Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johann Arnold Barop in Keilhau v.7./9.2.1835 (Willisau)


F. an Johann Arnold Barop in Keilhau v.7./9.2.1835 (Willisau)
(KN 51,1, Brieforiginal 4 B 8° 15 S.)

Willisau, am 7en Tage im Monat der Klarheit (:II:) 1835.


Mein Barop.

Kaum weiß ich ob ich noch Zeit habe Euch Ihr hochbeglückten Eltern ein besonderes
Wort der Theilnahme und des Herzinnigen Dankes für Euer treues Bewahren
herzinniger Liebe zu sagen, welches Ihr mir dadurch bewiesen habt, daß Ihr mich
zum Mitpathen Eurer erstgeborenen klaren, lichtreinen Tochter erwählet habt.
Ich danke Euch dafür, möget Ihr meinen Dank und die ihn begleitenden Gesinnungen
in den hier bey liegenden Zeilen finden; sie waren jedoch schon begonnen ehe Euer mich
dem geliebten Wesen und wenn es möglich wäre durch sie mich Euch inniger einender
Brief ankam. Der in diesen Blättern sich aussprechende Grund- und Lebensgedanke lebte
überhaupt schon längere Zeit in mir erhielt aber erst um die Zeit der Geburt Eurer
Tochter jedoch noch vorher ehe mir Dein erster Brief die Nachricht die frohe Kunde
ihrer wirklichen Geburt brachte, in mir die bestimmte Gestalt in wel-
cher er nun zur Feyer Ihres [sc.. ihres] Tauftages bey Euch erscheint. Es thut mir sehr
leid daß das Ganze zu einem solchen Tage so sehr unvollkommen zu Euch kommt,
allein ich muß nur seelenfroh seyn daß ich das Ganze noch so ausführen konnte
denn das Leben drängt mich in mir und außer mir unbeschreiblich. Ich hätte Dir und
Euch darüber ein ganzes Buch zu schreiben; möchte es mir hier nur gelingen das jetzt
wesentlichste davon anzudeuten.
Erstlich seyd Ihr so gütig mich wegen eines Namens zu fragen den ich Eurer geliebten
Tochter nun durch Euren Willen meiner lieben Pathe von mir zu geben wünsche.
In wichtigen Sachen, was mir die Namengebung eines Kindes wirklich erscheint, (und
selbst den wilden Südseeinsulanern ist, welche dabey den Namen und die Person fast in
eins zu verschmelzen sich bemühen) – bey solchen Umständen ist es mir am liebsten wenn die
Willkühr dabey gar nichts und eine gewisse Nemesis dabey alles thut. <-> Dieß scheint mir
nun bey der Namengebung Eurer Tochter wirklich der Fall. So heißt Ihre erste Pathe
Maria Catharina, man gebe also der Tochter den ersten Namen „Maria“.
Auch will ich sagen daß mir dieser Name ohne daß ich dabey an irgend eine anderweitige
persönliche Beziehung dachte und denken konnte dieser Name mir für sie ihr schönster
Name dünkte. Weiter: Ihr zweyter Pathe heißt Christian Ludwig; gut nehmt wie
im ersten Fall für sie den ersten Namen „Christiane“ zu ihrem Zweyten; ich heiße
Friedrich Wilhelm A. Nun wählt nach dem sich nun klar bewährten Gesetz für sie von
mir aus auch den ersten Namen für ihren dritten „Friederike“. Ich will auch hier
sagen, daß ich diesen Namen wo ich Ihrer [sc.. ihrer] gedachte auch für sie bedeutungsvoll fand
ohne im Mindesten daran zu denken daß es auch mein Name sey und noch weniger,
ohne an eine Pathenstelle von mir bey ihr zu denken. – Ihr könntet nun leicht böse
auf mich werden daß ich Euch statt einem Namen von mir vorzuschlagen, was
ich höchstens hoffen durfte, Euch den ganzen Namen vorzuschlagen mir erlaube; aber
es ist wirklich nicht ein willkührliches und auf willkührlicher Wahl bestehendes Vor-
schlagen sondern es hat sich mir das Ganze so aus einem Guß gemacht so daß ich will-
kührlich [handeln würde] wenn ich Euch aus mißverstehender Bescheidenheit das Ganze vorenthalten
wollte. Auch ist es mir wirklich etwas schwer so eines allein herauszuheben.
Überdieß sagt ja dieß gar nichts und hat keine bestimmende Kraft; jedoch glaube
ich auch daß ich nicht zu sehr von Euch verschieden seyn werde. Auch geben ja die beyden
erste schöne und doch keinesweges auffallende Rufenamen.
Aber die Hauptsache warum ich mir erlaube in den beykommenden Blättern unserer
Euerer geliebten Tochter auch noch einen vierten einen Begriffnamen zu geben
deßhalb müßte ich nun nochmehr Euch um Nachsicht bitten, wenn dadurch
für die Wirklichkeit und Wahl desselben irgend eine Bestimmung gegeben wäre.
Als ich die gedachten Worte andeutend mit niederschrieb floß mir dieser Name als ihr
angemessen gleich als der erste eine entwickelnde Bedeutung in sich tragend in die Feder
und so ließ ich ihn stehen. Später und bald fand ich ihn vielseitig sinn- und bedeutungs-
voll und so nahm ich ihn wiederkehrend in die Blätter wo er mir als Lebenbezeichnend
erschien auf. In dem Namen liegen ja die Wurzeln von Leben, lieben, trauen, treu
und wenn auch rauh, so ist es ja innigst dankenswerth, wenn der Mensch auch frühe
auf des Lebens Rauheit und Rauhigkeit aufmerksam gemacht wird, die er durch Liebe und trauen /
[1R]
überwindet. Auch dachte ich später bey dem Namen Liebetraut auch an Gertraut eine Base von Dir pp.pp.
Ich glaubte Euch Ihr geliebten Eltern und meinen theuern Mitpathen
diese Entschuldigung wegen einer poetischen Lizenz schuldig zu seyn. Doch nochmals
es liegt darin gar keine auch nicht leise Bestimmung von meiner Seite und welchen
Namen sie auch trage immer wird sie mir mit ihrem Namen eine geliebte Pathe
seyn. Doch weil ich einmal so viel über den vorgeschlagenen Namenskranz
gesagt habe will ich doch auch noch das aussprechen was mir bey dem Schreiben
desselben entgegen trat. Irre ich nicht so ist der Name Maria hebräisch (?) der
Name Christiane griechischlateinisch, der Name Friederike deutsch, also liegt
darinn eine menschheitliche Verknüpfung[.] Ferner {bezieht sich der Name / beziehe ich den Namen} Maria
mehr auf die Natur, der Name Christiane hat die
religiöse Beziehung. so wie der Name Friederike die rein menschlich per-
sönliche, so läge also auch die 3fache Verbindung Gott Natur u Mensch in den Namen.
Doch verzeiht, verzeiht! –
2. Die hier beykommenden Zeilen der Base waren schon am vorigen Posttage fertig
kamen mir aber zum Absenden zu spät zur Hand.
