauch in Willisau zu machen, so steht es Dir gewiß so
nahe wie mir, daß sich derselbe auch auf eigene Sacherfahrung und Sachprüfung an den Zöglingen der Anstalt gründet.
Uns Barop! zeigt diese rechtzeitige Gedankenäußerung Weißers wenigstens - daß der Vorsehung noch Wege
und Mittel genug offen stehen, uns auch das Äußere zu geben wenn wir nur das Innere und den Geist
recht fest halten und so möge mir denn dieß den Übergang zur eigentlichen Beantwortung Deines Briefes
machen. Ja! rein und klar muß die Sache hingestellt und festgehalten werden, als Du sie sogleich als
sie bey Wechslern wankte, festhieltest, und als sie unser ehrenfester Herr Regierrath Hecht festhielt[.]
Dieser Mann ist mir dadurch noch lieber geworden als er mir wegen seiner trockenen Rechtlichkeit schon war
und er wird mir hochachtbar werden wenn er bey diesem Geiste festhält. Versichere ihm und seiner Gattin
meinen achtenden Gruß und seinen Kindern sage meinen freundlichen. Wenn sie nun mir einen katholischen Mitvor-
steher geben wollten - wogegen ich gewiß nichts gehabt hätte, - wenn es sich von selbst gleich Anfangs so /
[2R]
durch die Sache selbst gemacht hätte, wie ich nicht dagegen war einen katholischen Mitlehrer und somit
natürlich auch Miterzieher zu haben (:ob er mir gleich meine Toleranz und mehr als dieß meinen rein mensch-
lichen Allgemeinsinn schlecht gedankt hat:) - und wie ich nichts dagegen hatte, es mir im Gegentheil sehr
lieb für das Luzerner Verhältniß war, daß sich das Ganze dort durch und mit einem katholischen Mitvorsteher
ja Mitstifter herauf und ausbildete. Aber jetzt möchte man leicht unseren so reinen als
uneigennützigen Zweck verdächtigen selbst wenn der Mitstifter und Mitvorsteher der Wartenseer Anstalt,
auch wenn auch nicht Mitstifter doch Mitvorsteher der WillisauerErziehungsanstalt würde. Und wer weiß am Ende
doch ob alle die jetzt für die Willisauer Erziehungsanstalt sind z.B. gar manche Luzerner
und Surseer dann damit zufrieden wären. Darum denke ich wir wollen auch allein tragen was Gott allein
auf unsere Schultern gelegt hat und was würde dann auch das Katholischseyn des Mitvorstehers uns und der
Anstalt helfen wenn man - was ja immer möglich wäre - seinen das Rechtgläubige seines Katholicismus ver-
dächtigte - und sind denn nicht die Männer des Willisauer Vereines in einer gewissen Beziehung, wie sie
Begründer der Anstalt sind, auch Mitvorsteher derselben, da ja das Bestehen immer in ihrer Hand liegt?-
Also von der einen Seite der Betrachtung wollen wir lieber das Ganze - was wir ja nicht gesucht haben, sondern
uns gegeben oder von uns gewünscht worden ist (dieß gieb Ihnen Barop doch klar hin) - ganz schwinden lassen
als Trübung und Zweydeutigkeit hineinbringen; auf der anderen Seite wollen wir lieber das Schwierigere
auf unsere eigenen Schultern, d.h. auf die Kraft nehmen die uns Gott dafür gab, denn die Schwierigkeiten
lösen sich dann auch reiner.
