Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop, Heinrich Langethal und Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 12.2.1834 (Willisau)


F. an Johannes Arnold Barop, Heinrich Langethal und Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 12.2.1834 (Willisau)
(KN 46,20, Brieforiginal 1 B 16° 4 S., zit. Halfter 1931, 694 [aus 2V])

Am 12en Tag im Monat der Klarheit (Febr) 1834.


Dir Barop!

zur Beantwortung soll heißen zur Erwiderung auf
Deinen lieben Brief vom 3en und 4en d. M. Mit dem Post-
zeichen Gotha 5en Febr nur ein Paar Worte des Dankes
für denselben; Du hast uns sehr lang warten lassen, über
1 ganzen Monat.
1. Alles geht hier in ruhiger stiller, verborgener Entwicke[-]
lung vorwärts, wenn auch wie gewiß unter harten Entgegnungen.
2. Vor ein paar Tagen war auf einen Tag ein junger hübscher
Bauernbursch aus Affholden 1 Stunde von Münchenbuchsee bey mir
er hat Lust zum Schullehrerfach, er kam auf Veranlassung des RR.
Schneider
hierher welcher zu seinem Vater gesagt hatte, er <wüsste>
seinen Sohn jetzt keine bessere Anstalt als die hiesige zu empfehlen.
Dem jungen, aber doch schon 23jährigen Mensch gefiel es hier sehr wohl
und er äußerte wenn er nicht von der Reg. unterstützt würde
so hoffe er aus eigenen Mitteln hier d.i. im Städtchen leben zu
können.- 3.) Künftigen 17en  d. M. (:gerad an Pestalozzis Sterbe[-]
(:auch Auferstehungs?- Wiedererweckungs?-) Tage) gehe ich
nach Münchenbuchsee um wegen der Wahl der 4 hierher be-
stimmten jungen Leute zu bestimmen; dort werde ich auch ohne
Zweifel diesen ebengedachten jungen <Berner> wieder treffen.
4. Wie so immer vielfach das Gerede geht, so höre ich jetzt schon
von Zeit zu [Zeit von] Zöglingen welche im nächsten Sommer hier eintreten
wollen. 5. Vor ein paar Tagen war der Präsid. Rüegger, <Geros>
Vater einige Stunden hier; er hat mir gar sehr gefallen. /
[1R]
ich sprach sogar mit ihm über die Nothwendigkeit eines allgem[einen]
ReligionsUnterricht. Er stimmte mir ganz bey.- Nur langsam,
sagte er könne man hier vorwärts schreiten.- 5.) Am Sonntag
wurde hier wieder die Glocke aufgeführt, doch nicht so gut wie
früher. Mehrere waren wieder hier. Auch Pfarrers von Hutwyl
mit ihren beyden Söhnen. Es ist ein sehr gehaltvolles Eltern[-]
paar. Sie ist nicht minder edel {und geistreich / u gemüthvoll} wie ihr Mann.
Sie bewies mir namentlich in Beziehung auf
ihre Kinder besonders auf Gottlieb das höchste Zutrauen; sie sprach
mir <offen> so vertrauensvoll habe sie noch mit Niemand <darüber>
gebrochen [sc.: gesprochen]. Ihre ganze Hoffnung in dieser Beziehung ruhe noch auf mir.
Gestern ist auch Gottlieb wenn auch nur auf fernere Prüfung
als Zögling hier eingetreten.- 6. Heute habe ich mit Deinem
Briefe eine gedruckte Einladung und Aufforderung von Meyer und
Forrer, Lehrer zu Lichtensteig (ohnweit Rapperswyl)
zur Theilnahme an einer Zeitschrift: ["]Der Schweizerische
Schul- und Hausfreund" erhalten welche mit Anfang dieses
Jahres im Verlag der Egli'schen Buchhandlung zu Herisau und
Lichtensteig erscheint.- In der Einladung heißt es:
"Vorwärts!["] erschallt's vom Genfersee bis zum
Bodensee, vom Jura bis in die Hochländer der Alpen,
"Vorwärts durch Erziehung und Unterricht!"
Solche Brosamen sollte man in dem Rudolstädter Mitt-
wochsblatt, in den Saalfelder Mittheilungen rc. ausstreuen.
Ob und in wiefern ich an dieser Zeitschrift Antheil nehmen
werde weiß ich noch nicht.- Schreibe bald Deinem
FrFr. /

