Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Willisau v. 3.9.1834 (Burgdorf)


F. an Heinrich Langethal in Willisau v. 3.9.1834 (Burgdorf)
(Brieforiginal nicht erhalten, Regest O. Wächter KN 48,7 1 Bl 4° 1 S., ed. KG 1883, 60. Adresse und Datum von Regest übernommen, Brieftext gemäß Edition)

Herrn Heinrich Langethal
Mitarbeiter an der Erziehungsanstalt
in Willisau.

Burgdorf am 3en September 1834.


Grüße Dich Gott, lieber Langethal und Deine treue Frau!

Irre ich nicht sehr, so ist heute der Tag Deines Lebensfestes; ich freue
mich sehr, daß er mir in mir durch Vergessenheit nicht zurücktritt. Ich nehme
allseitig den innigsten Antheil an der wiederkehrenden Feier desselben, so still und
in sich zurückgezogen dieselbe auch geschehen mag. Überzeugt bin ich in mir,
daß Deine Erwartungen und Forderungen vom Leben, die in Überein-
stimmung und Einklang der Menschheits-Entwickelung und Deiner Kraft ange-
messen sind, soweit Du sie nur immer im Gange und nach den Gesetzen der
Lebensentwickelung durchführen und anstreben wirst, Dir gelingen werden. Diese
Überzeugung Dir von mir zur geringen Gabe und zum Beweis herzinniger Theil-
nahme an Deinem Lebensfeste mit dem Wunsche, daß Dir Gott alle die Kraft
und Gesundheit lange, lange schenken möge, welche Dir zur Erreichung Deines
irdischen Lebenszweckes nöthig sein wird.
Soeben erhalte ich eine Zuschrift vom Erziehungsdepartement, worin den
4 jungen Schullehrern, welche nach Beendigung des hiesigen Wiederholungscurses
noch bis Martini mit mir nach Willisau kommen wollen, entsprochen wird; sucht
also für sie ein entsprechendes Schlaflocal zu erhalten; natürlich muß ich oder
vielmehr müssen wir dies bezahlen; indem sie ganz unter den Bedingungen ein-
treten wie die übrigen Berner Schullehrer-Zöglinge; auf diese kurze Zeit kann
man aber unmöglich fordern, daß sie Betten mitbringen sollen; Du mußt sehen,
wie Du dies ordnest; ich hoffe es wird schon gehen, sonst müßtest Du Dich an
Fischer in Sempach wenden, mich dünkt aber, es sollte nicht nöthig sein. Wo
sonst Loder schlief, war man ja sehr gefällig, ich glaube es war im Hirsch.
Das längst erwartete Geld habe ich heute früh durch die Post an Euch
gesandt, ich hoffe, daß Ihr es mit diesem Briefe, d.i. nächsten Sonnabend
erhaltet; das Secretariat hat es sonderbar genug gegen meinen ausdrücklichen
schriftlichen Wunsch hierher gesandt; ohne es zu eröffnen, nur mit Angabe des
Orts habe ich es zur Post gegeben.
Diesen Mittag habe ich Frcs. 66 Rheinl. unter der Adresse an Emilien
für die Bücher nach Keilhau gesandt.
Gleich Montags habe ich, nachdem ich vorher mit dem Baumeister die Ver-
abredung zum vorläufigen Ausbau von Bätwyl (zur Armenerziehungsanstalt) ge-
troffen hatte, Deine Gehaltsbestimmung nach Bern berichtet und zugleich den
Bauplan beigefügt; das Ganze macht sich so altbäuerisch, auch das Haus ist doch
recht leidlich. Ich bin sehr erfreut und möchte dann persönlich weit lieber in
Bätwyl als im Waisenhause wohnen.
Grüße herzlich meine Frau, Ferdinand u.s.w.
Euer      Friedrich Fröbel.