Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 24.2.1833 (Berlin)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 24.2.1833 (Berlin)
(KN 44,5, Brieforiginal 1 B 8° 4 S. Der Brief wurde wohl zusammen mit dem an Emilie Barop v. selben Tag nach Keilhau geschickt.)

Berlin am 24en Februar. 1833.


Euch insgemein
Gott zum Gruß allem zuvor!


Da Ihr doch gern Nachricht von unserer Reise zu haben
wünschen werdet, eile ich Euch solche durch Schrickel zu
geben; da derselbe sogleich von hier aus nach Rudolstadt
zurück kehren wird.- Gestern Sonnabends gegen 11 Uhr
Vormittags kamen wir hier an; also um ½ Tag später
als wir in Keilhau gerechnet hatten; der Grund dieser
Verspätung war, daß schon bey Naumburg die Wege
sehr schlecht waren; dennoch würden wir wohl noch Frey[-]
tag Abends hier eingetroffen seyn, wenn nicht an
diesem Tage frühe <unterwegt> [sc.: unentwegt] geregnet und geschneit
hätte, wodurch die Wege sehr schlecht wurden, und be-
sonders der Schnee sich um die Räder und unter den
Hufen der Pferde geballet hätte; so aber mußten
wir uns in die unangenehme Nothwendigkeit
fügen, in Potsdam zu übernachten.
In Berlin haben wir hier im Hause alles auf das
gesündeste und wohleste zu gegenseitiger hoher
Freude getroffen. Die beyden verehrten Mütter sind
noch ganz so frisch und freundlich wie sie in Keilhau
waren, obgleich die liebe Tante, was denkt Ihr wohl?
schon 82½ Jahr alt ist. Die l. Mutter ein Paar Jahre jünger[.] /
[1R]
Ernestine ist Freytags früh 6 Uhr aus Witten-
berg mit besonderem Miethwagen nach Torgau
gefahren. Das schlechte Wetter und die Entfernung
lieber Langethal hat die Rechnung bedeutend anders
gemacht als wir in Keilhau; doch hoffe ich wenig-
stens daß Ernestine Freytags noch bey guter
Zeit und gut in Torgau angekommen seyn wird.
Ihr werdet nun wohl schon deßhalb Nachricht von
ihr haben.- Wie wir übrigens Ernestine wieder
mit nach Keilhau nehmen wollen ist eine Aufgabe die ich noch
nicht zu lösen weiß, weil die Reise über
Torgau wegen des Durchgangs durch Sachsen
manche Schwiergkeit hat, wenn uns z.B. Fr. Dr.
Heß Manches zu Kleidungsstücken für Ludowika mit
geben sollte. Das Beste wird daher immer bleiben sie
wieder nach Wittenberg kommen zu lassen.
In Wittenberg trafen wir den Georg Luther sehr
glücklich
; seine Berufung zum 4en Diaconus in Witten[-]
berg und zugleich Pfarrer von vielen Landgemeinden
mit ohngefähr 5 bis 600 Thlr. Jahreseinnahme ist
nach Manchem sehr Widrigen so gut als gewiß[.]
In Zeit von 4 Wochen sieht er - denn das Examen in
Magdeburg ist mit der 2en Stufe: gut; - beendigt -
der Ordinazion zu dieser Stelle entgegen. Er läßt alle
grüßen.- Vor 4 Wochen war er auf fast 14 Tage in /
[2]
Berlin wo er bey Bauer gewohnt hat.- Auch diesem
geht es wie mir Georg sagte sehr wohl, er ist jetzt
ordinarius in Quarta pp. pp. und soll eine Jahreinnahme
haben, die ihn jeder Sorge enthebt.- Heute Morgen wa-
ren wir bey Fr. Dr. Heß deren ganze Familie wir
sahen, sie war noch leidend, doch nicht eigentlich krank.
Alle nahmen an Ludowikens Wohl herzlichen Antheil[.]
- Unsere Abreise von hier ist bis jetzt noch auf den
Mondtag in 8 Tagen, den 4en März festgelegt. Wäre
es doch nur möglich gewesen daß ich vorher noch
Briefe mit bestimmten Nachrichten aus der Schweiz
von Euch erhalten könnte.
Es ist mir hier schon manche recht hübsche Handarbeit
gezeigt worden von welcher ich wohl gewünscht hätte
daß meine liebe Keilhauer Jugend sie zugleich mit
mir hätte sehen können. Ich grüße Euch Ihr lieben
Kinder, theuere Söhne und Töchter in Gemeinsamheit
mit der lieben Mutter recht herzlich. Letztere
hat während der Reise im Gespräche Euer aller
mit mütterlicher Sorgfalt gedacht.- Ich hörte
auch auf dieser Reise wieder viel über Kinder- und Jugend-
pflege, aber das Ergebniß ist war auch hier, daß Ihr
lieben Söhne und Töchter Euch wohl durch Fleiß und Folgsam-
keit dankbar gegen die Vorsehung beweisen, die Euch in
ein Verhältniß brachte, wo auch Euer eigenes Jugendleben so /
[2R]
eingehend pflegend beachtet wird. Du lieber Christian
Friedrich solltest besonders recht fleißig und acht-
sam seyn, damit Du eben so froh in die Zukunft sehen
könnest als Du jetzt gern froh bist, denn auch hier
sind wir gefragt worden ob Du noch der alte Flücht-
ling seyest.-
Nun lebt alle, alle recht wohl. Acht Tage nach
Empfang dieses Briefes hoffe ich, so Gott will,
gesund wieder bey Euch zu seyn.
In Liebe und Treue stets der Euere

Friedrich Fröbel.

Tausend, tausend Grüße von Eurer auch in der Ferne
stets sorgsamen Mutter, sie bittet sehr den Wil-
helm zu schonen wenn er noch nicht ganz herge-
stellt seyn sollte, den Christian Friedrich ruft sie be-
sonders auch Achtsamkeit auf sich und Folgsamkeit zu.
Ganz namentlich grüßt sie aber auch ihre lieben Töchter
und hier vorerst ihre töchterlich so treue Mathilde.
Außerdem grüßt sie noch alt und jung im unterem
Hause wie Dich Langethal, Middendorff, He Gnüge pp.
NB Wenn He. Middendorff mir den Brief nach
Erfurt schickt, soll er den innern Brief lieber
mit Oblate zumachen, damit er ihn beym Zusiegeln
des Umschlages nicht an diesen festsiegelt, wie dießmal.