Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 10.5.1834 (Willisau)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 10.5.1834 (Willisau)
(KN 47,9, Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S. zit. Halfter 1931, 704 [dort ohne Dat., vgl. Heiland 1982, Nr. 284])

Willisau Am 10en Tage im Monat des blühenden Lebens (V) 34.


Gottes Vatergruß Euch zum Gruß.

Nun sogleich zur eiligsten Beantwortung Eurer Briefe vom 30en d. vor[.] M.
welche am 3en dieses M. erst - ohne Zweifel weil sie von Euch zu spät zur
Post kamen, von Rud: abgegangen sind. Merkt Euch dieß doch ja und eilt
Euch mit Euren Briefen daß sie immer wenigstens ¼ Stunde vor Post[-]
schluß in Rudolstadt sind; beginnt nur gleich ohne alle Einleitung mit
dem Hauptwort und brecht wenn es nöthig wäre in Mitte des Wortes
ab damit nur die Sache zur rechten Zeit gefördert werde und so auch
wieder zur Rechten Zeit ankomme; es hängt jetzt gar zuviel von einer
Stunde ja einer ¼ Stunde ab, welche oft Zögerungen von Wochen und
Monaten bewirkt. Zwar ist Euer Brief heute noch eben zur rechten
Zeit angekommen einen den Umständen angemessenen Plan zu fassen, aber
kaum habe ich Zeit ihn zu denken geschweige denn Euch denselben aus zu
sprechen. Doch gleich zur Sache.
Gnüges unverzeihliches Betragen hat den allgemein festen Entschluß hervor[-]
gerufen demselben so schnell als möglich - und wenn ich gleich das Geld
dazu bereit hätte - schon morgen aus dem Kreise aus treten zu machen.
Wenn nun dieß auch gleich morgen noch nicht geschehen kann so wird doch
schwerlich eine Woche bis zu seinem Austritte noch verfließen. Da
kam denn die Mittheilung von Brömels Wunsch in Beziehung auf sei-
nen jüngsten Sohn wie gerufen.- Also, könnt Ihr ihn in Beziehung auf
Keilhau nur einigermaßen und selbst mit Aufopferung entbehren
das heißt ist er Euch nicht ganz unumgänglich nöthig so sendet ihn stehenden
Fußes zu uns. Keine von Seite des Vaters in der Gesammtheit der Ver-
hältnisse bedingten (Verhältnisse) Forderungen dürfen Euch abhalten diese Forderung
zu erfüllen. Ihr wißt He. Gnüge bekommt jährlich
Rth. 80 prß. Courr von mir, und Brömel leistet uns gewiß als erziehender Lehrer
besonders nun in der Nähe und unter der Leitung von Langethal mehr als
Herr Gnüge, denn er spielt ja auch Violoncello. Deßhalb sehe ich in
allen Beziehungen mit großer Freudigkeit seiner Ankunft, seiner bal-
digsten mit großer Freudigkeit entgegen denn dadurch kann die Musik
die Seele alles, der Träger alles höheren Lebens auch die Seele, der
Träger unseres hiesigen Lebens werden was ich schmerzlich seit
der ganzen Zeit meines hiesigen Wirkens vermißte; es wollte
nach gar keiner Seite hin zur ächten bleibenden Erhebung kommen, weil
die welche unser Leben und Streben beflügeln sollte, selbst in schmerz-
lichen niedrigen Fesseln lag. Darum setzt die Bedingungen fest wie sie Euch
die Verhältnisse gebieten aber scheuet kein materielles Opfer so
weit es nur immer in meiner Macht steht, und was ich bis jetzt
leisten mußte ohne zu erreichen was ich und der Kreis dagegen
bedurfte kann Euch Maaßstab seyn.- Die Bedingungen setzt schriftl[ich]
nieder, einmal schickt sie mir einmal gebt sie an Brömel
für Euch behaltet eine Abschrift.- Wo besondere Bestimmungen der
Ankunft hier in Willisau vorbehalten seyn bleiben könnten oder müßten
bestimmt in diesen Fällen wenigstens das Allgemeinste oder
die beyderseitigen Grenzen u.s.w.
Auch mit den Reisekosten scheint es sich gerad jetzt gut zu
machen; am 1en Juny also in 3 Wochen sind Rth. 50 sächsisch /
[1R]
als das ½ jähr[l]ich Erziehungsgeld für Karl Cl. bey der Fr: v. Ahlfd