3. Ob es mir und uns nun scheint, daß in dem Aufsatze aus Bern im Plauderstübchen und namentlich in
den Worten welche Du mir aus denselben mittheilst viel Klugheit herrscht,
so ist doch auch an der Vergleichung des erziehenden Strebens im Kanton Bern
mit dem erziehenden Streben in der preußischen Monarchie sehr viel wahres, ja
so viel Wahres, daß sich eben dadurch meine freudige Theilnahme an dem
Unterrichts- und Erziehungswesen des Kantons Bern gar sehr verlohren hat.
Man glaubt nemlich auch hier jetzt alles durch einseitige äußere Verstandes-
bildung zu erreichen, mehr durch den Kenntniße reichenden als d[urc]h den Erziehung
und Bildung gebenden [Unterricht]. Es leuchtet mehr der Zweck des sich klug und gewandt
machen wollens als der des Gut- des eigentlich von Grund aus tüchtig werdens
hervor genug,man sucht hier auch nur vorwaltend die Anfüllung des Kopfes mit einer
Menge von Begriffen und lebenv Kenntnissen, ohne eigentliches inneres Streben, ja
ohne alles Streben nach lebenvollen inneren Zusammenhang der Kenntnisse und Begriffe
und deren unmittelbaren lebenvollen innigen Zusammenhang mit dem Leben, und noch
mehr ohne Kenntniß Anerkenntniß u Anwendung, daß das Leben selbst die Quelle
davon sey. Dieß strebt nun wie Du und Ihr wißt gegen meine ganze Natur
und gegen unsere innigste Überzeugung.
Die hier beyliegenden Blätter enthalten in der Andeutung darüber meine nun
jetzt ganz geklärte bestimmte Ansicht: - alle ächte Menschenbildung muß in
dem Herzen beginnen, und vom Herzen ausgehend durch den Kopf und das
Leben wieder zu dem Herzen in das Herz zurückkehren. Mit dem Geburts-
und Tauftag Euerer unserer geliebten Tochter fühle ich, daß dieser Kreis[-]
Lauf in mir in meinem Leben und meiner Bildung durchlaufen ist. Mein
Leben wird darum so wie es kann außer mir ein ander gestaltetes
werden so wie es in mir ein neues, ein neu gebornes, ein jung ge-
staltetes ist. Die Zeichen eines vollendeten Kreislaufes meines und unseres
Lebens gehen bis in das kleine, auch Du, lieber Barop hast mir deren jetzt
wieder gesandt. Als ich vor nun bald 24 Jahren in Göttingen einen solchen
Kreislauf meines Lebens vollendete und ich dort die Einheit alles
Lebens erkannte schrieb ich mir die Ergebnisse meines Lebensforschens unter
der Überschrift Concordia nieder. Dreysterniges oder dreykroniges Papier
enthielt dieses Dokument meiner Lebenstreu. Treu habe ich seit jener
Zeit an der Erkenntniß u Darlebung des großen Lebenseinklanges ge-
arbeitet, ich habe abermals den großen Kreislauf der LebensEntwickelung
vom Herz durch Kopf u Leben zum Herz vollendet, ja ich glaube wenigstens
so fühle ich mich frey den großen Einklang von Herz Kopf u Leben
nach furchtbaren Lebenskämpfen errungen nun reichst Du mir
die Theilnahme an einem neu geborenen Leben – (: auch dort traten junge Leben
in meinen Lebenskreis :) auf einem Blatte welches wieder alles reicht
Drey Kronen enthält das Papier Deines lieben Briefes in der Stellung * * *
und darunter die Worte Concorde & Fidelité. Meine Frau fragte, ob
Du es wohl gesehen haben würdest, ich meynte es. Siehe Barop, so kann /
[2]
wenn unser Herz, Gemüth, Geist und Leben klar, auch das Kleinste zu
uns sprechen ja uns erst recht auf die Klarheit u den Zustand unseres Geistes auf-
merksam machen. Siehe Barop so wie mein Leben mir selbst [als] ein reiner Kreislauf
rein Durchlebtes erscheint und ich auf einer höhern Stufe der Einsicht einen neuen
Lebenskreislauf beginne so steht auch vor meiner Seele in größerer Vollendung
ein neuer Lebensplan oder anders ausgedrückt in größerer Übersicht das Gesetz
und der Gang der Menschheitserziehung; Vom Herzen geht es immer aus, durch
das Herz steht der Mensch in einfacher Verknüpfung mit dem Leben an sich mit der Lebens-
quelle. – Ein großer Kreislauf ist den der Mensch mit Freyheit
und Selbstbestimmung wählen und durchlaufen muß: - Er geht vom Herzen
durch Kopf und Leben zum Leben zurück. – Diesen lebenvernichtenden
Gang muß erst Ein Mensch gehen. Ich bin ihn gegangen diesen Gang, ich fühl
es ich habe ihn vollendet; ich bin wie neugeboren. - Den gleichen Gang muß
eine Familie gehen. Du ihr [sc.: Ihr] als eine Familie habt ihn gegangen, wie Ihr
ihn als Einzelne jedes für sich wieder durchlaufen hat. – Euer Leben wird
sich neugeboren fühlen fühlt sich neu geboren wie ich das meine. - Den
gleichen Gang muß ein ganzes Geschlecht machen ein Geschlechtstamm; auch
der unsere das unsere wird diesen Kreislauf mit Gott vollenden; ver-
zweigt sich jetzt nun doch unser Leben schon mit mehreren durch Blut, Geist
und Leben geeinten Familien – Den gleichen Gang muß ein Volksstamm
machen; – ich hoffte der Berner Volksstamm sollte zu seinem Heile diesen
Weg gehen ob? – wer weiß es.
Den gleichen Gang muß ein Volk gehen; - Ich hoffte das deutsche sollte ihn
gehen. –
Ich muß schnell abbrechen die Postuhr schlägt, sollst Du den Brief be-
kommen. Tausend herzinnige Grüße von mir u allen. Dein, Euer FrFr.
       Gott stärke und schütze unsere Geliebte Emilie u Ihre Tochter.

Nach Abgang der Post.
Was werdet Ihr nur sagen, wenn Ihr heute diese so eben mit der Post an Euch abgegangenen Bogen ohne alle begleitenden
Zeilen erhaltet? – Ach! der Mensch kann auch gar nie ruhig genug seyn u bleiben.
