Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 8.1./10.1.1835 (Willisau)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 8.1./10.1.1835 (Willisau)
(KN 50,4, Brieforiginal 1 B 8° 4 S.)

Willisau am 8en Januar 1835.·.


Einzelbemerkungen.
1. Fellenberg ist von neuem gegen die Regierung zu Bern hinsichtlich ihrer
Anordnungen betreffend das Volksschulwesen also ganz namentlich gegen das
Erziehungsdep. in einem Blatte, ich glaube es heißt Mittheilungen, – aufge-
treten. In diesem Blatte ich glaube 1 ½ Bogen stark zieht er besonders über
die Veranstaltungen los welche das Erziehungsdepartement zur Bildung des
Volkes getroffen hat, und also vor allem auch über den Normalk[urs] zu
Burgdorf, und hier ganz namentlich und persönlich über mich. Das Ganze
soll wieder auf eine gemeine, niedrige, erboste Weise geschrieben seyn, ich habe
es noch nicht gelesen, <es> schwierig kann ich mich zum Lesen einer so geschriebenen
Sache verstehen, es ist immer als wenn ich mich in Mistjauche tauchen
müßte, man kann den Geruch gar nicht wieder von sich los waschen.
Die Bernerschullehrer, welche vor einigen Tagen von ihrer Ferienreise zu-
rückkehrten haben es mit gebracht. Man versammelte sich sogleich um es
sich allgemein zum besten zu geben. Ich läugne es gar nicht diese gespannte
Begierde nach der Sache, deren Inhalt und Geist doch gleich so bestimmt aus-
gesprochen wurde, war mir psychologisch recht wichtig wie auffallend.
Es kam mir [wie] die Sucht und Neugier in Kindern und Knaben nach nie-
dern und zweydeutigen Gesprächen vor. Ich gestehe es offen es war für mich
keine erfreuliche Erscheinung. Langethal besitzt in der Aufnahme von so Et-
was, eine ganz besondere Zähigkeit. – (ich weiß es nicht besser zu bezeichnen):
als es allgemein und gewiß von ihm vorgelesen worden war, kam er
auf mein Zimmer wo ich arbeitete, setzte sich mir gerad gegenüber und studir-
te das Ganze wie einen Grundtext. Später sagte er mir das Ganze habe ihn
sehr ruhig gelassen. Könnte ich mir doch auch etwas von dieser Verhornung
Verknöcherung verschaffen, denn geistig bin ich ganz darüber ruhig, aber
es greift gleichsam meine Haut an, wie man bey den widrigsten Geruch,
den man wohl erträgt sich doch sagen muß: „Es ist Gestank.“ -
Fellenberg hat diese Schrift tausendweise unter das Volk unentgeldlich
vertheilen lassen und versandt. So bald als nur immer möglich sollt
ihr auch ein Exemplar davon bekommen; Langethal kann vielleicht Euch einen
Auszug liefern. Ich werde öffentlich nie etwas darauf erwiedern. Ich hatte
diesen Vorsatz schon gefaßt ehe der Angriff kam den ich erwartete, denn
2. Es herrscht jetzt, besonders in dem Kanton Bern eine heftige Entgegnung
gegen Deutsche und deutsches Leben; es kommt fast kein Berner Blatt heraus
wo der Angriff nicht immer heftiger persönlich und allgemein erneuert
wird. Barop kann sich erinnern was ihm F-n in Z- [Zürich] sagte. Flegeler
(Du Barop wirst Dich seiner erinnern) hat längst die Herausgabe des Berner Be-
obachter und Bern selbst aufgegeben, er ist jetzt Professor in Winterthur.
