Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an das Erziehungsdepartement der Republik Bern in Bern v. 13.5.1834 (Willisau)


F. an das Erziehungsdepartement der Republik Bern in Bern v. 13.5.1834 (Willisau)
(StAB: BB III b 1928, Brieforiginal 1 B 4° 3 S., ed. Geppert 1976, 53f. - Der Brief nimmt Bezug auf die Teilnahmebestätigung F.s. für Johann Staub und Johannes Lehner v. 2.5.1834, ed. Geppert 1976, 50f.)

An das Tit. Erziehungsdeppartement der Republik Bern zu Bern.


Hochgeachteter, Hochgeehrter Herr Präsident,
       Hochgeachtete, Hochgeehrte Herren.

Auf das verehrliche Schreiben des Tit. Erziehungsdepartements v. 7. d. M.
welches so eben bey mir eingeht, beeile ich mich zu erwiedern, daß nicht persönliche
Gründe, welcher Art sie auch immer seyn könnten, mich bestimmten, die beyden
Schullehrer Staub und Lehner zur Vollzähligmachung der hierher bestimmten
vier Schullehrerzöglinge zu den beyden früher eingetretenen nicht aufzunehmen;
sondern daß die Gründe in der strengen Festhaltung der gegen das Tit.
Erziehungsdepartement übernommenen Verpflichtungen lagen, indem,
was auch immer von meiner Seite geschehen kann und mag, es doch nicht möglich
ist, für solche junge Männer den Verlust von mehreren Wochen Unterrichts-
zeit nachzuholen, zumal da meine eigne persönliche Thätigkeit jetzt so in das
Ganze eingeordnet ist, daß sie zu jeder Stunde streng eingreifen muß.
Ueberdieß wird ja nach dem eignen Wunsche und Antrage eines Tit. Er-
ziehungsdepartements -, in welchen ich aus dem höhern Grunde einge-
gangen bin, um zur möglichsten Verbreitung zeitgemäßen Erziehungs- /
[1R]
und Schullebens selbst mit völliger persönlicher Hingabe beyzutragen,
meine unmittelbare Wirksamkeit in der hiesigen Anstalt und
so auch für die mir anvertrauten Schullehrerzöglinge unterbrochen.
Wenn ich nun auch Sorge trage, daß für die bereits schon einge-
tretenen beyden diese meine Abwesenheit wenig nachtheilig
wirkt; so wird es mir doch wenigstens nicht möglich, diese
drey Monate zur Nachhülfe der beyden neueinzutretenden
Schullehrer anzuwenden.
Wenn nun ein Tit. Erziehungsdepartement, ungeachtet der
hier angedeuteten Gründe, aus höheren Veranlaßungen sich be-
wogen findet, die beyden jungen Männer unter diesen obwal-
tenden Umständen, die abzuändern außer meiner Gewalt ist,
dennoch hierher zu schicken; so werde ich, in sicherer Voraussetzung
der spätern Berücksichtigung dieser Verhältniße, dem Eintritte
derselben von meiner Seite kein weiteres Hinderniß ent-
gegenstellen, und ich werde keinesweges nur aus Pflicht,
sondern im Intereße des höchsten und allgemeinen neuern
Erziehungslebens, welches sich so besonders rege im Canton
Bern ausspricht, mit Freudigkeit dahin zu wirken
suchen, den vertrauenden Erwartungen eines Tit.
Erziehungsdep. zu seiner Zeit zu genügen. /
[2]
Schließlich bitte ich nun, daß auf diesen Fall die jungen Leute so
bald wie möglich hier eintreten möchten, besonders da, wie es scheint durch
wiederkehrende stille Einwirkungen im hiesigen Canton, der nöthige Raum
für sie im Gebäude der Anstalt selbst so eben frey geworden ist.
Mit wiederholter Versicherung so vorzüglicher als wahrer Hoch-
achtung und Ergebenheit habe ich die Ehre mich zu unterzeichnen
Hochgeachteter, Hochgeehrter Herr Präsident,
Hochgeachtete, Hochgeehrte Herren!
      Ihren
Willisau d. 13. May
1834.

      ergebensten
      Friedrich Fröbel.