Eben da ich still auf meinem Zimmer sitze und mich bemühe das Viele was ich Dir
zu sagen habe, in wenige Worte zusammen zu drängen, also schon in mir auf das
höchste Gespannt, tritt Langethal zu mir – dem ich aus den höchsten Lebensgründen
die Blätter zum Tauftage unserer Tochter zu lesen gegeben habe - und zeigt mir
daß er auf das erste Blatt, gleich zur Aufschrift einige Flecke, wenn auch
nur reinen Wassers gebracht habe. Natürlich erregt mich dieß, der ich jede solcher
Gaben in höchster Reinheit von mir ausgehen lassen möchte, zugleich zeigt er mir
an daß der Brief heut eine Stunde früher schon um 3 Uhr also sogleich zur Post
müsse, dieß stöhrt mich nochmehr da ich geglaubt hatte fast noch eine Stunde Zeit u Raum
zu haben, und so – bleibt in der Eile mit der ich mich bemühe alles zur Post zu besorgen
und dem wie es bey solchen Gelegenheiten immer geschiehet durch Zusammentreffen vieler-
ley anderem - dieses Blatt und auch das unserer lieben Mutter nun auch
am zweyten Posttage liegen. Ich würde mich deßhalb schwer beruhigen wenn
ich nicht hoffte der Tauftag unseres Engels würde erst am 22n statt am 15 d. seyn
denn was sollt Ihr nur denken wenn Ihr ohne alle Erklärung als eine Hand-
lung höchster willkührlicher Keckheit von mir so ihre künftigen Namen geordnet
findet wie sie die Blätter enthalten. Wahrlich Eure Liebe und euer Vertrauen
wird dadurch ohne daß meine Seele, bey dem arglos freudigen Niederschreiben da-
von das Leiseste ahnete, auf das höchste auf die Probe gesetzt. Ach wie glücklich wäre ich
könnte ich bey dem Empfange des Briefes gegenwärtig seyn um aus diesen schönen Friedenstagen
jede Trübung besonders auch aus der Seele unserer Emilie zu entfernen.
Nun was geschehen ist ist geschehen, schreibe mir nur wie sich das alles in Eurem Ge-
müthe auflöset; es dünket mich eine gar harte Prüfung eine harte Handlung scheinbarer
Willkühr im Gemüthe aufzulösen. - Es ist wirklich wichtig wie Ihr sie überstehen werdet.
Das erste sey nun aber auch nachzuholen und zu vervollständigen was
ich oben in Eile der Brief möchte zu spät kommen, vergessen habe.
Hier vor allem, daß ich mich gar sehr über meine Mitpathen gefreuet /
[2R]
oder vielmehr, daß Ihr mich zum Mitpathen dieser Pathen gewählt habt
denn ich fühle mich so innig Eurer Base Maria Ch. als meinem Bruder verbunden
und in Beziehung auf beyde freue ich mich innig dieses neuen so reinen Lebens-
bandes, sey so gut Barop dieß beyden gelegentlich auszusprechen wenn
ich nicht Zeit dazu gewinnen sollte es selbst schriftlich zu thun. Bitte meinen lieben
Bruder meine Gebete mit den seinigen bey der Taufhandlung für unsere gemein-
schaftliche Pathe zu vereinigen. –
In Beziehung auf den Charakter des Erziehungssystems des Cantons Bern vergli-
chen mit dem der pr. Mon. habe ich nun noch das auszuführen. Nach meiner Mey-
nung betritt man in dem Cant[on] Bern ebenso wenig den rechten Weg der MenschenErz[iehung]
als in Pr: doch ist der Mißgriff in letzter Beziehung nicht so groß als hier im Kanton
Bern, denn in dem Kanton Bern hätte man noch einen guten natürlichen Grund
einfachen Sinn, Liebe, Vertrauen und ein menschliches Herz und Gemüth es ließe
sich ein kräftiges rein menschliches Geschlechtes Geschlecht reich an Geist wie am Gemüthe
daraus hervorbilden; allein jetzt verläßt man ganz das Fundament und sucht nur
den Kopf und das Gedächtniß vollzupfropfen; dadurch werden alle diese Menschen aus
ihrem einfachen Naturzustand herausgerissen ohne aus demselben hervorent-
wickelt und ausgebildet zu werden. Lieber Barop das Streben der Menschen nach
dem Besitz der äußeren Vielheit als solcher und die Ansicht darein den Werth und die
Vorzüge einer guten Erziehung und Unterricht zu setzen hat so um sich gegriffen bey
dem schon heraufgewachsenen Geschlechte das [sc.: dass] jedes Stemmen dagegen reine Kraft-
vergeutung ist. Im Kanton Bern ist der <Sitz> davon übrigens noch ein anderer; die
Geistlichkeit versucht nemlich alles sich im Besitz der Oberleitung des Schulwesens,
sey es auch nur indirect zu erhalten, aus vielseitigen Gründen wohl, wenig-
stens auch aus dem daß die Geistlichkeit en masse wirklich nicht die geistige
Frey- und Selbstthätigkeit des Volkes will. – Von Langenthal aus hörte ich schon
im vorigen Jahre, eine gewisse Parthey, eben die jetzt bezeichnete, welche großen
Einfluß im Erziehungsdepartement hat und fast täglich unter der Hand mehr bekommt
- [„]wolle mich nur brauchen um den Fellenberg zu stürzen und sey dieß gelungen
werde mich man auch bald an die Seite schaffen“ – ich gieng dem ganz ruhig
nach dachte – wer weiß was auch aus einem kurzen rein menschlichen Wirken
Gutes hervorgehen kann, und so arbeitete ich mit aller Kraft und argloser Freu-
digkeit – allein jetzt muß ich wenigstens so viel klar sehen – man will in
Bern so viel da das Wort Radicalismus u Radical an der Tagesordnung ist
keine von Grund aus reine Menschenerziehung; die Elemente welche das Erziehungs-
wesen leiten sind dazu zu hederogen [sc.. heterogen], zu herrschsüchtig und eigentlich doch zu we-
nig in das Wesen der Menschenerziehung eingeweihet dazu kommt daß auch
das wichtigste – nemlich offenes, klares, menschliches, volles Vertrauen
mangelt. Ich kann Gott nicht genug danken der alles so fügte, das heißt
mich und uns noch so frey und selbst ständig ließ, der uns und mich sehend machte
ehe ich in das überdeckte Grab all unser rein menschlichen Bestrebungen
seit Jahrzehenden gesunken wäre. Ich und wir wären rein untergegangen
in dem ungleichen Kampfe mit und gegen die äußerliche Verstandesbildung
die jetzt hier und weil sie etwas neues ist um so reißender Platz gewinnt;
darum trete ich jetzt scheu zurück, mich Verhältnissen, auch nur leise zu
nähern, die ich vor Jahr und Tag wohl als glückliche ergriffen haben würde.
