Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an das Erziehungsdepartement der Republik Bern in Bern v. 18.4.1834 (Willisau)


F. an das Erziehungsdepartement der Republik Bern in Bern v. 18.4.1834 (Willisau)
(StAB: BB III b 1925, Brieforiginal 1 B fol 4 S., ed. Geppert 1976, 101-103)

Dem Tit. Erziehungsdepartement der Republik Bern zu Bern.



Hochgeachteter, Hochgeehrter Herr Präsident,
Hochgeachtete, Hochgeehrte Herrn!

Meine für Erziehung und Unterricht mit mir geeinten Freunde und Mitarbeiter
so wie ich fühlen uns lebhaft durchdrungen von dem hohen Zutrauen, welches
das Tit: Erziehungsdepartement, Sie Hochgeachteter, Hochgeehrter Herr Präsident,
Hochgeachtete, Hochgeehrte Herrn! durch den Antrag Ihres verehrl: Schreibens
vom 7en d. M. (:welches am 14en bey uns eingegangen ist:) - in uns setzen.
Um so mehr thut es uns leid, daß diesem hohen Zutrauen entgegen zu kommen
keinem meiner erziehenden Freunde und Mitarbeiter durch frühere für die-
ses halbe Jahr eingegangene Verpflichtungen möglich wird. Es bleibt uns
daher, dem uns hochgeneigt geneigt gewordenen Zutrauen zu entsprechen,
nur ein Vorschlag zu thun übrig, dessen Ausführbarkeit jedoch einzig in der
Hand und in den Bestimmungen eines Tit. Erziehungsdep: selbst liegt.
Von jeher suchen wir nehmlich in unserem Kreise nach anerkannter Nothwen- /
[1R]
digkeit den Vorsteher desselben von der Wirksamkeit für das Besondere und Einzelne
möglichst frey zu machen. Diesem Grundsatze getreu wurde es auch in Gemein-
samheit von uns für gut gefunden, daß einer meiner ältesten und erfahren-
sten Mitarbeiter und Freunde, Herr Langethal mit dem Beginne dieses Sommer-
halbjahres aus unserer Erziehungsanstalt zu Keilhau in die hiesige Anstalt
eintrat, um mich mehr zu der Wirksamkeit für das Allgemeine, und ganz na-
mentlich zur Erfüllung meiner, gegen das Tit: Erziehungsdep. der Republik
Bern in Betreff der Ausbildung einiger Schullehrerzöglinge übernommenen
Verpflichtungen, frey zu machen. Und so gehört denn meine hiesige, jetzige
Wirksamkeit außer der allgemeinen Leitung des Ganzen überwiegend der
besonderen Bildung und dem Unterrichte der genannten Schullehrer-Zöglinge,
wie sich so klar als bestimmt aus der dem Tit. Erziehungsdepartement
unterm 12en d. M. zugesandten schuldigen Rechenschaft ergiebt. Nach dem
darinn vorgelegten Erziehungs- und Unterrichtsplane der Schullehrerzöglinge und nach
dem Grade der Ausbildung der hiesigen Erziehungsanstalt, wäre es nun zwar
wohl möglich, daß dieselben allen dort angegebenen besondern Unterricht
für einige Zeit, auch ohne mein unmittelbares persönliches Wirken dafür
in der hiesigen Anstalt von den übrigen Lehrern derselben erhalten könnten,
besonders wenn sie vorher noch, ehe andere Lehrer meinen besonderen Unterricht
bey ihnen übernehmen würden, denselben während einiger Wochen unverkürzt
unmittelbar durch mich erhalten hätten. Allein der in der vorgelegten Rechen-
schaft angegebene allgemeine Unterricht über das Erziehungs- und Lehrgan-
ze müßte dann nothwendig für die Zeit meiner Erziehungs Abwesenheit /
[2]
aus der hiesigen Anstalt ausgesetzt und später nachgeholt werden.
Es läge sonach dem Tit. Erziehungsdepartement, - wenn auch demselben geeignet
