Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

Johann Arnold Barop und F. an die >Keilhauer Gemeinschaft> v. 1.5.1833 ( Willisau)


Johann Arnold Barop und F. an die >Keilhauer Gemeinschaft> v. 1.5.1833 ( Willisau)
(KN 45,8, Brieforiginal 1 B 4° 3 S.+ Adresse. Im Briefkopf Lithographie der Willisauer Erziehungsanstalt.
Der Briefhauptteil stammt von Barop. F. schrieb den zweiten Teil als Nachwort.)

Willisau den 1ten Wonnemonat 1833.


Unser aller Gruß Euch allen zuvor!

Am Montag Abend den 29ten April, sind unsere Reisenden ganz unerwartet
hier eingetroffen und heute Morgen Euer Brief Euer Brief von Middendorff
geschrieben, so wie auch einer von Fröbel aus Schaffhausen datirt; die ihre
Ankunft uns vorher melden sollten. Nach dem letzten Briefe aus Keilhau
vom 15ten , hatten wir sie schon ein paar Tage vorher erwartet und etwas früh-
zeitig. Darum erwarteten wir sie an dem Abende nicht mehr. Fast ermüdet von
dem oft täuschenden Wagengerassel am Sonnabend, Sonntage Montag Morgen
erschöpften wir uns eben in allerley Muthmaßungen, um den Grund der Verzö-
gerung zu treffen, als Langguth, der am Fenster stand, auf einmal rief: Vic-
toria, sie kommen. Der Reisewagen fuhr zum Hofe herein. Natürlich war
unser Hauswesen etwas unvorbereitet und doch wurde sobald wie möglich und
so gut es anging, Rath geschafft. Wie wohl es uns war, [uns] des Abends an
unserm ovalen Tisch wieder einmal in dem Kreise der Vielgeliebten
nach so langer Zeit zum Abendessen vereint zu sehen –das brauche ich nicht
zu sagen. Jetzt ist schon alles so ziemlich geordnet und die Wohn- Lehr- /
[1R]
und Schlafzimmer bestimmt und so weit möglich eingerichtet. Wir haben schon über
8 Tage fast regelmäßig Stunden gehalten. Viel haben wir mit den Kindern gespielt[.]
Sie sind im Spiel unermüdlich. Regelmäßig alle Abend ist von ½ 6 bis 7 gespielt
[worden] in d[er] Stube, sonst in der Zwischenzeit der Stunden durchs Seil gelaufen pp.
Zum Spiel des Abends haben sich aber nicht blos unsere Schüler, sondern die Ju-
gend von fast ganz Willisau eingefunden. Die Kinder können die Zeit nicht
erwartet [sc.: erwarten] zu uns hinauf kommen zu dürfen, die Eltern können sie nicht zu-
rückhalten. Dies ist den Eltern ganz neu, da sie die Kinder früher mußten in die Schule
getrieben werden [und] ist ihnen höchst erfreulich. Mehrere Eltern haben mir gesagt,
daß die Geschwister, die nicht mit in die Schule zu uns können, zu Hause in einem
fort gebrekt (geweint) hätten. 3 Knaben stehen noch unbestimmt, ob sie in der Anstalt
oder in der Stadt wohnen werden. Wir erwarten in d[ie]sen Tagen die Entscheidung.
Die Zahl unser bis jetzigen Schüler ist, die schon hergekommen, theils bestimmt ist,
beträgt 23 – 25. Die Zahl von 30 wird es übersteigen, wenn sich alle die, die sich
dazu gemeldet, sich daher schon zum Eintritt für diesen Sommer entscheiden.
[Rand*-*] [*]Es kommt darum alles darauf an, daß sich in der Tüchtigkeit der Kinder die Wahrheit
unsers Lebens bewährt. Geschieht dieses so steht das Vertrauen eines Landes für uns fest. [*] In der ver-
gangnen Woche kam ein besonderer Regierungsbote her nach Willisau um den
Stadtammann von der Regierung den Auftrag zu ertheilen, jede ungesetzliche
Versammlung die gegen das Institut [das] unsrige zu untersagen und auf alle, die gegen <irgend>
ein Glied der Anstalt sich anstößig betrage oder ausspreche, ein wachsam[e]s Auge
zu haben. Ihr sehet daraus wenigstens den Ernst der Regierung.
So eben meldete ich im Nahmen Fröbels u der Base, seine Ankunft dem Verein, <da>
<selbst>. Ich hörte, daß heute eine Deputation im Nahmen des Vereins sie begrüßen
wird und sie und uns zu einem Gastma[h]le auf diesen Abend einladen wird, das derselbe
ihm zum Willkommen veranstaltet, wo der Verein mit den Frauen, dem Sextar Hecht
sich zusammenfinden wird. – Natürlich werde ich mich, wie ihr [sc.: Ihr] es auch fordert,
so bald mich das Leben hier nicht mehr fordert, aufs schleu-
nigste zu Euch begeben. Ich habe dazu Einen, man-
chen und sehr viele Gründe.
Seyd alle Gott befohlen
      Euer JBarop.