Ich fürchte, ich sehe voraus, ich muß voraus sehen, das Herz, das Gemüthe
- welches ich doch von allen möglichen Seiten der Betrachtung und der Forschung
in der Geschichte aller Völker und bis in die ältesten Zeiten und in den Erschei-
nungen der jüngsten als den Eckstein ächter Menschenbildung ansehen muß –
würde von dem Streben nach äußerer Verstandesbildung nothwendig
endlich unterdrückt werden, wir sind als eine Mehrheit von Gliedern
weder im Umfange noch in der Durchdringung der Einzelnen noch nicht stark
genug diesen Kampf allein zu bestehen, denn von Außen kommt uns jetzt
weder gleich rein menschliches Streben, überhaupt nur ächtes Streben
noch weniger aber Vertrauen entgegen. Alles was als Leben erscheint
ist –Partheykampf. Barop! Du suchst die Männer da wo sie stehen sollten vergebens. /
[3]
Doch laß mich von Einzelnheiten und Persönlichkeiten schweigen, was gehen uns die-
se an, fast thut mir schon das Wenige leid was ich Dir darüber um mich nur wieder
in den Stand des Ganzen zu versetzen, niederschrieb. Wir haben es als ächte Mensch-
heitserzieher nur mit den Gesammterscheinungen ihren Ursachen und Folgen ohne Rücksicht
auf Person und Ort zu thun. Da ist mir denn nun folgendes Höchstwichtige entgegen
getreten. Zur Begründung jeder äußeren Erscheinung, jeder Lebenserscheinung bedarfst Du
auch im Leben ein Äußeres an welchem und durch welches es hervortritt. So vor allem auch
ächte Menschenerziehung. Nun forsche Barop mit mir wo Du dieß um Dich
und um uns in der Welt findest: – Nicht die Religion giebt es Dir! Er-
ziehung als Thatsache auf Religion als Thatsache bauen zu wollen, sprich den
Gedanken aus und höre die Antwort der Welt! – Soll die Wissenschaft
der Erziehung ihr Fundament geben? – Mich dünkt der Wissenschaft mangelt
eben noch so ihr Fundament als der Erscheinungsreligion. - Willst Du die
Menschenerziehung auf die Kunst bauen? – Denke Dir einmal die Künstler wie
sie sind, als Menschenerzieher und, welches ist das Fundament der Künste, willst
Du auf ein Bodenloses bauen? – Und wem dient jetzt die Kunst, wie die Wissen-
schaft und ich möchte sagen wie die Religion? – Soll das Leben, die mensch-
liche wie bürgerliche Gesellschaft ihre Forderungen und Bedürfnisse das Funda-
ment der Erziehung abgeben? – Was ist das Leben anders als eine Meeresküste
von Flugsand, willst Du auf den Sand bauen. – Soll, kann der Menschliche
Beruf ein Fundament für Erziehung für MenschenErziehung werden? - Ein
Handwerker ein Fabrikant ein Kaufmann pp pp pp pp kann wohl Dein Zögling
werden aber mit dem Menschen? – Da sieht es lindestens [sc.: wenigstens] sehr zufällig aus.
Kann, sage ist es möglich kann das Vaterland ein Erziehungsfundament abgeben
Freund und Freunde! Wer kann und darf sich rühmen in der alten Welt ein
menschliches Vaterland zu haben, ein Vaterland, daß [sc.:das] auch die Gottes-
tochter Menschheit noch gern das ihre nenne? – Nun zuletzt die Regierungs-
verfassungen
geben die für Menschenerziehung ein Fundament? – Welche Er-
fahrung bedürfen wir noch? – Aber zuletzt das Volk, die Völker ja wenn
es nur eins gäbe, zeige mir doch eines. - Bringe mir ja nicht etwa die Schweiz
als Beyspiel! Lasse mich ja nicht ins Einzelne gehen. Ich bin zu Ende, oder
findest Du noch etwas was ein Fundament für Menschenerziehung, nur
für wahre Erziehung des Menschen werden könnte? – Findest Du es und prüfe
es. Bist Du glücklicher als ich so sage mir es; wir wollen dann gemeinsam
prüfen. Ich finde nur ein Fundament für Menschenerziehung es ist das Herz.
Aber wer erkennt dieß mit mir und uns ihr Freunde an? – Fraget
weit herum, wer? – Niemand erkennt es durch die Thatsache als erstes
und einziges Fundament der Menschenerziehung an als wir. Darum
nur unser eigenes Herz, nur unsre Herzen als ein einiges Herz,
nur das und da ist das Fundament und das Assyl wahrer Menschen-
Erziehung. Prüfe Tritt hervor mit Deinem Erziehungsversuche, mit
Deiner Menschenerziehung wie Du sie in Deinem Herzen trägst: Die Religionen
bekämpfen Dich! Die Wissenschaften bekriegen Dich! Die Künste belachen Dich!
Das Leben die bürgerliche Gesellschaft verspottet Dich! Der Beruf ver-
schmähet Dich! Das Vaterland erkennt Dich nicht! Die Regierungen wollen
nichts von Dir wissen! und das Volk vernimmt und hört Dich nicht.
Laßt uns also in unser eigenes Herz, laßt uns in unsere Herzen als in
Ein einziges Herz, laßt uns in unsere Familien welche uns die Vorsehung (ewig
sey ihr Dank dafür) – uns gab zurück kehren und dort die Menschener-
ziehung pflegen; der Menschheit eine Freystätte bauen zu errichten; hören
wir auf, unsere Kräfte nach außen hin mehr zu gebrauchen als um dieses
Heiligthum eine Mauer, einen Schutz zu bauen, es nöthig ist. Laßt uns
von Seite des Herzens und Gemüthes in uns selbst erstarken und einen,
damit wir auf dieses Fundament das Gebäude der Menschenerziehung bauen
können, oder vielmehr laßt uns in uns in solcher Tiefe und in solchen
Umfang den Boden unseres Herzens so fruchtbar machen, daß darinn
der Baum der Menschheitserziehung so tiefe als weite Wurzeln schlagen kann. /
[3R]
Die Erreichung aller unserer Menschenerziehungs Hoffnungen ruhen jetzt
wieder ganz wie im ersten Anfange nur einzig auf und in Keilhau
O! möchte dieß doch Keilhau tief beachten und die ihr anvertrauten Leben
mit der größten Sorgfalt pflegen, das Leben der Herzen und Gemüther wecken
pflegen und einen und es emporhoben zu höherem geistigen Erkennen und
Festhalten. Nochmals sage ich es und muß es sagen, damit Ihr klar das Ganze
überschauet wie ich: Nur auf und in Keilhau in unsern und unserer Kinder
Herzen und Gemüthe und deren Pflege und Erziehung ruht unsere Hoffnung zu verwirklichender Menschener-
ziehung. Ihr wißt von früheren Jahren in
Keilhau her, was die Umgebung thut, und - wenn das höhere Streben um
das Erziehungsleben sinkt, dieß nothwendig mit sinkt und mit darnieder
gezogen wird, da ist kein Halten. Wie daher um uns jetzt höheres Streben
sinkt so ist auch das Erziehungstreben gar nicht mehr fest zu halten. Es drohet
mir und uns hier eine Zeit – ich habe es gestern sehr bestimmt dem Ferdinand und
dem Frankenberg die sich in ihrer Gutmüthigkeit und letzerer wohl aus besonderm
geselligen Bedürfnisse hinreißen lassen – ausgesprochen;- es droht uns hier eine
Zeit wie die zur Zeit Dursts und Herzogs, Schönbeins zu Keilhau war. Und fast
hier noch gefährlicher, da die Veranlassung hier noch näher liegt und die repub-
likanisch demokratische Form in allem annimmt. Ja so ist es könnte ich
mich durchweg auf die Treue und Beständigkeit des Gemüthes und der Gemü-
ther in den einzelnen Personen und in den einzelnen Lebenserscheinungen rech-
nen, da ließe sich wohl etwas hoffen. Ich muß mich darum mit dem Heraus-
treten meiner Kräfte gar sehr hüten um nicht wie früher Schiffbruch zu
leiden und auf den Sand zu laufen. Das Leben fordert jetzt die größte Ruhe
Umsicht und Anstrengung. Ich begreife was Du mir Barop von Eurer
Anstrengung schreibt. Ich begreife Middendorff in seinem Krankseyn.