Aber nun Barop! ein sehr ernstes Wort, was denkst Du nun eigentlich wirklich über die Zeit und Art
meiner Überkunft nach der Schweiz. Hinsichtlich auf die Zeit, so glaube ich könnte es mir die Lösung
der Streitigkeit und die Ausgleichung der Partheyen in die Länge ziehen wenn ich auch nur um einen Tag
zu früh nach Luzern, Wartensee, oder Willisau zurück käme. Mich dünkt ich müßte nun ganz be-
sonders fest darauf stehen, daß alles ganz beseitigt seyn muß ehe ich nach Willisau käme, ja nur nach
Luzern. Ja, es scheint mir ganz unerläßlich nothwendig, daß ehe ein weiterer bestimmter Schritt von meiner
Seite zur Überkunft nach Willisau geschehen könne erstlich die Wirkung der beabsichtigten Petition von
welcher Du wiederholt uns schreibst - dann vor allem das Benehmen und die Stellung der Regierung bey
diesen Umtrieben klar und bestimmt vorliegen müsse. Dieses das Benehmen und die Stellung der Regierung und
der Behörden dann der sich für die Unternehmung ausgesprochenen, muß entscheidend seyn, ist hier Schwäche
nach einer Seite hin, so glaube ich Barop ist es am besten wir blasen den Staub von den Füßen. Erwar-
ten sie, bedürfen sie zur Bestehung des Kampfes Kraft von uns, so würden sie uns auch bey vielfacher
Erhöhung unserer Kraft doch als Masse erdrücken, erdrücken durch die Forderungen die uns sie an uns wür-
den zu machen glauben müssen um uns um das Ganze um sich zu erhalten, und so würde das Ganze
eines schmählichen Erstickungstod[es] sterben.
Was nun die Art meines Überkommens betrifft: ich meine nemlich ob es vielleicht gerathener wäre
erst allein, d.h. ohne meine Frau und unsere Pflegetochter vielleicht Töchter zu kommen; dort so ein Vier-
teljahr zu arbeiten und zu sehen, ob sich durch die Leistungen und das Leben die Gemüther beruhigen
und dann erst meine Frau und Pflegetöchter nachzubringen. Freylich scheint dann ein wesentliches Element
der Ausgleichung wie mir es erscheint verlohren zu gehen, nemlich die Ausbildung unserer Schülerinnen
auch für ihre weiblichen und häuslichen Kreise. Darum muß alles wohl erwogen werden.
Wichtig scheint mir nun auch in dieser Beziehung wieder der Brief von Lehmann an Dich zu seyn.
Wie erschien er Dir als Mensch? - als Erzieher? - als Lehrer der französischen Sprache? - kann er wohl auch etwas Italienisch?- Wie meynst
Du daß er zu mir und unserm ganzen Kreis wie Du nun siehest daß er sich bilden könnte - stehen
würde? - Ist er lange schon verheyrathet? - hat er Kinder? - in welchem Fache könnte seine Frau
Lehrerin werden?- Du weißt wie sich gleich vom ersten Anfange an alles zur Förderung der weiblichen Erziehung hindrängte
vielleicht wäre nun dieses Anerbieten ein Entgegenkommen dieser Forderung zu genügen. Auf jeden
Fall ist es auch ein sehr glückliches Zusammentreffen, daß Lehmann in Stuttgardt wohnt, über welchen Ort ich nun
umso mehr meine oder unsere Reise über Stuttgard nehmen wenn ich anders überhaupt noch nach Willi-
sau zurück kehren werde. Ob Du nun überhaupt weiter in Lehmanns Gedanken eingehen und ihm von
meiner möglichen Durchreise durch Stuttgard benachrichtigen willst hängt von Dir ab.- Du siehest wenigstens
auch von dieser Seite wieder, wie uns die Vorsehung in den Stand setzen, wenigstens die Mittel zeigen will
auch den äußeren Unterrichtsforderungen an uns zu genügen.- Du siehest daraus, Ihr beyde könnt daraus sehen wie so
sehr recht ich habe auf die kleinsten, scheinbaren Zufälligkeiten des Lebens zu achten und wie es sich am Ende zeigt
daß sie doch Fäden zu einem einzigen großen Gewebe werden können. Also fortdauernd Barop! Achtsam-
keit, Gottvertrauen und Festhalten [an] der Einigung und Einheit u.s.w.- Hast Du Herrn Lehmann schon die Ent-
scheidung des Großen Rathes mitgetheilt?- Hat Schwartz aus Frankfurt Dir wieder geantwortet?- Von der
Stelle in Schnyders Brief "Daß eine Erziehungs- und Lehrweise die wie die unsere auch dessen Land- und Landsleu-
te wahrhaft frey["] machen würde, wirst Du gewiss den besten Gebrauch machen und gemacht haben.
