Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 7.12.1833 (Willisau)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 7.12.1833 (Willisau)
(KN 46,8 Brieforiginal 1 B 8° 3 ½ S.)

       Willisau am 7en des Christmonats 1833.


     Gott zum Gruß lieben Freunde
und Euch allen Ihr Lieben in Keilhau.

Daß unser Titus verflossenen Dienstag am dritten dieses Abends ½ 10 Uhr unter
Gottes sichtbarem Schutz und Geleit gesund und rüstig hier angekommen ist wird Euch
derselbe wohl in einem noch beyzulegenden eigenhändigen Briefe ausführlich melden;
Ich sage daher nur wie mich und dem Barop Titus Eifer mit welchem er seinem Ziele
entgegen geeilt ist sehr erfreut und mit guten Hoffnungen für die Zukunft erfüllt
hat; die Art wie jedes Unternehmen gleich in seinem ersten Keime behandelt und
begonnen wird hat gewiß den größten Einfluß auf den Erfolg und das Gelingen des
Unternehmens. Wie ganz anders ist mir und auch dem Barop bey der Ankunft
und dem Reisebericht des Titus zu Muthe als bey der Ankunft und den Mittheilungen
der Reisefahrten wirklichen Irrfahrten der an Ostern hierher Gesendeten. Auch
danke ich Euch Allen für das schöne Geleite welche ihr [sc.:Ihr] unserm Titus bis zum Frie-
dens Platze gegeben und Euch Ihr Freunde für die schönen Geleitbriefe welche Ihr dem-
selben hierher mitgegeben habt. Doch ich bin Euch noch für gar sehr vieles und auch
Anderen durch Euch Dank schuldig aber es will mir der Lebensdrang keine Zeit
dazu lassen; so bin ich Dir lieber Langethal großen Dank für den Eifer schuldig mit
welchem Du die Sache bey dem Herrn pp. Martin in Jena, ich meine den Brief an den
Herrn Dr. Schnell besorgt hast; so Dir lieber Middendorff für die Besorgung der Will-
lisauer Mittheilungen an die erlauchte Fürstliche Frau; die Art wie das letztere
behandelt worden ist freut mich sehr, so wie ich für das rasche Erfassen der günstigen
Umstände für das erstere sehr dankbar bin. Ich habe den Brief nebst einigen Druck[-]
beylagen an den Herrn pp Dr. Schnell nach Aarau gesendet wo er sich jetzt als Theil-
ungs Commissär in der Baselschen Angelegenheit befindet; habe aber noch keine
Antwort erhalten, so bald solche bey mir eingehet werde ich es gleich davon Nachricht
geben. Dir Langethal auch noch meinen Dank für die pünktlichste Wechselbesorgung. – rc.
Am verflossenen Mittwoch habe ich nun mit der Fahrpost ein Packet Drucksachen –
die jüngste Entscheidung des Kleinen u Großen Rathes in Luzern für das Fortbestehen
der hiesigen Anstalt betreffend – Euch überschickt; Ihr werdet zuförderst Euch
zur Übersicht wenn es angekommen ist alles nach Überschrift und Zahl ordnen
damit Ihr selbst entscheiden könnet wo und wie für Euch von jedem Einzelnen
Gebrauch zu machen sey; denn es war mir nicht möglich Euch von allem gleich
viel zu überschicken.
Die wichtigsten Gebrauche die Ihr nun davon zu machen habt sind wohl
1. ein vollständiges Exemplar von allen an die Fürstin Mutter; dann
2. ein zweytes wohl an den Geheimenrath von Ketelhodt; vielleicht auch
3.) an den Regierungsrath von Beulwitz, wenn ihr [sc.: Ihr] hoffen oder gar überzeugt
seyn könntet, daß die Sache von diesem Punkte aus dem Fürsten selbst bekannt
und mitgetheilt werden könnte.