Wäre ich von so reizbaren d.h. zart erregbaren Stoffe gewoben, hätte
ich einen so reizbaren Körper wie Middendorff ich käme nicht aus dem Bette.
Den gereizten Zustand meines Körpers kannst Du Dir denken; als ich den
Brief Eurer Liebes und Eures Vertrauens erhielt Barop, wurde ich in einen
so heftigen Fieberzustand versetzt der mich erst spät verließ, und so geht es
mir sehr häufig. Dennoch muß zum Ziele hindurch gedrungen werden, jetzt
ist die Zeit der Saat, so günstig kommt keine so bald wieder; wo sich uns
Gelegenheit zeigt müssen wir suchen Gemüther und Herzen zu verbinden
und dann diesen zu einen Bund der Geister zu einem festen Lebensbund
zu erheben Nicht Herzens[-] und Gemüthseinigung allein thut es, aber auch
nicht Geistes[-] und Geistereinigung; allein alle ächte sich des Bestandes
erfreuende Lebenseinigung muß von Gemüthseinigung ausgehen und von
diesem Punkte aus zur Geistes und Geistereinigung erhoben werden. Der jetzige
Augenblick sollte von allen denen welchen Darstellung, Darlebung reines
Menschenlebens am Herz liegt, nicht verabsäumet werden sich immer mehr
zu nähern, zu einigen. Ich habe da wohl an Dr. Fleck u Pfarrer Lunderstädt
gedacht. Dem ersteren scheint besonders auch ein gewisses Herzens[-] und Gemüths-
band an uns zu knüpfen. Ihr erinnert Euch wohl der Zeilen welche er mir
in ein Buch (über die Cholera) schrieb; es bezog sich auf das anerkannte natur[-]
gemäße meines Erziehungsganges, Ich habe daran gedacht ob er wohl in den
Gedanken eingehen könnte etwas über meinen Erziehungsweg niederzu-
schreiben. Sollte sich vielleicht jetzt wo er wohl Middendorffen öfters besucht
Gegelenheit zur Anknüpfung finden; sollten vielleicht die Blätter welche
ich Dir zur Feyer des Tauffestes heute übersandte Gelegenheit dazu geben
können? - - Könnte er sich mit uns überzeugen oder noch besser wäre er mit
uns schon überzeugt, daß die äußere Verstandesbildung die jetzt überall ihren Herrscher-
stab schwingt, die Menschheit, das Menschengeschlecht schlechterdings nicht zum
wahren Ziele führen kann, sondern dass, wenn dieß geschehen soll wir noth-
wendig das innere eigentliche Leben des Menschen selbst, sein Herz und Gemüthe
wieder zum Ausgangspunkt der ächten Menschenerziehung machen müssen; dann
dünkt mich müßte er gern eine Gelegenheit ergreifen sich darüber auszuspre- /
[4]
chen, was ers er könnte es dann weiter noch auch zu unserer Belehrung physio-
logisch und anthropologisch durchführen. Der Aufsatz könnte - vielleicht
äußerlich veranlaßt durch die Erwähnung von Fellenbergs Opposition gegen mich -
zuerst in dem Rudolstädter Mittwochsblatt erscheinen, was Ihr mir dann
schnell überschicken könntet und ich dann in dem Berner Schweizerischen Beobachter
zu Bern herauskommend abdrucken lassen könnte. Da mir HE. Dr. Fleck früher
sagte daß sein Name achtungsvoll in Bern genannt sey so könnte dieß vielleicht auch
besonders in Hinsicht auf Bern gut seyn, sie zu einer wahren Ansicht der Erziehung
hinzuführen.
Wenn es eine einzelne Richtung einen einzelnen Punkt aus giebt, von wo aus
unsere Erziehweise und Erziehansicht prüfend, würdigend und anerkennend hin-
gestellt werden [könnte], so wäre es die pädagogisch ärztliche, so wäre es durch die Auf-
fassung und Darstellung eines menschenfreundlichen, erzieherischen Arztes,
eines Mannes mit klarem philosophischen Blick und einer einfachen leben-
vollen Sprache wie Dr Fleck, vielleicht rechtfertigte und bewährte sich dann
so Eure besonders Middendorffs und Langethals, aber auch Deine u meine wirk-
lich herzliche innere Verknüpfung mit demselben, so seine doch immer still treu
bewährte innere Anhänglichkeit an unser Leben und Wirken.
Doch das Ganze ist ein Gedanke dessen Ausführung von den bestimmteren Verhältnißen und
so Euern geprüften Ermessen abhängt; es ist ganz natürlich daß, wenn mein Geist schau-
end und prüfend das ganze Leben überschaut ob und wo sich ein Punkt zur Anknüpfung
von Lebenspflege zeige ich dann in mir wenigstens jeden, auch den kleinsten und leise-
sten dafür festhalten, wenigstens beachtend bis zu der Zeit, wo sich entscheide ob
Wahrheit in der Erscheinung liege oder ob es leerer Schall und leere Hülle sey. Und
so möchte ich denn auch nicht versäumen mein Auge, meinen Blick durch den Eurigen
durch die Eurigen zu schärfen zu erweitern.
Allein bey dem allen, allein bey allem diesen bleibt doch der Blick auf
unser und in unser eigenes Leben und die Pflege dieses, die unverkürzte,
(: stets als ein wahres Lebenskorn, ein ächter Lebenskern, als ein gesunder heiler
Lebenskeim, als eine frische klare kräftige Lebenswelle, als eine in sich selbst ruhende
fühlend und empfindend sich bewußt werdende Lebens Kraft -:) - Hauptsache.
Diesen Gedanken mein Barop laßt uns mit solcher Liebe, solcher Treue, solchem
Vertrauen und Trauen festhalten wie die Sonne die Planeten, wie die
Sonne besonders seit Jahrtausenden, und vielleicht seit Tausenden von
Jahrtausenden unsere kleine Erde – ein beginnendes kleines Werde fest-
hält und zu ihrer Entwickelung zum Ziel ihrer Entwickelung führt.
