Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 27.2./28.2./1.3.1834 (Willisau)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 27.2./28.2./1.3.1834 (Willisau)
(KN 46,25, Brieforiginal 1 ½ B 4° 5 ½ S.)

Willisau am 27en Tag im Monat der Klarheit (und Wahrheit.) Febr. 34.


Gott zum Gruß lieber Barop!

Ich wende mich mit dem heutigen Briefe besonders an Dich, da derselbe verwaltend die Beantwortung des
Deinigen betreffen wird. Die Hauptsache nun zuerst: Langethal schreibt gleich im Anfang seines Briefes: "Du
"siehst mich so zur Abreise gerüstet, die ich antreten kann und werde, sobald Dein nächster Brief die bestimmte
"Forderung ausspricht." Du beginnst Deinen Brief mit den Worten: "Ich denke Langethal reiset gleich nach
"Empfang Deiner Antwort von hier ab." Am Ende Deines Briefes hast Du nun noch mit Deiner bekannten Schrift
für Mikroskope eingefügt: "Kann Langethal das geringe Reisegeld von dort zugesichert werden?" Siehe
mein lieber Barop! dieses letztere hättet Ihr Du oder Langethal gleich im Beginne als ein großes Aber!
oder Wenn? folgen lassen sollen; denn ich will Dir nur ehrlich gestehen, daß ich in der Eile des gestrigen Postta-
ges dieses Dein Anhängsel und Einschiebsel über sehen habe.- Siehe, ich war schon darauf vorbereitet, ein leiser
Gedanke daran durchflog auch wirklich meine Seele, allein die Hast des Tages machte daß er folgelos verflog.
- (:Als Zwischengedanke will ich nur sagen, daß mir fast immer das Rechte die Seele durchfliegt, aber die Hast des Leben[s] es leider
gar zu oft als eine zu zarte leise Stimme überhört; ich muß jetzt immer mehr zu der Überzeugung gelangen, daß der Mensch
eine ganz außerordentliche Ahnungsgabe oder vielmehr Vorherahnen Gabe des Vorherahnens habe, so daß er, wenn er ohne
ein Träumer und Brüter zu werden, im frischen fröhlichen freyen frommen Lebensgang darauf zu achten gewöhnet würde
er in einem sehr hohen Grade immer das Richtige erfassen und wenn er es zweifellos im Thun und Handeln fest halten
würder, er gewiß überwiegend weit öfter als jetzt das Rechte und Wahre und so das eigentliche Gute u Tüchtige ausführen
würde. Lieber Barop und lieben Freunde! ob ich jetzt gleich seit fast 30 Jahren meine Selbsterziehung ungerechnet ausübender
Erzieher bin, so {sehe / fühle[}] ich doch täglich immer mehr, daß wir was die Ausübung und Ausführung betrifft, noch in dem ersten
Vorhofe der von Gott selbst eingerichteten WelterziehungsAnstalt stehen*); darum freue ich mich daß, wie Du mir schreibst
Dein Johannes Dir täglich Vorlesungen hält, lasse ihn aber auch sich selbst Collegia lesen es ist dieß das beste, er ist nicht mehr
zu jung dazu; daß Du Dich nicht zu alt dünkst Dir selbst ordentliche zu lesen, das weiß ich; aber leset Euch auch einander
gegenseitig
Collegia, darum sind es ja eben Collegia; übrigens f willst Du und findest Du in der 2 die 3 nun ja, es heißt
ja tres faciunt collegium und dieses Collegium hat ja der liebe Gott selbst an das schwarze Brett des Universitäts
Gebäudes Erde angeschlagen; seelig, seelig! wie ein Engel, wer es hört; sehet mir nun einmal die Maria und den Joseph
an!- Ein langer Zwischengedanke, aber das Leben ist auch lang; dennoch kann es wie es lang ist auch leicht und wie es
lang ist auch schwer werden leicht: - thue s beachte sinnig das Rechte, thue sinnig das Rechte, mache sinnig das Rechte
um Dich, die Deinen beachten und wecke den Sinn und Selbsttrieb es zu thun.:)-
Ich will nun suchen meinen [{]Fehler/Schaden[}] so schnell als möglich gut zu machen und ich hoffe nicht zu spät
Du empfängst also hier eine Anweisung an Frau Heß in Berlin über den Betrag von 60 Rth prß
Courr. oder fl 105 <Schwi.> in 24 fl. Fuß [(]4 Rth. prß = 7 Gulden <Schw.>[)]. Ihr könnt es nun machen wie Ihr wollt, Ihr könnt Er den Betrag
nun durch He. v. Haller in Berlin oder durch Wm Koch jun in Jena beziehen, oder es so machen daß Ihr
Euch wie früher von Handelsh: v. Haller in Berlin einen Wechsel auf ein Frankfurter Handelshaus schicken
lasset und diesen könnt Ihr dann umsetzen wo Ihr wollt; genug ich habe Euch nun wenigstens einen
Credit von wenigstens so viel eröffnet, als zur Reise von Langethal nöthig ist.- Meine Frau die alle
schützend und mit mütterlicher Sorgfalt immer umfaßt hat mich so darauf aufmerksam gemacht /
[1R]
den Langethal, weil er doch keine gar zu feste Gesundheit habe mit dem nöthigen Reisegeld zu versehen, daß er
doch zu weilen fahren könne; das erste nun zwar gerne beachtend meine ich daß das letztere wenn es die Umstände
Wetter und Erschöpfung nicht fordern, - nicht eben gesund und glücklich macht. Gegen scharfe Luft soll sich Langethal
nur durch wollenes Zeug Hals Schultern und Brust sichern, und den Unterleib vor Erkältung durch eine wollne Binde sichern.
