Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Emilie Barop in Keilhau v.18.10.1834 (Willisau)


F. an Emilie Barop in Keilhau v.18.10.1834 (Willisau)
(KN 48,13, Brieforiginal 1 B 4° 2 ½ S. Im Briefkopf Lithographie des Züricher Sees)

Willisau am 18en Oktober 1834.


         Emilie!

Auch [ich] war mit der Dich und Euch alle liebend im Herzen tragenden Base in diesen Tagen, vom
12en zum 13en d. Mon. in Zürich und an dem See von Zürich, dort wurde Deiner und Eurer
von mir und uns viel gedacht, dieß zur Erklärung des freundlichen Bildchens und klaräugigen
Sees was Dich zu Eingang dieses Briefes zuerst begrüßt; Dich herzlich begrüßt um dadurch
frohe Erinnerungen in dem Gemüthe Deines lieben Mannes zu wecken und heitere
Mittheilungen glücklichen Reiselebens aus demselben hervorzurufen. –
Ich wollte Dir und Euch schon gleich von Zürich aus schreiben, wohin wir Ludowika’n
auf ihrer Rückkehr nach Berlin begleitet hatten; allein die Zeit war mir
dort, besonders durch das Unangenehme der Besorgung des Passes so beengt, daß ich
den schönen Vorsatz aufgeben mußte.
Aber auch heut bleibt mir wenig Zeit zur Mittheilung an Dich und Euch übrig.
Es ist zunächst blos ein herzlicher Dank für Deinen jüngsten lieben Brief welcher
ein so einfaches als erhebendes Bild Eures rein menschlichen Familien Leben durch
die klare Vorführung des Lebensglückes Eures unseres Johannes giebt. Um Dir
dafür nach Möglichkeit von meiner Seite hier eine kleine Freude zu machen,
lege ich diesem Briefe eine Anweisung auf Rth 95 prß Cr. auf Berlin bey.
Ich bitte Dich dieselbe Deinem lieben Manne oder unserm Middendorff abzugeben
mit dem Wunsche von meiner Seite, durch diese Sendung, mit welcher ich in der That
einen Theil der Last Keilhaus auf mich nehme, doch ja auch einen Theil des auf
Keilhau Lstenden zu mildern und zugleich auch in etwas mein und Langethals /
Wort zu lösen; Langethals Wort an den Metzger Wolfarth, mein Wort an Geyer
und ihm so durch Euch in Keilhau eine Sachantwort auf seinen Brief an mich zu geben,
und besonders an den Seifensieder Winzer wenn an diesen von seiner alten
Forderung, für welche ich mich ihm besonders verbürgt habe etwas zu bezahlen ist.
Zürne mir nicht daß ich mich wiederkehrend mit diesen Bitten an Dich wende; ich
finde es einmal am angemessensten, wünsche auch nicht etwa Deine Zeit durch
mir zu schreibende Zeilen zu beengen, sondern melde mir nur durch einen Brief
hinzufügend oder durch eine besonder[e] Zeile den Eingang und die Abgabe der Anweisung.
Von hier weiß ich Dir heute gar nichts zu schreiben als daß die Ferienzeit
hier im Durchschnitt allgemein zur Lebenserfrischung benutzt worden [sey]. Nur Fer-
dinand ist überwiegend dießmal zu Haus geblieben. Middendorff[s] freundliche
Reisemittheilungen habe ich auf meiner mehrtägigen Reise mit der Base zum
öfteren gelesen ich danke ihm herzlich dafür gelegentlich wird auch er wieder
Reisemittheilungen empfangen. Unsere Reise gieng über Luzern, Kronau, Albisriede,
Zürich, Lenzburg, Baden, Aarau, Olten, Aarburg, Zoffingen nach Willisau zurück, so daß
wir einen vollen Kreis beschrieben und durch 5 Kantone reiseten. Meiner
lieben Frau ist die Reise sehr wohl bekommen, wie sie auf derselben viele
Freude hatte, was mich sehr glücklich macht. – Die Summe die Ihr hier empfanget
ist, wie Ihr wißt, ist der größte Theil von dem was ich in Burgdorf selbst ver-
dient habe. Ich erfreute mich eines heiteren lebenvollen Gottesseegens während
ich es verdiente möge es diesen Seegen auch in Euer Leben bringen und so in seiner
Wirkung überwiegend Werth zeigen als es eigentlich als Summe hat. Gott gebe es! /
[2]
Von unserm Leben weiß ich und habe ich Euch gar nichts mitzutheilen; alles steht
wie vor 5 – 6 Wochen, nichts will sich –so viel auch der Worte – in der That
klar und bestimmt entwickeln. Dein lieber Mann welcher weiß wie unser
und besonders auch mein Leben mit dem allgemeinen Leben und dessen Entwicke-
lung zusammenhängt wird Dir es erklären; denn er weiß gewiß aus
öffentlichen Blättern wie auch hier das öffentliche Leben nach und nach immer
mehr wieder in einen gewissen Schlaf versinkt. Der Schlaf ist aber ein
Bruder des Todes. – Darum Ihr Geliebten pflegt Euer aller Leben als Ein Leben,
pflegt das Leben derer die Euch Gott gab wie ein Noa das Leben der Seinen
d.h. als sollte, wenn alles Leben um uns stirbt und untergeht ein ganz
neues allentfaltendes Leben daraus hervorgehen. Denn in Wahrheit wir
sind von einer all vernichtenden Fluth der Äußerlichkeit der Zerbrochen-
und Zerstück[t]heit umgeben. Führe mit Deinem l.[ieben] Manne, [mit] Middendorff,
führt unter und mit Euch das Bild durch es enthält große Wahrheit.
Herzinnige Grüße von allen – durch Dich Emilie – an alle besonders an die
Kinder, erhaltet mir ihre Liebe. Euer und
       Dein
FriedrichFröbel

Über den Brief an Luise
sey so gut einen Umschlag
zu machen und bald zu besorgen.
[2R]
[Adresse]
Der
Frau Emilie Barop
in
Keilhau
bey Rudolstadt