Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Gustave Gascard in Neuveville v. 10.1.1835 (Willisau)


F. an Gustave Gascard in Neuveville v. 10.1.1835 (Willisau)
(BN 449, Bl 3-4, datierter Entwurf 1 B 4° 4 S.)

An Herrn Gustave Gascard Lehr[er] in der Anstalt des Herrn Weiß zu Neuveville (Neuenstadt
am Bieler See) Kanton Bern


Willisau am 10en Januar 1834 [sc.: 1835].

Geehrtester Herr.

Ohne von Ihnen eine Antwort auf meinen letzteren jüngsten Brief vom
3 Januar an Sie weiter von Ihnen eine Antwort von Ihnen abzuwarten, erhalten Sie von mir hier schon wie-
der einen zweyten von mir. (:Der Herr Pfarrer Schnell zu Vi-
nelz hat mir nemlich in einem mit der jüngsten Post
erhaltenen Brief:)
Nach Abgang des so ebengedachten Briefes
an Sie habe ich nemlich mit der jüngsten Post einen Brief
von dem Herrn Pfarrer Schnell in Vinelz [sc.: Vilnetz] bekommem
worin mir derselbe Ihre Erklärung mittheilt, welche
Sie ihm auf meinen Antrag, einer Lehrerstelle in Keilhau
anzunehmen, gegeben haben. In dieser Erklärung finde ich
nun aber auch zugleich Ihre bestimmte Antwort auf meinen
Jüngsten Brief an Sie; da ich nun glaube daß Sie darüber in dieser Hinsicht
auf gleiche Weise Ansicht hegen denken, so halte ich somit das Geschäfte
für abgemacht und erkläre Ihnen nun:
Erstlich daß ich in Ihre Forderung von 300 Schweizerfrken
Jahrgehalt als Lehrer in der Erziehungsanstalt
in Keilhau Namems [sc.: namens] derselben eingehe; und indem ich nicht zweyf-
le, daß Ihre erziehende Lehrerwirksamkeit an
der Anstalt, wird derselben solche Früchte bringen wird
daß sie Ihnen gedachten Jahrgehalt auch gern aus-
zahlen wird, sichere ich Ihnen denselben hiermit bestimmt zu. /
[3R]
Zweytens Ebenso sehe ich nun
Zweytens die Summe von 80 Schwzrfrken Reisegeld für Sie als ge-
genseitig festgesetzt
So nehme ich denn um keinen Anstand Ihnen Geehrter Herr in der Anlage den Ruf
der Keilhauer Erziehungsanstalt und deren Führer in der
der Anlage zu überschicken. Sie werden sich geehrter
Herr Gascard
durch dessen Inhalt überzeugen, daß Sie dort
ein freundschaftliches Verhältniß erwartet. Und so glaube
ich denn daß von unserer Seite dem baldigen Eintritt in Ihr neues
Verhältniß nichts weiter entgegensteht. Durch die Legalisation
der Unterschriften von der betreffenden Behörde meiner Heymath
wird es Ihnen hoffentlich möglich werden allen zum ungehinderten
Antritt und zur ungehinderten Fortsetzung der Reise nöthigen For-
derungen zu genügen. Sie thun gut werden wohl thun ihren Paß sich
auf so lange Zeit als möglich und gienge es an auf ein
ganzes Jahr ausstellen zu lassen und mindestens
von den Gesand[t]en von Baden und Würtenberg Bayern unterschreiben
zu lassen. Sollte es zu viel Schwierigkeiten machen die Unterschrift
vom preußischen Gesandten zu erhalten, so möchte dieße
nicht so wesentlich seyn da sie eigentlich durch das preußische
Gebiet reisen. Macht es Ihnen aber keine zu großen Schwierig-
keiten so lassen Sie auch von diesem Gesandten Ihren Paß
unterzeichnen, weil in Deutschland in den verschiedenen
Fürstenthümern dessen Unterschrift respectirt wird.
Auch nehmen Sie sonst die Papiere mit, welche Sie zu
Ihrer Legitimation etwa schon besitzen.
Seyn Sie nun so gefällig mir sobald als mögl[ich] /
[4]
zu melden wenn Sie die Reise anzutreten und welchen
Weg Sie zu nehmen gedenken. Den Weg über Frankfurt a/m
halte ich in der jetzigen Jahreszeit für den angemessensten.
Ob man sich nun gleich sehr freuen wird, wenn Sie bald
in Keilhau eintreffen, so sollen Sie jedoch auch nicht zur Ab-
reise gedrängt werden, da ich von Ihnen überzeugt bin
Sie werden dieselbe selbst nicht gern weiter hinaus setzen
als es eben die Umstände nöthig machen. Ich dagegen werde
Sorge tragen, daß das bestimmte Reisegeld zur rechten
Zeit in Ihrer Hand ist.
Nach unsern Erfahrungen, da wir diese Reise nun schon
oft und auf verschiedene Weise gemacht haben könnte
höchstens die Jahreszeit einigen Zuschuß von Ihrer Seite nöthig machen.
Freylich kommt es darauf auf welche Sie zu reisen wählen
werden. Allein selbst mit der Schnellpost, der theuersten
Art zu reisen, welche Sie gewiß, wenigstens nachts durch
gehends wählen werden, würde der Zuschuß nicht be-
deutend seyn. Die gewöhnlichen (ordinairen) Posten, mit
welchen auch viele Passagiere reisen, sind in Deutschland
billig und doch auch ziemlich schnell. So soll z.B. die
Ordinaire Post von Basel bis Frankfurt a/m in jeder Hinsicht
seh recht gut seyn; Auch haben Sie dort als Passagier mehr frey Gewicht -
Überdieß giebt es, besehr häufig billige Fuhrgelegenheiten von
einem großen Orte zum andern.
Wollen Sie Ihren Koffer senden können Sie auch am besten durch Frankfurt
über Basel u.s.w schicken. Die Schwere desselben die Art der Reise und Ihre Wünsche,
müssen bestimmen ob Sie sich während der Reise mit dem Ihrem g[an]z[e]n Koffer be-
schweren wollen[.] /
[4R]
Als Speditions Burreau empfehle ich Ihnen zu Basel
Jaq. Frey.
Sie von mir und meinen Ihnen bekannten Mitar-
beitern freundschaftlichst grüßend, freut es mich und uns gar
sehr Sie nun in meinen und unsern engern und weitern
erziehenden Kreise als freudig eintretendes Mitglied
herzl[ich] willkommen zu heißen als Ihr
Ihnen
aufrichtig ergebener
Friedrich Fröbel

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