Hat nun also von der angewiesenen Summe 1) Langethal sein Reisegeld, so kann zweytens die Summe
davon genommen werden welche Herr Langguth noch der Mathilde von Schönfeld schuldet; über das Bezahlen dieses
Geldes erbitte ich mir aber zum Belege eine Quittung.- Drittens kann davon genommen werden was für Langguth an
die Buchhandlung in Rudolstadt gezahlt worden ist, nach der mir zugeschickten Rechnung Rth. 1.9.9.- Viertens wünsche
ich daß die alte Lehne für ihre treuen Dienste welche sie besonders während des verflossenen Sommers auf dem Felde gelei-
stet hat ordentlich bezahlt werde; sollte sie schon ausgetreten, d.h. abgezogen seyn so soll ihr was sie auch nur nach Billigkeit fordern
kann, noch nachgezahlt werden; ich will nicht, daß sie in sich die Überzeugung <tragen / hegen> soll, sie habe in meinem
Dienste gefrohnet.- Ist die Rechnung aber abgemacht und hat sie sich sonst nur eben nicht gar zu ungeberdig [sc.: ungebärdig] gestellt, so soll sie
für die Äpfel welche sie im vorigen Jahr meiner Frau geschickt hat Rth. 1. preuß erhalten.- Fünftens sind für Ludowika
noch einige Schumachergelder zu bezahlen, auch diese soll die Casse zurück nehmen und mir Quittung schicken; - sechstens
sind sonst noch Gelder und Auslagen für das Verpacken der Sachen zu ersetzen so ist die Casse hiermit berechtigt solche
zurück zurechnen z.B[.] die 8 <?>. 9 <?>. Accise für ChristianFriederich Strümpfe.- Siebentens endlich kann die Casse wenigstens
Rth. 5- sächsisch einstweilen als Antheil an dem Postgeld zurück behalten.- Ihr könnt mir gelegentlich den vorigjährigen Be-
trag des Willisauer Postgeldes, meinetwegen bis und mit dem Monat Februar d. J. überschicken. Mein fester
Vorsatz ist, bald möglichst wenigstens die Hälte davon der Keilhauer Casse zu ersetzen. Ich würde längst schon Keilhau
einige Baarsendungen gemacht haben ich hatte mir sie wirklich schon einigemal z.B. bestimmt an Weihnachten vorgesetzt,
Wenn sich erstlich die Verhältnisse hier nicht gar zu langsam - (obgleich an sich wohl schnell) entwickelten; zweytens die Gelder
so zerstückelt und langsam eingehen; drittens aber die Bedürfnisse nur zur allerdringendsten Einrichtung des Hauses <namentl[ich]> [in]
Hinsicht des Bettwerkes und des Leinzeuges dazu, nicht gar zu groß wären. Ich weiß nicht gleich wie viel Bette ich hier
schon hergestellt habe. Keilhau muß darum vor der Hand wenigstens das beachten, daß dieses auch die materielle
Vermögensmasse des Ganzen vermehre. Ich habe freylich die feste Hoffnung, und jetzt wohl noch mehr als im vorigen Jahre
daß die Zukunft und vielleicht die nähere durch unsere und besonders auch meine rastlose Thätigkeit, wenigstens uns
zunächst einen Theil unserer ökonomischen Lasten mindere unsere pekuniären Fesseln löse.- Solche gemeinsam eini[-]
gen Anstrengungen wie jetzt die unsrigen kann doch wirklich auch die Vorsehung nicht ohne Folgen lassen; ich lege in dieser Hin[-]
sicht sobald nur einigermaßen die Zeit frey werde keinen unbedeutenden Werth auf unsere Handschriften.
Ich werde keinen Augenblick säumen, Keilhaus Lasten zu erleichtern; ich selbst leide in dieser Absicht hier selbst an dem
Nöthigsten Mangel; es würde es Niemand glauben wenn ich es sagte.- Kann darum Langethal nach Möglichkeit noch Geld mitbringen so ist es gut.
Langethal soll sich mit einem Regenschirm versorgen, aber einen bessern, d.h. haltbareren als Titus sich gekauft hat
nemlich besonders in Hinsicht auf die Metallspeichen von dem Stocke aus.
Nochmals erinnere ich, - da ich hoffe das [sc.: , daß] Langethal noch nicht abgereiset ist - wenigstens ein am besten aber zwey Exemplare des Zehschen
berichtest [sc.: Berichtes] von welchem Du mir schriebst, daß Du Dir ihn in Darmstadt bestellt hättest.- Weiter sehet doch zu, daß Ihr durch
die Druckerey, durch Dr Fleck oder durch die Bibliothek den Krauseschen Aufsatz mir durch Lgthl schicken könnt. Irre ich nicht so ist
er ja nicht so gar groß und könnte wohl abgeschrieben werden.
Du Barop schreibst mir, daß sich Dr. Gensler nach Keilhau gewandt habe, um von meinen erzieherischen Ergebnissen
für die polytechnische Schule in Frankfurt a/m Gebrauch zu machen; auch diesen Brief, wenn auch an sich werthlos, möchte ich wohl
in Abschrift haben Zeit, Ort und Art des Gebrauches giebt mancher unwerthen Sache Werth.- Der nächste Ausdruck dieser
Frankfurter Anfrage ist wenigstens: "wer nicht gegen uns ist, ist für uns." und - Beyspiel ist immer erregend - und -
aus dem Unvollkommenen kann endlich auch das vollkommenere empor steigen.
Hierdurch gleich zur besonderen Beantwortung Deines beachtenden Briefes. "Erst will ich sogleich sagen daß es recht gut war
daß Ihr einen allgemeinen Brief an mich habt schreiben lassen; ich habe sogleich bey dem Herrn Pfarrer Stähli, welcher
eben zu mir kam <u>, wie ich glaube, wesentlichen Gebrauch davon gemacht.-
Wenn Dein Johannes wieder sein Schreystündchen hat und Dein liebes Weib dabey vielleicht etwas ängstlich
wird, so tröste sie mit dem alten sprichwörtlichen Erfahrungssatz: "Schreykind, Gedeykind." Und zu Deinem Knaben
sage: "Wohl bekomm es Dir!["] Es giebt ein gewisses Schreyn dieß dünkt mich wie ein stärkendes erfrischendes Bad, oder eine Raupenhäutung,
es stärkt die Lunge und < ? > wölbt die Brust; hinterläßt oft das Gefühl der Selbstständigkeit, Selbstgenügsamkeit
und ist wenigstens keinesweges so nachtheilig als der still am Herzen nagenden [sc.: nagende] stille Ingrimm.
Langethal schreibt mir: "In Berlin ist unser Aufsatz im Rud. Mittwochsblatt buchstäblich in der <Haucke> und Spenerischen Zeitung abge-
"druckt worden. Der Berliner Freund bemerkt dabey: - die Worte "Geistesfreyheit" und ["]ewiges Recht" - hatten die Berliner
"seit langer Zeit wieder zum ersten Male gesehen".- Sage mir doch nächstens Barop: wo sollen denn diese Worte
""Geistesfreyheit und ewiges Recht,"" vorkommen?- In dem Aufsatze, welchen Ihr mir geschickt habt, über-
schrieben "Die Deutschen Männer in der Schweiz" da finde ich nichts davon.