[Rand] NB HE Michaelis hat vor etwa 14 Tagen angefragt, ob er nicht Fröbel in s.[einem] Weinberge Gottes helfen könne. Er wüßte nicht mehr wo aus u ein.!!!

[2]
[F. an die Keilhauer]
    Allem zuvor Gottes Gruß aus dem lieben Willisau Euch Allen.
Schon 2 Nächte und also mehr als einen vollen, fast zwey Tage bin ich sind
wir hier. Gestern schliefen wir noch wie Einquartierte, heute Nacht schon
in unserer bestimmten Schlafstube. Die Geräumigkeit, Reinheit, Gediegen-
heit und Freundlichkeit die uns hier hier [2x] überall umfängt; wirkt wie die
ihr entsprechende Schweizergegend und Luft sehr wohlthätig erhebend und
stärkend auf das Gemüth und Geist; doch ist die liebe treue Hausmutter
noch sehr angegriffen von der Reise sowohl als dem großen Schmerz der
Trennung von Euch allen ohne Ausnahme, [so]daß sie heute wohl noch großen-
theils das Bette wird hüten müssen. Ob sie auf einen Augenblick wird
zum gemeinsamen Willkommsgruß wird kommen können steht noch sehr
dahin; da sie besonders gestern sich sehr durch Anordnung des Ganzen
durch Auspacken und Einräumen, durch Nähen (an Strohsäcken)
bis spät in die Nacht ermüdet hat. – An Louisen hat die gelieb-
te Frau eine sehr treue, sinnige Gehülfin; ich bin dadurch sehr
glücklich, auch scheinen sie sich sonst noch persönlich immer mehr mütterlich und
kindlich nahe zu kommen. Eine wackere Magd nach schweizer Sitte und Weise
haben wir durch die Sorgfalt der Frauen im Vereine auch vorgefunden so steht
alles sehr gut. Gar manche von den lieben Kindern, obgleich heute Festtag
(: Sankt Jakob :) ist, haben wir schon gesehen, alle schauten uns mit wirklich leuch-
tenden Blumen- und strahlenden Thautropfen Augen und freudig froh zuver-
sichtlichen Antlitz an. Seht, so haben wir wohl viel sehr viel verlohren
aber auch viel wiedergefunden; doch darüber werde ich für immer schweigen; der
Mensch verliehrt ja nicht und nie und nimmer verliehren was er in sich trägt.
Nun noch einige kleine Rahmenbildchen. Bald nach der Luzernergrenze begrüßte uns
ein Lilienstock mit 3 Blumenstengeln; als wir dem Schloßhof zufuhren fing es an auf
der nahe stehenden Kirche zu läuten, so lang bis wir ausgestiegen waren; so gingen
wir unter Geläute der (7 Uhr)Betglocke ein. Mit Nächstem über Einzelnes, schreibt ja sogleich
wann u wie die Sachen an uns abgegangen sind. Die Seelenvollsten Grüße durch mich von Allen
[Rand] an alle, besonders von Euer treuliebenden Mutter, Freundin, u Schwester und von Eurem FrFr.
[2R]
[Adresse]
An
die allgemeine Erziehungsanstalt
in
Keilhau
bey Rudolstadt in Thüringen