Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 31.5.1834 (Willisau)


F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 31.5.1834 (Willisau)
(KN 47,13, Brieforiginal 1 B 16° 4 S.)

Willisau am 31.en May 1834.


Mein lieber Middendorff.

Deinen am 21en d. in Keilhau geschrieben[en] und am 24en in Rud:
mit der Post abgegangenen Brief habe ich heute Morgen beym
Frühstück, wie gewöhnlich erhalten. Daß der Brief in Keilhau
schon am 21en geschrieben worden ist aber in Rud: erst am
24en abgegangen scheint mir zu beweisen daß der Brief
abermals zu spät von Euch zur Post geschickt worden ist.
Briefe also welche ich Sonnabends früh hier erhalten, werden
also wie ich vermuthe schon Sonnabends ganz früh von Rud:
dort abgehen und deßhalb schon Freytags zu guter Nachmit-
tagszeit d.i vor  7 Uhr in Rudolstadt seyn müssen; sucht dieß
doch ja genau auszumitteln; denn dann bekäme ich Briefe
welche von Euch am Freytag geschrieben und zur Post gesandt
worden wären am 2en Sonnabend darauf also am 9en
Tage früh. Briefe welche mit der Mittwochs Post in Rudols.
abgehen sollen werdet Ihr wohl schon Dienstags zur Post nach
Rudolstadt schicken müssen wo ich sie dann auch am 9en
Tage d.i. 2en Mittwoch danach, frühe erhalte. Ihr
könnt auf diese Weise, bey Pünktlichkeit, in Keilhau
immer noch die Entwickelung zwey Tage länger abwarten
und ich bekomme die Nachricht doch immer zur richtigen Zeit.
so z.B. hättet Ihr mir in diesem Briefe - welcher doch so
erst am 24en in Rud: abgieng - auch noch die ganze Entwicke[-]
lung des Martinschen Besuches - mittheilen können.
Beachtet darum Postzeit und Postabgang genau.
Auf Deinen Brief l.. Middendorff weiß und hab ich Dir
heute nun eigentlich weiter nichts zu schreiben, als, daß
ich mich überhaupt des gesammten Inhaltes desselben innig
erfreue. Ja Ihr lieben Freunde! Mann muß sich und seine Verhältnisse nicht von
der Welt stellen lassen, sondern man
muß die umgebende Welt und Verhältnisse stellen; /
[1R]
dazu gehört freylich Muth, Kraft und Ausdauer, und letztere
besonders bey fortgehender Prüfung um so mehr, als noch die
ganz klare Einsicht und Umsicht mangelt; Einsicht und Um-
sicht giebt auch bey Muth und Kraft, Ausdauer. Wer
also bey und mit sich nicht wenigstens der Ausdauer gewiß
ist so also ja nicht beginnen die Verhältnisse bestimmen zu wollen
er geht sonst nothwendig zu Grunde, er muß ruhig sich von
den Verhältnissen bestimmen lassen
"Verhältniß, sagt die Welt, macht stets den Mann!"
Doch weh wer dieß nur von sich sagen kann
Er schwingt sich nie zu dem erhabnen Ziel
des sich die edlen Menschen nur erfreuen,
das, was man werden will,
durch eigne Kraft zu seyn.
Wer darum nicht in den Kampf mit bestehenden Lebensver[-]
hältnissen und Lebensansichten kommen will, muß gar nicht
anfangen ein freyer selbstständiger Mann zu werden.
Da Ihr nun schon in Eurem heutigen Briefe so bestimmt für die
Überkunft der Frau Langethal entschieden seyd, so hoffe ich Ihr
werdet es nach den seit Abgang Eures Briefes an uns, wei-
ter von uns empfangenen Briefen noch mehr seyn und
mein letzter Brief wo ich die Überkunft der Frau Langethal
hieher, ganz in Euere Überlegung und Hand gebe, wird Euch
nun nur noch mehr bestimmt haben die Abreise derselben
hierher um so fester im Auge zu behalten. Du schreibst
mir lieber M. in diesem Briefe nichts vom Reisegeld, ich
vermuthe deßhalb daß Euch meine in der Beziehung getroffe-
nen Anordnungen genügen. Sollte es nöthig seyn in dieser Sache
Sollte der junge Bernwart an die Fr v. Ahlfld zu schreiben,
so bitte ich derselben meinen verehrungsvollen Gruß und
besonders auch meine Freude darüber auszusprechen, daß
Wilhelm nun wirklich für die Gärtnerey, und zwar als Lehr-
ling nach Eisenach bestimmt sey.- Auch ohne diese Veranlassung /
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kann Ihr dieß ausgesprochen werden, so wie daß ich selbst