Du Barop schreibst mir: Bey den vielen Anerbieten die Dir jetzt entgegen kommen mußt Du besonders darauf das Augen[-]
merk gerichtet haben, daß Du einen Punkt zur klaren Durchführung erhaltest. Wie sehr ich dieß, wie fest ich es im
Auge habe werden Dir wieder die Grundlinien zeigen welche Du nun d.h. Ihr gemeinsam erhalten haben werdet;
der Gedanke einer zur Vollendung führenden klaren Durchführung ist so fest mit meiner Seele verwachsen, das [sc.: daß] gar nichts
Halbes mich auch nur leise befriedigen kann, darum ist einzig auch mein festes Streben nach einem freyen Punkte in
einem freyen Lande begründet worüber ich mich in einem meiner jüngsten Briefe so entschieden aussprach. Auch
wenn ich schon wüßte daß ich dieses Ziel nicht erreichte, so werde ich lieber strebend nach diesem Ziele sterben; und schon
das Bewußtseyn des Gestrebt habens darnach ist mir Belohnung genug. Werde auch von mir d.h. für mich persönlich
außer jenem Streben Nichts gar nichts erreicht, nur um alles nicht das erschlaffende Beyspiel gegeben <des / das> Zufrie[-]
denseyn mit einem halbvollkommenen Zustande. Die Grundlinien (und deßhalb habe ich sie so genannt) zeigen so ziemlich
im Grundriß, wie ich die klare Durchführung eines begründenden Lebens will. Entkleidet sie dieser und gebt
ihr andere Localformen, so habt Ihr vollkommen das Bild nach welchem ich in einem freyen Lande, betrete ich es jemals, wir[-]
ken werde.- Doch der für das Waisenhaus zu Burgdorf zu entwerfende Plan soll mir Gelegenheit geben, den
großen Volkserziehungsplan den ich schon seit langem in mir trage, worin die Erziehung der Glieder eines Volkes und
des Ganzen Volkes sein eigenes Leben, und wo die Erziehung und Volkserziehung ein Nationalwerk, eine gemeinsa-
me VolksThat ist - diesen Plan wenigstens in seinen Umrissen und Hauptpunkten darzulegen, freylich nur in den beeng-
enden kleinlichen Formen welche uns unser europäisches Leben eben möglich macht. Bey dieser Gelegenheit will ich doch
auf das ernsteste anrathen, Du und noch manche andere zurückbleibende Keilhauer übt Euch doch in Handarbeiten und
in /
[2]
Landarbeiten, hier: Baumpflege, Gartenbeartung [sc.: Gartenbearbeitung ?], selbst einige Beachtung und Kenntniß des Feldbaues
dort: Drechseln, Tischlern; beym Zimmern und Mauern kann man gar Manches durch Aufmerksamkeit auf Bauplätzen
erlernen. Nur daß wir nach und nach Hand- und Landarbeiten mehr in unsere eigene Gewalt bringen, können wir
wahrhafte Bildung rein menschlichen Sinn und Leben, überhaupt mehr und ächte Menschenwürdigkeit in die Classe
der Hand- und Landarbeiter bringen, ohne dieß laufen wir immer Gefahr daß unsere Kinder sich noch müde kämpfen für
höhere Lebensgüter und sich deren Besitz dennoch nicht bleibend erfreuen; auch müssen wir nothwendig daran denken
unser Streben einst an angemessenen eigenen Grundbesitz zu knüpfen. Als Erdner müssen wir zuerst unser Stre-
ben nothwendig auf diese Grundfläche bauen; dieß ist ein Hauptziel, welches ich für unser Gesammtstreben im Auge
habe, freyer Grund und Boden, in einem freyen Lande, bewohnt bebaut, bearbeitet von innerlich- und äußerlich freyen Menschen dadurch
Barop, bekommt mein Wollen reale Wahrheit und Klarheit für das Menschengeschlecht.
Laßt uns einig, treu, ausdauernd seyn, Ihr ahnet noch kaum das Ziel wonach wir streben.
Was Du mir über Karl Clemens, und bey Gelegenheit Deiner Äußerungen über dessen Lebenserscheinungen schriebst
dieß hab ich schon oft und viel bedacht; es gehört dieß zu meinen allerwichtigsten, wie aber auch in gar mancher
Beziehung zu den allerkostbartsten und theuersten Erfahrungen meines Lebens. Durch diese Erfahrungen ist mein
Leben in seiner äußeren Erscheinung ein ganz anderes geworden als ich wähnete daß es werden würde, und
wird noch täglich ein anderes als ich hoffte daß es werden sollte. Mein Gemüth trug eine ganz andere Stufe der Mensch[-]
heitsentwickelung in sich als ich jetzt um mich sehe; wie kalt, todt, gehaltlos und leer ist alles um mich; hielt ich mich an das
schon Daseyende, Gewordene ich wäre der Unglücklichste der Menschen so aber halte ich mich an das Seyn, an das Erscheinen des
Seyns, an das Werden und so erfreue ich mich obgleich oft kampf- und krampfvoll nach außen, doch in der innersten Tiefe
meines Gemüthes hoher, stiller Seelenruhe, ächten Himmelsfrieden, ja sogar zu Zeiten Freude im Leben und am Leben, dieß besonders
wenn die Natur mich aufnimmt und die Natur in mich aufzunehmen mir vergönnt ist. Der Lohn und Genuß (wenn ich dieses
Wort gebrauchen mag) meines Strebens liegt nicht im Erreichen des Zieles, sondern im Streben nach demselben; ich - ein völlig
unabhängiger freyer Mensch wirke aus einem Gefühle der Pflicht, auf ein Geheiß wie wenige es ahnen und noch wenigere
es kennen würde ich erreichen was ich suchte und was ich meynte zu finden, würde an die Stelle des Unbegründeten, das Begründete
an die Stelle der Trennung der Zusammenhang, an die Stelle des Einzelnen die Einigung, an die Stelle des {Künstlerischen / Künstlichen} das Natürliche,
an die Stelle des Scheins das Seyn, würde an die Stelle der Menschlichen Vereine die Menschengesellschaft treten, würde
ich so mein Ziel erreichen, so würde ich fragen bin ich nicht in der Mitte des Himmels wie mein Herz in der Mitte des Himmelgewölbes?
