Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Wilhelmine Amberg in Teplitz v. 13.4.1833 (Keilhau)


F. an Wilhelmine Amberg in Teplitz v. 13.4.1833 (Keilhau)
(BN 360, Bl 1, Abschrift 1 Bl 4° 2 S. v. Middendorffs Hand)

An Madame Amberg in Teplitz in Böhmen.

Keilhau den 13. April 1833.

Als Erwiederung auf den Hauptpunkt Ihres vorletzten und letzten ge-
ehrten Briefes spreche ich Ihnen hochgeschätzteste Frau offen aus, daß
ich ganz in der Ansicht stand, mein nicht besonders Hervorheben des
in unserer gegenseitigen Verhandlung doch ganz wesentlichen Punktes
verbunden mit meinem Handeln, d.h. meinem bestimmten Eingehen
in das vorgelegte Verhältniß und der von mir zu diesem Ende sogleich
getroffenen Reisevorkehrung - dieß alles zusammengenommen würde
Ihnen die bestimmteste und klarste Antwort auf Ihren Antrag von Seite
meiner seyn. Doch um Sie noch vor Antritt unserer Reise nach der Schweiz
und auch Ihre uns anvertraute nun seit gestern glücklich angekommene
und anwesende Pflegetochter darüber ganz zu beruhigen, so erkläre ich hier-
durch mit Bestimmtheit, daß ich auch nach dem brieflich vorliegenden
schon mehrfach Ausgesprochenen auf die in einem späteren Briefe für das
erste Halbjahr festgesetzten Rth 50,- Pension ganz Verzicht leiste, sobald
es, wie Sie vorauszusehen scheinen, die Zahlung derselben den Verhält-
nissen nicht möglich seyn wird. Übrigens bitten wir Sie fest von einem
zweyfachen versichert zu seyn, erstlich, daß es uns Pflicht seyn wird, Fräulein
Luise das zu reichen, was dieselbe für die Zukunft zur Sicherung ihrer
Lebensverhältnisse wünscht, namentlich Sicherheit und Fertigkeit im
Französischen, wozu uns unser neuer Wirkungskreis, wie schon aus-
gesprochen, vielseitg die Hand bieten wird, so daß es besonders auch in
Luisens eignem Willen liegen wird, die sich dazu dort darbietenden
Gelegenheiten ernstlich zu benutzen; dann zweytens, daß wir Luisen /
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nach Verlauf des ersten Jahres vielleicht schon, entweder in unserm
Kreise eine feste gesicherte Stellung mit Jahrgehalt geben werden,
oder es uns Angelegenheit seyn lassen werden, Ihr eine solche im
Bereich unserer Bekanntschaft zu verschaffen. Eines sehe ich aber mich
nun doch genöthigt noch als gegenseitig feststehend anzunehmen und
auszusprechen, daß nämlich ein so ausgebreitetes häusliches Leben
wie das unsere, es sehr wünschen muß, daß der Wechsel der wirkend
eingreifenden Glieder wo möglich nur halbjährig, Ostern und Micha-
elis und zwar erst nach vorgängiger gegenseitiger vierteljähriger
Anzeige Stattfinde. Ich glaube dieser Punkt wird zur Sicherung
möglichst dauernder Verhältnisse gegenseitig gleich wichtig seyn; und
so wollte ich nicht unterlassen denselben Ihnen und so auch Fräulein
Luisen auszusprechen, indem ich ihr diesen Brief an Sie offen übergebe.
Ich hoffe, hochgeehrteste Frau, dieß mein Hand[e]ln werde Sie über-
zeugen, daß auch Sie mit Menschen zu thun haben, welche des Lebens
Ernst kennen, achten und ehren, auf welchem einzig und allein sichere
Lebensverhältnisse gegründet werden können, bis ein höherer geistiger
und Lebensverkehr und ein solches Lebensverständniß die gegenseitige
Gewähr gesicherter, fester, inniger Lebensverhältnisse giebt.
Genehmigen Sie von mir und meiner Frau, die sich Ihnen ach-
tungsvoll empfiehlt, die Versicherung so wahrer als vorzüglicher
Hochachtung.
      Ihr
ergebenster

[keine Unterschrift]