an sie schreiben werden sobald sich meine Verhältnisse etwas
mehr entwickelt haben.
Sollte der junge Brömel (:schreiben sie sich denn jetzt Brömel oder
noch wie früher von Rode?:)- oder dessen Vater wegen den
Jahrgehalt noch nichts bestimmt haben und die Sprache darauf
zurück kommen, so kann ihnen versichert werden, daß ich
für die hiesigen Verhältnisse und in der Fortentwickelung der-
selben, den jungen Brömel jederzeit so stellen werde daß
er damit gewiß zufrieden seyn kann. Was sonst seine
hiesige namentlich auch seine musikalische Stellung betrifft
so wird er gewiß besonders da er Herrn Langethal an der
Seite hat finden was er wünscht, denn auch ein Männerchor
fängt sich immer mehr hier zu bilden an und mit den S Zöglingen wurden
ja auch schon größere Sachen z.B. die Glocke ausgeführt.-
In der 2en Woche des künftigen Mon: wird wie es jetzt scheint
der Wiederholungscursus in Burgdorf beginnen, meine Her[re]n
Mitarbeiter sind: Herr Prof: Hans Schnell (Bruder des Reg:
Statthalter Karl Schnell) für Naturgeschichte rc. Herr Helfer
(= Collaborator) Müller für Gesang und Herr Pfarrer Far-
schon
aus Wynigen für Religion und Geschichte.
Macht Euch immer darauf gefaßt, daß die Sache in ihrem Erfolge
eine entgegengesetzte - negative - verneinende Wendung nehmen
könne. Die Aufgabe ist nicht klein - die Zeit ist kurz - das Ma-
teriale d.h. die Schullehrer sehr zusammengesetzt.- Die Spannung groß
- die Opposition gewiß von mehreren Seiten nicht gering (:so ist
war [sc.: was] aber auch wieder gut ist Fellenberg im GroßenRath zu
Bern schon gegen mich besonders auch dagegen aufgetreten daß
die Regierung von Bern Zöglinge hierher geschickt hat;- doch sagte mir
der Reg. R. Schneider es habe nicht gezogen:) - Reg. Rath
Schneider der es zwar auf das redlichste ernsteste und treueste
meynt hat aber doch wie es scheint, keine entscheidende bestimmende
sondern mehr nur eine vorschlagende, aber keine haltende durch-
greifende Stimme. Alles kommt darauf an wie sich mein Ver- /
[2R]
hältniß zu meinen Herrn Mitarbeitern namentlich zu d. He.
Professor Hans Schnell macht; die Schnelle sind und gelten
jetzt alles in Bern besonders beym Volk. G. F. Stähli
der ehem: Herausgeber des bernschen Volksfreundes jetzt Großrath
u.s.w. in Bern ist mit den Stählis ein Ganzes u.s.w. was
Barop alles kennt, also macht Euch immer auf eine große
Negative Wirkung bereit, ich wenigstens thue es mit
großer Bestimmtheit weil ich eine klare Durchführung des
Ganzen will. Ich werde immer mehr über das einfachste
und natürlichste Fundament dazu klar und sicher, also auch
in Beziehung auf die Ausführung meines Lebensgedankens
von den Verhältnissen unabhängiger; ich dulde Verhältnisse
schonend und trage sie pflegend bis ich unabhängig von ihnen
in mir und außer mir stehen kann; werden mir aber
die äußeren bisjetzt noch schützend dastehenden Lebensverhält-
nisse durch den Gang der Lebensentwickelungen unerwartet
entrissen, so suche ich mich so zu stellen, daß ich auch dann in mir
fest stehe und das Lebensziel dadurch nicht nur nicht gefähr-
det sondern sogar gefördert werde. Stehet und stellet
Euch auch so.-
Hast Du Middendorff noch keine Antwort auf Deinen
Brief an Frankenbergs Bruder in Eddigehausen?- Vergiß
doch nicht im nächsten Briefe mir darauf zu antworten oder
antworten zu lassen.-
Meine Berner Schullehrerzögl - worunter zwei sind welche
obgl. noch sehr jun[g] doch, ich glaube schon 10 Jahr schulmeisterten,
[(]seit dem 14n Jahre) - sind erfahrene, wackere, besonders
sinnig eingehende junge Männer. Ich habe Freude an ihnen[.]
Beym Zumachen des Briefes habe ich von Emiliens
Brief 2 Spitzen abgeschnitten, verliehre sie nicht.
Den Brief an Wilhelm mußt Du auch durchlesen und ver[-]
bessern ich habe keine Zeit dazu. Euer Friedrich Fröbel