<U> - Und mein Tod würde mir seyn wie das Entgegenschlummern eines schönen Morgens. Doch so erscheint er mir ja jetzt im
Bilde schon und so soll er mir hoffe ich zu Gott und meinem Geiste auch einst in der Wirklichkeit erscheinen.-
Du hast Worte gesagt, deren stachlichte, vielschneidige, zerreißende {Zentlerlast / Zentnerlast} ich schon oft empfunden habe?- "sie haben
"durch ihr wankelmüthiges und untreues Betragen am meisten zum äußern Zerfall unseres Lebens
"beygetragen"
.- Aber Barop! muß das Saamenkorn das Weizenkorn nicht in die Erde fallen und zerfallen, daß
es aufgehe. Darum wer will mit mir, wer wird mit mir durch Liebe und Treue und treue Liebe ein neues Aufgehen, ein Aufgehen des neuen Lebenskeimes
der neuen Lebenssonne feyern?-

Am 28en Tage. Meine Frau errinnert mich daran daß die von Frau Heß jetzt in Berlin zu zahlende Summe, indem
Ostern die meisten oder alle Pohlen aus der Anstalt abgehen, vielleicht zur Bezahlung der an Blumberg in Berlin
zu leistenden Zinsen nöthig wären.- Nach meiner Kenntnis der Sache müssen die am 1en Januar an Blumberg
zu leisten gewesenen Zinszahlung jetzt schon von der Casse aus gedeckt seyn.- Die nächste Zinszahlungsfrist an
Blumberg ist nun am 1en Jul. Ihr müßt nun, um am ersten Middendorff welcher nun wohl die Cassenführung be-
kommt, dieser muß nun sehen wie Ihr bis zu gedachtem Tage in Keilhau stehet; und wenn es dann nöthig ist, so müßt
Ihr die Anweisung an Frau Heß entweder bis dahin aufheben oder sie jetzt schon an Blumberg überweisen. Ihr
müßt nun das Ganze ruhig sprechen lassen.- Jede Summe die ich jetzt noch, wollte sagen, jetzt schon hier aus dem Ganzen
nehme bringt mir hier wahrhaft Schaden, denn es macht mir hier eine wesentliche Lücke, deren Ausfüllung ich dann
erst von der Zukunft erwarten kann, d.h. von ihr hoffe. Ich habe hier ganz bedeutende Summen zu bezahlen; denn immer
kommen unerwartete Ausgaben z.B. die drey Reisen ins Bernsche die, wie Du weißt immer theuer sind. Daher wäre es nun wohl
zu wünschen, wenn das hiesige junge Leben so lang als möglich gesund erhalten würde; damit sich die Keilhauer Krankheit nicht
zu früh hierher verpflanze. Wohl weiß ich daß namentlich zwey Sachen: Das Reisen und das Postgeld uns
bedeutendes kosten, darum muß es uns größte Sorge seyn aus beyden, dem Reisen und dem Briefverkehr auch den
größtmöglichsten Nutzen d.h. das [sc.: , daß ?] das Ganze auch äußerlich Förderlichste zu ziehen. Wir müssen dahin streben, unsern
Gedanken unsern Geistesproducten unsern Geistes Krafterzeugnissen, materiellen Werth, Sachwerth d.i. zuerst Anerkennt-
niß zu verschaffen, dann müssen wir in Geist und That innig geeint bleiben, daß uns auch der äußere Gewinn
ebensowenig als der innere entwunden, d.h. immer dem Ganzen verbleibe. Wir müssen dahin streben ein<em> zwey[-]
tes höheres bewußtes Natur-, Welt- Sonnen- und Erdsystem zu bilden in welchem auch nicht die kleinste Kraft
der geringste Stoff verlohren gehen. Wir müssen zu der Einsicht herabsteigen, daß es in der Natur umgekehrt wie
im Reiche des Geistigen und der Kraft ist, im Reiche der Natur hat das Kleinste, das Einzelnste, das Individuellste (und
eben darum auch wieder Universellste:) den größten Sach- und Materiellen Werth.- Barop und Freunde! das Leben mit
Bewußtseyn Einsicht und Selbstbestimmung als ein Doppel- als Natur- und Geisteswesen zugleich zu führen - was jetzt An-
forderung an die Menschheit ist, ist eine große, ungeheure Aufgabe. Einigung, Eintracht und innigstes Vertrauen, leben-
volles und rein menschliches Zusammenwirken der Kraft ist es einzig welches verhindern kann daß wir und unsere Kinder über
der Lösung dieser Aufgabe nicht zu Grunde gehen. Damit wir und besonders unsere Kinder einst wahrhaft menschlich leben
können und sollen, deßhalb läßt uns vielleicht die Vorsehung so schmerzlich tief noch in jedem Augenblick empfinden:

daß Wankelmut und untreues Betragen am meisten zum äußeren Zerfall unseres Lebens beygetragen haben.

Ich könnte auch das Gegentheil vom Gegentheil sagen, aber ich will es jetzt nicht thun; erinnere Dich Barops [sc.: Barop] des Briefes welchen ich ich
glaube im Febr oder März 1831 an die Fr. v. H. nach Frkfrt schrieb und welchen Du jetzt besitzest. Auch Emilien Dein Weib, soll sich zu
ihrem und der Ihrigen bleibenden Wohle der Worte erinnern die ich so oft zu ihr gesagt habe wenn meine Seele von der Würde und Be-
deutung des Lebens so tief erfüllt war: Genug Barop! Erhalte mir für Dich für die innig Deinen, d.i. von Dir und von uns in
den innig Deinen und von all den Eurigen wo es sich noch findet, das unverletzte Vertrauen, die unverletzte Liebe und Treue.
