Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 3.5.1834 (Willisau)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 3.5.1834 (Willisau)
(KN 47,8, Brieforiginal 1 Bl 16° 2 S. Der Brief enthält eine Nachschrift von Heinrich Langethal und wurde offenbar einem Brief Frankenbergs an Middendorff in Keilhau beigelegt.)

Willisau am 3en Tage im Monat des blühenden Lebens (:V:) 1834.


Meine Geliebten und Freunde.
Euch einen blühenden Maigruß.

Da Herr Frankenberg an Dich lieber Middendorff schreibt, wollte
ich doch wenigstens einen Gruß von uns allen für Euch beylegen
einen so freundlichen Blüthen[-] und blühenden Gruß als der Frühling
seit mehreren Tagen bey uns eingetreten ist. Vom äußern Leben
kann ich Euch zwar noch nichts schreiben, es steht - [(]selbst die fort-
gehende Zunahme der Zöglinge mit eingerechnet) - noch so ziem[-]
lich beym Alten, aber um so mehr blühet wohl das einige inne[-]
re, unser gemeinsames Leben als ein Ganzes, und wenn auch nur
im Bewußtseyn einiger, und so bewähret sich wohl dieser Monat
auch im Geiste und Gemüthe als der Monat des blühenden Lebens.
Aber wie das Blühen und das blühende Leben so verschieden
ist von dem Knospen und dem knospenden Leben, so könnte wohl
auch die Entwickelung unseres Lebens sehr verschieden werden von
dem, was es zu werden schien. Wir suchen jedoch fortge-
setzt in unserm Leben den sich jetzt entfaltenden Blüthenknospen
zu gleichen und gehen darum ruhig nach wo, wie bey diesen
die Schuppen und Hüllen des äußeren Lebens abfallen, da lassen wir sie fallen
und hüten uns nur die Entwickelung un-
seres eigenen innern und äußeren Lebens durch neue Fesseln
und Lasten zu stöhren und zu hemmen. Unseren d.i. besonders
Langethals und meinen Mittheilungen liegt darum jetzt die
größte Sorgfalt zum Grunde, daß das Zertheilen auch - wie
in den Blumen wieder zur Einigung zur Frucht führe[.]
Und unsere Achtsamkeit geht dahin einen Staubeweg zu ent-
decken der dieß bewirke, oder mit Deinen Worten lieber
Barop zu reden: einen Ort, Raum Zeit pp. pp zu entdecken
wo wir zur klaren Darlebung des in uns lebenden klaren
Leben[s] - welches uns auch in der Einsicht u Erkenntniß sogl[e]ich
klarer wird - auch äußerlich klar darleben können;
sollten wir dieß aber nicht erspähen, nicht erschauen, /
[1R]
was fast so scheinen will; das Leben in seiner Wirklichkeit
betrachtet indem sich nichts in den Läuterungskampf des
Lebens bisjetzt noch als Gold bewähren will, als
edler Stein - so werden wir uns sehr vor jeder äußeren
Zerstreuung hüten. Dieß ist die Große Frage die jetzt der
Entscheidung vorliegt; sobald das Leben sie für uns entschei[-]
det, werden wir sie Euch zur Prüfung vorlegen. Seit [sc.: Seid]
auch Ihr auf das höchste sorglich und wenn sich Euch irgend
eine leise Fessel des Lebens löset hütet Euch dagegen Euch
neue vielleicht stärkere anzulegen. Das menschliche Leben
so scheint es soll nicht den Kätzchen tragenden Bäumen, son-
dern den Blüthen der Obsttragenden Bäume gleichen[.]
Im innig geschlossenen Blumenleben des einen Kelches und der
einen Krone so scheint es soll die Frucht der Apfel sich
erzeugen welcher als Preis dargereicht werden soll der
wieder errungen[nen] Schöh Schönnheit und ewigen Jugend des
Lebens.
Ich werde gern mein Leben <fürsetzen> Euch allen diese Frucht
d.i[.] ein reines freyes menschliches, ächtes Menschenleben
zu reichen; darum werde ich mich hüte[n] daß es verdampfe
daß man es aussauge und auffresse, was wie es
scheint überall und unter allen Vehältnissen der Mensch
so gern möchte aber nicht zur Gewinnung und Gestaltung
einer höheren reineren Lebensfrucht, des höheren reinen
Lebens.
Besseres höheres kann ich Euch in Beziehung auf das wirkliche
zu lebende Leben nicht schreiben als daß ich glaube in
Beziehung auf die höchste[n] Lebensansichten und besonders
deren Darstellung liege zwischen Langethal und mir
auch nicht der leiseste Hauch als Trennung.-
Das [sc.: Daß] L. H-n in der Woche nach Pfingsten von hier ab
und zu ihrer Pflegemutter gehen wird habe ich wohl schon geschrieben.
Sehnlichst erwarte ich Brief u Packet von Euch. Euer Fr Fr.

[1VR]
[Nachschrift von Heinrich Langethal am Rand:]
Des blühenden seine Frucht in sich fühlenden Einigungsgruß Euch allen. Ein neues
Lebensjahr beginnt u. hebt die innerste Lebenskraft. Doch ein Mehreres bald. Schreibet doch auch bald H L.