Doch müßt Ihr Euch die Vertheilung wohl überlegen denn vor allem wichtig ist
der Gebrauch der davon für die weitere Verbreitung im Publikum und für die
Öffentlichkeit gemacht wird; diese Rücksicht und der Erfolg, d.h. der möglich
beste Erfolg dafür ist es welcher Euch vor allem leiten muß. Bey Euren
Mittheilungen an die theilnehmenden Personen müßt Ihr also zugleich darauf
sehen ob es nicht durch dieselben zugleich für Mittheilungen in öffentlichen Blätter benutzt wer-
den kann. Diese Rücksicht und diese Bitte wünsche ich nun
besonders bey den Mittheilungen
4.) an den Herrn pp Martin in Jena, dann
5. an die Frau von Ahlefeld, an beyde mit meinen dankenden Gruß und
6 an die Frau von Arnim, nebst Gruß von mir im Auge zu behalten.
Durch die Frau von Ahlefeld wünschte ich daß die Sache in einem nordteutschen
Blatte
zur Mittheilung und Sprache gebracht würde; vielleicht auch im
Hesperus. – Durch die Frau von Arnim wäre es vielleicht möglich daß
die Sache in dem schwäbischen Merkur oder in einem bayreuther Blatte gedacht /
[1R]
würde, es bedarf ja dazu nur der Heraushebung und zweckmäßigen
Aneinanderreihung einzelner Aussprüche und Urtheile in den Euch mitge-
theilten und diesen Personen mitzutheilenden Drucksachen. Beyde Theilneh-
mende Frauen waren ja schon früher für solche Öffentliche Mittheilungen
geneigt, die erstere sprach ja schon öffentlich so schön dafür und jetzt giebt
es ja dazu gutes Material ja schon schön bearbeitete Bausteine. –
7. für diesen gedachten Zweck der öffentlichen Mittheilung wäre es vielleicht
auch gut ein vollständiges Exemplar an den Herrn Superintendent Lommler
in Saalfeld mitzutheilen; zwar ist er Theolog und besonders ich glaube sogar
Herausgeber theologischer Zeitschriften, dieß schadete nicht wenn nur die Sache
öffentlich zur Sprache kommt. Für die Stellung des Herrn Lommler könnte ihm nun
die Sigristsche Schrift, so wie meine Ergänzung dazu, dann die Beurtheilung
beyder in der neuen Zürcherzeitung theils zur Einsicht theils abschriftlich mit-
getheilt werden; der Herr Schullehrer, auch der Herr Pfarrer in Eichfeld
wäre Euch vielleicht beym Abschreiben gefällig. – Auch in einige[n] Euch näher liegenden
und dem allgemeinen Publikum zugänglicheren Zeit- und Tagesblät-
tern wünschte ich daß der Sache gedacht würde so z.B. auch in der ich glaube
zu Meiningen oder Hildburghausen herauskommenden Bürgerzeitung. Diese Zei-
tung steht glaube ich in einiger Opposition mit der Dorfzeitung d.h. mit N.- [sc.. Nonne] und
dieß ist gut. Die Mittheilung könnte vielleicht auch durch Herrn pp Lommler,
welchen ich ganz besonders freundschaftlich von mir zu grüßen bitte – geschehen.
Vor allem wichtig wären zwey Blätter, d.h. die Mittheilung in zwey Blättern
einmal in dem Conversationsblatte von Brockhaus in Leipzig,
dann der allgemeine Anzeiger und die Nationalzeitung der Deutschen.
Die Wege hierzu müßten aber sehr sorglich gewählt werden.
Zu dem Conversationsblatte könnte man vielleicht durch die Frau von
Ahlefeld
oder auch durch dem Herrn pp Martin gelangen, wenigstens durch
beyde über einen sichern Weg dafür belehren lassen[.]
Zu dem allgemeinen Anzeiger und die Nationalzeitung der Deutschen in Gotha
könnte man vielleicht durch einen der Euch jetzt freundlich zugethanenen
Herren in Rudolstadt Herrn Prof: Sommer - Olarius - am besten wäre
es freylich durch den Herrn Pfarrer oder Diaconus Gräf in Rudolstadt ge-
langen. Ihr könntet ja die Sache mit dem Herr Dr. Fleck welchen ich vorzüg-
lich achtungsvoll und dankbar für seine früheren hoffnungsvollen Aufnahmen
meiner schweizer Mittheilungen danke – besprechen; dieser ist ja ein mit den
Mittheilungen und Verhandlungen in Zeitschriften bekannter und wohlunter-
richteter Mann. – Auch Dr. Wohlfahrt in Hasel nahm ja einmal sehr re-
gen Antheil an Keilhau und auch er soll ja ein rüstiger allzeitfertiger
Correspondent für gar manche Zeitschriften seyn; der Herr Pfarrer in
Eichfeld, dessen ganze Familie ich wie ihn herzlich und treu ergeben grüße
könnte Euch ja darüber Aufschluß geben.