Einst wirst Du und sie alle einsehen, daß diesem Wunsche ja dieser Sehnsucht keine persönliche, eigen- und selbstsüchtige Absicht
zum Grunde liegt. Wer mag, wer vermag das Leben eines Menschen ganz zu verstehen, man hat mein Leben oft furchtbar
mißverstanden; die geringste Anzahl der Seelen - was aber> nur die Zukunft ganz offenbaren kann - hat es vielleicht nicht
und nie mißverstanden.- Ich halte es für gut Barop! wenn Du in Zukunft mit Ferdinand in Briefwech- /
[2R]
sel trittst um ihn nach und nach für höhere, allgemeinere Lebensansichten zu wecken; er ist von dem Standpunkte
seiner Lebensansicht sehr rein, wahr, eingehend, tüchtig, wacker unermüdlich arbeitssam; Ich wünsche das [sc.: , daß] Langethal
ihn in seinem Wesen auffassen und anerkennen besonders aber philosophische und philologische Streitigkeiten; auch Streit
über das Leben mit ihm vermeide. Ruhig männliches gemüthvolles Handeln von Seite Langenthals, Briefe von Dir
Vertrauen pflegende Briefe von den Seinen, seinen Schwestern rc können vielleicht das meiste zur eigentlich geistigen
Erhebung Ferdinands beytragen d.h. zur Steigerung und Verallgemeinerung seiner geistigen Kraft.
- Hier sammelt man d.i. im Canton Luzern, sammelt man wie ich höre schon wieder auf das ernsthafte und lebhafteste
Unterschriften zu Petitionen an die Tagessatzung; Die Gegenstände sollen sein 1. die Forderung, die catholische Religion gehörig
zu schützen u.s.w. 2) den Pfarrer in Uffiken [sc.: Uffikon] wieder einzusetzen 3. die Conferenzen in Baden wegen Errichtung eines
eigenen Erzbisthums aufzuheben u.s.w. Mir sagte es gestern unser schwarzer Amerikaner, der meynte es würde nicht
besser bis die Sache Mann gegen Mann ausgemacht würde. Sie hätten jetzt nichts mehr als die dummen Bauern die sie
immer von neuem erregten, denn die Aristokraten wären jetzt auch liberal.
Ich muß doch nochmals Barop! weil die Sache gar zu wichtig ist auf zwei Punkte zurück kommen; der erste ist die letzte
Stelle in Deinen Notizzen für mich: Du schreibst: "In Beziehung auf Karl bleibt es merkwürdig, daß die Knaben,
deren Leben am meisten von dem Ganzen getragen und deren Inneres am meisten gegen störende äußere Hemmung in
Schutz genommen worden ist durch ihr wankelmuthiges und untreues Betragen am meisten zum Zerfall unseres Lebens
beygetragen haben." Hierher gehört erklärend und auflösend, was ich vor wenigen Wochen zu Georgs Vater dem
Präsident Rüegger von Buron sagte: - "Es ist sehr schwer die Kinder, die Knaben; die Söhne jetzt so <brav> zu erziehen
daß sie so brav werden wie ihre Väter (:der Präsid: Rüegger ist im Lebenskampf alles durch sich selbst geworden:)
obgleich die Väter alles beseitigen was sie in ihrer Entwickelung zu hemmen schien und ihnen alles zu reichen suchen."
was sie in ihrer eigenen Erziehung und Ausbildung vermißten, im letzteren Fall Schulen u Erziehungsanstalten errichten
im ersteren Fall für ihre Kinder die hierarchischen und aristokratischen Fesseln zerbrechen; dennoch werden die
Kinder, die Söhne schwerlich werden was die Väter wurden und waren. Eben darum das [sc.: daß] die scheinbar hemmenden
aber von zwey Seiten entgegen stemmenden und dadurch empor drängenden Verhältnisse [*Zeichnung*] nun weggenommen worden sind, da der
Druck von außen aufgehört hat, hört nun auch der Zusammen[-]
halt von Außen auf, und was vorher als ein Ganzes emporgedrängt wurde, durch den allseitigen
wenigstens doppel[-] und entgegenseitigen Druck bleibt nun zerfließend und zerfallend auf der Erde nieder[.]
An die Stelle der allseitigen oder wenigstens doppel- oder entgegenseitigen Druckkraft von Außen muß
nun eine Zusammenhalts- und Ziehkraft eine einigende Coherenzkraft von innen gesetzt werden dieß
ist die große Aufgabe des jetzigen Menschheits- ich möchte sagen Welterziehers: Vor
der Hand - merken wir uns die große Natur- und Weltenlehre - (:Denke nur an die Gesetze der
Geognosie sonst größere[r] Atmosphärendruck als jetzt:) nicht Druck von Außen hin weg zu nehmen d.i[.]
ihn nur in dem Maaße von Außen hinweg zu nehmen als anstatt des äußeren Druckes der innere Zug
geweckt und gestärkt, erstarkt worden ist. Du siehst wie der Menschenerzieher täglich in sich und um sich Arbeiten
mit Eifer nach der Wahrheit streben, nach der Wahrheit eifern d.i studiren muß. Indem was ich dem
Rüegger aussprach liegt eine stille aber große Sorge die ich lange, lange schon wegen unseren Kindern hatte aber
die Vernichtung derselben nicht klar sahe, jetzt ahne jetzt sehe ich das Mittel derselben. Zwey Naturanschauungen
mögen Dich und mich noch in unseren Betrachtungen leiden [sc.: leiten]. Die erste ist reines Wasser zerfließt, läßt Du
es aber auf Staub fallen sich mit Staub umgeben so gestaltet es sich zur Kugel (:Eben springt mir die
Analogie in der Seele entgegen: Ist das reine Wasser = unserer Seele? - ist der Staub = unserem Körper?-)
Die zweyte Bemerkung ist: wasserhelle Bergkrystalle sind selten oder gar nie ebenmäßig; aber getrübte
z.B. die sog: Hyazinthen von Compostella, der Eisenkiesel geben die schönsten äußeren Gestalten.
