Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an <Keilhauer Gemeinschaft< v. 20.4.1833 (Coburg)


F. an <Keilhauer Gemeinschaft< v. 20.4.1833 (Coburg)
(KN 45,5, Brieforiginal 1 B 8° 4 S. ed. KG 1883, 58-59. Das Original enthält jeweils ein Nachwort von Ludowika und von Wilhelmine F., die 1883 nicht ediert wurden.)

Auf der Schweizerreise - Coburg Frey Sonnabends
den 20en April 1833.


Gott zum Gruß.


Bis hierher ist alles gut gegangen, Ihm sey Dank; die
Frau war besonders gestern sehr angegriffen, jetzt
erholt sie sich jedoch schon wieder etwas. –
Diese Nacht blieben wir in Stadt Steinach. –
In Sonneberg sprachen wir am Wagen Emil und
Georg Dressel, letzterer ist seit ½ Jahr Gatte. -
Die allgemeine Stimme war nicht für die Stimme
welche sich von Sonneberg wegen Anstellung an mich
wandte: und so sagte ich kurz wie es ist, d.h. ich lies[s]
es durch Emil Dressel mündlich sagen: - die Stellen
seyen alle besetzt. -
Nun zur Hauptsache: In Sonneberg traf ich
glücklichster Weise unmittelbar am Wagen
den Frachtfuhrmann Bauer; es {scheint [er] ist ein sehr
solider Mann, sein Fuhrwerk geht wöchentlich
zweymal durch Saalfeld. Das nächstemal
wird er Mondtags den 22en April nach S.-
kommen. Er ist dort in der Sonne bey Herrn
Kocher? - Er verpackt bis die zur Schweiz .
Sein Spediteur dahin ist Leonhard Kalb
an der Lorenzer Kirche im ehemalig Hein[-]
leinschen
Hause in Nürnberg. – Er rühmt diesen
Spediteur als höchst pünktlich, daß nemlich /
[1R]
alle Sachen in der verackordirten und bestimmten
Zeit genau ankommen.
Sollten nun die Sachen noch nicht nach Gotha
abgegangen seyn so hielte ich es doch für gut
diese Gelegenheit zu benutzen. In Nürnberg
werde ich Herrn Kalb aufsuchen und vor[-]
läufig mit ihm reden. - Herrn Bauer
habe ich Langethals Aderesse gegeben.
Bis Saalfeld könnten die Sache[n] von Keilhau
aus gefahren werden. - Mondtags kommt nemlich
Bauer von Sonneberg nach Saalfeld seine
Adderesse ist Georg Bauer sen.
Es könnte jemand vielleicht hingehen und
mündlich das Ganze mit ihm bereden. Es wäre
vielleicht die sicherste und bequemste Comu [-]
nication für Frachtgüter zwischen Keilhau
und Willisau.
Ihr lieben Sorgenden in Keilhau erinnert
nicht nur durch Geist u Herz sondern auch durch
den Körper an Euch, denn der schöne Braten
die schönen Würste ganz namentlich und das
bekannte Keilhauer Brot hat uns ja die Reise[-]
eil entzogen, oder es wollte die Schweiz nicht sehen
weil es für uns so traurig in Keilhau zurück
geblieben ist; ihr habt es doch gefunden; es
wundert mich daß uns Johannes noch nicht davon /
[2]
die Nachricht brachte.
Die liebe Mutter, die Euer aller und vor allen
der lieben geliebten Pfleglinge noch mit vieler
Wehmuth gedenkt, so daß ihr sogleich das Wort
auf der Lippe erstickt grüßt alle und jede
mit der innigsten Liebe.
Dir Wilhelm und Dir Chrfriedrich schenkt sie
ihren Oleanderbaum. Wenn sonst einer
von unsern Pflanzen zum Andenken an uns
welche pflegen will, so kann ihm wohl die gewünschte
Pflanze verabfolgt werden.
Wir alle grüßen Euch alle. Da Salomon heut
gern zurück will, so werden wir einen Kutscher
von hier nehmen welcher uns heut noch nach
Bamberg bringen will.
Die liebe Mutter wird für Dich l. ChrFriedrich
schon ein Paar Strümpfe mit schicken.
Hier habe ich zufällig einen gewissen HErn Schmidt
Verwalter in MarktRentweinsdorf kennen lernen
er war Zögling von Schulz in Jena, kannte Christian
Langethal
u den <blauen> Fröbel. Er sagte mir
er sey Willens seinen jüngern Bruder nach
Keilhau zu bringen und habe deßhalb längst
wieder Nachricht von dieser Anstalt gewünscht.
Gott sey mit Euch und mir stets mit Liebe
und Treu
      Euer

FrFr./

[2R]
[Ludowika Werkenthin:]
Coburg den 20ten Apr.



Da wir jetzt in Koburg einen anderen Fuhrmann
bekommen und unser bisheriger wieder zurükk
fuhr [sc.. fährt] so will ich ein paar Zeilchen an Dich schreiben.
Von Johannes wird Du wohl schon wissen daß
wir bei Gustavs Eltern [Hübner] zu Mittag aßen.
Von Schwarzburg aus fuhren wir über
viele Dörfer deren Nahmen ich nicht mehr weiß
bis oben hinauf auf den Thüringerwald wo noch
alles voll Schnee lag. Wir kamen bis Steinach wo
wir zu Mittag Abend aßen Nacht blieben. Wir fuhren heut um 7
aus und gegen 12 kamen wir hier an. Was mich gestern
und heute am meisten erfreute waren die Schwar-
za, Steinach und Ilz einmal wegen ihren schönen Schäumen
und zweitens an dem Holze welches darauf geflößt
wurde. Lebe nun recht wohl liebe Mathilde grüße alle
recht herzlich von mir
Deine Ludowika.

[Wilhelmine F.]
Mein Christian Friedrich.
Du erhältst hier Deine Strümpfe – die [ich] zu Haus nicht mehr fertig
bringen konnte – wie süß war es mir in meinem Schmerz
etwas für Dich arbeiten zu können – möchte es Dir mein
theurer Sohn so süß seyn so tröstend auch unsere Wünsche
zu erfüllen die nur auf Dein bestes gerichtet sind – ja wenn
Du uns liebst – giebst Dir alle Mühe Dich selbst beachten
zu lernen und was Du thust zur rechten Zeit am rechten
Ort und auf die rechte Weise zu thun, und folg darin aus allen
Kräften der Leitung Deiner freundlichen Lehrer. Meide was Deiner
Gesundheit nachtheilig - wenn Du nicht in der Ferne die Sorge und den Schmerz
Deiner Dich so innig liebenden Mutter mehren willst. – Die andern
Strümpfe wird Dir unser guter Barop bringen.