Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 30.7.1834 (Burgdorf)


F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 30.7.1834 (Burgdorf)
(KN 48,5, Brieforiginal 1 Bl 4° 2 S.)

Schloß Burgdorf, Mittwoch am 30en Tage im L. M. [sc.: Lilienmonat] (VII) 34.


    Grüße Dich Gott mein lieber Middendorff und durch Dich all die übrigen Lieben.

Deine freundlichen Zeilen von heut vor 8 Tagen /vom 23' d./ habe ich verflossenen Montag am 28st früh
also am 6en Tage wohl erhalten. Du siehest hieraus und ich zweifle nicht Du wirst auch schon die Bemer-
kung gemacht haben, daß die Briefe von Keilhau nach Burgdorf schneller kommen, als von da nach Willis-
au und es wird Euch dieß so lieb als mir seyn. Wie viel Liebes und Rechtes mir auch Dein Brief schreibt,
auf welches ich gleich zurück kommen werde, so wäre er mir doch noch lieber gewesen wenn er mir die Absen[-]
dung von wenigstens 30 Ex. Erziehungskunst gemeldet hätte; denn schon sind über 30 und es ist wohl
möglich noch 40 Ex: von diesem Buche bey mir bestellt. Solltet Ihr nun den im vorigen Brief Euch von mir
ausgesprochenen Wunsch noch nicht erfüllt haben, so könntet Ihr mir sogleich wiederum 25 Ex:
der Erziehungskunst schicken; denn es ist nun schon wiederkehrend den versammelten Lehrern von Re-
gierungspersonen aus Bern die große Hoffnung ausgesprochen worden, daß dieser jetzt Statt findende
Curs unter ähnlichen Verhältnisse[n] wie jetzt auch künftiges Jahr hier in Burgdorff wiederholen wird
und so ist es ja kein großer Schade[n] ob auch einige Ex: dieses Buches statt in Keilhau 3/4 Jahre hier
ruhig liegen würden. Ich wünsche aber bey der Absendung die Vorkehrung zu treffen, daß der Ball[en]
in der 1en Woche des Monats 7br, spätestens in der 2en Woche mit Gewißheit ankäme, weil sonst
die Lehrer schon wieder in ihre Heymath zurück gekehrt seyn würden. So zeigt sich auch ein
Mittel wie wir uns aus unsern eigenen Kräften die nächsten Lasten, von denen Du mir l[ieber] M[iddendorff]
schreibst erleichtern können. Wie konnte nur Günther Fr. so keck seyn, ich mag nicht mehr
sagen, und Euch 9 rth bieten, da spricht sich recht der Geist dieser Menschen aus, die in einem
solchen Werke nur den Kienruß sehen, welchen sie auf Lumpen gedrückt haben.
Hätte ich nur leise ahnen können daß ein solcher Antrag von Euch könnte beachtet werden
so hätte ich längst meine Meinung bestimmt darüber ausgesprochen. Es soll mir auch kein
einziges Exempl: von diesem Werke verschleudert werden, bis entweder mein erziehendes
Wirken ganz abgestorben und vertrocknet ist, oder bis ich dieß Werk durch ein vollkom-
meneres ersetzt habe. Werde ich Euch nun von dem zunächst dafür eingehenden Geld eine
Sendung machen, so wendet sogleich einen Theil davon dazu an, den Rest der Auflage dieses Wer-
kes Euch von Aug. Wienbrack in Leipzig kommen zu lassen und denselben [sc.: demselben] das Lagergeld zu berichtigen
am besten thut Ihr dieß durch Wetzstein in Schweinfortt oder in Hof (wenn nicht mehr am
ersten Orte) thut aber baldigst deßhalb dort Anfrage.
Du schreibst mir lieber M[iddendorff] - "Was soll ich Dir kurz noch von dem andern Stehen zur Außenwelt sagen.
"Ich werde Langethal wie ich denke darüber schreiben. Der Glaube (Credit) wächst, hebt sich mit neuen
"Flügeln. Mein Wort oder Gedanke nun ist: - im innigen gemeinschaftl. Zusamme[n] wirken von Deutschl.
"und der Schweiz Dein Wort auch nach außen, wie nun angefangen, immer mehr wahr zu machen und