Barop! Barop! sollen wir nur mit Sorglichkeit des Lebens Staub und Trübung abstreifen und zurück
drängen bis unser Geist sein Lebensgesetz erfaßt habe und es ohne Staub u Trübung, Eisen darstellen
könne. Du siehst Barop wir sollen echte Natur Erzieher werden; ließ [sc.: lies] doch im Echo was mich die Krystalle
lehren wie ich durch Steine zum Erzieher werde (Jesus: Wenn die Menschen schweigen müssen Steine reden
vielleicht verstehen es nun auch die Anderen und vielleicht bilden so Steine unsern einigenden Lebensring
Trauring, Ring des Trauens, gegenseitigen Trauens, Ring des Vertrauens, Ring welcher den Himmel
mit der Erde trauet, die Trauung d.h. Einigung. rc)
Jesus: Die Steine werden reden und der Stein der Weisen bey den Alten. Barop! laß uns weise seyn unsern Kindern
und Nachkommen zum Muster- und Vorbild, denn das ist etwas Großes, das köstlichste Erbe und Gut was man hinter[-]
lassen kann; aber wenn die Steine reden sollen und der Stein weise machen, so läßt uns auch die Rede, das Wort verstei[-]
nern und die Weisheit zu Stein werden; so komme ich denn auf den zweyten Punkt zurück; wir müssen ganz noth-
wendig daran denken unsere Geistesgaben zu einem Gemeingut zu machen sie auszuprägen. Wir wollten immer
alles zu klar zu rein geben, immer gleich als ein Großes alles einend umschließendes Ganze; aber Du siehst Staub
und Eisen und Verkleinerung Zerkleinerung gehört auch dazu siehe nur den Eisenkiesel und Feuer funkt am Ende
auch daraus; Wer sucht und wer mag feines reines Gold, nur der Goldarbeiter, der ächte selbst; wer
kann wasserhelle Diamanten schätzen und gebrauchen nur der Reiche selbst; so bereitet nach und nach stell [sc.: stellvertretend ?]
Druckerscheinungen vor z.B. durch <Sch> W. Beck in Schweinfurt oder d[urc]h Günther Fröbel in Rudolstadt. Mich
dünkt jetzt ist gerad die rechte Zeit daran zu denken und dafür zu arbeiten, jetzt im Momente der beginnenden
Beachtung unseres Lebens - so unwichtig die Erscheinung in Frankfurt ist, so ist sie auch dabey ein Gewicht; ich bin hier
öfters gefragt worden ob nicht Schriften von mir im Buchhandel zu haben seyen. Der GroßRath Stähli, der Her[au]s[-]
geber des Berner Volksfr[eun]des in Burgdorf fragte mich gleich, nachdem er nur in das Schriftchen über Deutsche Er-
ziehung geblickt hatte: ob es weit verbreitet worden sey.- Der Präsident des Erz. Dep. der Rep. Bern, ich glaube
zwar ein Nichtstudirthabender sagte in Münchenbuchsee die wirklich merkwürdigen Worte über Fellenberg
in Hofwyl als Erzieher:- "er hat nicht ein Wort geschrieben was noch für die Nachwelt Bedeutung hat."
Du Barop schreibst mir in einer gewissen Beziehung; Ich weiß den eigentlichen Anziehungspunkt
in unserm Leben für unseren Doctor noch nicht.- Vielleicht weiß er ihn auch nicht; aber vielleicht ist er
uns von der Vorsehung gerade jetzt zu dem Werk u Geschäft gegeben zu dem ich Euch auffordere. Du und
Middendorff seit [sc.: seid] in Keilhau daß Ihr den Geist bewahret; er fügt Staub u Eisen hinzu oder Chloriderde
so kommt etwas heraus was ein Kind blasend bewegen kann und so belustigt und so etwas was man
in der Hand haben und doch auch Licht u Feuer daraus schlagen kann. Denkt die Sache reiflich durch - wir müssen
uns durch durch uns, d.h. eigene Kraft u eigene Mittel auch das äußere Material verschaffen und wie reich sind /
[3]
sind [2x] wir nicht in so vielen Beziehungen an handschriftlichem Vorrath. Wie reich sind wir nicht durch unser Schweizerleben theils an
Briefen und Lebensgemälden, theils an Abhandlungen Plänen, an kleinen Dichtungen u. d. gl. geworden. Nimm nur jetzt
gleich wieder die paar Worte welche meine Frau zu ChristianFriedrichs Serviettenband geschrieben hat. Wie ver[-]
edelnd aufmunternd, vorbildlich sind solche Sachen für das Leben und wie vieles besitzen wir der Art. Durch Ver-
allgemeinerung von solchen Kleinigkeiten wird unser Leben ein wahrhaft erziehendes Leben; es ist Jammer und Schade
wenn es unbenutzt und todt liegt, so z.B. der Mutter Stammbuch u.s.w. u.s.w. es fällt mir dieß nur eben bey der
Mutter Worten ein, ohne daß ich darum meine ganz und gleich davon Gebrauch zu machen. Antwortet mir auch nicht
darauf: ja! dieß ist aber unser innerstes eigenstes Leben. Aber Freunde sonst wirkt es nicht auf und für Leben;
wir wollen doch nun einmal darauf und dafür wirken, wir erkennen es als unsern Beruf und - nur Leben
wirkt auf und für Leben, weckt Leben.- Geben uns denn eigentlich ächte Dichter je etwas anders als ihr eigendstes
Leben? - und wirken sie darum nicht so erziehend?- Giebt die Blume die Natur nicht ihr eigenstes innerstes Leben
und wirkt sie nicht nicht eben darum so erziehend?- Die Menschen wollen, die Menschheit will jetzt auch wahres, wirkliches
Leben und Seyn, Scheinleben und Romanleben hat sie genug, des gemachten, erdachten Lebens ist sie überdrüssig sie
will gelebtes und geliebtes nicht aus Brotnoth erzwungenes Leben.- Und, wer nicht das Leben sein eigenes Leben
giebt gewinnt auch nicht das Leben für sich und die Seinigen, gewinnt auch das Leben der Menschen der Brüder nicht.
Überhaupt ist es nur das individuelle, persönliche Leben was jetzt Interesse für den Menschen hat; der Mensch
sucht in dem Besonderen das Allgemeine in dem Individuellen das Universelle und er hat Recht, wie will
er es, wodurch will er es sonst finden und Begreifen?- Dennoch ist mir gerad jetzt gar nichts Ursprüngliches
Eigenthümliches, Originelles in Schrift bekannt; alles ist ja Compillation, besonders in Hinsicht auf Erziehung;
darum glaube ich werden auch meine Eigenthümlichkeiten oder vielmehr Härten wie man es nennt jetzt weniger auffallend
wenigstens weniger abstoßend seyn als früher. Aber auch früher glaube ich gewiß wäre ich selbst z.B. mit den erzieh-
enden Familien ganz gut durchgekommen einmal hätte ich nur nicht gleich den Muth verlohren als jener seynwollende Rezen-
sent ich glaube er hat sich D. unterzeichnet, mich leidenschaftlich heftig persönlich angriff; ich legte dort noch
Werth auf jenes wirkliche Hundegebell, ich dachte es seyen wenigstens Haus- Hof- oder Wachhunde; es waren aber
Hunde die bellten weil sie meynten es könne ihnen Jemand den Knochen rauben an dem sie eben nagten. Aber, laßt sie nur bellen und
laßt sie nur nagen, geht ruhig des Weges 's ist gar nichts zu wagen. Das zweyte warum die
Sache zerfiel und ich den Muth oder vielmehr die Lust verlohr sie fortzusetzen war; weil - indem unser eigenes innerstes
Leben als wahrhaft erziehende Familien selbst noch nicht seine sichere feste Lebenseinheit gefunden hatte, so war ein ge-
wisses Mißgefühl der äußeren Unwahrheit, welches mir bey Herausgabe, d.i[.] zur Fortsetzung der erziehenden Familien den Muth die Lust raubte, sie wurden ja
in unserm eigenen Kreis selbst gemißhandelt was sollte ich von außen erwarten.
