Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an >Keilhauer Gemeinschaft< v. 12.10.1833 (Willisau)


F. an >Keilhauer Gemeinschaft< v. 12.10.1833 (Willisau)
(KN 45,17, Brieforiginal 1 B 4° 3 ½ S. Im Briefkopf Zeichnung der Keilhauer Erziehungsanstalt)

An die liebe KEILHAUER ERZIEHUNGSANSTALT die herzinnigsten Grüße
aus Willisau am 12en Oktbr. 1833.


Gott zum Gruß Euch allen aus reinem einigen Herzen zuvor.

Ob es Euch in einem unserer letzteren Briefe ausgesprochen worden ist, daß nach Beendigung
unserer Prüfung so bald als es uns möglich werden würde, Barop und ich eine Reise nach Bern und nach
einigen Punkten in diesem Kantone machen würden, - weiß ich wirklich nicht; doch diese Reise ist jetzt be-
endigt, gestern sind wir glücklich, kräftig und freudig von dieser schönen Reise hier zurück gekommen. So viel-
fach schön nur diese Reise war, so rein und klar und warm das neue Lebenslicht welches aus derselben hervor-
strahlt, daß ich mich recht innig darauf freunde [sc.: freue], dasselbe Leben erweckend und Leben gestaltend in das mir so
theuere Keilhauer Wirken hineinleuchten zu lassen, so leuchtet mir durch die neuesten Sendungen, ich meine die Briefe
an meine geliebte Frau, von dort ein so reines erwärmendes, die Bedingungen zur Darlebung alles menschlich
Guten, Schönen und Wahren in sich tragendes Licht entgegen, daß – wenn ich das Innerste unseres häuslichen unseres
Erziehenden Kreise sähe, wie er mir beym Eintritt in das Haus in einzelnen Gliedern und einzelnen Ver-
hältnissen entgegen trat – das Keilhauer Licht das hiesige bis zur Nacht überstrahlen würde. Da kommt nun
noch dazu Dein zweyter Brief, mein lieber Middendorff! vom 2en Oktober, diese schöne, wenn auch noch
unvollständige Ergänzung zu jenen freundlichen Gaben welche jedoch noch großen Theils mir unbekannt
mir vorliegen, doch dieses gleichsam vermehrte erhöhete Licht, wirkt merkwürdiger Weise nicht in dem-
selben Maaße auf das hiesige Licht und Leben verdunkelnd, sondern giebt mir die milde Kindeshoffnung den
stillen KinderGlauben, daß sich beyde Lichte und Leben in eins zur Darstellung einer reinen MenschheitsLiebe
einigen werden, einigen werden zur Erringung und Verbreitung des Seegens, des Seegens Gottes und der Mensch-
heit, welcher noch immer alle meine und ächte Lebenseinigung begleite vom ersten Elternpaar durch Abraham
u.s.w bis zu Joseph und Maria und Jesus in seiner hohen Lebenseinigung mit Menschheit und Gott. –
Ich habe Euch [in] meinem jüngsten Briefe die Ergebnisse unserer Prüfung vorgelegt so weit mir solche selbst dort
im Allgemeinen bekannt waren; jetzt empfangt Ihr hier einige bestimmtere Urtheile im besonderen und im allgemeinen
daß [sc.: das] letztere hat sich in der Euch bekannten Zeitung Der Eidgenosse ausgesprochen; das besondere und vielleicht noch
wichtigere ist in einem Brief, welchen einer der vom Berner Erziehungsrathe hieher Committirte[n], an mich schrieb ent-
