Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Willisau v. 22.7.1834 (Burgdorf)


F. an Heinrich Langethal in Willisau v. 22.7.1834 (Burgdorf)
(UBB 4, Bl 7-8, Brieforiginal 1 B 4° 1 S., ed. KG 1883, 59)

Burgdorf Willisau am 22sten July 1834.


Lieber Langethal.

Der Überbringer dieses ist Herr Christian Jacob Marcolin gebürtig aus Neu-Breslau
in Preußen jetzt angestellter Lehrer in Mädiswyl in Cant Bern, nächst Langenthal,
Er kam hierher um einige Tage frey an dem hiesigen Curs Antheil zu nehmen, weil
sein sehr geringer Gehalt ihm keine Ausgabe dafür erlaubt. Die Bestimmungen für
den hiesigen Curs dürfen lassen aber nur für den ganzen Curs Schullehrer aufnehmen. Ich
habe ihm daher - weil der Mann mir im Ganzen nicht mißfällt vorgeschlagen auf
seiner Erholungsreise, welche er nun unternehmen will, Willisau zu besuchen.
Er kann ja wohl ohne große Beschwerde mit Euch essen. Nachts schläft er wohl
am besten da wo Loder geschlafen hat, ich glaube im Hirsch; Loder kann ihn dahin
begleiten. Ob er länger als eine Nacht in Willisau bleiben könne hängt von Euerer
Bestimmung ab.- Glaubt Ihr übrigens daß es im Rößly nicht unangenehm sey, wenn
der Mann nur des Nachts dort schlafe, so kann er auch dorthin geführt werden.
Dieß ist Nebensache.- Weil im Herbste Titus abgeht, vielleicht auch Langguth
schwankend steht so ist es doch nöthig uns begegnende Menschen auf einstige
Hülfe anzusehen, und so schicke ich Dir und Euch auch diesen Mann um ihn in dieser Rück[-]
sicht anzuschauen. Denn irre ich nicht so ist er Michaelis seiner Verbindlichkeiten
frey und er wünscht dann in ihm entsprechendere Verhältnisse einzutreten.
Am liebsten ist er Rechner u Mathematiker; er schreibt Deutsche Englische u Franzö[-]
sische Geschäfts Hand; spielt etwas Clavier; Singen thue liebe er jedoch mehr sagt er
mir, er zeichnet etwas; ist nicht ganz unbekannt mit der französischen Sprache
jedoch gar nicht bedeutend, allein er sagt mir lesen könne er etwas, wie auch das Gelesene
verstehen. Genug seht Euch den Mann an und schreibt mir bald über ihn; ich
werde ihm sagen auch mir bald zu schreiben wie er es und wie er sich in
Willisau gefunden habe. Ich grüße Euch alle namentlich besonders auch Dein[e]
Frau und die Jgfr Frankenberg. Lebt von Herzen wohl Dein u Euer
FriedrichFröbel /
[7R/8V]
[leer] /
[8R]
[Adresse:]
Herrn Langethal,
Führer der Erziehungsanstalt
      in
Willisau.