Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 11.7.1834 (Burgdorf)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 11.7.1834 (Burgdorf)
(KN 47,16, Bl 6, Brieforiginal 1 Bl 4° 1 S. - Der Brief findet sich nachschriftartig auf der dritten Seite des dritten Bogens des F.-Briefs an Emilie Barop v. 20.6.-10.7.1834.)

Schloß Burgdorf am 11en Tage im Monat der Lilie 1834.


  Mein Barop!

Gott zum Gruß Dir und Euch am Tage Eurer Lebensfeste; am Tage des Lebensfestes der Lebensfeste
unserer Aller; möchten wir uns alle dieß recht klar nachweisen, in seiner Reinheit nachweisen und in hoher
Lebensfülle uns aussprechen; hierin müßte eine Seelenwonne liegen, welche nicht an Worte zu knüpfen,
wenigstens nicht durch Worte zu erfassen wäre. Unser, Leben hat, unser irdisches Leben hat Seelenfreude,
Herzenswonnen, Wonnen des innersten Gemüthes und so und dadurch schon wahre Himmelswonnen von welchen
Millionen keine Ahnung haben, weil sie die Wahrheit des Gemüthes, die Wahrheit des eigenen Gemüthes
des eigenen Empfindens, Denkens und Handelns und so auch die Wahrheit in dem Empfinden, Denken und
Handeln anderer nicht anerkennen. Der Mensch glaubt Alles und wenn auch nicht ganz Alles, doch fast Alles schmiegen
und biegen, drehen und wenden, einen und trennen zu können, allein es gibt tausend Dinge die er nur dankbar annehmen
ihrem Wesen nach durchdringen und so nach und nach ihrem Grunde und Folge, ihrer Ursache und Wirkung nach
erkennen und einsehen kann. Mein Barop und die Deinigen, wir müßten wie Engel, wie Kinder, mindestens wie
die Sterne und die Blumen mit einander reden wenn wir diesen Gegenstand besprechen wollen. Wir sind
nun aber das Eine nicht mehr und sind das Andere noch nicht, wissen sogar noch nicht einmal was das an[-]
dere ist, werden es wohl auch schwerlich eher erkennen un[d] d.h. wieder kennen, bis wir es wieder sind
darum müssen wir es nun schon vor der Hand an seinen Ort gestellt seyn lassen. Zu meinem Leben
gehörte das Finden eines Lilienlebens, ob an die Person geknüpft und an welche, ob dauernd oder schwindend
dies sind Fragen und Aufgaben welche vielleicht nur eine Ewigkeit löset und wer wird in der Zeit im Jetzt schon
wissen wollen was nur einer Ewigkeit zu zeigen zu entwickeln zu lehren möglich ist. Genug, ich habe ein
solches Leben gefunden, habe es durch mich gefunden, trage es in mir, trage es pflegend in mir, ob? - wo? und wie?
außer mir lasse ich unentschieden; allein daß ich es gefunden habe, daß ich es liebend und pflegend in mir
trage ist wichtig ist für mich und, da der Einzelne mit Vielen, mit ungeahnt und so unzählbar Vielen in
Verbindung steht ist [es] für viele wichtig, denn mein Leben wurde ein Ganzleben, ein in sich einiges Leben und
nur was man in sich trägt kann man außer sich gestalten und nur je klarer man es in sich trägt, nur um so klarer kann man es außer sich gestalten. Darum und so ist denn, das heutige Lebens-
fest sind die heutigen Lebensfeste ein Fest und Feste unser aller obgleich wir nicht alle wissen warum
ist ein Lebensfest für viele, wird bleibend und immer ein Lebensfest für mehrere werden, obgleich kaum
schon oder noch Einige wissen warum?- Ich glaube an den Himmel - nicht auf der Erde, weil der aus und um sich
schauende ihn nicht finden und sehen würde, allein im Innern, im Gemüthe, im Eigenleben des Menschen
ich glaube an ihn, weil ich ihn habe, ihn besitze, ihn kenne ihn lebe. Ist er nun nur erst da und eingekehrt
oder vielmehr ent - deckt, ge - funden im Gemüthe und Innern eines Menschen bald wird er auch in Mehre-
rern in dem Innern und Gemüthen mehrerer da sein, ja wir haben die freudige Erfahrung und Wahrnehmung
daß wie nur jenes Leben in Einem Innern, in Einem Gemüthe da war, gleich, fast im Nu war es
zugleich auch in dem Leben m Mehrerer da und wir haben so die freudige Hoffnung, bald wird es das
Leben Vieler, wird in dem Leben Vieler da seyn, darum ist das heutige Lebensfest, sind die heutigen
Lebensfeste, ein Lebensfest und Lebensfeste, ist das Fest und die Feste der Lilie, ist das Fest und sind
die Feste des Lilienlebens unser aller und einst Vieler Lebensfest, Lebensfeste.-
Laß mich nun Barop kein Wort mehr hinzufügen, Lasse nun uns selbst, uns einander und unter
einander und Gott treu seyn. Nimm diese Zeilen hervorgegangen aus dem innersten festlichsten Leben
eines festlich gestimmten Gemüthes zu Deinem, zu Eurem, zu unser aller Lebensfeste und Lebens-
festen von Deinem und Euern
FriedrichFröbel.