halten; der Schreiber dieses Briefes ist wie Ihr sehen werdet der Regierungsrath Schneider, welchen auch die Zeilen
im Eidgenossen achtungsvoll hervorheben; der Verfasser des Aufsatzes im Eidgenossen ist der Vater einiger unserer
Zöglinge, dessen Namen Euch unserere [sc.: unsere] Verhandlungen schon oft genannt haben – Herr Gerichtsschreiber Kilchmann
ein einfacher, gerader aber sehr achtbarer kräftiger Mann unter allen am meisten Thatlustig und Thatfertig. –
Ehe ich zu dem Schneiderschen Brief und meinen Verhältnissen zu Bern übergehe erwähne ich noch des beyliegenden Aufsatzes
in der Neuen Zürcher Zeitung über die Sigristsche Schrift. Ihr sehet also aus diesen 3 Dokumenten:
Aufsatz im Eidgenossen herauskommend (im Kanton Luzern) – Aufsatz in der Neuen Zürcher Zeitung – und dem Briefe aus Bern daß mein, daß unser
Bestreben in 3 verschiedenen Kantonen kräftige Stimmen für sich hat und
von ächten Männern in diesen 3 Kantonen es zu halten gestrebt wird. Ich möchte sagen in Luzern ist rein
materielles örtliches Interesse – In Zürich ist rein geistiges allgemein schweizerisches, theoretisches Interesse und
in Bern ist beydes verbunden, in den verschiedenen Theilnehmenden Personen sich verschieden aussprechend. So
bilden diese drey Punkte in sich wieder ein sich geschlossenes Ganzes in welchem Gegensätze (+ und –) durch Vermittelnde
(o) verbunden, so daß also das Schema dieses Ganzen + o – ist und also wieder als in sich ruhende Trinität er-
scheint. Die Thatsachen sprechen so alles weitere aus sich, daß es überflüssig ist von meiner Seite etwas darüber zu /
[1R]
sagen. – Weil der Brief gerad in der Zeit von Bern abgeschickt wurde, als ich schon mit der Abreise dahin be-
schäftigt war, so traf der Brief ohne Zweifel hier an da ich schon in Bern war. – Der Herr R. R. hatte – wie sich
dieß wohl von einem erfahrenen Geschäftsmanne deuten läßt – für sich eine Copia, dieses ihm wichtig erschei-
nenden Briefes zurück behalten; er händigte mir nun diese Abschrift gleich beym ersten Besuche mit dem Gesuche
ein, ihm diesen Brief bis zum nächsten Morgen (es war jetzt Nachmittags 3 Uhr) zu beantworten. Nachdem Barop und ich
einen <-> Spaziergang den großartigsten deu[t]schzungigen Schneebergen, den Alpen des BernerOberlandes gegen über
gemacht und mit klaren Augen der heiterstirnigen Jungfrau in ihr reines Angesicht geschauet hatten, kehrten
wir erhoben und mich versetzt in die lebenvolle Jugendstimmung in welcher ich vor ohngefähr 25 Jahren diese
Blicke in mein Herz und Gemüthe aufgenommen hatte [nach Bern zurück]. – Ohngefähr gegen 12 Uhr Mitternacht war ich mit der
Antwort fertig welche ich dem Barop in die Feder dictirte. – Die Antwort könnt Ihr Euch leicht denken. Ich sage
blos daß sie mit der Theilnahme begann welche der reg.[ierende]: Herz[og] von Meiningen Keilhau ich glaube 1827 zum erstenmale
schenkte, dann die zu errichtetende Volkserziehung[sanstalt] und so des Aufsatzes erwähnte, welcher die Aufmerksamkeit
