Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an das Erziehungsdepartement der Republik Bern in Bern v. 8.11.1834 (Willisau)


F. an das Erziehungsdepartement der Republik Bern in Bern v. 8.11.1834 (Willisau)
(StAB: BB III b 1928, Brieforiginal 1 B 4° 3 S., ed. Geppert 1976, 67f.)

Willisau am 8. Novbr 1834


An das Tit. Erziehungsdepartement der Republik Bern zu Bern.



Hochgeachtete Herren.

Dem Tit. Erziehungsdepartement, Ihnen, Hochgeachtete
Herren sage ich hiermit den verbindlichsten Dank für
die ehrenvolle Vergütigung, welche Sie mir für die
Leitung u.s.w. des vierteljährigen Wiederholungscurses
zu Burgdorf geneigtst übersandt haben. Ich würde dieser
meiner Verpflichtung schon längst und zwar sogleich nach
Empfang der Vergütigungssumme nachgekommen seyn, wenn
ich damit nicht auch noch die Erfüllung einer andern Pflicht
gegen das Tit. Erziehungsdepartement hätte verbinden
wollen: die der schuldigen Anzeige einer bevorstehenden
örtlichen Veränderung meiner erziehenden Wirksamkeit,
welche sich jedoch erst in den jüngst verflossenen Tagen
entschieden hat.
Die Bürgergemeinde und der Tit. Bürgerrath der Stadt
Burgdorf hat mir den ehrenden und vertrauensvollen
Antrag gemacht, die Leitung und Führung ihres neu-
errichteten Waisenhauses vom künftigen Neujahr an
vorläufig auf ein Jahr zu übernehmen. Nun habe ich
aber noch im künftigen Jahre gegen das Tit. Erziehungs-
departement in Beziehung auf die von Hochdemselben
meiner hiesigen Erziehungsanstalt und mir zur Ausbildung /
[1R]
vertrauensvoll übergebenen vier Schullehrer bis zu den
Monaten März, April und May eingegangene Verpflich-
tungen zu erfüllen. Bey der mir zur Seite stehenden
so gediegenen als treuen und erfahrenen Hülfe hoffe ich
nun zwar, den gegen das Tit. Erziehungsdepartement über-
nommenen Verpflichtungen, auch bey Uebernahme der mir
angetragenen Waisenhausleitung, volle Genüge leisten zu
können, und dieß um so mehr, als ich von den vaterlän-
dischen Gesinnungen des Tit. Bürgerrathes von Burgdorf
und von dessen Einsicht und Billigkeit erwarten darf,
daß derselbe zur mehrseitigen Erfüllung und Lösung der
vor meiner Uebernahme der Waisenhausleitung eingegan-
genen Verpflichtung die Vorschläge, die ich ihm in dieser Hin-
sicht machen kann, und wobey die Waisenhausführung gleich
in ihrem Beginne nicht nur nicht verliert, sondern gewiß gewinnt,
eingehend genehmigen wird. Dennoch frage ich bey einem
Tit. Erziehungsdepartement geziemend u. ergebenst an:
Ob dasselbe mich, unter Festhaltung der oben von mir
ausgesprochenen Bedingung, nemlich, daß die jungen
Männer nichts dadurch verlieren sollen, von der Strenge
meiner Verpflichtungen gegen die genannten Schullehrer,
welche sich zugleich an meine Person und an den Ort
und die Erziehungsanstalt Willisau knüpft, lösen,
und mir so die Uebernahme der angetragenen Wai-
senhausführung zu Burgdorf möglich machen will.
Meiner übernommenen Verpflichtung gegen das Tit. Erzie-
hungsdepartement stets eingedenk, habe ich die Unter-
zeichnung des in Frage stehenden Vertrags noch
nicht vollzogen, und ich ersuche daher ganz ergebenst /
[2]
ein Tit. Erziehungsdepartement, mir wohlgeneigt mög-
lichst bald Ihre Entscheidung darüber zukommen zu lassen.
Mit so ausgezeichneter als wahrer Hochachtung habe
ich die Ehre, mich zu unterzeichnen
Hochgeachtete Herren!
      Ihren

      ergebensten
Friedrich Fröbel. /

[Geppert fügt folgendes hinzu, mglw. nicht kopierte S. 2R = Außenseite des Bogens:]
Poststempel: Burgdorf 10. Nov. 1834

Dem Tit. Erziehungsdepartement der Republik Bern zu Bern
Volksschulwesen betreffend.