Der Krieg gegen die Noten der deutschen Cabinette namentlich in B.- [Bern] hat sich
zuerst gegen die deutschen Flüchtlinge gewandt von denen man vorgab sie
hätten sie in diesen Krieg verwickelt; allein da man im Beginne des Kampfes
gar nicht daran dachte Grenzlinien zu ziehen, so warf man Deutsche,
deutsches Leben, deutsche Gesichte alles in eins zusammen, und jetzt treten
namentlich in B- welche auf welche alles zusammen, deutschen Charak-
ter mit eingeschlossen, in den Koth treten möchten. Dieser rohe Elemen-
tenkampf ist für mein - die jungen Gebilde und Keimen - gern pflegendes
Gemüthe ganz vernichtend, und für meine Wirksamkeit im Kanton L- [Luzern]
ist mir alle Freudigkeit genommen. – Ich weiß gar noch nicht was [ich] in Beziehung
auf Bgdf. [Burgdorf] thue. – (: Denke Barop nur an das Betragen des verst. B. gegen mich u. verallgemei-
nere es. –
3. Kürzlich ist die Stelle eines Vorstehers der zu errichtenden Armen-
NormalErziehungsanstalt, oder vielmehr NormalArmenErz[iehungsansta]lt: in Bättwyl bey Burg-
dorf ausgeboten oder vielmehr ein Vorsteher für dieselbe gesucht worden; er soll
Lehrer, Erzieher, Hausvater und Landbauer zugleich seyn. (: Man denkt sich
einen Wehrli, als wenn das, was sich einmal in der Natur zu sammen findet, immer zu- /
[1R]
sammenfinden müßte [:)] Die Wehrlianstalt zu Hofwyl, oder die FellenbergWehrlische
Anstalt wird als Musterbild hingestellt. Was mir darüber von dem Präsident
des deßhalb ernannten Ausschusses ausgesprochen worden ist, so ist mehr der Zweck
die Kinder möglichst schnell ihr Brot verdienen zu machen, als sie zu – mit Einsicht
schaffenden Menschen zu bilden. - Die Meldezeit zu dieser Stelle ist auf den 1en
Februar festgesetzt, doch kann ich auch nicht auf das leiseste dafür stimmen
darinn einzugehen. Denn es giebt keine freye Gestaltung sondern ein Arbeiten
nach einer, von einer Mehrheit, - Commission – festgesetzten Vorschrift.
4. In derselben Zeitung wurde auch vom Erziehungsdepartement ein Semina-
riendirektor für das Schullehrerseminar zu Münchenbuchsee ganz
dicht bey Hofwyl gesucht. Du Barop wirst Dich dessen Lage wohl erinnern.
Die Meldung ist auf den 1n April festgesetzt. Langethal schien Lust zu haben
von uns aus auf diese Ausschreibung Rücksicht zu nehmen; allein ich
hatte schon ehe mir nur das Auftreten Fellenbergs bekannt wurde, wegen
der aus No 3 und 2 hervorgehenden Gründe keine Lust dazu und nun
ganz und gar nicht; der immer Feuer, Dampf und Rauch sprühende
Fellenberg wäre ja einem immer auf dem Leibe; und ihr wißt was
das alles menschliche Bilden vernichtet, immer die wiederwärtige
Gesinnung und Entgegnung zur Seite zu haben. Überdieß muß man
sich zu vor allem aus hüten sich zu einer Wirksamkeit, welche freye
in sich und außer sich frey[e] Entfaltung und freyen Gebrauch aller Ge-
sammtkräfte des Menschen fordert sich nicht anzubiethen; es wird
daraus gar zu leicht ein sich selbst anbinden. –
5. Überhaupt müssen wir uns jetzt mit aller Kraftanstrengung bemühen
immer klarer und bestimmter und wo nur möglich ganz klar und
ganz bestimmt über unsern Erziehungszweck zu werden; zwey That-
sachen sind in dieser Beziehung wichtig erstl[ich] – es giebt kein menschliches
und bürgerliches Verhältniß mit welchem wir nicht in Hinsicht auf
die Erziehung unseres Erziehungszweckes in Verknüpfung gestanden
und wenigstens nicht in Verbindung gesetzt hätten: Privatverhält-
nisse und öffentliche; - Volk und Regierungen; - dort Lutheraner,
Reformirte, Catholische und – Juden (ich denke an Euch früher in Berlin
später Sch. [Schwartz] in Fr. [Frankfurt]); - hier Monarchische und Republikanische Ver-
fassungen in Deutschland und Ausland u.s.w. Was ist uns geblieben
was hat sich uns bewährt? – Wir uns selbst. Dieß ist die erste
wichtige Thatsache, die zweyt wichtige ist. Verhältnisse die, wenn man
sie uns früher geboten hätte uns sehr beglückt haben würden, die
mögen wir jetzt nicht. Also – die Vorsehung reichte uns nicht
früher die uns gewünschten Gaben, bis wir durch das Leben -
durch Nachdenken, Erfahrung und Vergleichung in uns reif genug
waren selbstständig das Beste zu wählen; endlich unsern Bildungs-
zweck, unser Bildungsziel im Vergleich mit dem was die Welt um
uns will, scharf in die Augen zu fassen, und haben wir ihn gefunden
ihn mit Kraft u Bestimmtheit, Muth und Ausdauer fest zu halten.
