Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Eduard Rapin Flaction in Yverdon v. 15.11.1834 (Willisau)


F. an Eduard Rapin Flaction in Yverdon v. 15.11.1834 (Willisau)
(BN 603, Bl 1-2, Reinschrift 1 B 4° 3 S. mit einigen Korrekturen)

An Herrn Rapinflaction in Yverdon.


    Willisau am 15 9br 1834.


Mein lieber Herr Rapin.

Ihren vertrauenden Brief vom 16n v. M. an mich, habe ich mit
Vergnügen gelesen. Zwar thut es mir sehr leid, daß Sie durch
Umstände bestimmt in meinen Vorschlag eine Lehrerstelle an mei-
ner Erziehungsanstalt in Keilhau in Deutschland anzunehmen
nicht eingehen können; allein ich gebe darum die Hoffnung nicht
auf, daß Sie und Ihre sehr geehrte Frau Mutter den gemachten
Vorschlag später nochmals einer günstigeren Prüfung unter-
werfen werden; denn es würde mich gar sehr freuen dadurch
eine Gelegenheit zu erhalten, Ihrer schätzbaren Frau Mutter
und Ihren hochgeehrten Verwandten der Familie des Herrn
Stadtschreiber Flaction meine Dankbarkeit für früher genossene
freundschaftliche Gewogenheit, auch nach einigen
Jahrzehenden noch, bethätigen zu können indem ich wirklich
derselbe Fröbel bin welcher in den Jahren 1808-1810
Pestalozzis wegen in IfYverdon lebte und in dieser Zeit die
Freude hatte Ihrer jetzigen Frau Mutter Unterricht in der deutschen
Sprache zu geben. – Versichern Sie darum derselben die
sich meiner nach so vielen Jahren noch gütig erinnert meine
unveränderte Hochschätzung, so wie auch im Hause Ihres hoch-
geehrten Herrn Oheims meine stets dankbare Erinnerung
empfangenen Wohlwollens. Und Sie, mein lieber Herr /
[1R]
seyn Sie dadurch überzeugt, daß ich keine Gelegenheit unbe-
achtet vorüber gehen lassen werde Ihnen eine Ihren Wünschen
angemessene Stelle vorschlagen zu können, indem ich besonders
junge Männer welche sich dem erziehenden Lehrfache widmen
gern im Gedächtniß behalte da die Verbreitung einer
zeitgemäßen Erziehung[s]weise mir sehr am Herzen liegt; jedoch wird
sich mir freylich außer meinem eigenen Kreise in der Schweiz
wenig Gelegenheit zu einem solchen Vorschlage zeigen, indem
ich selbst erst seit 3 Jahren in der Schweiz nur still meinem
Berufe lebe und also noch ziemlich fremd bin; jedoch giebt
mir vielleicht bald eine Erweiterung meiner erziehen-
den Wirksamkeit, welche sich mir jetzt in Burgdorf
Kantons Bern darbiethet, dazu Gelegenheit. Ohngeachtet
ich nun aber dadurch ohne Zweifel gegen Ostern, jedoch selbst
nur vorläufig auf einige Zeit persönlich nach Burgdorf gehen werde,
so bleiben deßhalb dennoch die Erziehungsanstalten so
wohl in Willisau als in Keilhau in ihrer unverkürzten
Wirksamkeit im Gegentheil geht mein Wunsch dahin
beyde in Hinsicht ihrer Leistungen und in Ausführung eines
erziehenden Familienlebens immer mehr zu vervollkommnen.
Da sich Ihre Frau Mutter sich meiner noch so freundlich
erinnert so seyn Sie so gefällig derselben zu sagen daß mein
erziehender Kreis jetzt sechs theils durch Bande der Natur,
und der Liebe und Freundschaft innig verbundene Familien /
[2]
umschließe wovon drey 3 in Keilhau in Deutschland und 3
jetzt hier in der Schweiz zunächst noch hier in Willisau
leben; Jjene wohnen in den 4 Hauptgebäuden welche die sonst
zeich
unvollkommene Darstellung am Kopfe oberhalb dieses Briefes
zeigt. Ich begann diese Gebäude im Jahr 1817 zu
bauen ob ich gleich ich schon im Jahre 1816 meine Erziehungsan-
stalt zu begründente ans. Diese wenigen Notizzen
der fortdauernden Theilnahme Ihr[er] sehr geschätzten
Frau Mutter.
Sollten Sie sich veranlaßt finden mir gelegentlich etwas
von der ferneren Entwickelung Ihres Lebens mitzutheilen
so würde sich sehr darüber freuen
Ihr
ergebener
FrFröbel
Monsieur
Monsieur Eduard Rapinflaction
à
Frco          Yverdon. Cant: d Vans
Dans l’hôtel de la Ville