"ihnen den ungekannten Brunnen der Rechtschaffenheit zu offenbaren und ihnen auch auf ihrem
"Felde so Gott will einen Sieg nach dem andern zu liefern." In diesen Worten mein Middendorff,
erkenne ich Deine Treue und Wahrheit nach jeder Seite hin, sie sind mir aus der Seele geschrie- /
[1R]
ben, sie zu verwirklichen ist mir seit Langem ernstes Streben.- Von woher das Leid, kommt auch
die Freud' - Von woher die Last kommt auch die Lust - Von woher das Übel, daher kommt auch
recht erkannt die Hülfe.- Ich erscheine äußerlich als die Ursache dieses Leides, dieser Last und dieser
Übel; so ist es mir auch Aufgabe, dieses Leid, diese Last und dieses Übel wieder von Euch zu nehmen.
Ich habe aber die feste Zuversicht wie das Schicksal das erste fügte, so wird es auch das zweyte fügen.
- Wollt Ihr mir aber Leid Last u Übel nicht allein gönnen, und das Bewußtseyn, oder vielmehr
die Meinung die Ursache davon zu seyn und wollt Ihr oder willst auch Du nur allein sagen[:]
Unser Zutrauen zu Fr brachte uns dieses Leid, diese Last u dieses Übel, nun gut, so wird
Euer treues austauerndes Zutrauen zu mir auch mit Gott dieses Leid, diese Last u dieses Übel
heben und sie in Freud, Leid u Hilfe verkehren. Also laßt uns gemeinsam sehen ob wir den Glauben
(Credit) nur noch bis Mich[aelis] nähren können, Ihr seht ja jetzt selbst daß sich uns eine Hoffnung herauf[-]
dämmert, daß wir ihm dann mit Gott auch nach u nach entsprechen können.
Ich habe es Euch glaub ich schon im vorigen Briefe geschrieben: Es sind u zeigen sich mir wohl
Mittel und Wege in meinen ganz eigenen oder unsern ganz eigenen Schweizerische[n] Verhältnissen
wo ich sogleich den Druck bedeutend für den Augenblick in Keilhau erleichtern könnte; Aber ich sage es Euch ganz
aufrichtig, ich fürchte mich endlich wahrhaft für den Menschen als Einzelnen
selbst in der Erscheinung als Freund; zu der Menschheit steht mein Vertrauen fest, aber zu
den Einzelnen mag ich keines mehr anknüpfen; so scheue ich mich Euch die Last die uns jetzt drückt
durch einzelner Menschen Hilfe von uns zu nehme[n]. Ich fürchte eine größere Last auf mich und
Euch für die Zukunft zu wälzen, das heißt für die Zukunft Eurer u mein freyes Streben so[-]
weit es noch frey ist - zu fesseln. Ich bin jetzt wirklich mit Selbstüberwindung in den nächsten Verh[ält-]
nissen so hart, als man mir früher schuld gab daß ich es sey und ich nie war. Und wer
weiß ob man mich jetzt hart nennt. Genug, sey es auch: ich will lieber in die Hand
Gottes als in die Hände der Menschen fallen.
Wie ich kann werde ich Euch Geld senden; doch schwerlich wird es (es kommt auf die An-
kunft der Bücher an), vor Monat 7br oder 8br seyn Können.
Ich könnte Euch noch viel schreiben ich muß aber schnell schließen.
Es entwickelt sich mir immer mehr der Gedanke mein Erzieher[-] und Lehrerbedürfniß
in der Schweiz aus hiesigen Mitteln u also Personen zu bestreiten um Euer Keilhauer
Leben ungestöhrt zu lassen dieß als Andeutung.- Habt ihr an Mathilden wegen
Burgdorf geschrieben ich muß bald ihre vorläufige aber bestimmt[e] Erklärung wissen,
wo ich dann bestimmt Schritte thun werde. Es zeigen sich hier mancherley Hilfen[.]
Aber - Du Barop hast Recht sehr recht was Du an die Frau schriebst;- Aber
woher das Übel - daher das Mittel - Ich hoffe Deine Euere Frauen werden
den ihrem Geschlechte gewordenen, von mir gewordenen Glauben u Vertrauen
rechtfertigen, und uns so - die Hilfe in Uns selbst obgleich von Oben kommend,
finden lassen.        Dein - Euer Friedrich Fröbel.