Darum, sollten wir wieder schreibend auftreten, dann nur gleich vom Anfange aus sich auf alles nur mögliche Widrige außer sich
gefaßt gemacht aber in sich mit festem Muthe, Zuversicht und beydes dann bewiesen durch nicht zu vernichtende Ausdauer.
Gleich vom Anfang (ist es eine Zeitschrift) des Vorrathes von Handschriften auf ein halbes Jahr gewiß und im
Allgemeinen geordnet. Hat man Vorrath auf längere Zeit desto besser. Vor allem aber den Zweck und die Absicht
das Ziel des zu Schreibenden oder vielmehr als schon geschrieben, des zu Druckenden sich klar recht klar gemacht; hat
man kein Publikum d.h. nur ein kleines dafür, dann durch Ausdauer sich ein größeres geschafft. Ist es besonders
eine Zeitschrift so wählt einen angemessenen Titel. Man sieht gern Gemälde; darum gebt z.B. Gemälde aus dem er-
ziehenden Leben oder Kreisen in Keilhau, Wartensee und Willisau (:Gemälde der Freude u des Leides, der Lust u der Trauer:)[.]
Ich hege schon länger den Gedanken einer zusammenhängenden Schrift unter dem Titel: - Urkunden meines erziehenden
Lebens. Ein Theil sollte das vorbereitende Leben enthalten hier namentlich die Darstellung der Pest: Meth: vom Jahre 1809.- Ein zweyter
Theil das Keilhauer Leben; hier sollten z.B. die kleineren Schriften folgen, so wie der in Rudolst. eingereichte Plan zu denselben (Du
Barop könntest sehen ob Du denselben einmal durch Deinen Freund Hoffmann bekommen könntest; er muß vom Jahr 1818 seyn[)].
Der 3e Theil sollte das schweizerische Leben umfassen. Mit dem IIIen Theile wollte ich beginnen; 1er Band Wartenseer Leben
2er Band Willisauer Leben 3er Band Berner Leben. Das Ganze dächte ich könnte in Lieferung von einigen Bogen wie des
jetzt [sc.: jetzt des] öfteren z.B[.] bey Okens werken [sc.: Werken] geschieht geschehen. Man müßte nach diesem Umriß nur einmal das Ganze ordnen u[nd]
bearbeiten. Zuerst bestimmen was soll zu den Urkunden kommen was zu den Lebensgemälden; in welchem Verhältniß sollen
beydes Urkunden u Gemälde zu einander stehen: ganz getrennt nebeneinander oder mehr verbunden[?]
Auf dreyerley hätten wir nur wesentlich zu sehen: 1. Und allem zuvor daß unsere schaffende Kraft für Werkthätigkeit ni[cht]
gehemmt, geschwächt und zersplittert werde. Es dürfte also nie etwas geschrieben werden um etwas zum Drucken zu haben
sondern es dürfte nur das gedruckt werden was als geschriebenes Wort, aus von und durch das Leben selbst hervorge[-]
gangen ist zur Darlegung, Mittheilung, Prüfung und Belehrung für sich selbst und für Andere.- (:Über ein umfassendes Werk später:)
Der Hauptgrundsatz der Gestaltung des Lebens, des äußeren Lebens ist, daß man ein Jedes an seiner rechten Stelle, zu sei-
ner rechten Zeit und auf die rechte Art gebrauche dieß gielt vor allem auch vom Menschen. Weil nun die meisten Menschen
beschränkte Individualitäten sind so muß man ein Wirken von bedeutendem Umfang haben um für die verschiedenen
Wirksamkeiten die rechten Menschen zu finden und um die schon mit uns verbundenen Menschen an ihre rechte Stellen zu
stellen. So meine ich nun auch mit unserm Herrn Dr, daß er vielleicht - unter strenger Wachsamkeit für unverkürzten
und unverletzten Geist - einmal, ich meine nicht gerad heut oder morgen eine gute Hilfe zu dem vorgelegten Zweck
seyn könnte; auch zu solchen schriftstellerischen Arbeiten gehört eine gewisse Mechanik oder wenn Ihr lieber wollt Technik,
die uns allen dreyen vieren nicht eben eigen ist. Beachtet was ich sagte: Du schreibst ja selbst in Deinem Brief vom
16en d. M. nicht vollkommen zur rechten Zeit ist besser als noch so vollkommen später wenn der Moment vorbey ist.
Für das Vollkommenere und, für meine unsere Stufe, Vollkommenste wollen wir uns mit Gottes Hilfe auch noch eine Zeit
ein Land, und ein Leben aufbewahren und bereiten; habe es ja eben vorhin zwischen (:----:) angedeutet.
Und welch ein Unterschied ist jetzt wenn wir auftreten und den Zeiten 22-26; welche Durchbildung in uns; welche
Verarbeitung und Verbreitung um uns, und vor allem welch ein Geist namentlich in der Schweiz und so weiter u.s.w. pp[.]
Also nur ruhig achtsam, keinen Moment versäumt, keine Kraft unbeachtet ungenützt gelassen[.] Von der geringen
Kraft wenig gefordert wenn es zur rechten Zeit geschiehet. Erkennet möglichst und ahnet möglichst in Allem Gottes Weltregier[-]
ung nach. Seyd vollkommen wie Gott unser Vater, dennoch gab Gott selbst nicht zuerst das Vollkommenste, und wir wollen klüger
seyn wie der Vater; erst schuf er Steine, dann Pflanzen u Thier dann Menschen.- Darum scheut Euch nicht, meine Steinschrift u Sprache hinzugeben[.]
