Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friedrich Bächtel in Zürich v. <15.> 6.1833 (Willisau)


F. an Friedrich Bächtel in Zürich v. <15.> 6.1833 (Willisau)
(BN 366, Bl 2, undat. Entwurf 1 Bl fol ½ S. auf Bogen des Eingangsbriefs v. F. Bächtel an F. v.11.6.1833 mit Poststempel Zürich v. 13.6. Datierung: Briefliste Nr.580 dat. “nach 11.6.”, KN-Katalog “Mitte Juni”. F. hat zwar das Eingangsdatum des Briefs nicht notiert, bemerkt aber in seiner Antwort, er erwidere “sogleich mit umgehender Post...das heute erhaltene Schreiben...vom 11. Juny”. Unter Berücksichtigung des Postwegs von Zürich nach Willisau erscheint der 15.6. als realistisches Datum für Empfang/Beantwortung der Anfrage Bächtels.)

Geehrtester Herr

In Beziehung auf Ihr heute erhaltenes vertrauendes Schreiben d[atiert] d[en] Zürich vom 11' Juny d. J. erwiedere
ich Ihnen sogleich mit umgehender Post, daß zwar für diesen Augenblick alle Lehrer Bedürfnisse der
hiesigen Erziehungsanstalt bestens ausgefüllt sind und daß, da sich unter sämtlichen Mitarbeitern u Gehülfen das
innere geistige Verständniß auch im gemeinsamen Handeln u Leben immer klarer und bestimmter ausspricht,
zwar nicht sobald ein Wechsel oder Austritt zu erwarten ist - daß aber dennoch das täglich wachsende
und sich durch fortgehendes Eintreten neuer Zöglinge aus der Stadt u Umgegend aussprechende Zutrauen
vielleicht nach einigen Monaten eine Vermehrung des Erzieher u Lehrerpersonals möglich machen
könnte. Da es nun aber ferner in den festen Grundsätzen meines Wirkens liegt, wo mir
einigermaßen es mögl ist nie mit f ohne vorhergegangenes persönliches sich gegenseitiges
Kennen in einen Verband zur Mitlehre u Miterziehung zu treten; so müßte ich schon selbst auf den
Fall daß ein wirkliches Eintreten sich schon noch eine offene Lehrerstelle in der hiesigen Anstalt vorfände Sie
ersuchen, sich erst selbst mit den hiesigen Verhältnisse u besonders den Gliedern des Ganzen u dessen Wirksam-
keit Leben u dem Geiste desselben d[urc]h einen persönlichen Besuch möglichst bekannt zu machen, ehe in [ein] gegenseitiges Lebensverhältniß zur
gemeinsamen Wirksamkeit <für> Erziehung u Unterricht
getreten werden könnte.- Sollten Sie jedoch auch nur die
<eine schwache> Hoffnung die ich Ihnen jetzt nach den vorliegenden Umständen zu einer vielleicht in einigen Monaten möglichen Anstellung in
der hiesigen Anstalt machen kann nicht ganz unbeachtet an die Seite stellen, so würde dann <immer / umso>
wohl das gerathenste seyn uns gelegentlich persönlich zu besuchen und das Wirken der hiesigen Anstalt
u dessen Forderungen durch Selbstanschauung, so wie auch dagegen das was es giebt u zu geben im Stande
ist, kennen zu lernen und dieß um so mehr als das <Streben> des [sc.: der] Erziehungs[-] u Lehranstalt
u. dessen Erziehen u Lehrweise das Leben des Kreises an und für sich zu viel Eigenthümliches hat, als das es
mögl wäre sich darüber schriftlich zu verständigen oder gar zu <einigen>.-
Ihr persönlicher Besuch wird mir u dem Kreise darum zu jeder Zeit immer erfreulich seyn.
H Prof W Snell bitte ich mein besonders meine vorzügl Hochachtung zu versichern bezeigen u Ihn für
sein achtendes Zutrauen herzlich zu danken u ihn zu versichern daß dasselbe so wie al[l]er
gleichgesinnten Männer zu erhalten mir schönstes festes Streben seyn wird.
Mit Hochachtung u Ergebenheit unterzeichne ich mich

["Schreibübungen":]/

[Eingangsbrief v. F. Bächtel v. 11.6.1833 (BN 366, Bl 1-2, Brieforiginal 1 B fol 2 S.]

[1]
Hochgeehrtester Herr!

In dem Allgemeinen Anzeiger der Deutschen habe ich vor einiger Zeit ge-
lesen, daß Sie neben der schon lange mit so vieler Anerkennung bestandenen
Erziehungsanstalt zu Keilhau in Thüringen eine zweite zu Willisau im
Kanton Luzern eröffnet haben.
Da ich nun von jeher den Wunsch gehegt habe, unter der Leitung ei-
nes erfahrenen Pädagogen mich für das, meiner Neigung so sehr zu-
sagende Lehr- und Erziehungsfach auszubilden; da ich ferner durch
die Auswanderung der Familie, in welcher ich seither als Haus-
lehrer fungirt habe, genöthigt bin, anderwärts Unterkommen
und nützliche Beschäftigung zu suchen; und da ich endlich eine ent-
schiedene Vorliebe für die Schweiz, und namentlich für den, in den
dasigen Erziehungsanstalten herrschenden, guten Geist seye;
so erlaube ich mir, bei Ihnen ergebenst anzufragen, "ob und
unter welchen Bedingungen ich in Ihr Institut als Gehülfe ein-
treten könnte!"
Was ich seither als Hauslehrer geleistet habe, werden Sie aus
/
[1R]
anliegendem Memoriale ersehen können. Zeugniße kann ich Ihnen
längstens in vier Wochen vorlegen. Zur vorläufigen Empfehlung
schließe ich ein Schreiben des Herrn Professor W. Snell dahier
ein, an welchen, falls Sie mir Antwort zu ertheilen für
gut finden werden, dieselbe zu adressiren, ich Sie höflichst er-
suche. Wünschen Sie mich persönlich kennen zu lernen oder
zu prüfen, so werde ich nicht ermangeln, dahin zu gehen,
wohin Sie mich bescheiden.
Genehmigen Sie die Versicherung der vorzüglichen Hoch-
achtung von
Zürich den 11n Juni
      1833.
Ihrem
   ergebensten
     Friedrich <Bachtel / Bächtel>
      cand. theol. /

[2R]
[enthält: Anschrift F.s in Willisau; Poststempel Zürich v. 13.6.1833]