Nicht das successiv annähernde Verbessern des Alten sonder[n],welches dadurch
doch nie ein Neues, nie das Neue werden kann was wir, was die Mensch-
heit bedarf, sondern das Schaffen dieses ganz Neuen, das ist unsere Bestimmung;
wie ich mich auch in dem Briefe an Dich Middendorff aussprach; diese unsere
Bestimmung müssen wir so klar erkennen als bestimmt fest halten. Daß [sc.: das]
will auch der Ausspruch in N.T. sagen Niemand flickt einen neuen
Lappen auf ein altes Kleid; oder thut neuen Most in alte Schläuche.
– Wollen sie nicht das Ganz Neue so soll man auch mit Ihnen nicht zu
thun haben, ihr Altes zu verbessern; Wollen sie uns nicht neue
Schläuche geben, so soll man ihnen auch nicht neuen Most darreichen.
Barop hat in seinem Briefe an mich ganz recht wie er mein und unser
Verhältniß zu den andern bestimmt ich will ein Neues, erzeugen,
erschaffen; sie wollen nur das Alte, schon Daseyende erhalten, wenn
es möglich ist äußerlich verschönern. Wenn wir dieß Streben /
[2]
länger unklar vermischen, vermengen, oder wohl gar thöricht verwechseln
so gehen wir nothwendig unter, so müssen wir untergehen; obgleich, wenn
wir unser eigenstes innerstes Streben festhalten daraus später auch die
höchste Fortentwickelung des jetzt um uns Daseyenden hervorgeht; d.h.
es wird einst alles schöner an Gestalt und durchdrungener vom Geiste
vom Leben aus sich entwickeln als alles jetzt Bestehende zeigt. Doch müssen
wir um vom Haupt- Herz- Keim- und Lebenspunkte nicht die Kraft
länger und mehr weg zu wenden uns nicht länger in einen Kampf
mit dem Bestehenden einlassen. Man hat mich viel darüber verklagt
wenn ich mir zwischen meinem und unserm Wirken und dem Wirken und
Zeiten Jesu einen Vergleich erlaubte, und doch fordert uns Jesus selbst auf
vollkommen zu seyn wie seyn Vater sogar. Die Strenge der Forderungen
von Jesu und im Leben Jesu hat wohl manchen zu groß geschienen, sie
hat unerlaubt und anmaßend geschienen sie da anwenden zu wollen
wo sich es wirklich wieder um die Hervorförderung und Gestaltung etwas neu-
en handelt; es klingt hart: lasset die Todten ihre To[t]den begraben, und -
wer nicht rc rc rc allein wo es sich um Erzeugung und Gestaltung
eines neuen Leben[s] handelt, da fordert es völlige sich selbst aufgebende Hin-
gabe und kein theilweises Vorenthalten und Rückhalt. Prüfet doch über-
all wo Euer Geist sie erkennet die Bedingungen, die unerläßlichen
zur Gestaltung des neuen Lebens. Darum kann ja darf ich mir wegen der
Strenge meiner Forderungen, selbst an die mir Liebsten nie Vorwürfe
machen. Auch Jesus trauerte wie er den jugendlich kräftigen, gutwilligen
Jüngling scheiden sahe, allein er schränkte seine Forderung nicht ein. –
Schiller sagt vom Lykurg: „Er begriff wohl, daß es nicht damit gethan
sey, Gesetze für seine Mitbürger zu schaffen; er mußte auch Bürger
für seine Gesetze schaffen.“ so müssen auch wir begreifen daß es nicht damit
zu thun ist daß wir nur Gesetze für reine Menschenbildung erkennen und aufstel-
len, sondern daß wir uns nothwendig für die Anerkennung der Gesetze der
reinen Menschenbildung Menschen, Gehülfen, genug eine Mitwelt für ihre
Ausübung erschaffen müssen. – Ja, so ist es: der Mensch, der Staub = (:
Stah öp; Stah u; Stah uf; Steh auf :) - er muß dem Großen Gedanken
in seiner Seele Raum geben, und ihn pflegend in seiner Seele, seinem
Gemüthe, in seinem Herzen, in seinem Einigungspunkte alles Lebens fest
halten, den Gedanken: ein neues Menschengeschlecht zu erschaffen,
ein neues Menschengeschlecht durchdrungen und belebt im jeden Einzelnen und im
Ganzen von seiner Menschheit; - von der Gottheit seiner Menschheit.