d. HE Director Dr Bagge erregte, welcher die Mit- ja Hauptveranlassung war daß ich im May 1831 nach Fr[an]kfurt a/m
gieng, dort dHE Schnyder v. W. traf durch diesen nach Luzern geführt wurde u.s.w. alles durch Urkunden be-
legt, also Punktation mit dHE. Herzog v. M. – Plan der Volkserziehungsanstalt in Helba – Ankündigung derselben -
Plan der Wartenseeer Erziehungsanstalt, öffentliche Ankündigung derselben – Erwähnung des Appenzeller Angriffes -
Eures, der Regierung und Martins Zeugnisses in den Abdrücken welche die A[a]rauer Zeitung Abwehren nannte
- den Vortrag mit dem Vereine hier in Willisau u.s.w. u.s.w. wie Ihr Euch dieß alles selbst leicht sagen könnt. –
Indem wir schon 8 Uhr des nun gekommenen Tages frühe zum R. R. Schneider kommen sollten, so nahm ich jetzt zwar
das Manuscript will sagen Concept mit, besonders aber die Dokumente. Diese legte ich nun in chronologischer
Ordnung mit kurzer Andeutung dessen was meine schriftliche Darstellung enthielte vor. So waren mehrere Stunden
verflossen, wir gingen mußten aber sogleich die Urkunden zurücklassen versprechend möglichst bald die schriftliche
Erläuterung dazu nachzuliefern. Wir machten nun einige uns als dem Zwecke des Ganzen wichtig bezeichnete
Besuche – 1). zum Präs: des Erziehungsrathes HE Neuhaus, trafen ihn nicht ließen uns empfehlen – 2) zum Waisen-
vater Mitglied des Erziehungsrathes rc Herrn Fetscherini [sc.: Fetscherin], einen trefflichen erfahrenen Schulmann oder viel-
mehr Waisenerzieher, bey diesem blieben wir wohl bald 1 ½ Stunde[n] – 3. zum Professor Hans Schnell, eben-
falls Mitglied des Erziehungsrathes – dem Bruder dessen, welchen ich in letzterem Briefe an Euch gedachte und für
welchen ich – gienge es nicht an?) um ein offenes - ? – Schreiben vom HErrn Geh. J. R. Martin bat. – Diesen Mann
trafen wir leider jetzt und auch bey einem 2en Besuche, am anderen Tage nicht. –
Nun giengs wieder in die stumme Gesellschaft unserer so viel sagenden erhebenden Berner Alpen auf einen
der schönsten Spaziergänge der größten Anhöhen nächst Bern, denn Barop darf doch die Schweiz nicht verlassen ohne
in der Schweiz gewesen zu seyn, und er mußte doch auch die Gewalt der Schweizerischen Berggeister, und Lilienge-
wandigen Höhen- und Alpen<frä[u]lein> empfunden haben, damit er doch auch seinem Jungen, von dem man nur von
allen Seiten groß und klein Buben und Mädchen u.s.w. wie von einem kleinen Herkules schreiben, und von seinem
Verstande sprechen, etwas kräftig verständiges erzählen könne und auch seinem liebend sehnenden Weibe,
damit wenn es möglich wäre diese wieder ein bisgen mit mir ausgesöhnt werde, wenn sie so erkennt, daß ich
es nicht war der ihren Barop hier festhielt, sondern unsichtbare Geister und Wesen, deren Macht und Gewalt
darin noch jeder unterlag der sich als <-> thatkräftiger thatenmuthiger Mann fühlte und als solcher bewährte.