Mein Barop und all Ihr meine Geliebten und Treuen es sind große Leben- und
Weltumfassende Gedanken welche tief mein Herz bewegen; ich habe sie oft ich
möchte sagen in Hundert und Hundert unvollständigen Formen Euch anzudeuten
mich bemühet, allein Ihr müßt mir schon verzeihen – denn das Beste mit mir
ist und bleibt nun einmal immer, daß man mich nun ruhig eben nimmt
was und wie ich eben bin - wenn ich immer von neuen und jetzt wieder wage
diesen Gedanken in Unvollständigkeit Euch anzudeuten. - Ihr habt schon oft und von
den verschiedensten Seiten besonders von Seite der Naturbetrachtung aus besonders gehört, daß wir auf
der Erde, besonders in und bey unserm Erdgürtel einer climatischen
Veränderung entgehen gehen, noch in dem jüngsten Blatte erwähnt dieß die
Dorfzeitung welche Ihr wie wir hier gelesen haben werdet, in ihrer wenig erfreulichen
oberflächlichen Sprache bey Gelegenheit so vieler eintretender Zeichen eines früh
erscheinenden Frühlings, deutet dann als Grund eines eintretenden wärmeren Klimas
in unserem Erdstriche das Schmelzen des Eises am Nordpole an und meynt in seiner
Weise bey uns würden noch einmal die Palmen wachsen. Genug! ich will damit
die nur immer tiefer in das Volk herabsteigende Naturansicht bezeichnen; auch die
Natur, die Erde gerad auch da wo wir wohnen geht einer höhern Lebensent-
wickelung ich will sagen einer neuen Frühlingsperiode ihres Lebens ent-
gegen. - Freunde Wenn nun die Erde einer solchen entgegen gehet, soll
der Mensch, der menschliche Geist, das gegen die leisesten Einwirkungen
Empfindliche zurück bleiben? - - Ich bitte wie wäre das möglich? - - /
[4R]
Also auch der Mensch, der menschliche Geist geht in dem innigsten Zu-
sammenhange der Welt- der Natur- der Erdentwickelung nothwendig
einer ganz neuen Stufe seiner Entwickelung entgegen. Darüber
ist mir so wenig ein Zweifel als darüber, daß wir jetzt bey aller noch
so winterlichen Umgebung dennoch einem neuen jungen frischen Frühling ent-
gegen gehen, und daß sich unser Herz, Gemüth und Geist unser ganzes
Wesen schon im Vorgefühl des bald kommenden Frühlings, wie neu erquickt
frisch belebt fühlt.
Nun hört Ihr ja, ich will gar nicht von den Vögeln reden, ich will gar nicht
von den Pflanzen und Blumenkeimen welche in der Erde ruhen reden, ich will
nur von einer ganz einzelhängenden SchmetterlingsPuppe in einer viele
Unnatur sich einigenden Stadt reden; Sehet sie höret den leisen
Ruf des herannahenden Frühlings, der Schmetterling entwindet sich seiner
Fessel, zwar zu früh er ist ein Opfer seines nicht zurückgehaltenen Leben-
strebens - was macht das - er ist ein Bothe des herannahenden Frühlings und hundert an-
dere Zeugen aller Gattung weit umher gestreut beweisen
es nun mit ihm in allen Landen.
Laßt uns ein uns näher liegendes Beyspiel betrachten was sich alle Jahr
vor unseren Augen erneuet; sehet das liebliche Märzblümchen blau roth
oder weiß, unschuldig, liebend und treu (: möchte es auch unsere Geliebte
an ihrem Tauftage begrüßen :) wenn, wie nur die Sonne beginnt zu steigen
erhebt es sein Knöspchen, sein Köpfchen, aus dem tiefen Herzen – auf!
auf! auf! der Frühling kommt, ruft es, eilt schmückt Euch, Ein Bräutigam
kommt, schmückt Euch Ihr Mädchen ein HimmelsJüngling ein Sonnenkind Knabe
(der Schweizer nennt auch die Jünglinge Knaben) - und aller Herzen erwachen
bey der Märzblümchen Ruf und alle Herzen schlagen dem kleinen unbe-
deutenden Blümchen, das tausendfach ver[sc.: zer]treten wird entgegen - es hört siche-
rer und leiser als alle studirten und gelehrten - es ist wahrhaft unge-
lehrt und - ungelehrig - es hört leiser als alle bücherschreibenden Wetter-
propheten - der Frühling kommt, er kommt gewiß wenn es auch wieder
husch! husch! wie ist es doch so rauh und so kalt! machen muß. Das Blümchen
in seiner Verborgenheit, in seiner Nacht, in seiner Kleinheit es hat Recht
gehört; es hat den Blick, den liebenden, lebenweckenden, lebenpflegenden
lebengestaltenden der Sonne verstanden und es hat ihm und ihr vertraut,
seht nun wie sehnsüchtig der Naturgetreue Knabe u Jüngling, der seelen-
volle Jüngling und der gern alle Gattin und Kind Knaben Jünglinge u Mäd-
chen und Jungfrauen erfreuende Mann es sucht und es auf das sorg-
lichste bewahrt, warum? – es ist ein Bothe, eine liebetreues Kind
das alle Alt u Jung, Kind u Greis, Mädchen u Matrone erfreuenden
Frühlings.
Nun sagt mir sollte nun der Mensch, der Mensch in seinen noch weit
zartsinnigerm Gemüthe, seinem geistigen Herzensleben den Entwicke-
lungen des höchsten Lebens, den Entwickelungen des Geistigen an sich als Er-
scheinung - den Entwickelungen des Gemüthes und Geistes der Menschheit
fremder ferner stehen. Gebt mir doch das Verhältniß der Größe des
Märzblümchens zur Sonne, der Wirksamkeit u des Umfangs des März-
blümchenlebens zum Sonnenleben an? -!- Steht nun der, menschliche
Geist, das menschliche Leben in geringerem Verhältniß zum Leben an sich
kann das menschliche Herz nicht Gott empfinden wie des Märzblümchens
Herz in der tiefsten Nacht die Wirkung der kommenden Sonne. Aber kann
das Märzblümchen obgleich mit seinen Hundert Staubfädchen eine kleine
sichtbare gestaltete Sonne, dadurch auch Leben und Saamenweckend
in den Staubwegen und Narben - wie die Sonnenstrahlen in der Erde
Keime Blüthen u Samen weckt - kann es dennoch die Sonne denken
wie der Mensch Gott - denken kann. Sollte nun der menschliche Geist
das menschliche Gemüthe, das menschliche Herz den Einwirkungen der
Empfänglichkeit, den Gesetzen der großen allgemein geistigen Ent- /
[5]
wickelung alles Geistigen der frühen Wahrnehmung desselben in sich ferner
stehen als das Märzblümchen der Sonne?! - - - Wer möchte das denken,
wer könnte das aussprechen? - Sollten wir nun nicht den Mahnungen, der
Stimme unseres Gemüthes folgen und aussprechen was es uns leise sagt? -
Welche Freuden, sagt Freunde Geliebte welche Freude gingen für uns die
wir doch Menschen sind und Wissenschaft u Kunst, Mahlerey u Musik
Mimik und Plastik haben, welche Freuden gingen für uns verlohren
wenn das Märzblümchen (und das Schneeglöckchen) ich will nur beym März-
blümchen stehen bleiben, nicht die Stimme des Frühlings hörte, sie beachtete
und ihr folgte wenn es auch scheinbar wieder harter Winter wird
und alles Leben zu ersterben scheint; Sagt also dürfen wir den Menschen
vorenthalten den Ausspruch des menschlichen Herzens und Gemüthes, auf!
schmückt und bereitet Euch dem menschlichen Geiste u Leben steht ein neues
Frühlingsleben bevor; auf grabt Euer Land, Eure Herzen, daß die
Strahlen, die leuchtenden u wärmend auch höheres Leben in demselben
wecken u.s.w. u.s.w
Darum müssen wir tief in unserm Innern die Ahnungen einer neuen MenschheitsEnt-
wickelung pflegen und die noch schwachen Strahlen der wiederum höher steigenden Mensch-
heits- und Lebenssonne zur klar gestalteten Entwickelung jener Ahnungen in uns sammeln
auch wenn rund um uns wieder der Winter einträte, ja wenn auch rund um uns
noch alles im geistigen und Gemüths-Winterschlaf läge. Wie viele sind es denn die
schon wachen wenn das Märzblümchen, schon mit seinem seelenvollen Auge klar den
kommenden Frühling entgegen sieht? - Ja! schläft nicht noch alles den harten Winterschlaf,
wenn die jungfräuliche Haselblüthe im liebefarbigen Morgengewandte durch das kaum
geöffnete Fenster ihres kleinen einfachen Stübchens dem in der Ahnung schon wahrnehmenden
Kommen des Allgeliebten und Allliebenden entgegen sieht.
