Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Willisau v. 4.9.1834 (Burgdorf)


F. an Heinrich Langethal in Willisau v. 4.9.1834 (Burgdorf)
(Brieforiginal 1 Bl 4° 2 S. nicht erhalten, Regest O. Wächter KN 48,8 1 Bl 8°1 S., ed. KG 1883, 72-73
Adresse und Datum nach Regest, Text gemäß Edition)

[72]
An Langethal


Burgdorf am 4. Septbr. 1834


Lieber Langethal!

Vorhin las ich in dem Berner Volksfreund, daß Mittwoch den 10. d. M.
also Tags vor dem hiesigen Examen, sich hier in Burgdorf im Stadthause der
Verein für Christliche Volksbildung in einer Hauptversammlung zusammen finden
soll, erstlich um zu entscheiden, ob in dem, von der hiesigen Stadt-Gemeinde
dem Verein zur Pacht unter sehr günstigen Bedingungen, z.B. den Ausbau der
nöthigen Gebäude – angebotenen Gute Bättwyl jetzt sogleich nach vorläufiger
Herstellung des Hauses die Normal-Armen-Erziehungsanstalt errichtet werden soll,
und wenn dies mit Ja! entschieden werden sollte, einen Lehrer (Leiter, Führer, Vor-
steher) der Anstalt anzustellen, auch sonst allgemeine und besondere Anordnung in Hin-
sicht auf die Führung des Ganzen zu treffen. Mein erster Gedanke war sogleich, daß
es wohl wesentlich sein würde, wenn du an diesem Tage auch hierher kämest; doch die
Zeit war zu kurz, dir diesen Gedanken durch die Post zu melden. Da erhalte ich
nun jetzt nachstehenden Brief von dem Herrn Regierungsrath Schneider, vom heutigen:
„Das Comite für Christliche Volksbildung hat vorgestern beschlossen, die
Hauptversammlung des Vereines auf Mittwoch den 10. d. M. in Burgdorf ab-
zuhalten. Um 8 Uhr versammelt sich das Comite, um 10 Uhr die Hauptversammlung.
Die Hauptfrage, welche denn zumal behandelt werden wird, ist die: Ist es rathsam,
mit unseren finanziellen Hilsmitteln (circa £ 4000 :) jetzt schon eine Armenerziehungs-
anstalt zu gründen? -
Die Majorität des Comite, 3 Stimmen, will jetzt nicht eintreten, sondern
auf andere Weise für die zweckmäßige Erziehung der Kinder sorgen; die Minorität
hingegen, 2 Stimmen, deren Ansicht auch ich bin, trägt kein Bedenken, im Vertrauen
auf Gott und gute Menschen diese Anstalt sobald als möglich zu eröffnen. –
Ich hoffe, letztere Ansicht werde den Sieg davon tragen. Nothwendig ist es
aber, daß wir vorläufig noch einige Berechnungen machen, um sie der Versammlung
vorzulegen; hierfür möchte ich besonders Sie mit dem für alles Gemeinnützihe so
eifrigen Herrn Statthalter Fromm ersuchen, nämlich: Was kostet die vorläufige
Einrichtung der Anstalt an Betten, Tischen, Bänken und übrigem Haus- und Feld-
geräth? – Wie viel kann der Unterhalt eines Kindes in Kleidern pr. Jahr kosten? -
Wie viel der Gehalt der Lehrer und Dienstbothen? – Wie viel Juchart Land
haben wir für 20 Zöglinge nöthig? – Wie viel Kostgeld darf man von Gemeinden
und Privaten pr. Jahr für 1 Kind fordern?
Es wäre mir angenehm, sobald als möglich Ihre Ansichten hierüber zu
vernehmen. Ich hielt es ebenfalls für zweckmäßig, wenn Sie bis Mittwoch einen
Entwurf, Reglement über die innere Organisation des Ganzen entwerfen könnten.
Lieb wäre es mir auch, wenn Herr Langethal auf jenen Tag in Burgdorf
sich einfinde; durch mündliche Besprechung kann manches berichtigt werden, das
sonst in Zweifel bleibt.
In der Hoffnung, recht bald von Ihnen Nachrichten zu erhalten u.s.w.
Bern, 4. September 1834.
Regierungsrath Schneider.“ /
[73]
Dieser vorstehende Brief bestimmt mich nun, durch einen Expressen bei dir
anzufragen, ob du künftigen Mittwoch zur rechten Zeit oder vielleicht besser noch
Dienstag Abend vorher hier eintreffen willst und kannst. Die Mittel dazu wirst
du künftigen Sonnabend bestimmt erhalten, denn am verflossenen Dienstag habe
ich von Bern aus hierher gesandten 304 Frank[en] durch die Post nach Willisau
geschickt. – Will dich darum vielleicht meine Frau begleiten, so habe ich zwar
nichts dagegen; nur kann ich gar nicht zum Voraus bestimmen, wie der allgemeine
Eindruck der Schullehrerprüfung sein wird, wenn sie, die liebe Frau, nun meint,
(die schon so manches Widrige mit mir ertrug) daß der unangenehme Eindruck
welchen es auf sie machen könnte, wenn ich mit dem Examen hier durchfalle, durch
schöne Herbsttage verwischt werden könnte, so habe ich wie gesagt nichts gegen ihr
Kommen; auch könnte sie, wenn sie sich jetzt besser fühlt und wenn sie Lust hat,
bei Frau Regierungs-Statthalter Fromm absteigen.
Wenn Ihr wollt, könnt Ihr mir nun darüber und ob Du kommen kannst
und willst durch diesen Boten Rückantwort schreiben; doch hat es auch gar nichts
zu sagen, wenn Ihr Euern Entschluß erst noch an einer reifern Überlegung prüfen
wollt. – Wenn du kommst, versteht es sich von selbst, daß dann Scheidegger
nicht zu kommen braucht. Du bringst mir dann schon die bewußten Zeichnungen
auch von Karl mit. – Du mußt aber wohl im Leibrock (was hier so Sitte ist)
kommen; hast Du keine schwarzen Beinkleider, so kannst Du Dir solche noch leicht
bis zu dem bestimmten Tage machen lassen. Tuch ist an mehreren Orten in W. [Willisau]
zu erhalten. –
Den Brief von Barenbold habe ich noch immer nicht erhalten. Wenn
Ludowika nicht so schnell abreist, so hätte ich ihr wohl die Reise hierher gegönnt.
Grüße sie, und nochmals Gottes Segen für ihr ganzes Leben und stetes Wandeln
in Einigung und Friede mit Gott. Deines Geburtstages habe ich in Zeilen gedacht,
welche Du nächsten Sonnabend erhalten wirst.
Zwei Flaschen Adelheidsbrunner habe ich in Bern bestellt (warum wurden
nicht wenigstens 4 beliebt, der Transport war eins); künftigen Mittwoch wird er
mit dem Essig durch den Weinbringer kommen; den Essig bekommt Ihr franco
Willisau.
Nun Gott befohlen. Grüße Ferdinand und alle. Lange wartet schon der
Bote. Ich werde denselben schon hier bezahlen. – Willst und mußt Du, so kannst
Du ja Mittwochs Nachmittags – um nicht zu viel jetzt zu versäumen, nach
Willisau zurückkehren. Wichtiges fällt mir jetzt nicht bei als – Ihr vergeßt doch
nicht, im „Eidgenossen“ Anzeige von der Prüfung in Willisau zu machen?
In Liebe und Treue Dein und Euer
Fr. Fröbel.