So mit einem Gemüthe voll Engelswehen einem Geiste voll Himmelsgeister gieng es zurück. – Deutsches
Gemüthe
u. deutscher Geist, sucht deutsches Gemüth u. deutschen Geist und so suchten wir denn fast ohne alle
bestimmte Einzelveranlassung noch spät den Prof. Flegeler, ein[en] Deutschen aus Hessen Darmstadt, seit 7
Jahren in der Schweiz, seit 7 Jahren in Bern; jetzt unter anderm auch Herausgeber eines Berner halboffiziellen
Blattes; des Berner Beobachters. Gleich mit der Nennung meines Namens, welchen er als Journalist natürlich schon kannte,
sagte ich auch daß ich gefunden hätte was wir suchten; schnell verflossen Minuten deren es nun eigentlich jetzt
nur eine zu geben hätte, doch versprach er uns am kommenden Tag zwischen 10 - 12 zu besuchen. – Nun giengs
nach Hause bis länger als 11 Uhr wurde geschrieben, doch nicht die Abschrift pp. pp. ganz beendigt. Am andern Mor-
gen wurde alles abgeschlossen, leider aber erst gegen 9 ½ Uhr; der R.R. Schneider war schon in die
Sitzung. In dem Rathhause trafen wir ihn, ich sandte alles ins Sessionszimmer, sogleich erschien er und im Vor-
zimmer wurde nun wohl noch ½ Stunde gesprochen. Gedanken riefen und drängten Gedanken; er stellte mich
noch einem vorbeyz[i]ehenden R. Rath ich denke der hieß Ott vor. – Die Ergebnisse der mündlichen Mittheilung
waren: 1. daß er schon den Luzerner Herren welche bey der Prüfung gegenwärtig gewesen wären, die Gesinnung
angedeutet habe wie Berner Regierung mein Wirken ansehe, daß er mit dieser zwar wünsche, daß ich
ungestöhrt in Willisau möge fortwirken können, wäre dieß aber nicht möglich daß man von Bern aus
mich nicht sinken lassen und ich in Bern gern ein Assyl finden würde – 2) sagte er daß er schon in bestimmte-
ren Ausdrücken an ein Mitglied der Luzerner Regirung geschrieben und dieses aufgefordert habe, alles
dafür zu thun daß mein Wirken in Willisau oder wenigstens im Canton Luzern ungestöhrt fortgehe
- sollte (dieß sind seine buchstäblichen Worte die er uns mehrmal[s] ganz gleichlautend wiederholte) – sollte jedoch die Lu-
zerner Regierung zu schwach seyn uns im Kanton Luzern halten zu können so würde mich die Berner Re-
gierung in ihren Kanton rufen und meiner Wirksamkeit ein entsprechendes Verhältniß anweisen. 3-
forderte er mich auf bis zum 20en dieses Monats also in 8 Tagen, einen Plan zu einer Volks- und Armen-
erziehungsanstalt einzureichen, welchen ich jedoch auch entweder durch mich oder einen aus meinem Kreise
auszuführen, mich verpflichte, dann sprach er ebenfalls wiederkehrend aus: In Besitz von Grundsätzen
Methoden u.s.w. sind wir wohl aber es fehlt uns an Männern, die sie ausführen. (:Dieß bitte ich besonders
Dich lieber Bruder zu bemerken, wie oft habe ich in verschiedenen Formen ausgesprochen, daß die Zeit kommen wird wo man
ächt erziehende Männer ich will nicht sagen mit Gold aber doch mit Geld aufwiegen wird; doch es wird auch die
Zeit kommen wo man sie mit reinem d.h. gegen reines Gold aufwiegen wird. An pecuniären d.h. an Geld-
Mitteln, [-] dieß lag immer offen auf der flachen Hand, wie es um es mir gleichsam ans Herz zu legen immer auf
der Zunge schwebte – sey gar kein Mangel, dieß zur Ausführung kein Hemmniß. Ebenso nicht das örtliche
mehrere gutgelegene Domänen sagte er stehen der Regierung zu diesem Zwecke zu Gebote; doch soll der
Plan über welchen auch ich mich ausspräche nicht einmal von der Regierung, sondern nur von einer Gemeinschaft von Privaten, die sich unter dem Namen: für christliche Volkserziehung, geeint haben, ausgeführt werden. /
[2]
Mit meiner, mit unserer nächsten Sendung durch die Fahrpost bekommt [Ihr] auch einen Prospectus eine Einladung zu diesem
Vereine, wo Euch dann was ich Euch jetzt geschrieben habe noch einleuchtender seyn wird. Auch in meinem jüngsten
Briefe an Euch erwähnte ich, ich weiß aber jetzt wirklich den Grad der Bestimmtheit nicht, dieses Planes, dieses
Vereines, genug dieser Verein für christliche Volksbildung in Bern hält diesen Plan, so wie den Gedanken ihn
durch mich zu verwirklichen fest und dieß ist schon gut, wenn nur etwas von seinem ersten Haupt<argument>, fest-
gehalten wird. Mehrseitig ist mir mit halben und ganzem Worte zu verstehen gegeben und ausgesprochen,
man würde mich von Bern aus nicht wieder aus der Schweiz lassen. Herrn Regierungs Rath [Schneider] welcher auch Prä-
sident dieses Vereines ist habe ich wiederkehrend ausgesprochen, daß nur bey vollkommendster ökonomischer
und pecuniärer Unabhängigkeit von mir für die Ausführung eines solchen Planes gewirkt werden könne <-> was er mir auch wiederkehrend zusicherte indem er sagte an pecuniären Mitteln zur Ausführung dieses Unternehmens fehle es ganz und gar nicht, denn auch die Regierung ob gleich, von Privaten ausgehend, würde ein solches Unternehmen auf das kräftigste unterstützen. Und so viel dünkt mich kann und muß Euch aus Diesem hervor gehen: - die Regierung von Bern ist eine kräftige Regierung, die zugleich so heißt es allgemein über einen tüchtigen Schatz zu gebieten hat.
