Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Henriette Wilhelmine Fröbel in Willisau v. 21.6.1834 (Burgdorf)


F. an Henriette Wilhelmine Fröbel in Willisau v. 21.6.1834 (Burgdorf)
(BN 445, Bl 55-56, Brieforiginal 1 B fol 2 S.+ Adresse)

Burgdorf am Tage Johannis 1834.


Meine geliebte, theure Frau.

Du wirst eben so sehr nach Nachricht von mir verlangt haben, als ich mich gesehnt habe solche
Dir zukommen zu lassen; allein da Du weißt wie unvollkommen ich alles hier vorbereitet
fand so wirst Du es auch leicht erklärlich finden daß ich bis jetzt eigentlich Dir gar noch nicht ein-
mal schreiben konnte. Thöricht wäre es dir alle diese Hemmnisse und Stöhrung aufzählen zu <wollen>,
genug! das Endergebniß ist: der sogenannte Wiederholungscurs hat Gestern begonnen,
d.h. er ist durch 2 Deputierte vom ErzDep: dem He. RR. Schneider und d[em] He. GroßR. Stähli
eröffnet und als begonnen erklärt worden. Heut morgen habe ich von 6-8 die ersten
zwey Stunden nach einander gegeben, vorher den Tag wie bey uns Sitte durch Gesang
begonnen. Es ging alles gut. Wöchentlich werde ich 25-28 Stunden zu geben haben.
Meine He. Mitarbeiter sind: He. Helfer Müller; Herr Pf. Bitzius. He Pf. Stein-
häuly [sc.: Steinhäuslin]
von Ättigen. Prof Schnell ist leider zum Taggesandten nach Zür[i]ch berufen,
dessen Fach Naturgeschichte soll eigentlich als solches nicht besetzt werden u.s.w.
Die Bestimmungen welche Du mir vom <häuslichen> schriebst sind mir recht. Noch habe ich keine
Gelder erhalten, sonst würde ich Dir heute welches senden. Sind die Berner Zahl[un]gen
bey Euch eingegangen? - dann bitte ich mich etwas zu berücksichtigen, dieß sage
Langethalen. Ich habe denselben verfl. Sonntag als Überbringer der Briefe
erwartet. Nächsten Sonntag werde ich hier bleiben. Sonnabend den 5ten
July werde ich wohl nach Willisau, so glaube ich jetzt, kommen, denn wegen
des Singfestes in Herzogenbuchsee werden wir den 7en u 8en Vakanz haben.
Bis dahin ist dann gewiß Ernestine und der junge von Roda bey Euch eingetroffen;
dieserhalb erwarte ich auch den Langethal in den nächsten Tagen nicht hier.-
Jetzt sende ich Dir nur die Du so gern stets treu das Leben mit mir theilst
Burgdorf und seine Umgebungen. Mündlich über alles mehr. An 2 Abenden und
während 2er Nächte habe ich auch zwey Berge die hier sehr besucht werden bestiegen
den Rachilsberg zwischen <Afholtern> und Burgdorf und den Bandiger
zwischen Grauchthal und Worb w östlich von Bern. Über alles dieß mündlich.
Auf den ersteren sollten Freunde welche von Willisau aus zu Fuß mich besuchen
wollen übernachten; er ist soll nur eine Stunde von <Alfholtern> entfernt seyn.
Allein beym Bauer im Hofe Rachesberg durften sie nicht bleiben da ist es sehr
schlecht sondern in einem Haus etwas weniges östlich. Wollen S sie dann die
Sonne aufgehen sehen, so thäten sie wohl von den Häusern nach der Anhöhe
südwestlich zu gehen.- /
[55R]
Die Zahl der Schullehrer jungen Männer beträgt 55-58. Ob alle fest aufgenommen werden ist
noch unbestimmt da der schon angestellten Schullehrer an der Zahl schon 40 sind und
Du weißt daß nur 40 eigentlich an diesem Curs Antheil nehmen sollen.
Vom Waisenhaus ist noch nicht gesprochen worden; allein der Gedanke einer
NormalArmenerziehungsanstalt nähert sich mit ernsten festen Schritten seiner
Ausführung, und so wie es jetzt wieder von RR. Schneider besprochen worden
so rechnet man darauf daß einer aus unserm Kreise der Leiter dieser
Anstalt werden wird.-
Nun zum guten Schluß Grüße an Lgthl, Ferdinand, Frkbg, Lang[g]uth, Titus
Karl, Anton, Heinrich; an alle die Berner. Die Vorschriften werde
ich besorgen sonst kann sich ja Lgthl in den von Keilhau mitgebrachten Schreib-
heften welche wohl in Frkenbrgs Schrank unten liegen werden einigen Rath
erhalten. Kommt Jemand von Willisau hierher ehe ich dahin komme,
so bitte ich mitzubringen
1. eines der kleinen Liederbücher von <Broder>
2. die ausgeschriebenen 4stimmigen Chorale
3. Schmidts Zahlenlehre kann dann baldigst zurück gegeben werden.
Bist Du mit Ludowika zufrieden so grüße Sie. Ebenso grüße die Luise
Frkenbrg.- Auch bey d[em] He Dr u Posthalter - Her[r]n Kilchmann - Her[r]n
Wechsler u.s.w.
Lebewohl mein treues Weib. Gott stärke Dich und mich, beyde sind
wir des Beystandes dieser ewigen Kraft jetzt sehr bedürftig wie der Mensch
überhaupt immer. Mit Liebe u Treue
Dein
      FriedrichFr. /
[56]
[leer]/
[56R]
[Adresse:]
Der Frau,
Frau Wilhelmine Fröbel
             in
         Willisau,
Canton Luzern.

Nebst einer Rolle
enthaltend eine
lithographische
Zeichnung Werth Ls 4 de <Lois>,
bezeichnet F. W. Fr. No 1. Willisau