Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 5.2.1834 (Willisau)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 5.2.1834 (Willisau)
(KN 46,18, Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S. Das Blatt enthält neben dem eigentlichen Brief an Barop Abschriften zu Barops Kenntnisnahme v. zwei Zeitungsartikeln v. 30.1.1834 bzw. 3.2.1834 sowie des Briefs v. Johannes Schneider an F. v. 1.2.1834.- Daß die Abschriften auf beide Blattseiten verteilt sind, erklärt sich wohl dadurch, daß das Blatt vor der Beschriftung mehrfach gefaltet war. F. benutzt das Blatt für den eigentlichen Brief offenbar, nachdem es die Abschriften enthielt. Es handelt sich daher um das am Schluß des F.-Briefs an Middendorff u. Barop v. 27.1./7.2.1834 erwähnte "Anlagzettelchen" mit dem Neuesten, das Barop für Middendorff u. Langethal ggf. erläutern soll.- Beide Briefe wurden also zusammen verschickt.)

Text 1: Abschriften aus der Beilage zum Berner Volksfreund v. 30.1.1834 und aus dem Eidgenossen v. 3.2.1834, Handschrift unbekannt, mglw. Ferdinand Fröbel

[1R]
Für Barop.
Beilage z. Berner Volksfreund No 9 vom 30ten Januar 1834. Man liest u. hört, in Hofwyl sey letzten
Donnerstag eine solche Empörung unter den Zöglingen des "Stifters" aus[-]
gebrochen, daß sehr gewaltsame Maßregeln gegen dieselben haben an-
gewendet werden müssen, um sie in Ruhestand zu versetzen. Ohne
Zweifel schrieb während der inzwischen gewählten Entfernung vom
Schlachtfelde der Landamman an den Reg. Rath, dieser möchte doch
gegen die Presse (Anmerkung der Redaktion: Wer benutzt sie auf die
mannigfachste und künstlichste Weise?) eine Presse und über die
"Unfügen der (gestifteten) Zöglinge" eine amtliche Untersuchung
von Polizeiwegen eintreten lassen. Ob auch das Erziehungs-Departe-
ment zur Befolgung des Gesetzes über den Privatunterricht von
Erziehungswegen
aufgefordert werden werde, soll noch zwischen
dem Landamman und dem Stifter in Überlegung stehen. Hoffentlich
wird sich der Gr: Rath gegen den Landammann weniger rebellisch
aufführen, als gewisse Unterthanen gegen ihren Monarchen.-
— Zu Willisau, Canton Luzern, besteht zu großem Aerger der
Pfaffen das treffliche Fröbelsche Erziehungsinstitut. Das Erziehungs-
departement, darauf aufmerksam gemacht, ließ letzten Herbst eine
Besichtigung desselben vornehmen, deren Ergebniß ein Antrag an /
[1V]
an den Reg. Rath war, vier wohlgewählte junge Leute auf Kosten des
Staats dort zu Schullehrern heranbilden zu lassen, welchem An-
trage am 27ten entsprochen worden seyn soll.—

Aus dem Eidgenossen vom 3ten Februar 1834 Kant. Bern. Der Re-
gierungsrath hat, in Betrachtungen der vorzüglichen Leistungen
des Fröbelschen Instituts in Willisau, beschlossen, vier Zöglinge
dahin zu senden, um sich für den Volksunterricht, mit besonderer
Berücksichtigung des Armenschulwesens, vorzubereiten.

Text 2: Abschrift des Briefs v. Johannes Schneider an F. in Willisau v. 1.2.1834 (Bern)
(Handschrift wechselnd, zunächst unbekannt, mglw. Ferdinand Fröbel, ab "Mein Wille und [...]" F.s Handschrift)

