Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an den Burgerrat der Stadt Burgdorf in Burgdorf v. 29.11.1834 (Willisau)


F. an den Burgerrat der Stadt Burgdorf in Burgdorf v. 29.11.1834 (Willisau)
(StABurgdf Band 6, 1834 = Sig. B 41, Brieforiginal 1 B fol 3 S., ed. Geppert 1976, 321f.)

An den Tit: Bürgerrath der Stadt Burgdorf zu Burgdorf.


Hochgeachtete Herren.

In Rückbeziehung auf Ihr mit der jüngsten Post erhaltenes
verehrliches Schreiben vom 22en d. Mon: übersende ich Ihnen
angeschlossen den mir früher zur Einsicht und Prüfung über-
schickten Vertrag wegen Leitung Ihrer erweiterten Waisenanstalt[.]
Vertrauensvoll gebe ich demselben, so wie der jüngst von
Ihnen getroffenen Bestimmung zur Eröffnung der Anstalt mit
dem 1en April des künftigen Jahres hiermit meine aner-
kennende Zustimmung.
Was hiernach nun die förmliche Abfassung des Vertrages
besonders von meiner Seite noch nöthig machen sollte, dieß
kann wohl geschehen, wenn ich, ohne Zweifel durch Umstände
veranlasset, noch vor dem 1en April künftigen Jahres nach
Burgdorf kommen werde. Doch stelle ich es, insofern sich
das Geschäft brieflich abmachen läßt, ganz Ihrem Ermes-
sen anheim. /
[1R]
Da die Eröffnung der Anstalt sich sonach noch mehrere Monate
hinaus schiebt, so wäre es wohl gar sehr zu wünschen, daß
1. zwischen dem zum Spiel- und Gartenplatze bestimmten
Raume hinter dem Waisenhause und dem dicht daran
vorbey führenden allgemeinen Wege, der Zaun vor der
Eröffnung der Anstalt völlig hergestellt würde;
2. daß vielleicht das Arbeitsgerüste im Hofe, zu einem
bedeckten Spielraume für die Kinder verwandt würde, da be-
sonders bey anhaltendem Regenwetter ein angemessener
Raum hierzu im Hause selbst fehlt;
3., daß im künftigen Frühjahre wegen der Bestellung der
Gärten die schon vor dem 1en April nöthigen Gartenarbeiten
zur rechten Zeit besorgt werden.
4., daß der Brunnen in der Küche, sey es ein laufender oder
ein Pumpbrunnen vorher völlig eingerichtet sey.
5., daß ebenso das nöthige Schulgeräthe z.B. schwarze Lehr-
tafeln nebst Gestellen dazu, vor Eröffnung der Anstalt be-
sorgt werde.
Endlich und zuletzt ersuche ich den Tit. Bürgerrath ergebenst
durch die betreffende besondere Behörde mir die etwa nöthigen
Einzelbestimmungen über die Führung der Anstalt, z.B.
die festzusetzende Hauswirthschafts- und Tischordnung noch
vor förmlichen Abschluß des Ganzen geneigtest zur Einsicht und /
[1R]
Anerkennung zufertigen zu lassen.
Genehmigen Sie, Hochgeachtete Herren! die Versicherung
daß es mir ernste Angelegenheit seyn wird der, durch
Ihr geneigtes Vertrauen mir zur Leitung und Führung über-
tragenen Waisenanstalt die erziehende Vollkommenheit
und Bedeutung in sich zu geben, welche in der jetzigen und
künftigen Gesammtstellung des Ganzen nach innen und
außen nur immer möglich seyn wird um dadurch zugleich
die wahre Hochachtung zu bethätigen mit welcher ich die Ehre
habe zu seyn
des Tit: Bürgerrathes zu Burgdorf,
     Hochgeachte[te] Herren!
            Ihr
            Ergebener
     Friedrich Fröbel
Willisau
am 29en Nov:
1834.