Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 4.9.1834 ( Burgdorf)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 4.9.1834 ( Burgdorf)
(KN 48,9, Brieforiginal 1 Bl 4° 1 S. Der Brief ist an Wilhelm Middendorff adressiert, angesprochen werden aber alle Keilhauer.

Burgdorf am 4en Tage des FrüchteMonats /:IX:/ 1834.


Euch Gottes Gruß allem zuvor.

Der Grund meines jetzigen Briefes an Euch - ob ich Euch gleich erst gestern durch Emilien eine An-
weisung auf fl. 66 Rhein. oder Rth 42½ für die von Euch erhaltenen Bücher in Beziehung auf
Deinen Brief Middendorff an Lgthl. übersandt, und sonst noch einige Worte geschrieben habe -
der Grund dieses Briefes ist eine Anzeige, welche ich so eben im Berner Volksfreunde (welcher hier
herauskommt) vom heutigen Tage lese. Sie heißt: "Mittwoch den 10en Herbstmonat nächsthin
Morgens 10 Uhr, im Stadthause zu Burgdorf Ordentliche Hauptversammlung des Hülfs-
vereins für christliche Volksbildung. Berathungsgegenstand: Entscheid, ob man die projectirte
Muster-Armen-Erziehungsanstalt auf dem vor der Stadt Burgdorf zum Pacht angebotenen Bättwyl-
gute errichten wolle oder nicht; und im bejahenden Falle: Anstellung eines Lehrers, Annahme eines
Reglements für die Anstalt u.s.w. Die Mitglieder des Komité sind eingeladen sich schon um 8 Uhr
einzufinden." "Das Sekretariat des Hülfsvereines." Aus dem vorhin gedachten Briefe, welchen Ihr ent-
weder schon bekommen habt oder mit diesem erhalten werdet wißt Ihr nun daß Langethal -, in Übereinstimmung
der vor uns liegenden GesammtVerhältnisse und nach den sich uns aus denselben aussprechen[den] Forderungen
auf die Führung und Leitung dieser Anstalt eingegangen ist; da nun nach den vorliegenden Umständen
mit vielen Gründen zu hoffen ist, daß sich das Ganze nach allen Seiten hin[,] also auch in Beziehung auf
Langethals Führung mit Ja! [{]entscheiden / beantworten} werde; so wollte ich doch nicht versäumen Euch dieß vorläu-
fig zu melden, damit Euch wenigstens mein nächster Brief welcher eine Entscheidung, sey sie welche sie wolle,
enthalten wird - vereint in Keilhau treffe; und Ihr vorher die Sache in Euch gehörig durcharbeiten könnet.
Am 11en (dem Jahrestage meiner Verheirathung) als Tage nach der Versammlung ist hier Prüfung der
Schüler des Normalcursus. Ich enthalte mich wegen des Ergebnisses jeder Muthmaßung; doch war die
Aufgabe höchstschwierig zu lösen und viel liegt in Beziehung auf den Entscheid wie sie gelöset in persön-
licher Ansicht, also - muß ich fast mehr fürchten als erwarten.- Wenige Tage darauf ohne Zweifel
am 13en werde ich von hier nach Willisau zurückkehren, wo mich am 21n Septbr dort die Herb[st]-
Prüfung erwartet. Ihr sehet also der Septbr ist ein wahrer Schweis[-] und Feuermonat für mich
ob er Früchte reifen oder verwelkend abfallen machen wird, ich will es nicht voraus bestimmen.
Nach einer Verfügung vom Erziehungsdep: welche ich gestern Nachmittags erhalten habe, werden
mich unter den schon bekannten Bedingungen auf 6 Wochen 3 junge Schullehrer auf Kosten des
Staates Bern zur Fortsetzung des hier Begonnenen nach Willisau begleiten. Drey sehr vorzügl[.]
junge Männer; also wenigstens etwas, wenn es der Erfolg des Examens nicht zurück nimmt.
Hiernach könnte es nun wohl seyn, daß meine u Lgthls Arbeit in Burgdorf noch in diesem Jahre begänne.
Ferdinand u Lgthl habe ich wiederkehrend aufgefordert Euch Ihre Ansichten zu schreiben[.]--
Daß Euch der Wechsel voll ausgezahlt werden muß werdet Ihr nicht übersehen.- Schreibt
mir doch bald denn Euer letzter Brief < ? > ist vom 23 August July. Stets in Liebe u Treue
Euer

      FriedrichFröbel

Ist es nicht merkwürdig daß Dr. H-g [sc.: Herzog] auch nach Bern kommt.-
Auch ist es möglich daß He. Michaelis (selbst d[urc]h mein Wort) nach Bern kommt. /
[1R]
[Adresse:]
Herrn
Wilhelm Middendorff
in
Keilhau
bey Rudolstadt in Thüringen