Am 28en dieses Monats hat die große allgemeine Schulkommission
der ganzen Republik Bern (Republik nennt sich Bern immer und wird
als Individuum so genannt, im Luzernschen heißt es dagegen gewöhn-
lich nur Kanton, obgleich Luzern ebenso Republik ist, wie Bern, nur
kleiner.) Also am 28en d. Versammlung; der großen Schulkommission der ganzen
Republik, dann die darauf folgenden Tage weil mehrere viele Mitglieder
dieser zugleich Mitglieder des Vereines für christliche Volksbil-
dung sind – zugleich Hauptversammlung dieses Vereines, dann soll
über die Ausführung einer Armen- und Volkserziehungsanstalt deffi-
nitiv entschieden werden, was also ohngefähr bis zum 1en 9br
alles bestimmt seyn wird. So der Stand der Sache in Bern; ihr müßt
Euch damit genügen sobald mehr entschieden ist, hört ihr mehr. –
Vom Regier. Rath. Schneider suchten wir nochmals den Hans Schnell
auf fanden ihn wieder nicht. – Allein unser lieber Prof. Flegerer hielt Wort, er suchte uns in unserm
Gasthof aus [sc.: auf], frühstückte mit uns ein Gabelfrühstück, und begleitete uns dann wohl eine Stunde weit
auf dem Weg nach Hofwyl. Ist es ihm möglich so besucht er uns bald. Von allen Seiten im Bernschen
wurden mir Besuche nach dem Anfang unseres neuen Lehrcursus angekündigt, so daß ich glaube
wir werden fast mit einer Prüfung beginnen, wenn es anders den Leuten das Wetter erlaubt ihre Vorsätze aufzuführen.
Hofwyl diese europäische Erziehungsanstalt, diese Erziehungsanstalt des Mannes mit europäischem Namen, wie es
im Bernschen von ihm heißt sahe ich auch. Barop wird davon gelegentl. sagen. Irre ich nicht so machen 10 und
mehr Häuser, 4 verschiedene mit dem SchulmeisterSeminarium 5 Lehranstalten, wovon eine wegen ihrer
Größe wieder in 2 Abtheilungen zerfäl[l]t machen das Ganze. Das Hauptgebäude hat 17 Fenster en front und
ist 3 Stockwerk mit dem Erdgeschoß hoch, aber hohe Stockwerke. Bey einer Menge von Hunderten von
Menschen herrschen Reinheit und Ordnung – aber auch – Todtenstille im Ganzen[,] es waren eben Unterrichts-
stunden, an den Lehrstuben vorübergehend hörten wir kaum sprechen rc., – Alles der Ausdruck
des schönsten eingerichteten Uhrwerkes. Barop fühlte sich bey allem sehr unheimlich; auf mich machte
die Sorgheit, Ordnung und Reinlichkeit im Ganzen einen erfreulichen, ja wohlthuenden Eindruck. Herrn
Fellenberg mit einer seiner Töchter sahe ich auf einen Blick. Er erschien mir wie ein Geistlicher der neuren Epoche
groß, ruhigen, festen Gesicht, dunkeln Oberrock mit schwarzen Käppchen auf dem Haupt, seine Tochter mit <ruhig>
gemessenen Gang gleich einer Stiftsdame, einfach aber ebenfalls dunkel gekleidet u.s.w. u.s.w. Barop.
