Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Langguth in Veilsdorf b. Hildburghausen v.17.5.1834 (Willisau)


F. an Johannes Langguth in Veilsdorf b. Hildburghausen v.17.5.1834 (Willisau)
(BN 535, Bl 2, datierter Entwurf 1 Bl fol 2 S., mglw. Middendorffs Handschrift bis auf die beiden Schlußzeilen. Bei der Transkription wurden die ganz erheblichen Abbreviaturen des Textes (z.B. ”ds” für ”das”, ”sr” für ”seiner”) aufgelöst, sodaß hier kein authentischer Text im strengen Sinne vorliegt.)

An den HE Schultheiß Langguth in Veilsdorf b. Hildburg[hausen] im Hzth Meiningen.
Willisau d. 17. May 1834.


Werthgeschätzter Herr!

Sie haben vor einigen Jahren das Zutrauen zu mir u. zu der
Anstalt in K. [Keilhau] gehabt, Ihren Sohn Heinrich zu seiner weitern
Ausbildung für den Lehrerberuf in diese eintreten zu lassen.
Sie haben im verfloss. Jahre zu mir u. uns das erhöhte Zu-
trauen gehabt, denselben mir u. uns in derselben Absicht zu seiner weitern Ausbildung
hierher in unsere neubegründete Anstalt zu Willisau
folgen zu lassen. Obgl nun dieß Ihr Zutrauen zu mir
u. uns mir v. Ihnen weder mündl noch schriftl aus-
gesprochen worden ist, so war es mir um so mehr Pflicht,
dieselbe d[urc]h mein Handeln in Bez. auf Ihren mir anver-
trauten Sohn zu rechtfertigen, als Sie mir dieß
d[urc]h das Handeln selbst bethätigten. Diese mir gegen Sie
u. Ihren Sohn zu erfüllende Pflicht ist es denn
auch, warum ich mich jetzt schriftl an Sie wende.
Es ist Ihnen gewiß mehrmals von uns unsere Zufrie-
denheit mit Ihrem Sohn, seiner Gesinnung u. seinem Wirken aus-
gesprochen worden. Auch er hat Ihnen gewiß viele Beweise
seiner Zufriedenheit mit seinen jetzigen Verhältnissen b.mir u. uns
u. seiner Überzeugung gegeben, daß er diese nach jeder Seite
hin zur Förderung u. Begründung so jetzigen u. k[ün]ftigen Lebens
entsprechend erkenne u. finde. Ihre tief ausgebreiteten Lebensver-
hältnisse haben Ihnen selbst auch gewiß die Erfahrung gegeben, daß es
in das Leben eine Klippe gibt, an welcher oft die glück-
lichste Fortentwicklung auch der hoffnungsreichsten u. mehr-
seitig gutgearteten jungen Menschen scheitert. Auch
die Verhältnisse Ihres, wie Sie wissen, von allen Gliedern
des Hauses sonst wohlgeachteten Sohnes scheint hieran
scheitern zu wollen.
Ein Haus wie das meine bedarf der Hülfe mannigf.
Art, <wie> viele Mühe man sich auch gibt, sich nur
würdige Hülfe zu verschaffen, so ist dieß doch
1 Aufgabe, die schwierig gelöst wird, u. fast schwie-
riger bey weibl als b. männl Hülfe.
Er hat sich näml zu einem leichtsinnigen u. unmöglichen Verhält[nis]
eines freyl sonst wohl auf Empfehlung anderer hin in unser
Haus gekommenen Frauenzimmer eingelassen, gegen
welche schon etwa mindestens das spricht, daß sie auf eine nicht
verantwortl. Weise zur Anknüpfung dieses Verhältnisses
Gelegenheit gegeben hat. Es ist dieß ein elternloses Frauen-
zimmer, geboren in Lübeck, deren früher Verlust ihrer
Eltern u. Vermögenslosigkeit sie leider bisher manchen Verhältnissen u. deren
Einwirken <-> preisgab, jetzt die Pflegetochter
der einer gewissen Mad. Amberg in Pirna in Sachsen /
[2R]
Ich u. alle meine Freunde, die auch sonst die Ihres Sohnes
können den uns vorliegenden u. bekannten Umständen
nach die Festhalt[ung] u. Fortbildung dieses Verhältnisses
nur zu dem innern u. äuß. Verderb, zu dem moral[ischen]
u. bürgerl. Ruin Ihres Sohnes [führend] halten; welches
Urtheil sich auch schon dadurch kundthut, daß sein Geist
u Gemüth dadurch aus seinem gewöhnl. u gleichen Leben
herausgerissen u. verdrehet w. ist. In d Es konnte
u. durfte nun gar nicht anders seyn, als daß er von
meinen Freunden u. besond. von mir auf das ernsteste
u bestimmteste auf d Geist u. die Wirkung dieses
Verhältnisses aufmerksam gemacht werden mußte. Er konnte
sich auch gar nicht anders sagen, als daß er sich dadurch sehr
gedrückt fühlen u. seine jetzige Verhältnisse gerade
in d Zustande dann der Trübung u. Störung
u. Spannung näml erblicken läßt in welcher sich sein Gemüth u. Geist
befindet. In Folge dieser Verhältnisses nun wünscht
er augenblicklich aus diesem d Kreise auszutreten.
Und da wir genöthigt gesehen haben, gedachtes
Frauenzimmer aus unserm Dienste zu entlassen,
deren Austritt in der Woche nach Pfingsten
geschehen wird, so wünscht er dieses hiesige Leben
zu verlassen, u er wünschte u. forderte, zu
gleicher Zeit mit ihr aus d Kreise auszutreten.
In Folge dessen hatte er auch schon seinen Paß von der Polizey
geholt. Ihr mir bewiesenes Vertrauen scheint mir
u. meinen Freunden aber nicht zu erlauben, diesen Schritt
ohne Ihre besondere väterl. Einwillig[ung] gestatten zu
dürfen, ob er mir u. uns gleich versichert hat, daß er
in bes. auf die Gestaltung u. Bildung seines Lebens ganz
unabhängig stehe. Ich frage hier nun g[an]z einfach an:
ob alle diese Schritte Ihres Sohnes Ihre väterl Bey-
stimmung haben u auf diesen Falle steht dem Austritt Ihres
Sohnes aus der hiesigen unsern Anstalt gar nichts entgegen
sobald in der hiesigen Anstalt s. Platz wieder ausge
ein anderer Lehrer an seine Stelle wieder getreten ist
was wir hoffen daß es im Laufe des künft. Monats
geschehen wird. Schließl bemerke ich nur noch, daß
wenn Sie sich über dieses Verhältnis weiter unterrichten
wollen, Ihnen dieses d[urc]h HF Barop, der jetzt in Keilh.
lebt, leicht geschehen kann. Mein Neffe Ferd. Fröbel
HE Langethal u ich grüßen Sie nebst Ihrem und unserm Freunde,
den HE Kantor Karl auf das inständigste. Um baldige Antwort
bittet ganz besonders
Ihr freundschaftl ergebener FrFr