Wir müssen darum achtsam seyn auf die Spuren seines Kommens im Kleinen und auf die Wahr-
nehmung der Gesetze seines Erscheinens, damit wir nicht, wenn unsern Lebensgefühlen statt
dem die Lebensthore öffnenden Sonnenstrahlen, der fesselnde Winter entgegen tritt, den
Muth verliehren, damit wir uns nicht übertäuben lassen wenn alles schreit, Forst [sc.: Frost]
hält noch alles gefangen; damit wir aber auch nicht alles Leben den noch so höchst unvoll-
kommenden entwickelten Frühlingsbedingungen preißgeben, und wir so zu seiner
Zeit anstatt Erblühetem, Erfrorenes erschauen. Darum denn laßt uns im Kleinen
das Große, in der Wiederkehr das Gesetz finden und in dem Leben selbst die Wahrheit
damit wir so erkennen und ausüben das Rechte und Wahre, das Gute und Schöne.
Ja, Barop und mit Dir die Geliebten! Du suchst sogern aus dem Leben in seiner Erschei-
nung wie es nun eben ist und kommt die Lebensgesetze zu finden; laß Dir einige solche
Lebenserscheinungen mittheilen. Ich sprach Dir von der Wirkung der steigenden Sonne
auf die Natur, sind die Wirkungen auf unsern Geist anders? - Doch nicht nur so all-
gemein wie man gewöhnlich meynt auf allgemeine Lebenserhöhung und Lebens-
gefühl nein! auf bestimmte Erzeugnisse des Geistes. Ich habe Euch dünkt mich schon
oft ausgesprochen, daß mit dem Monat Februar noch jederzeit die Thätigkeit mei-
nes Geistes für Lebensdurchschauung geistige Lebensgestaltung steigt; auch in diesem
Jahr ist es wieder der Fall; leise Spuren davon kannst Du Barop in diesen Zeilen
finden. Du weißt Barop daß ich mich für diese Lebenserscheinung verschiedene Lebens-
ursachen aufzufinden bemühete. Ich erklärte es aus der fortgehenden Wirkung
des Geistes auf den Geist besonders von Verstorbenen und Geborenen; so z.B. in
erster Beziehung daß in diesem Monat mein Vater, meine Mutter gestorben sey[en] und
sie gleichsam so als Seegnungen die Wirkungen ihres Geistes zurück gelassen haben
welche dann in dieser Zeit besonders wirksam hervortreten u.s.w. u.s.w.
Aber jetzt muß ich immer mehr einsehen der Mensch lebt auch als Geist noch
in einem großen Zusammenhang mit dem Naturleben und Naturerscheinungen
;
So ist z.B. auch für mich die Thätigkeit meines Körpers u Geistes das Wohnen nach Süden,
von höchsten Einfluß. Doch mir muß es hier genügen nur die Thatsache wiederkehrend
ausgesprochen zu haben; ob ich gleich für mein eigenes Leben noch manche {Ursache Gründe
dieses innern Zusammenhanges des äußeren Natur- und inneren Geisteslebens aufführen
könnte welche vielleicht mit die wirksamsten gewesen ist [sc.: sind] und noch ist [sc.: sind]. –
Hier ist es aber mir aber noch besonders wichtig Dir in Beziehung auf die Wirkung des /
[5R]
Geistes auf den Geist und das Verhältniß des Geistes zu dem Geiste folgende
eigene Lebensthatsache in Hinsicht auf die Erforschung ihrer innern Lebens-
gesetze mitzutheilen. Ich habe mehrere Pathen; aber nach der selbstständigen
Entwickelung meines Geistes, seit Frühling 1805 nur lauter Pathinnen. Ich deute
mir dieß ganz einfach auf eine Aufforderung zur besondern Sorgfalt auf die
Entwickelung des Herzens und Gemüthes überhaupt als des weiblichen Her-
zens und Gemüthes ins Besondere; in Erinnerung der Worte in Herders
Ariadne libera „Sinnt und Erziehet, ihr Frauen, ihr könnt es allein, die
glückliche Nachwelt“, wie es denn auch in Beziehung auf mein Leben und Ge
Wirken gewiß sehr traurig aussähe wäre meinem Geiste u Gemüthe und
Herzen nicht so hohe Pflege vom weiblichen Gemüthe in allen Lebensbeziehungen
geworden. Ich halte dieß wichtig weil ich die neue Entwickelungs- und Bildungs-
stufe der Menschheit nur in einer klarbewußten Anerkennung des
           Menschheitlichen Herzens und Gemüthes finden muß.
Nun trennt sich aber die Menschheit in die beyden Geschlechter, worinn denn
in dieser Theilung und Scheidung das weibliche Geschlecht gleichsam die Bewahrerin
oder die Stellvertreterin des menschheitlichen Herzens und Gemüthes ist.
Siehe Barop so löset sich mir nach allen Seiten hin alles klar auf alles
löset sich in dem einen auf: das menschheitliche Herz und Gemüthe,
dargestellt in dem weiblichen Herzen und Gemüthe soll anerkannt werden
als der Grund als die Quelle einer neuen Menschheitsentwickelung, so
wie die Pflege des Herzens u Gemüthes, die Bildung des Herzens und
Gemüthes in jedem einzelnen Menschen als die Grundbedingung aller
ächten wahren sich bewährenden also nie wieder von dem Menschenge-
schlechte genommen, demselben verkümmert werdenden Erziehung.
Wir nennen uns nun erziehende Familien! mit welchem Rechte
und aus welchen Gründen nennen wir uns nun so? -
menschliches Herz und menschliches Gemüthe forderte, suchte und
fand in unserm Leben u Wirken seine Anerkenntniß, seine Pflege
seine Entwickelung, seine Stärkung, Erhebung, innere Klarwerdung
genug es erhob sich zu[r] geistigen Selbstanschauung, zu geistigem
Selbstbewußtseyn und so zur klar bewußten ungetrübten Dar-
lebung seiner selbst. Worinn haben, sagt mir Barop und all
Ihr Geliebten worinn haben die blutigen schmerzlichen Kämpfe inner-
halb unseres Lebens ihren Grund. - Die Herzen und Gemüther fanden
oder vielmehr fanden suchten in unsern Leben ihre Anerkenntniß nicht; warum
weil sie sich selbst in ihren Herzens[-] und Gemüthsbedürfniß noch
nicht klar war[en] sie anerkannten darum das Herzens[-] u Gemüthsleben
des Kreises nicht[.] Prüfe Barop! prüfet! Ist nicht wenigstens der
größte Theil unserer Lebenskämpfe ein Herzens- ein Gemüthskampf.