Nun schnell, schnell nach Willisau über Burgdorf – wo ich den einmaligen Wirkungsort Pestalozzis aber
nur von Außen sahe denn jetzt leben 28 – 30 Pohlen in demselben – zurück. In Burgdorf sahe ich einen
gewissen auch Stähli, Vetter vom Pfarrer Stähli in Huttwyl, Lehrer und Mitherausgeber eines Schwei-
zer Volksblattes des Volksfreundes. Mittheilungen verstehen sich von selbst. – Nun in Willisau.
Nach dem Eintritt die Ankündigung Euerer Briefe. – Überblicken derselben -
Wahrnehmung der Zeilen von der Frau Fürstin Mutter. – Jetzt habe ich kein Urtheil darüber. Nur das
bitte ich Dich Middendorff recht sehr damit Ihr Glauben sich zu einem Schauen für sie erhebe, wie ich glaube
daß sie es bedarf: - Theile ihr in meinem dankenden Namen, das heißt in stets dankenden und dankbaren Gesinnungen
meiner 1) die, meine Einladung und Anzeige von den hiesigen Examen mit. 3) vielleicht eine oder ein paar gelegent-
liche Äußerung[en] darüber welche Dir in meinen und Barops vorigen Briefen mitgetheilt wurden, 2) zweytens
die Art und Ordnung der Prüfung wie ich vermuthe daß Barop Euch solche mitgetheilt hat. 4. den Aufsatz aus
dem Eidgenossen. 5. die Abschrift von Schneiders Brief. Mich dünkt das wäre ein schönes Ganze und fast
von ihren Zeilen an Dich gefordert. – Dem [sc.: Der] Hofprediger sollte devotest heißen Generalsup. Zeh auch aus
wahrer hoher Achtung dem Herrn Geheimen Rath v. Kettelhodt könnten solche Mittheilungen auch angemessen seyn.
Mit der nächsten Sendung erhaltet ihr einige Abdrucke aus dem Eidgenossen. – Ich dachte nach der
Beleuchtung in der Neuen Zürcher Zeitung welche die Sigristsche Schrift erhalten hat könntet Ihr dieselbe, vielleicht
mit dieser Beurtheilung an Zeh abgeben, doch mit nächster Sendung bekommt Ihr auch die Sigristschen Briefe
an mich gedruckt.
Nun schnell zum Ende. Im Hause selbst fand ich als Gegensatz was ich außerhalb und besonders in der Natur
gefunden hatte manches unangenehme entwickelt. Mit kurzem Wort Luise will mütterlichem Worte gar
nicht hören, sie ist lindestens gesprochen gar zu unbedacht, und dieß hat höchst na[ch]theilige Folgen. Sie scheint nur
im Kreise Urtheile, d.h. günstige Urtheile für sich zu gewinnen zu wollen, was bey der Art ihres Seyns
Ihr bey unbefangenen, wollte sagen unerfahrenen Gemüthern leicht werden mag. Dazu kam früher Dr.