gefällig, diese können von Euch Erhoben [sc.:erhoben] werden und dann kann
sogleich die Reise des jungen Brömels davon mit bestritten werden;
ich sage mit bestritten werden; denn weil die gütige Vorsehung
jetzt die Verhältnisse so günstig fügt, so meinen wir diese nicht
verabsäumen zu dürfen sondern vielmehr dazu zu benutzen daß
auch Ernestine, Langethals Frau, sogleich mit nach der Schweiz über
komme. Langethal wird hoffentlich das Wesentliche darüber schrei-
ben. Habe ich Zeit so lege ich sogleich eine Anweisung an die Fr: von A:
hier bey, sonst gilt ja Euer Wort u Name gleich viel, indem ja die
Fr: v. A weiß daß wir nur ein einiges Ganze sind.
Es thut mir sehr leid daß ich Euch die Rth. 50 von der Fr v. A.
nicht lassen kann aber ihr seht ich thue es nicht sondern die Ver-
hältnisse. He. Gnüges schleuniger Austritt macht auch mir einen
großen Riß in meine Rechnung und noch weiß ich nicht wie ich den[-]
selben ausfüllen, pecuniär s füllen will, allein Seegen hoffe
ich wird dadurch für das Ganze kommen, großer Seegen. Seid ver-
sichert mein stündliches Denken geht dahin Keilhaus Fessel zu
lösen und dieß geschieht gewiß wenn wir nur irgend wo
ein wahrhaft <perennierendes> Gewächs geworden sind, wenn
auch nur zu allernächst in uns selbst - das Leben in uns selbst
tragend darum nur Ausdauer u Muth; denn jetzt leben wir
gewiß einen Augenblick hoher Krise, dieser Moment über[-]
wunden und Gesundheit wird mit jedem jungen Tage steigend
wieder zu uns kommen Gesundheit aber ist Heil.
Wie Ihr Ein Leben des Kampfes nach außen gelebt habt, so habe
ich, Ihr könnt es aus den Umständen ahnen ein Leben gewaltigen
inneren Kampfes bey Sicherung des äußeren Lebens gehabt Ihr ganz
umgekehrt weil Keilhau und Willisau in so vielen Beziehungen
entgegen gesetzt gleich sind.-
Das Nöthige wegen Michaelis werde ich besorgen, doch habe ich lange
nichts von ihm gehört und weiß nicht ob er noch in Arau und noch
weniger ob er noch in der Schweiz ist. Bald Näheres darüber[.]
Du Barop schreibst "er könne jetzt wohl in der Äußerlichkeit seines
Stehens für Euch und Euer Leben unschädlich seyn["]; ich habe nichts da-
gegen und freue mich über Eure frohe Zuversicht, aber Freunde
ich bitte Euch um alles - hütet Euch vor Sicherheit - der Wolf
u Fuchs oder auch wohl der Esel lauert dann schon, uns eines
zu versetzen wenn er glaubt daß wir uns Nummero sicher glauben.
Auch Langguths Austreten aus dem Kreise ist schon von uns allen
Ernstes erwogen worden denn sey sein Betragen ist so daß ich es mit
keinem Worte bezeichnen mag. Nach Genüges Aus und <Lse.> H.
Austritt werden wir sehen was zu thun ist. Schreibt nur
stehenden Fußes sobald das Verhältniß an dem jungen Br: entschieden
ist.
Ich habe Langethals Bestimmung wegen Ernestinen Reise gelesen. Ich glaubte
er würde bestimmtere Vorschläge thun. Wie wäre es wenn Ihr sie bis Coburg
oder Bamberg (aber schon in Coburg sind öfters Retouren nach Bamberg) fahren liesest [sc.: ließet][?]
Von dort giebt es tägl. Gelegenheit nach Erlangen u Nürnberg. In Nürnberg dann
könnte sie sich z.B. bis Ulm oder sonst auf die Post setzen. Dann auch wohl einen
Theil zu Fuße reisen[.] z.B. Von Zürich geht wieder Dilligence nach Luzern. Du Barop
[Briefschluß an den Rändern:]
weißt ja das alles. Wenn Ihr Ernestinens und auch Brömels Sache nach Gotha zur Besorgung schickt bittet doch um schleunige Besorgung und - daß man diese
Bitte jedem Comissionär aussprechen möchte[.] /
[Rand 1V]
Wegen des Geldes erwähne ich nochmals nehmt nicht preußisch. Geld mit Euch sondern <Kronenrth> u 24 Xr stücke, preußisch für die ersten Tage[.]