Auch der Herr Adjunctus Burkhard, welchen ich gleichfalls herzlichst grüße kann
Euch wohl ein zweckdienliches rathendes Wort sagen.
Nun noch einige Mittheilungen für die Wirksamkeit in größerer Entfernung.
Natürlich habe ich zunächst hier Berlin, den Ort im Auge <-> wohin uns unsere
früheren Wirksamkeiten so vielseitig weisen.
Zuerst nun an die theuren Verwandten. Der lieben Mutter u Tante hoffe
ich noch ein Paar Zeilen in diesem Briefe beyzulegen, so wie ein Brief von
unser aller Mutter an die beyden Geliebten hier beykommen wird. Zu diesen 2
Briefen bitte ich nun von den an Euch gesandten Drucksachen
       1. einen Bericht des Kleinen Rathes an den Großen
       2.) No 16 und 17 der Volkszeitung (Vom 25 und 29en d. Wintermonat)
NB. Der Inhalt des Eidgenossen dünkt mich nicht daß er den verehrten Frauen zusagen
würde. Das Urtheil über die Prüfung im Eidgenossen hat meine Frau schon früher
abschriftlich nach Berlin mitgetheilt; so wie den Brief von Reg. Rath Schneider
welcher sich darauf bezieht, ihrem jetzigen Brief nach Berlin beyge-
fügt*
[Rand*-*]* die Frau hatte nicht Zeit dieß zu thun Ihr werdet daher gebeten diesen Brief (es ist der erste welcher den Eindruck der Prüfung enthält) in Abschrift nach Berlin an die Mutter beyzulegen[*]; Solltet /
[2]
Solltet Ihr sonst noch etwas für zweckmäßig halten der lieben Mutter und
Tante von den Euch zugesandten Aktenstücken mitzutheilen, so bleibt es Eurer
Einsicht und Theilnahme ganz überlassen.
Ihr werdet Euch erinnern daß ich Euch von der Eröffnung der Wartenseer
Anstalt im August oder Septbr 1831 eine große Menge Anzeigen als Grüße für Be-
kannte und Theilnehmer unseres erziehenden Wirkens übersandte.
Es kam mir dort selbst eigen vor, und erscheint mir jetzt fast noch eigener
wenn ich jetzt die dortmalige Stellung Wartensees überblicke; allein es will
mich dünken als habe mein Geist die nun gekommene Entwickelung vorausge-
sehen und ihr gleichsam die Bahn dortmals gebrochen. - Mich dünkt es nemlich
doch ganz natürlich daß wohl gar mancher an welchem dortmals die Grüße
kamen, sich schon gefragt hat und noch fragen wird: - ”was nun denn
doch aus jener Wartenseeer Anstalt geworden seye” - So dünkt mich
nun wird auch wohl Dr. Schleyermacher und Professor Weiß in Berlin
fragen an welche Ihr –irre ich nicht begleitet mit einigen Worten
von Euch – Ihr dortmals die Anzeigen gesandt ha[b]t. – Ich halte es daher
für zweckmäßig wenn auch von diesen Aktenstücken eine vollständige
Sendung (also auch vom Eidgenossen) an Professor Weiß so wohl als auch
an den HErrn Dr. Schleyermacher gelange. Leider habe ich nicht die mindeste
Zeit, wenigstens heute nicht, einige Zeilen nicht einmal an den Prof. Weiß
bey zu legen. Ihr könntet also wohl nur mit einem herzlichen Gruß von
Euch und mir die Sachen an die beyden Genannten Männer überschicken;
die Sendung dünkt mich erklärt sich durch sich selbst – An den Professor
Dr. Schleyermacher müßtet Ihr aber nothwendig eine Sigristsche Schrift
und eine Ergänzung von mir beylegen.
