Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an das Erziehungsdepartement der Republik Bern in Bern v. 3.5.1834 (Willisau)


F. an das Erziehungsdepartement der Republik Bern in Bern v. 3.5.1834 (Willisau)
(StAB: BB III b 1925, Brieforiginal 1 B 4° 4 S., ed. Geppert 1976, 104f.)

Dem Tit. Erziehungsdepartement der Republik Bern.


Hochgeachteter Hochgeehrter Herr Präsident,
Hochgeachtete Hochgeehrte Herren.

Das Tit. Erziehungsdepartement muß ich in Beziehung
auf dessen hochgeneigte Zuschrift vom 25. vor. M., welche
gestern bey mir eingegangen ist, ergebenst um Verzeihung
bitten, daß ich Hochdasselbe durch ein wohl zu voreiliges
Wort in meinem jüngsten Schreiben, wie es scheint, in
einige Verlegenheit gesetzt habe. Doch hoffe ich vom
Tit. Erziehungsdepartement geneigte Nachsicht, daß ich -
nur lebend in meinem Berufe, durchdrungen von der Wich-
tigkeit der Volkserziehung und der Bildung von Lehrern dafür -
bey dem dort auf die frühere hochgeneigte vertrauende
Anfrage deßhalb von mir gemachten Vorschlage das /
[1R]
Finanzielle und Pecuniäre überschaut habe. Um jedoch
nicht in einen noch größeren Fehler zu verfallen, benutze ich
die erste freye Zeit, um sogleich das ebengedachte jüngste ver-
ehrliche Schreiben zu beantworten.
Es ist mir nemlich ganz und gar nicht möglich, dem mir von
dem Tit. Erziehungsdepartement von neuem bewiesenen hoch-
geneigten Vertrauen entgegen zu kommen, und als Honorar
für meine etwaige Wirksamkeit bey Abhaltung eines
vierteljährigen Wiederholungscurses in Burgdorf irgend
eine Summe festzusetzen; einmal, weil ich schon an und für
sich nicht bestimmen kann, welchen Werth diese in Frage
stehende Wirksamkeit in dem Ganzen und für dasselbe
haben könnte und würde; dann zweytens aber auch, weil
der Werth dessen, was der Mensch wissenschaftlich oder gei-
stig reicht, in der Ansicht Anderer beruht, und so könnte
mich bey jeder von mir gemachten Forderung, wie sie
auch immer beschaffen seyn möchte, sehr leicht der Vorwurf
treffen, daß das was von mir dagegen gegeben werde,
damit in keinem entsprechenden ausgleichenden Verhältniß /
[2]
stände. Dieser Vorwurf aber könnte mich vielleicht um so
leichter treffen, als ich bey meiner tiefbegründeten Ueber-
zeugung den Werth besonders der Landschullehrerbildung nicht
in die Menge und Mannigfaltigkeit der angeeigneten
Kenntnisse, sondern in dem Grad der lebendigen Entwick-
lung aus dem Innern eines Jeden, in den freythätigen Gebrauche
che, und somit also in den innern lebendigen Zusammenhang
derselben setze.
Geleitet von diesen Betrachtungen, welche durch die an
mich weiter gestellte vertrauende Frage in mir geweckt
wurden, und um meinen Uebereilungsfehler wenigstens
so schnell als möglich zu verbessern, beeile ich mich, das
uns durch die frühere hochgeneigte Anfrage bezeigte ehren-
de Vertrauen, auch in Beziehung auf meine Person hierdurch
auf das dankbarste in die Hand des Tit. Erziehungsdepartement[s]
zurückzugeben. Es wird mir ganz genügen, meine schuldige
Dankbarkeit gegen Hochdasselbe für die meinem erziehenden
Wirken bisher hochgeneigt geschenkte Aufmerksamkeit und
Vertrauen durch die sorgliche Ausbildung der beyden mir /
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anvertrauten Schullehrerzöglinge zu bethätigen.
Ich hoffe und zweifle nicht, ein Tit. Erziehungsdeparte-
ment wird in dieser aufrichtigen Erklärung einen
reinen Ausdruck der ausgezeichneten Hochachtung finden,
mit welcher ich die Ehre habe zu seyn
Hochgeachteter Hochverehrter Herr Präsident
Hochgeachtete Hochgeehrte Herren!
Ihr

Willisau im Canton Luzern
am 3. May 1834.

Ergebenster
Friedrich Fröbel.