Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. / Henriette Wilhelmine Fröbel an Allwina Middendorff in Keilhau v. 1.11.1834 (Willisau)


F. / Henriette Wilhelmine Fröbel an Allwina Middendorff in Keilhau v. 1.11.1834 (Willisau)
(KN 49,1; Brieforiginal, 1 Bl 8° 2 S. ed. Hoffmann 1952, 196f. Es handelt sich um einen F.-Brief mit Nachschrift Wilhelmine Fröbels.)

[Briefkopf: Lithographie Zürichs mit Bildunterschrift.]

Aus Willisau in der Schweiz am 1en Nov. 34.


Meine sehr liebe Allwina.

Schon wieder feyerst Du einen Geburtstag bey welchem
ich nicht persönlich gegenwärtig seyn kann, und doch
wie so sehr gern wär ich dabey persönlich anwesend
denn gar zu gern machte ich Dir an diesem Tage eine Dich
in Deiner Seele beglückende Freude; allein aus so
weiter Ferne wird mir dieß nicht wohl möglich. Ich
bin mir bös daß ich heut vor 8 Tagen als ich eine
Sendung nach Keilhau gemacht, nicht Deines Geburts[-]
tages gedacht habe. Da mein Brief gerad heut in
Keilhau angekommen seyn muß, so hoffe ich, daß er auch
ohne meine Vorausbestimmung zur freudigeren
Feyer Deines Lebensfestes beygetragen haben wird.
Lebe glücklich, seelenvoll beglückt in der Einigung
mit all Deinen Lieben vermeide alles was zwi[-]
schen sie und Dich trennend treten könne - Dein /
[1R]
lieber Vater wird Dir sagen wie und wodurch - damit
wenn auch einst in Deinem Leben die äußere Trennung
von Deinen Geliebten eintrete, die innere geistige
Seeleneinigung nichts äußerlich Trennendes stöhre.
Auch die Zeit gebietet sogar schriftliche Trennung
darum vor allen lebe einig mit Deinen Lieben wie
mit Gott.- Auch getrennt Dein treuer Pathe
Friedrich Fröbel

Geliebte Allwina
Noch zum herzigen Dank für Deine mir überschickten Schneeglöckchen
kann [ich] Dir heut an Deinen Geburtstage keinen lieberen Wunsch
aussprechen, als daß der liebe Gott Dir helfen möge noch selbst
einst ein so liebliches Schneeglöckchen zu werden, das in seinem
unschuldvollen Innern sich die unversiegbare Hoffnung des
höchsten Glückes erhalte die das Blümchen in seinem <schönen>
Kelche als helles Grün trägt, und an den zarten Spitzen seiner
Blüthe jedem der es schaut reicht. Möge Dein Leben in jedem
reinen Menschenherzen stets die Töne wekken die das
helle Schneeglöckchen erregt.
Deine Dich herzlich liebende
Pathe Wilhelmine Fröbel.