Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Pf. Schnell in Vilnetz b. Bern v. 22.11.1834 (Willisau)


F. an Pf. Schnell in Vilnetz b. Bern v. 22.11.1834 (Willisau)
(BN 637, Bl 1-3, dat. Briefentwurf1 B 8° 3 S., geschrieben auf drei leere Seiten eines in französischer Sprache geschriebenen Eingangsbrief (1 B 8°, unterzeichnet ”Lalnen/Lalueu”?, 1 S. Text auf 2), der Entwurf auf 1V,1R u 2R, sowie auf beigefügtes Blatt 4°, da ½ S., insgesamt 3 S. Brieftext )

[1V]
Herrn Pfarrer Schnell in Vilnetz b. Bern


Willisau am 22 9br. 1834.


       Hochgeehrter HEr u Freund.

Zuförderst Ihnen meinen u unsern herzl. Dank für Ihre Güte mit
welcher Sie HE Gastore Gascard veranlaßt haben eine sich ihm
darbiethende Gel[egenheit] zu benutzen uns zu besuchen, es war uns besonders lieb
ihn kennen zu lernen indem sein Erscheinen so weit es innerhalb weniger Stunden
mögl war das von Ihnen früher über denselben Ausgesprochene bestätigte.
Nur hat es uns und besonders mir sehr leid gethan daß er uns schon
in so sehr kurzer Zeit verließ weil sich sonst das mit ihm angeknüpfte
Verhältniß so weit dieß überhaupt jetzt wohl sogleich bis zu dem Punkte
entwickelt haben würde bis zu welchem es überhaupt jetzt mögl ist. In dieser Beziehung
erlaube ich mir nun zu ihnen [sc.: Ihnen] zu kommen, indem ich glaube daß er [sc.: es] für das
ganze Verhältniß gut ist wenn er sich H. G.G. dav vor Abschluß desselben
klar mit einem eingehenden Freunde u so mit Ihnen Hochgeehrtester HE frey bey [sc.:be-]
sprechen kann.
Im Falle nun überhaupt HE G.G. noch nachdem er hier war gesinnt sey u Vertrauen haben
sollte in das an ihn angetragene Lehrerverhältniß u in meiner Erz. Anst. zu Keilhau besonders als
Lehrer der französischen Sprache einzutreten; worüber ich glaube daß er sich ihnen [sc.: Ihnen]
unumwunden ausgesprochen haben wird, so mache ich demselben folgend[en] Antrage.
1. In seiner Stellung als Lehrer in Keilhau würde HE G.G.[s] Hauptfach das
Lehren der französischen Sprache nach den Bedürfnissen u Forde[run]g der Anstalt
Bestehen [sc.. sein]; jedoch Im zu überlegende wäre dadurch keinesweges der Unterricht
2. Sollte es jedoch die Zahl der Stunden in andern Lehrfächern worinn HE Gasc.
Lehrfähigkeit u Lehrfertigkeit besitzt bes. z. B. Schönschr – Rechnen - <Geom[etrie]>
ausgeschlossen wenn es im Zweck des Ganzen Übereinstimmung gegenseitig mit der Ge-
sammtstellung desselben wäre. Obgleich die Beschäftigung in der Anstalt
ihm die gehörige freye Zeit zur Fortbildung zwar eigen desselben natürl gern gewährt
so wäre ihm doch nicht vergönnt außerhalb der Anstalt lehrend thätig zu seyn[.]
Überalles dieß wird [man] sich an Ort u Stelle zu gegenseitig voller Zufrieden[-]
heit sehr leicht verständigen [können] indem die Fortbildung der Lehre so wie die Pflege /
[1R]
Pflege der sämtl Glieder der Anstalt im Zwecke derselben liegt
u insofern G.G. durch Übernahme der Lehrer Anstellung zugl den reinen
Menschl u Erziehungszweck der Anstalt theilt. Innerhalb u durch dieselben
ein reines menschl Familien Verhältniß darzustellen.
5. Für sich würde er ein besonderes [bricht ab] /
[2R]
HErn G. Gascard[s] Stellung in der Anstalt als Lehrer wäre ist zwar Hauptsächl die eines Lehrers der franz Sprache
Jedoch tritt HE G. als Glied der Anstalt zugl auch als Miterzieher in dieselbe ein. Und es übernimmt so
derselbe als in seinem Lebenszwecke selbst liegend gern die Pflichten eines erziehenden Lehrers. Über
Diese Forderung wird von sich theils durch die Natur der Sache an Ort u Stelle jedoch leicht verstanden[.]
Indem die Fortbildung der lehrenden u Erziehend[en] Glieder der Anstalt und die Darstellung eines
in sich genügenden reinen Familienlebens der Zweck der Anstalt ist leicht verständig, jedoch
so will ich mir nur erlauben hier die beyden wichtigsten Punkte auszuführen erstl. Daß der HE G.G Lehrerwirk-
samkeit sich nicht abgeschlossen nur auf die Erlernung Lehre der französischen Sprache beziehet sondern daß er,
auch wenn wenn es mit der Gesammtstellung Anordnung seiner Lehrstunden u mit u seiner Zeit in Übereinstimmung stehe auch in irgend einem der andern Fächer worin
HE G.G. Lehrfähich[-] u Lehrfertigkeit besitzt z. B. Schönschreiben, oder Rechnen oder <Geom> oder klar Zeichnen pp Unterricht
ertheilen würde. Zweytens daß Außerhalb der Anstalt Unterricht zu ertheilen ihm dem Lehrer nicht gestattet sey[.]
Über das Häusliche innere u persönl Verhältniß spricht sich die Anstalt durch einen ihrer Führer so aus.
Wie auch dieß schon gleich im Beginn der Unterhandlung von Ihnen geehrtester HE ausgesprochen wurde
(das Häusliche Leben ist zwar ein nach Landessitte einfaches allein es wird von allen Gliedern)
der Anstalt ohne Ausscheidung gleich getheilt. In dieser Beziehung
2). Hierfür <sicht> versichere ich HE G.G. für das erste Jahr von seinem Eintritte an Schweizerfrk 25o
In Übereinstimmung mit der gesammtStellung wird ihm in der Folge jährl eine verhältniß[mäßig]
angemesse[ne] Gehaltserhöhung zuge-
sicher[t]; außerdem dabey frey Station in Hinsicht von Tisch, Wäsche, Licht, Wohnung, Heitzung Bedingung In letzter Beziehung würde
er ein Arbeitszimmer für sich erhalten vielleicht aber bey d Zögl Schlafen u wie schon ausgesprochen nach Möglichkeit wenn es mögl ganz das Leben der Kindern gern förderl theilen.
3.) Zur Deckung seiner persönl Reisekosten u der Transportkosten würde demselben ein Gz Reisegeld rt 80
< ?> hier ausgezahlt erhalten
4. Der Austritt aus der Anstalt könnte nur zu Ostern u Michealis nach gegenseitiger In<?>
<Voran><?><kündigung> statt finden. /
[3]
Ich ersuche Sie g[an]z ergebenst entweder mündl oder d[urc]h Mittheilung des Briefs
HE G.G. [dies] bekannt zu machen u ihn zu ersuchen mir jedenfalls möglichst
bald darüber seine Bestimmung auszusprechen damit gehe wenn derselbe in das a[n]ge-
tragene Verhältniß eingehen sollte ich möglichst bald die nöthige
polizeyliche Sicherstellung von in meiner Heimath aus besorgen lassen könnte. In
dieser Beziehung frage wünsche ich noch besonders
dHE G.G. Bestimmung zu hören [bricht ab]