<Berbergs> Seyn und Austritt jetzt auch wohl wieder Hollmanns Austritt, er hat nemlich eine Se-
kundarlehrer Stelle erhalten genug unser lieber Langguth war aus wohl etwas aus seinem einfachen
kindlichen Geleis gerückt worden. Heut am Morgen, kaum durch meine Frau doch nicht mich diesen <->
Ergebnissen darauf vorbereitet, trat er zu mir ins Zimmer mir sogleich sagend, da er hör daß ich
früh nach Keilhau schreibe, wollte er mir sagen, daß er hier austrete; ich glaubte, er wolle nach Keilhau
gehen, ich sagte also ganz einfach und ruhi[g], dann müsse er an Euch schreiben; nein! sagte er ob er nach Keilhau
zurück gehen würde wisse er noch nicht u.s.w. jetzt gieng mir so zu sagen erst ein Licht auf. – Doch des Wechsels
von Sturm u Sonnenschein jetzt wie die Russen Hitze u Kälte gewohnt sagte ich ihm, er könne und möge thun was er /
[2R]
wolle, nur möge er bedenken, daß sich Verhältnisse leichter abbrechen als anknüpften, da noch einige Wochen bis
zum Anfang unserer Stunden wären so gäbe ich ihm Bedenkzeit, doch sagte ich ihm wi[e]derholt er sey frey, und könne
thun was er wolle. Nun sprach ich mit ihm wie ein Vater zum Sohn ein Bruder zum Bruder ein Freund zum Freund
zeigte ihm, das Leben mehrerer ein Zusammenhang das öffentliche Urtheil darüber, zeigte wie sehr sich Luise durch
ihre Unachtsamkeit geschadet und, wie ich da man mich von allen Seiten beobachtete und über unser Leben
nicht nur streng sondern hart und lügenhaft urtheile wie ich aufs höchste sorglich seyn müsse rc. Um ihm zu
zeigen wie mancher mit sehnendem Blick nach Keilhau sehe der es schnöde verlassen so zeigte ich ihm, Mid-
dendorff, Deinen jüngsten Brief u.s.w. so brach ich ab, oder vielmehr Endete sich durch sich selbst das Ganze.
Du und ihr seht nun Kampf nichts als Krieg und Kampf; Genüges Handeln zeigte ich ihm auf
in seiner Nichtigkeit, Unbesonnenheit lindestens; Was dieß alles wirkte weiß ich nicht, genug wir
trennten uns. Ihr sehet wie recht ich im vorigen Brief hatte wenn ich in Beziehung auf Titus sagte: seyd
wie die klugen Jungfrauen. Also Titus mit dem ihr nach diesen Andeutungen nun als Väter und
Freunde reden werdet, soll sich wenn er noch Eures Vertrauens werth ist bereit halten mit dem
ersten Brief stehenden Fußes abzureisen. Könnt ihr die Gelder nicht anders bewirken, so kannst
Du Middendorff, um auch ein äußerlicher Lebens erfahrener Mann zu werden, dieses des Reisegeldes halber von der
Fürstin Mutter wieder, Dir, Euch uns es Vorschuß weise zu geben; ich werde
alles treulich erstatten. Barop sagte ihr könntet es dem Titus geben; ich gäbe es dem
Barop zur Heimreise hier wieder u.s.w. – Johannes soll sich als ein treuer Sohn in so weit es
ihm nur immer möglich ist mit dem Heimwesen Baumzucht, Gartenwesen Feldbau bekannt machen.
Das wäre ein Weg wie er auch bald hier in der Schweiz auch wieder seinen treuen väterlichen
Pathen finden ja wodurch er sich vielleicht als kindlicher Sohn und brüderlicher Bruder gegen die
Seinigen würde zeigen können. Tausend Grüße an alle. Habe ich recht wenn ich früher
diesen Monat des Krieges u des Friedens Monat nannte? - In einem Worte könnte ich ihn
den Monat der Gährung nennen[?]
Euer

Friedrich Fröbel

Haltet das Alte was wieder kommen
will mit Mannes Arm mit den gebührenden
Sinn zurück; es ist kein Sinne darinnen
glaubet u trauet mir, wer einmal bricht ist ein gebrochner Wille, kein Verlaß
auf sie, und wo kein Verlaß da kein Handeln.