Gut wäre es überhaupt wenn der Sache auch in irgend einer Berli-
ner Zeitung gedacht würde. Barop hat deßhalb einige Stellen in
Berichte angestrichen. Wir haben zu diesem Zweck an den Buchhändler
Dümmler einem alten Lützower und besondern Bekannten von uns
Dreyen gedacht. – Ihr könnt Euch nun entweder wenn ihr [sc.: Ihr] Exemplare
genug dazu habt an ihn unmittelbar – oder durch den Herrn Prof:
Weiß an ihn wenden, nemlich mit der Bitte an den HErrn Prof. Weiß
die ihn übersandten Drucksachen an den Buchhändler Dümmler [zu geben] vielleicht
mit einigen besondern Zeilen von Euch - zum Gebrauch für eine sey es auch
kurze Notiz - welche den Geist und den Charakter der hiesigen Wirksam-
keit ins Auge faßte - in irgend ein Berliner Blatt.
Ich habe heute nur Zeit alles kurz anzudeuten, darf ja aber das Ganze
auch Eurer Einsicht ganz überlassen.
Alles was Ihr nach Berlin senden wollet könnet Ihr ja an die liebe Mutter
einschließen; und dieses Packet dann, unter einem zweyten Umschlag an
den Herrn Königlich Preußischen Geheimen Postsekretär Herrn Jennerich zu addressiren; mit einem
herzlichen und freundschaftlichen Gruße von meiner
Frau und mir mit der Bitte um gütige Abgabe.
In Euerer Umgegend könnt Ihr dann noch von dem Berichte so weit er
langt und von der Volkszeitung leihweise an den Nachbar Wirth - Herrn
Schullehrer – Herrn Pfarrer in Eichfeld – Herrn Pfarrer Korn - nach
Königsee – nach Döllstädt – nach Stadtilm an Arthur (wenn Veranlassung dazu
ist) u.s.w. überall mit meinem Gruß abgeben lassen; an Dr Fleck
versteht sich von selbst; Auch den Metzger Wohlfahrt ist vielleicht gut
ein Exemplar des Berichtes zu geben.
Alles nach Euerer ernsteren persönlichen Prüfung. –
Barop welcher sich etwas erkältet hat und das Zimmer hüten
muß wird Euch selbst schreiben. –
Als ich im Jahr 1831 von Euch ging sagte ich zu Euch; ich muß sprechen
macht Ihr meine Worte wahr; jetzt ist zum zweytenmale eine Um- /
[2R]
drehung der Pole gekommen; Ich muß jetzt wieder das Ganze in Euern
Mund legen, es muß durch Euch Sprach[-] und Wort-Verbreitung er-
halten und ich – ja ich muß nun hier wieder durch Treue Fleiß
Arbeit und Anstrengung Euer Wort, Euere Rede, Eure Verbreitung
zu und für öffentliches Urtheil durch Thun, durch die That bewahren.
Wie Ihr sehet daß ich Euer Wort, auf Veranlassung des Appenzeller
Angriffes durch stilles Thun bis jetzt bewahrte.
Zu dieser Öffentlichen Verbreitung muß die Zeit bis Neujahr be-
nutzt werden wo in der politischen Welt und in den Zeitungen eine
gewisse Ebbe einzutreten scheint; die nachherigen Congreß Verhand-
lungen möchten von solchen sich auf das allgemein Menschliche sich
beziehenden Mittheilungen den Blick wenden.
Barop wird unter Gottes Schutz und Leitung auf seiner Reise auch dafür zu werben
suchen daß sich endlich in der wichtigsten der menschlichen Angelegenheiten
besonders in der jetzigen Zeit ein Urtheil bilde.
Nun seyd alle Gottes Schutz in Liebe und Treue empfohlen.
So bald sich in Keilhau weitere Entwickelungen zeigen theilt mir
solche ja sogleich mit. Ihr glaubt nicht wie wichtig jetzt die
Tage, ja die Stunden sind.
Euer
FriedrichFröbel.