Es hilft und rettet ihn den einzelnen Menschen und das ganze Mensche[n]ge-
schlecht nichts – Der Mensch darf sich länger nicht schlechter achten
als der Eichkern an der Eiche des Waldes; er darf förder [zukünftig] nicht
schlechter von sich denken als der Eichkern an der Eiche auf des Bauern
Acker der Thatsache nach von sich denkt, ich will ein neues vollständiges
Eichbaumsystem ich will eine neue Eichwelt aus mir entwickeln, und
in dem Eichbaum und in der Eichwelt soll man förder, Eichheit aner-
kennen und achtend und Pflegend anerkennen. Nochmals, ist die
Eiche besser, mehr als der Mensch? – Ist der Menschengeist weniger
als die Eichkraft? - Wirken nicht beyde das was sie wirken durch
die Eine Gotteskraft, den einen Gottesgeist durch den sie sind? –
Thut der Baum, je länger ich ihn betrachte so Großes so Göttliches kund
daß der Mensch mit seiner Lehre daran emporrankt wie an der
Ulme der Weinstock, wie an der Eiche der Epheu der zur Höhe und
zum Lichte zur Klarheit strebt; lehrt der Baum so klar und bestimmt
das Gute und Böse das Höchste erkennen, daß der Mensch darinn, in
seinem Leben wie in einem heiligen Buche lieset; und der menschliche
Geist, die menschliche Kraft, das menschliche Gemüth und Leben sollte
minder Göttliches aus sich kund thun. – Wenn ich darum nur einzig
den Baum (: worüber man schon so viel witzelte :) ich will gar nicht einmal sagen die
ganze Natur thatsächlich durch mein lernendes Lesen in ihm wieder in seyn Ur-
recht zur Erkenntniß des Guten, wozu ihn Gott pflanzte, einsetzte, so will ich schon gern /
[2R]
sterben, er wird einst lehren und leben, was ich gern gelehrt und gelebt hätte
und zu lehren und zu leben verhindert wurde.
6. Obgleich hier nur Lebensthatsachen mitgetheilt werden sollten, so kann ich
dennoch wie es mir schon in der vorigen No: geschahe hier einen Satz nicht
zurückdrängen; doch er ist recht erkannt und angewand[t] eine der ersten
und größten Lebensthatsachen. Ich meyne nemlich, ja ich bin in mir von
der Wahrheit fest überzeugt. Eine Eine Mehrheit von Menschen, und sey
es die kleinste, sey es ein einziges Menschenpaar - (: ja es läßt sich sogar
von einem einzigen Menschen in seiner innern Getheiltheit z.B. als Gemüth u
Geist aussprechen :) – {daß die} den Lebensentschluß gefaßt hat gemeinsam
reine Menschheit Gottheit in der Menschheit darzuleben, muß
den Satz in sich und unter sich anerkennen und die Überzeugung davon
in sich tragen: Jeder von und unter uns will so gut und gern das Beste
für den andern als für sich; jeder von und unter uns sow will
so wohl die vollkommenste menschheitliche Entwickelung des Andern als sei-
ne eigene und sucht dazu nach seiner besten Einsicht und besten Kräften
mit zu wirken. Dieser Satz kann aber auch negativ ausgedrückt werden:
Niemand im ganzen Kreis will etwas gegen den andern d.h. Niemand
im Kreise in der Familie will auch nur das leisteste geringste, was der
reinen Entwickelung der Menschheit Gottheit in der Menschheit entgegen wäre.
