Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Gustave Gascard in Neuveville v. 3.1.1835 (Willisau)


F. an Gustave Gascard in Neuveville v. 3.1.1835 (Willisau)
(BN 449, Bl 2, datierter Entwurf 1 Bl 4° 2 S. Die Reinschrift dieses Briefs hat F. vermulich erst am 4.1.1835 abgefaßt; am 3.1.1835 schreibt er an die >Keilhauer Gemeinschaft<, daß er am nächsten Tag an Gascard schreiben will. Auf 2V: "Schreibübungen", auf 2R anderer Text: Schrift mein / G. Fuhrer)

Willisau am 3 Jenner 1835


Herrn Adolphe Gascard in Neuveville (Neuenstadt) am
Bieler See Kanton Bern.


Geehrter Geehrtester Herr!

Es hat mir gar sehr leid gethan, daß Sie jüngst durch ein eigenes una[n]genehm[e]s
Zusammentreffen von eigener Umständen [sc.: Umstände], gewiß in einige Verlegen-
heit gesetzt worden sind; es würde mich dieß aber noch bey weitem
mehr geschmerzt haben hätte ich nicht schon dort voraus sehen
können daß sich das Ganze nicht allein bald, sondern auch
zu ihrer Zufriedenheit lösen würde. Deßhalb unterließ ich
es bis jetzt mit Vorbedacht Ihnen auf Ihren letzteren Brief an mich
nicht persönlich zu antworten; damit unser Briefwechsel nicht
weiter unangenehm gestöhrt würde.
Ich habe nun mit der heutigen Post aus meiner Erzieh[un]gs
Anstalt zu Keilhau in Deutschland das gewünschte Papier
zu Ihrer Anstell[un]g als Lehrer der französischen Sprache an
derselben erhalten und ich frah frage daher durch diesen Brief
nochmals mit Bestimmtheit bey Ihnen an:
ob Sie und ob unter welchen den Ihnen durch den Herrn Pfarrer Schnell vom [sc.: von] mir zugekomme[nen] Bedingung[en] Sie geneigt
sind diese Lehrer Stelle als Lehrer der französischen Sprache in Keilhau anzunehmen.
Meine BediVorschläge < ? > Ich trug Ihnen dort S wie Sie sich erinne[r]n
werden bey ganz freyer Station (Kost Wohn[un]g Heitzung. Wäsche
Licht Bedien[un]g) jährlich für das erste Jahr 250 Schwe[i]zerfrk nebst 80 Schweiz[erfrk]
Reisegeld an.
Schreiben Sie mir nun wenn es mögl[ic]h ist mit umgehender nächster Post Ihre /
[2R]
ganz entschiedene Mit Erklärung; ich werde Ihnen dann eben so
schnell antworten und - wenn wir
uns hinsichtlich der Bedingungen vereinigen
können, den für Sie von Keilhau erhaltenen Ruf Ihnen
zusenden.
[{]Jetzt [{]bleibt mir / habe ich Ihnen} nur noch das wenige zu sagen übrig / Es erscheint mir als Pflicht Ihnen noch aus zu sprechen[}]
daß ich in mir überzeugt bin daß Ihnen die Keilhau
die seine Verhältnisse in Keilh[au] und Ihre Wirksamkeit dort als <zweit> erziehender Lehrer
dort wird Ihnen bey weitem mehr zusagen wird als Ihnen der hiesige mehr auch lehrende
zugesagt haben Wirk[un]gskreis gefallen würde, weil sie [sc.: Sie] dort in eine[n]
schon eingelebten wirklichen
wenn auch etwas großen Familienkreis eintreten, sie die
Zögli[n]ge in jeder Hinsicht weit mehr vorgebildet
wo jetzt die Zögl. auch wirkl[ich] <g?>
bleibend während der Dauer ihres Aufenthaltes auch Glieder der Anstalt und des Hauses
sind, auch Überdieß sind der Zögl. dort jetzt im Ga[n]zen nur gegen 25. Und An den Führern
<u> Mitarbeitern der Anstalt würden Sie nicht minder wahre Freunde
treffen als hier; und jemehr Sie nun so sich auch selbst dort als
wirklich inneres Glied der Anstalt finden könnten und bethätigen und würden
um so mehr würde die Anerkenntn[i]ß und die Dauer Ihrer
Wirksamkeit dort wirk auch [i]n Ihren [sc.: Ihrem] einen [sc.: eigenen?] Wille[n]<!> in Ihrer eigenen Hand Willen liegen.
Weiter bleibt mir Meine Ihnen bekannten hiesigen Freunde
Mitarbeiter grüßen Sie mit mir herzlich besonders aber wiederhole
ich Ihnen die aufrichtige Versiche[run]g meiner wahren
Acht[un]g und Ergebenheit,
[Text bricht ab]