[1V]
Dem Hoch zu verehrenden Herrn Director Fröbel in Willisau.
Hochzuverehrender Herr! Das Central-Comité für christl. Volksbildung hat in
seiner Sitzung von vorgestern - in Betracht, daß es in mehrern Rücksichten, besonders
um das Interesse rege zu halten, dringend ist die Armen-Erziehungsanstalt sobald möglich
ins Leben treten zu lassen - in Betracht, daß schon eine bedeutende Summe zur Gründung
derselben vorhanden [ist] u ohne Zweifel noch viele Beiträge fließen werden - in Betracht
daß sich bereits mehrere Gemeinden erklärt haben 10-15 Kinder gegen ein Kostgeld von
L 25-50 auf einige Jahre der Anstalt anzuvertrauen - in Betracht endlich, daß die Zwe-
cke des Vereins erst dann Zutrauen ein flößen werden, wenn jedermann mit eigenen Au-
gen sich von der Zweckmäßigkeit derselben wird überzeugen können - beschlossen:
1, Allem [sc.: Alles] auf zu bieten, um der am 7ten Mai nächsthin in Thun abzuhaltenden Hauptver-
sammlung des Vereins anrathen zu können, die Anstalt alsobald zu eröffnen.
2, Bis dahin wo möglich ein geeignetes Lokal samt Erdreich ausfindig zu machen.
3, Sich um ein Ehepaar um zu sehen, das Kraft, Muth und höhern Beruf in sich fühlt, Eltern- und Lehrer-
pflicht an der armen Jugend aus zu üben.
Soweit sind wir bis jetzt gekommen mein werthester Herr! Der erste und zweite Punkt
werden sich leicht geben; über letztern, den 2en besonders bin ich ja mit Ihnen ein verstanden.
Einfachheit ist die Hauptsache. Der 3e Punkt ist aber schwierig. Können sie [sc.: Sie] uns hierin rathen,
oder was besser wäre helfen? Wir könnten wohl niemand finden, der uns dienlicher wäre, als
Sie oder Herr Barop. Aber noch haben wir für das große Werk kleine Hülfsmittel; wir hoffen /
[1R]
hoffen aber auf Gottes Beistand. Anfänglich kann also nur der Gehalt nur im Verhältniß
mit unserer Cassa sein und doch ist es so wichtig, daß wir gleich anfangs den rechten Mann
finden. Wie die Grundlage, so das Gebäude! Nur ein Bedenken wenn ein Hochdeutscher die
Stelle annähme bitte ich Sie mir zu lösen. Ist es rathsam ist es zweckmäßig unsere armen
Bauernkinder an eine fremde Mundart zu gewöhnen. Werden sie nicht dadurch aus ihrer
Sphäre, der man sie nicht entrücken soll, gerissen? wird es unsern Gemeinden recht sein
die Kinder dereinst wieder zu sich zurück kehren zu sehen, gleichsam als Fremdlinge, we-
nigstens der Sprache nach. Dieser Betrachtung habe ich erst heut mein Nachdenken gewidmet;
belehren Sie mich gefälligst hierüber.— Um Ihre Bereitwilligkeit, Ihre Kenntnisse u
Ihre Erfahrungen in vollen Anspruch nehmen zu können zum wahren Seegen der Mensch-
heit bitte ich Sie mir in möglichst gedrängter Kürze die in einer Armen Erziehungsanstalt
zu befolgende Erziehungsweise andeuten zu wollen; zu sagen, was da Haupt- was da
Nebensache sein müsse; was man aus den Kindern machen, was nicht machen wolle?-
Mein Wille und meine Ansichten sind hierüber ziemlich klar; allein ich wünsche mei-
nen Hee. [sc.: Herrn] Collegen auch diejenigen eines erfahrerern [sc.: erfahrenern] in diesem Fache vorlegen zu können.
Ich habe in vielen Bogen in Händen was ich jetzt begehre; allein Mancher liest
etwas Kurzes mit mehr Aufmerksamkeit als viele Blätter. In der Hoffnung
recht baldiger Antwort, indem jetzt Eile recht Noth thut, verharrt mit ausge-
zeichneter Hochschätzung
Ihr ergebenster, Schneider Reg. Rath

Bern am 1en Febr: 1834.
Text 3: F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 5.2.1834 (Willisau)

[1V]
Willisau am 5. Tage im Monat der Klarheit 1834. (Febr)

Lieber Barop.
Aus allem was hier mitkommt wirst Du sehen wie hier alles
drängt, deßhalb wäre es mir sehr lieb gewesen wenn Du
mich nicht schon länger als 4 Wochen auf einen zweyten Brief
hättest warten lassen; schreibe mir doch ja bald nach Deiner An-
kunft in Keilhau
. Fasse Dich damit mir Dein liebes Weib
nicht böse wird und Du nicht zu lang auf das beglückende Gekose
Deines Johannes warten muß[t] so kurz, aber so bestimmt als
möglich. Ich werde immer gefragt nach Briefen von Dir und man wun[-]
dert sich daß Du uns so lange auf Briefe warten läßt. RR Schneider den
ich in Sumiswald traf fragte auch ob Du nicht seit Cöln wieder an mich ge-
schrieben habe[st] . Woher mochte er nur das wissen?— Seegen bringe Dein Eintritt in Keilhau.