Mein Barop! Achte doch auf alles was uns und mir Nachtheiliges geschiehet, müssen es nachher die Menschen nicht
doppelt und mehrfach mir vergütigen, und was sie mir nehmen müßen sie es mir und
uns nicht doppelt und mehrfach ersetzen, sind diese wenigen Worte in Schn: Brief nicht mehr werth
als sein uns dargebothenes Äußere, können sie es nicht wenigstens bey gutem Gebrauche werden?-
Wenn sich die Umtriebe vermehren willst Du nicht etwa einmal zu Ed. Pfyffer oder zum Abbé
Girard
gehen und sehen wie sich diese dabey benehmen?- Was über diese Umtriebe in dem Eidsgenossen
nunmehr wohl gekommen seyn wird, theile uns doch ja mit. Warum ha[b]t Ihr uns den vorigen Auf-
satz darin, der doch auch schon sich darauf bezog nicht ganz mitgetheilt?- Nochmals ich erwarte von
Dir wegen der Zeit und der Art meiner Überkunft nach der Schweiz nach Rücksprache mit dem Vereine
Deine bestimmte Meyung; Ich hoffe auch der Verein wird schon an und für sich mich nicht rufen, ohne der Durch-
führung
der Sache, so weit möglich ist, gewiß zu seyn. Noch steht unsere Reise nach Berlin für den 18en Febr: fest.
Lebt wohl Euer u Dein FrFr.

[Nachschriften auf den Rändern von 2R / 1V:]
Ein Wort noch wegen der Heymathscheine für die Lehrer. Sage ihnen: in meinem Decret zur Errichtung der K--Erziehungs Anst: bekämen meine Lehrer gleich Staatsbürgerliche Rechte mit
mir, d.h. ich als Vorsteher werde gleichsam als Vater betrachtet sie als Söhne, so daß ich in einer gewissen Beziehung für sie einstehe.- Die Paßverlängerung halte ich für hinlänglich
<nur> in der Zeit der schwierigsten politischen deutschen Verhältnisse, wurde ich aufgefordert die neuen Lehrer bey der Behörde anzuzeigen.- /
[1V]
In der am 26en d. M. Statt findenden Auction
sollte eigentlich der Verein
laut Contract, mehreres zu erstehen
suchen namentlich Tische, Stühle, Commoden
Schränke; wenn der Verein anders glaubt,
daß die Anstalt noch ins Leben treten kann.
Schreibe bald. Von allen an Euch Grüße. FrFr

[]
[Zettel]
Keilhau am 14n Tage des M. d. Kl. Daß mein Brief geschlossen
war ehe Dein Brief in unser Leben eintrat brauche ich Dir
wohl kaum zu sagen, da es aus meinem Briefe wohl sattsam
hervorgeht. – Doch das Wesentliche diese Anhangszeilen ist:
Emilie hat mir erlaubt, Dich Barop! von ihr zu grüßen;
doch wie soll ich dieß innig, wahr und schön genug um
ihr zu genügen thun? – wie und wodurch anders als
daß ich Dir sage, wie so innig Sie Dein Brief gbeglückt
hat. - - - Heut hat eine Waschzeit begonnen, Du
weißt daß da fast 14 Tage, alle weiblichen Glieder,
besonders Emilien angestrengte Arbeit erwarten,
dieß damit Du Dir deuten kannst, wenn Du vielleicht
keine briefliche Antwort auf Deinen Brief bekommst;
doch dieß ist nur meine Ansicht. Sey Gott auf das innigste
befohlen. Immer derselbe FrFr.