Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johann Ludwig Schnell in Burgdorf v. 16.11.1834 (Willisau)


F. an Johann Ludwig Schnell in Burgdorf v. 16.11.1834 (Willisau)
(BlM XXVII,4,11, undat. Entwurf 1 B 4°, 3 S., mit Bleistift geschrieben, auf S. 38R obere Hälfte über ersten Text mit Tinte geschriebener zweiter Text. Dieser Briefentwurf kommentiert die „Versicherung“ F.s an Schnell vom 16.11. und dürfte vom gleichen Tage stammen.)

Wohlgeborner Herr
Hochgeehrtester Herr u Freund

Für die Güte mit welcher Ihre Ew. Wohlgeboren den von meinem
lieben Weibe ausgesprochenen Wunsche entgegen gekomm[en] sind
dafür sage ich Ihnen den verbindlichsten Dank. Angeschlossen
übersende ich Ihnen eine einstweilige Versicherung. Sie haben
mich mir durch meine Gattin die angenehme Hoffnung gemacht, Sie in
der nächsten Pfingstzeit bey uns zu sehen, dann behält bleibt es Ihnen
vorbehalten u überlassen mir von Ihnen diese Versicherung gegen nun ganz nach Ihrem
eigenem Wunsche u Bestimmung <definit> ausgestellte zurück
zu geben. - Ich könnte Ihnen über die Früchte des von Ihnen so befördernden Werk[s] vieles
sagen doch will ich lieber warten, bis einst das gze [sc.: Ganze] selbst sprechen wird selbst
sagen wird genug Ihnen aussprechen zu können[.]
Möge Ihnen einstweilen als eine kleine Gegengabe die Versicherung
meiner felsenfesten Überzeugen [sc.: Überzeugung] einige Freude machen, daß wenn
unser Wirken auch nicht durch öffentliche u Staat[s]- sondern nur doch durch Privat[-] u einzelunter[-]
stützung und durch die einige Erkenntniß u Anerkenntniß einiger Ver[-]
trauen u die gegenseitige zutrauensvolle Hand bieten Einiger ein Werk hervorgehen wird, welches
nicht nur das Wohl Vieler dauernd begründen
sondern welche[s] eine Quelle des Heils für das g[an]ze Volk wird[en] w[ird] u auf welche darum
die Zukunft segensreich, und dankend den Beförderern zurück
blicken wird, Ein Werk von dem ich hoffe daß unser Volk recht stolz
darauf seyn soll es <bey> seiner Mitte gepflegt u befördert zu haben./
[38R]
Anerkenntniß wird Hr geehrtester Herr jetzt
unserm Wirken in allen Gegend[en] Deutschland[s] und in der
Schweitz u in Schweden wird es achtend g und
mit freudiger Erwartung in der Zukunft genannt.
[Überschreibung der folgenden 8 Zeilen durch mit Tinte geschr. Text]
Unter den wirtschaftlichen Punkten in Deutschland von
wo aus wir uns einer treuen u befördernden Theilnahme
erfreuen steht <vereinzelte Stätten > im Westen ausgenommen
kein Ort so befördernd da als Berlin u ich freue mich
<sehr> darüber es ist <mir> lieb sehr lieb daß es gerad
Berlin ist <fragen> Sie mich warum so <gerne> ich eigentl
<es> selbst <nenne>, mag es seyn daß in Berlin mein
Leben <immer> völlige Entscheidung erhielt, mag es seyn daß ich
Persönl Berlin viel verdanke u ich Persönl habe es
wegen der Nahrung die es meinem geistigen Streben gab hochzuachten
genug es freut mich und es deßhalb mir leid u wehe
thut wenn Berlin bey d[em] übrigen Deutschland in
einer gewissen Misachtung dasteht genug es sey auch
wie es wolle es freut mich <innig> [daß ich] Berlin unter den
Orten von wo aus sich ein dem g[an]z[en] deutschen Volke <gewordenes>
<Streben> u Werk gefördert wird zu erst nennen kann.
[Mit Tinte geschriebener achtzeiliger Überschreibungtext:]
Die Zöglinge die mir das Zutrauen bringt kann ich das Lokal kaum fassen denn mit Anfang
des Halbjahr[es] war die Anzahl der im verfl[ossenen] Halbjahr neu Hinzugekomm[enen] 10 und so die Anzahl sämtl Zögling[e] 45[.]
Und noch immer gelangen Anfragen u dringende Bitten um Aufnahme aus den verschiedensten Punkten von
Deutschland an mich. Mein Streben u Vorsatz befestigt sich darum immer mehr
dem G[an]zen so Gott <will> die Vollendung zu geben, daß keine BildungsAnstalt in Deutschland eine solche im gleichen
Maaße aufweisen kann u daß sie nicht allein für die Zeit das vollkomm[en]ste
sein sondern auch in sich den Keim u Geist ununterbrochen fortsetzender
FortEntwickelung u Ausbildung in sich tragen soll. Ja ich habe u trage in mir die felsenfeste Überzeugung /
[39]
[Schreibübungen]
[39R]
Für das Zutrauen mit welchem Sie mir auch Ihr
liebes Töchterchen meiner Pflege anvertraut haben hoffe ich mit
Gott sollen werden Sie sich mit Gott durch den Erfolg belohnt fühlen.