schiene, das uns im Allgemeinen geschenkte Zutrauen auf mich persönlich
überzutragen - ganz allein zur Entscheidung vor - ob Hochdasselbe es
Seinem gesammten Volkserziehungszwecke angemessener fände, meine Er[-]
ziehungs- und Lehrerthätigkeit unverkürzt für die beyden mir bis jetzt hier
anvertrauten Schullehrerzöglinge, oder solche auch - während der bestimmten
einjährigen Bildungszeit derselben - zur Theilnahme an einem vorzunehmen-
den vierteljährigen Wiederholungscurs schon angestellter Landschullehrer
in Burgdorf zu benutzen; indem ich auf den Fall des mich persönlich
treffenden Zutrauens, und wenn das Tit. Erziehungsdepartement mich für
meine Person auf 3 Monate von der gegen Hochdasselbe übernommenen
Verbindlichkeiten im Besondern freysprechen würde,- auch dann dem mir gewor-
denen so schätzbaren Zutrauen zu entsprechen und in dem zu Burgdorf abzuhal-
tenden Wiederholungscurs den Unterricht in der deutschen Sprache und Ma-
thematik
zu übernehmen bereit seyn würde.- Nur müßte ich auf diesen
Fall wünschen, daß dieser Wiederholungscurs, welcher nach der Bestimmung
der verehrl. Zuschrift spätestens Mitte Septbr beendigt seyn würde, späte-
stens schon Anfangs des Monats Septbr geschlossen werden könnte; weil die
jährliche Prüfung der hiesigen Erziehungsanstalt zu Ende des genannten Mo-
nats fällt, und ich daher gern ohngefähr 4 Wochen vorher in die hiesige Anstalt
zurück kehren möchte, um das Nöthige zur Prüfung einleiten und anordnen zu können. /
[2R]
Was übrigens die Gesammtleitung jenes Wiederholungscursus betrifft, so
stelle ich die Bestimmung darüber ganz dem Tit: Erziehungsdepartement
anheim; und würde ich mich in Beziehung auf die mir anzuvertrauenden
Lehrfächer Sprache und Mathematik jeder von Hochdemselben bestimmten
Leitung des Ganzen unterordnen lassen, allein - was sich übrigens aus der
Sache selbst ergiebt, unter der zugesicherten Gewißheit unbeengter Freyheit
in der Behandlung und dem Lehrgange der beyden gedachten Unterrichtsgegen-
stände, jedoch mit ganz besonderer Berücksichtigung der Kenntnisse welche die
Schullehrer in diesen Fächern schon besitzen; daß aber auch in dem entgegenge-
setzten Falle, wenn das Tit: Erziehungsdepartement mir auch in Beziehung auf
die Leitung des Wiederholungscursus selbst das Vertrauen schenken sollte,- es mir
strenge Aufgabe seyn würde, demselben entsprechend zu genügen, dieß glaube ich
nicht erst aussprechen zu dürfen.
Indem ich so das Ganze dem Tit: Erziehungsdepartement, Ihnen Hochgeachteter
Hochgeehrter Herr Präsident, Hochgeachtete Hochgeehrte Herrn zur eigenen Ent-
scheidung vorgelegt habe, füge ich nur noch die Bitte hinzu: mir im Falle der Be-
rücksichtigung meiner persönlichen Wirksamkeit, möglichst bald die bestimmte
Entscheidung geneigtest zukommen zu lassen, um dann meine Verhältnisse hier
zu gehöriger Zeit vorher noch ordnen zu können.
Möge das Tit: Erziehungsdepartement die wahre und hohe Achtung und ausge-
zeichnete Hochschätzung genehmigen, mit welcher ich die Ehre habe mich zu
unterzeichen
Hochgeachteter Hochgeehrter Herr Präsident
Hochgeachtete, Hochgeehrte Herrn
           Ihren
      ganz ergebenen
Friedrich Fröbel.
Willisau
am 18en April 1834.