- Kommen später auch ein paar Gänseblümchen - Will's Gott erscheint auch noch einmal ein Mensch - Machte doch Gott diesen doch
selbst erst aus einem Erdenklos.- War das alte Testament nicht früher als das neue[?] Ja Freunde wenn wir nur erst die Klug[-]
heit ließen dann wäre es gut. Grüß Dein liebes Weib und Deinen Jungen; er ist auch nicht klug daß er schreit, aber er schreit
doch, denn er ist mehr als klug, er schreit sich die üble Laune und Gott weiß noch welches Lebens- und Seelengift fort.- Euer Fr [Fr.] /

[3R]
Wenn Ihr wegen der Anweisung an Fr Heß noch etwas zu wissen nöthig habt könnt Ihr den in dieser Beziehung vor
½ Jahr nach Keilhau geschriebenen Brief nachsehen. Es versteht sich daß die Kasse dem Briefe an von Halle[r]
auch einen Avisbrief an die Frau Heß beylegt, worin sie schreibt, daß ich von hier aus einen Brief an Sie [sc.: sie] beygelegt
haben würde, wenn meine Frau nicht erst an Frau Heß geschrieben hätte und ich zur Ersparung des Postgeldes die Ver[-]
stärkung des Briefes nicht hätte vermeiden wollen. Auch könnt Ihr den von Haller < ? > daß Das Erziehungsgeld ist eigentlich erst
am 1en April gefällig; ich wollte dieß erst auf der Anweisung bemerken, da ich aber sehe daß ich
die vorige ebenso ausgestellt habe, es auch der Fr. Heß nichts macht das Geld ein paar Tage früher zu bezahlen - aber
Herrn v. Hall[er] Euch den Wechsel gleich nach Anerkenntniß der Anweisung zu schicken, so wollte ich den Tag nicht
bemerken. Nachdem Ihr von dem Wechsel Gebrauch machen wollt, laßt ihn entweder auf Prß Curr, oder auf
Rhein. Gulden stellen.- Wegen des Geldes erwähne ich wiederholt daß Langethal keine Speziesthaler wenigstens nicht
mit nach der Schweiz bringen soll. Am besten sind immer Kronenthlr oder sog: Brabthlr; auch 24 Xr Stücke gehen
selbst zur Noth noch g[an]ze preuß. Thaler in Städten wo Handel ist aber anderes Geld z.B. sächsisches ist gar nicht zu gebrauchen auch
preuß. Frdr'or rc verlieh[r]en. Französisches Geld (Silber) 5 Livrs Stücke (Livrs = 7 <gr>) und (Gold) 20 Lo[r]s Stücke gelten
auch, doch Du weißt ja dieß alles. Doch schreibe ich es damit es dem Langethal nicht wie dem Titus gehe, daß er Geld habe
und doch Geldlos sey.
Frankenbergs Schwester hat heute (am 1en März) geschrieben; sie ist noch des Vorsatzes hierher zu kommen; wartet noch
auf Nachrichten. Da ihr Bruder Ernst sie nicht begleiten kann will sie mit dem Eilwagen, also über Frkfrt kommen.-
Wenn Luise Hermann nur erst eine Stelle hätte sie ist recht schwer unterzubringen. Ob sie nicht durch Frau
von Ahlefeld
, Fräulein von Schiller, Frau v. Arnim eine Stelle bekommen könnte, indem sie doch ein vielen zusagendes
sogen: empfehlendes Äußere[s] hat, Gewandtheit nun im Französisch Sprechen besitzt und in Küche u weibl. Arbeiten
erfahren ist. Für unser Haus macht sie nur das für hier unstatthafte aber (wie es scheint von beyden Theilen[)] doch
sehr festgehalten werdende Verhältniß mit L- unbrauchbar.
Da ich immer glaube, daß ich Ernestinen bald ihrem Langethal nach kommen lassen werde; was, wie ich glaube,
sich bis gegen Pfingsten spätestens mit Bestimmtheit entscheiden wird - so wird es mir, wenn nach deren Abgang
eine weibliche Hilfe in Keilhau nöthig wäre, lieb seyn wenn die Gesammtumstände, Gesundheit, Lust, und
Brauchbarkeit und gegenseitiges Verständniß für Ulrika, ihre Schwester sprächen. D.h. wenn sie mit Gemüth und
Leben eine Keilhauerin werden könnte.
Wann geht Mathilde ab?-
Schreibst Du mir das nächste mal so lege Dir diesen Brief zur Hand, damit Du mir meine Fragen beantwortest.
Heut wird auch ein kleines Päckchen mit der Fahrpost abgehen; es enthält einige Kleinigkeiten für ChrstFr.
Der Mutter macht es gar zu große Lebensfreude ihm etwas zu seinem Geburtstag zu schicken; ich durfte sie ihr nicht
trüben; da aber dieser Brief eilt so gab ich diesen Brief auf die Reitpost; schreibt mir doch auch um wie viel
Tage das Päckchen später als der Brief ankomme; damit Klarheit und Ordnung in unser Postwesen komme.
Nun lebe und lebt alle, alle recht wohl; wesentliches hoffe ich nicht vergessen zu haben. Herzinnige Grüße an alle.
In Liebe, Treue und Dank immer der Eurige FriedrichFr /

[3V]
[Nachschrift am Rand]:
Langethal soll Saamen zu Blumen mitbringen hier ist nichts gesammelt worden. Sag der treuen Ernestine, ich hoffte sie dankte mir noch einst für die jetzige Abreise ihres Lgethals.
Auch das [sc.: daß] eine junge Welt um Euch herauf wächst z.B. ein Günther Fröbel ist nicht ganz unwichtig wenn Ihr achtsam seyd.-
[2R]
[Nachschrift am Rand]:
NB NB: Ich schicke Euch diesen Brief mit Vorbedacht heut mit der Sonnabends Post ab; beachtet doch wie viel Tage er später ankommt als der mit der Mittwochs Post ge-
schickte und schreibe mir es bald.
*) Wie viel hätte ich Dir hierüber nun schon wieder seit Deiner Abreise zu sagen, denn täglich gestalten sich die Gedanken immer mehr und die Gestaltung
des Lebens erhebt sich zum Gedanken.-