Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 4.3.1833 ( Berlin)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 4.3.1833 ( Berlin)
(KN 44,8, Brieforiginal 1 Bl 8° 1 ¼ S.)

Berlin den 4en März 1833


         Euch allen
Gott zum Gruß zuvor.

Die Überschrift zeigt Euch daß wir an demselben Tage an welchem
wir nach der ersten Bestimmung von hier wieder abreisen wollten,
noch hier sind, der Grund davon ist leicht einzusehen, daß es unserer
theuren Mutter und lieben Tante sehr wehe thut ihre Kinder, beson-
ders die Tochter so bald wieder von sich zu lassen. Doch diesen Vor-
mittag ist die Abreise ganz fest bestimmt, ja sogar schon der Kut-
scher gediengt worden. Nächsten Sonnabend früh werden wir von
hier abreisen und wie herwärts so auch rückwärts über Wittem-
berg und Halle; am 4en Tage werden wir in Keilhau so Gott will
eintreffen. Somit ist das wesentliche dieses Briefes besorgt, in
diesem Augenblick werde ich gleiches an Ernestinen nach Torgau
schreiben, welche wie ich hoffe durch die Fahrpost zur rechten Zeit und
zwar schon Sonnabends Nachmittags in Wittenberg wird eintreffen
können; wir werden Sonntags früh dahin kommen.
Nun muß ich aber, wenn ich anders Euern heute Vormittags erhal-
tenen Brief, d. d. 28n Febr mit dem Postzeichen Rud: den 1n März richtig
verstehe - Euch zuerst sagen daß ich mit Euern Briefbesorgen nichts
weniger als zufrieden seyn kann. Deinen Brief Middendorff mit
dem Postzeichen Erfurt den 23en Febr habe ich richtig erhalten und ich habe
sogleich darauf unter Deiner Addresse Middendorff darauf geant-
wortet und ich hoffe daß diese Antwort zu richtiger Zeit bey Euch einge-
troffen ist. Auch den letztern von Dir Langethal zur Post besorgten
Brief habe ich erhalten allein wie ich Dir eben aussprach. Allein
nun schreibst Du mir in diesem Briefe Langethal "- Unsere beyden
Briefe wirst Du wohl erhalten haben, wir schicken diesen noch, vielleicht
erreicht er Dich noch in Berlin." - Aber Freunde von diesen mittelen
oder zweyten Brief ist mir nicht eine Spur zu Gesicht gekommen auch
ist hier keiner als die empfangenen bey der Post an mich angekommen,
ein sehr schlimmer Umstand denn dieser heute empfangene Brief ist
mir nur halb und halb verständig. Mir ist nun dieser Fehler in
dieser Briefbesorgung auf das höchste unangenehm, er habe auch
seinen Grund worinn er ihn habe. Aber was hilft alles; wenn
Ihr mir darinn nur nichts überschickt habt was ich nicht alles in Keilhau
wieder und noch vor finde. Weil ich mich nicht erinnere daß bey dem
vielen Briefwechseln je wichtige Briefe verlohren gegangen sind, so ist
mir dieser Verlust sehr empfindlich. Ich kann darum auch für Barop
nichts schreiben, als daß wenn Ihr ihn vor meiner Ankunft noch Nach-
richt ihn aufzufordern alles auf das schleunigste zu besorgen und
lieber die Herrn Luzerner sich selbst zu überlassen damit wir nur
den frischen Beginn in Keilhau zu und mit Ostern nicht verabsäumen.
Wir sind hier Gottsey Dank alle wohl. Schreibt Ihr an Barop
- was vielleicht gut seyn könnte, - so sagt ihm daß er nur alles von
Seiten der Behörden und des Vereins gleich fest stellen sollen; er soll /
[1R]
es sich möglich zu machen suchen {uns / mir} wenn es angehet durch
den Verein die beglaubigten Abschriften der Aus- und Zufertigungen der
Regierungs und Anderen Behörden an den Verein zu verschaffen zu
suchen. Wills Gott so sind wir heut morgen in 8 Tagen bey Euch.-
Schrickel, der sehr gute Rückfuhre erhalten hat, wird einige
Zeilen an Mathilde von meiner Frau unter allgemeiner
Aufschrift hoffentlich abgegeben haben.
Grüße an alle, namentlich auch an die junge Mutter und ihr Kind.
Meine Frau und theuern Verwandten grüßen Euch. Gott befohlen
FrFröbel