7. Es kann wohl seyn daß ich diese Bemerkung schon einmal niedergeschrieben habe,
es schadet aber nicht wenn es auch zum zweyte[n]male geschiehet denn sie ist zu
wichtig, die Bemerkung nemlich daß unser Gesammtleben wie das Leben jetzt über-
haupt die größte Aufmerksamkeit und Sorgfalt verdient. Ich glaube wir
haben gemeinsam kaum noch in einem wichtigern Lebensmoment gelebt wie
der jetzige ist. Darum sehne ich mich oft gar sehr nach Euch; und wenn ich
fliegen könnte hättet Ihr in der jüngsten Zeit besonders, gar oft einen
Besuch von mir erhalten; ob ich Euch gleich Nichts vorenthalte was sich im
Allgemeinen brieflich mittheilen läßt so hat doch das Leben in seinem
Flusse und Erscheinungen auch so viel was zur Mittheilung wichtig ist, und
vor allem fordert auch das Leben selbst wieder einmal ein per-
sönliches sich zusammen finden. Auch tritt mir hier in der Schweiz
8. das Leben noch gar zu rauh entgegen, gar zu wenig Pflege des mensch-
lichen Gemüthes und Herzens; immer der rauhe, harte scharfe Verstand;
und doch habe ich während meinem Wirken in Burgdorf wohl bemerkt,
und Ihr konntet Euch selbst davon überzeugen, wenn ich Euch mein zu diesem
Zwecke gemachte[s] Gedächtnißbuch - (Stammbuch) mittheilte, *daß sehr viel
Gemüth im Volke lebt; allein es unter im Streben nach Außen; aber dieß
Gemüthsleben findet durch nichts von Außen Pflege, da schüchtert es denn
gleich wieder zurück. Nein! das mich umgebende Leben will mir gar nicht
gefallen; alles geht in Einzelheit und Persönlichkeit auf und immer das Reden
vom Allgemeinen; für welches wenig, ich möchte sagen Nichts geschiehet. Män-
ner die von sich wie Könige reden und doch nicht königlich handeln; Männer
die sich frey nennen, mein Gott die bürgerlich frey sind wie nur zu wünschen und
doch nicht frey handeln. Immer das Wort Freyheit im Munde wagen sie es
nicht den Menschen, das gesammte Volk wahrhaft durch Erziehung frey zu
machen; sie wagen es nicht in und mit einem großen menschheitlichen Erzieh-
ungsgedanken das ganze Volk zu erfassen und zu heben, wozu sie alle
Mittel in den Händen hätten. – Man wird zu der Wahrheit gezwungen:
- nur aus dem Einzelnen und Kleinen soll von neuem Menschheitswohl her-
vor gehen.
9. Durch Triest Gedanke, wurde der Gedanke wie ich Euch schon oben aussprach in
mir von neuem rege erziehend für nicht vollsinnige zu wirken; da
dachte ich denn auch an Taubstumme und – durch Augustens Brief dachte ich
an Malchen Müller. Sollte sich Malchen die schon so gewandt in der Zeichensprache
ist, sich unter Kosel in Fr[an]kf[ur]t nicht zu einer Taubstummenlehrerin ausbilden? –
Sollte so vielleicht die Anhänglichkeit dieser Mädchen eine höhere Bedeutung haben?
10. Wird Mathilde je frey [seyn] daß sie selbst über sich bestimmen kann und wann? –
11. Hier schneidet man von den alten Obstbäumen durch Schnitzmesser die alte rauhe
Rinde bis fast zum Splind weg bis weit in die Äste, um sie dadurch fruchtbar [zu] machen. /
[Rand 1V]
12. Den Brief an Augusten bitte ich möglichst bald unter Umschlag und mit herzlichem Gruß von mir zur Besorgung nach Döllst[äd]t zu schicken.
[Rand 1R]
Herr Gascard denkt – im Anfang März von hier abzureisen; ich habe ihm geschrieben, seine Abreise in der Mitte Februar möglich zu machen. -
[Rand 2V]
Zuletzt. Eben sende ich (Sonnabend am 10n ) Euern Ruf an Herrn G. Gascard. Alles ist abgemacht wie Ihr aus dem Brief von HErrn Pfarrer Schnell seht; auch von Herrn Gascard
selbst habe ich heute einen Brief erhalten. Der junge Mann ist uns allen sehr lieb, und da wir mit Euch für glauben für Keilhau wichtig, so gingen wir in die Forderung[en ein.]
[1V oben rechts]
Die Größe eines Dreyeckes von dichter weißer Flachs- oder Linnenpappe
[Zeichnung eines
  rechtwinklig-gleichschenkligen Dreiecks]