[2]
Nun auch an Euch Langethal und Middendorff einige Worte.
1. Die Sachen sind sehr gut angekommen; doch ist durch einen
Irrtum die Fracht fast um 1/3 theurer als ich verbesserte,
Die erste Summe war die richtige. 2. Habe ich mir denn
nur 3 Exemplare der Menschenerziehung erbeten?- Konntet
Ihr nicht veranlaßt durch die Fortentwickelung seit meinem
diese Bestimmung enthaltenden Brief noch einige Exemplare aus
eigenen Antrieb beylegen?- 3. Habe ich mir denn auch
Exemplare der fortgesetzten Nachrichten (roth geheftet) er-
beten?- Diese hätten immer zurück bleiben können.- 4. 
Hat sich meine Frau nicht die starken Weingläser erbeten?-
5. Den lieben Söhnen und Töchtern meinen freundlichsten Dank
für ihr liebes Weyhnachtsgeschenk. Ich weiß jetzt nicht wie
sich [sc.: ich] meine Schuld die sich immer mehr häuft abtragen soll,
mir fehlt die dazu nöthige Zeit des freyen Gemüths und Geistes.
Auch in mir erschallts zwar nichte, aber treib[t] gewaltig
vorwärts. Vielleicht bezahle ich mit Gottes Hülfe einmal
alles durch eine einzige große Lebensgestalt. 6. Aus Ba[-]
rops Brief muß ich fast den Schluß ziehen, darinn die Be[-]
stätigung meiner schon im vorigen Briefe ausgesprochenen
Vermuthung finden, daß er nicht so bald, nach der Schweiz zu[-]
rück kehren wird; daher bitte ich meinen Vorschlag wegen
Langethals baldiger Überkunft in reife Überlegung zu
nehmen. Ich wollte Langethal wäre schon hier wir hätten
beyde noch gehörig zu thun. Mit nächsten werdet Ihr meinen
Plan zur Bernschen CantonalMusterarmenerziehungsanstalt
erhalten. Alles Einzelne wißt Ihr jedoch aus den frühern
Mittheilungen schon, nur erscheint manches jetzt in bestimmterer Form /
[2R]
und als bestimmtes Glied eines großen Lebensganzen.
7. Wenn auch der Gedanke wegen Ernestinens Erholungs
Reise hierher fest gehalten werden könnte, so wäre es
vielleicht möglich daß sie zugleich mit Frankenbergs
Schwester von Frankfurt aus die Reise hieher machen
könnte; doch dieß ist nur ein Gedanke. Sobald ich selbst
etwas weiteres darüber sagen kann, dann mehr davon.
Jetzt etwas ganz Neues von diesem Augenblick (Mittags den
12en Febr. 1 Uhr.) Gestern war hier allgem: Fastnachtsfeyer.- Meh-
rere Glieder des Vereines kamen im Rößly Abends zusammen;
Auch die Lehrer der Anstalt wurden vom He. Dr. Barth eingeladen;
Ferdinand, Langguth, Frankenberg, Titus gingen hin. Eben sagt mir nun
Ferdinand daß auch über die Anstalt gesprochen worden sey, na-
mentlich darüber daß ich zum öftern sehr hart gegen das Rüde-
wesen besonders der Großen gesprochen; da man nun hier
von mehreren Punkten aus auch von dem Grundsatz ausgeht
"Die Jugend muß austoben["], so hat man das Betragen der Kinder
in Schutz genommen dagegen gegen meine Maasregeln gesprochen[.]
- Heute hat nun Baumann, dessen Kinder die unordentlichsten
im Schulbesuche, die Nachlässigsten während des Unterrichtes
und sonst im Betragen die rohesten sind - denen aber vom
Ganzen aus wegen ihrer Jugend, und selbst von mir die größte
Nachsicht wird in dieser Beziehung einen beschwer[d]enden Brief
an Ferdinand geschrieben. Ich sah Auf alles alte, Dir Barop
schon bekannte z.B. mit Jost Hecht - dem Sohn von Kronenberg rc sagt Fer-
dinand schiene man zurück zu deuten.- Ich sahe das schon
lange in dem Maaße kommen als sich die Theilnahme von Bern aus steigerte.
Nun ich will die Entscheidung erwarten; so viel ist an der Sache, daß ich die ernste- /
[Briefschluß auf den Rändern:]
ste Sprache gegen das bekannte Rohe, rüde Wesen führen müßte, sonst müßte ich ernstlich fürchten /
[2V]
daß man es mit dem Unwesen der Sekundarschulen zusammen geworfen. Von allen an alle Grüße
Euer Fr Fröbel /

[1R]
Ihr seht ich werde ein Stein des Anstoßes seyn ich mag es mag es machen wie ich will. Dir Barop /
[1V]
ist der Geist der sich regenden Opposition bekannt. Es geht wieder von Baumann aus.-
Dieß sind die Nachtfröste von welchen Du Barop schreibst, welche die jungen Keime zurück drängen. /
[Zwei weitere Nachbemerkungen, die erste auf 1V zwischen den Text geschrieben, die zweite am Blattfuß von 1V, Reihenfolge auch andersherum möglich:]
Innigst haben wir uns alle, besonders die Base und ich
mit den Keilhauern und den Deinen Deiner, Gott sey
Dank glücklichen Ankunft in Keilhau erfreut. Die Base grüßt besonders /
schreibt ja bald, daß ich weiß wie ihr [sc.: Ihr] alle über und wegen Bern denkt.