Wir nennen uns erziehende Familien warum? - Weil wir erkannt haben daß
die Erziehungsaufgabe nicht von einem Einzelnen von Einzelnen, und nur
in vorüber gehenden Zeiten, sondern fortlaufend nur von ganzen Familien
als Lebensaufgabe gelöst werden könne.-
Wir nennen uns erziehende Familien! weiter; aus welchem Rechte? -
Weil wir die Gesetze der Lebensentwickelung und Gestaltung zu er-
forschen und ihrer Erkenntniß und Anerkenntniß nach unser und
der unsrigen Leben gestalten wollen; weil die Erforschung
der Lebensgesetze uns Lebensaufgabe ist, damit das Leben,
Herz und Gemüthe als die Pfleger und und Bewahrer des Lebens
der Tyranney der Willkühr, damit das Leben Herz und Gemüthe
der Sklaverey der Leidenschaften entrissen werde; darum
nennen wir uns erziehende Familien; darum nennen wir uns als
Glieder dieser Familien Menschenerzieher u Menschenerzieherinnen.
Wir nennen uns Menschenerzieher und erziehende Familien; aus welchem
Rechte denn weiter? –
Immer die Pflege einer neuen Entwickelungsstufe der Menschheit aus
einzelnen kleinen und Anfangs sehr verborgenen Familien, hervor[brechend],
wo sich diese neue Entwickelungsstufe erst in einen, einigen und wenigen
Gliedern – dann wegen der offenkundig allen nahe liegenden Prüfung
endlich in allen Gliedern und der ganzen Familie Anerkennung gefunden
hatte und so die junge Menschheitspflanze erstarkt in die raue Welt
hinaustrat. - Darum nennen wir aus gleichem Grunde uns Menschheitserzieher /
[6]
denn für wir erziehen die Menschheit ihrem Ziele, wie ihrer Bestimmung, der Er-
reichung ihrer Bestimmung entgegen:
Darlebung des in der Menschheit Herz und Gemüthe gefundenen
Lebens nach dem in ihm selbst ruhenden Gesetze in Klarheit des Be-
wußtseyns
, und zwar als ein großes Gliedganze in innigem Zusammenhang mit Natur und mit Gotte. –
So komme ich nun endlich zu dem zurück wo ich oben so hastig abbrach weil
ich wollte daß dieser Brief noch mit der jüngsten Post abgehen möchte.-
Ich sagte oben: Die Menschheitsentwickelung zeige bisher nach den jeden
Menschen zur Prüfung vorliegenden Thatsachen folgendes Gesetz:
1.   Es werde diese neue Entwickelungsstufe durch welche Zusammentreffung
      der Lebensumstände auch scheinbar immer von Außen hervorgerufen,
      doch zuerst immer in einem einzelnen Menschen geahnet (oft in
      mehreren zugleich, oft in mehreren nacheinander) aber immer in Einem
      wird sie als Grund- und Hauptgedanke des Lebens festgehalten, in
      welchem sie endlich geprüft und entwickelt nach Ursache, Grund
      Gesetz, Mittel, Zweck - wirklich gestaltet.
2.   Allein die vollendete klare Gestaltung einer neuen Entwickelungsstufe der
      Menschheit kann der Mensch ganz unmöglich erreichen, denn ein einzelner
      Mensch als Erscheinung auf der Erde ist nur Glied der Menschheit; und die Voll-
      endete Erscheinung der Menschheit als Gliedganzes ist die Familie: Schon
      vollkommener in Gatte und Gattin (Mann u Weib) noch vollkommener in
      Vater Kind Mutter. - Weit vollkommener Vater Tochter Sohn Mutter.
      stehen überdieß noch Großväter und Großmütter zu beyden Seiten, so ist
      das schönste Ebenmaaß menschheitlicher Erscheinung erreicht
      GroßVater GroßMutter Vater Tochter Sohn Mutter GroßMutter GroßVater.
      Hier hat sich die Familie schon zum Geschlechte erweitert. Die neue Entwicke-
      lungsstufe der Menschheit erweitert sich
3.   Von Geschlecht zu Geschlecht
4.   Von Stamm zu Stamm. Die neue Entwickelungsstufe wird das Eigenthum
5.   eines Volkes, sie wird das Eigenthum der Völker und so zuletzt
6.   des Menschengeschlechtes.
In kleineren Schlägen allein wohl in vollendeterer Ausbildung u.s.w. u.s.w.
wiederholt sich 1 wieder in 2. - 1 und 2 wiederholen sich in 3. -
1. 2 & 3 wiederholen sich in 4 in jedem Volk Stamm und in Völkern Stämmen
1.2. 3 & 4 wiederholen sich in 5. in jedem Volk und in Völkern aber
nun weil ein jeder mehr oder minder alle Stufen selbst durchlebt mit
mehr oder Minder Anerkenntniß der einzelnen Stuffen und aller[.]
Wiederholt sich 1,2,3,4 u 5 ganz in Einem lebenden Menschengeschlechte
dann tritt vielleicht jederzeit die Menschheit auf eine neue Ent-
wickelungsstufe; wer weiß ist dann auch in der Natur zugleich
irgend ein großer Erdenentwickelungszirkel oder Sonnenzirkel
vollendet. Dieß alles bleibt der Erforschung des großen Zusammenhangs
aller Lebensgesetze überlassen. Wir halten uns, ich halte mich zu-
nächst noch an die kleinen winzigen [Dinge] in meinem Leben, die ein
Fastnichts, deren jedes ein Fastnichts ist; und so stehe denn auch noch
einiges davon hier.
Euer Lieber Lebensbrief Barop und Emilie ist mir noch in einem weit höheren Sinne
und größerem Umfange als ich oben andeutete in seiner Ganzheit und
seinem vollständigen Zusammenhange ein Zeichen daß er mir die große
lebenswichtige Bothschaft und Verkündigung bringe: Ein großer Lebenszir-
kel meines Lebens sey vollendet, auf einer klaren Höhe desselben sey ich an-
gekommen nun sey mir auch dass [sc.: das] so seltene als schöne, so beglückende als
seegensreiche Loos beschieden in dem Geleite von Eltern und Freunden und Bruder
die wissen was es heiß[t] Mensch zu seyn, ein reines klares Menschenwesen
auf die Lebenbahn einzuführen und wenn es nöthig ist demselben helfend und schützend
zur Seite zu stehen; – denn was ist das Zeichen irgend einer Vollendung als -
wenn man wieder zum Anfang zurückgekehrt ist? - wenn man Anfang /
[6R]
und Ende und alles dazwischen Liegende mit Einem Blicke überschaut. Sagt man nicht in
gar vielen Fällen: [„] alles spiegelt sich auf seiner Stirne“?- sagt man nicht
oft im Leben es steht ihm an der Stirn geschrieben? - Nun Geliebte seht
einmal Euern lieben Brief und seine Stirn an. Sehet nur mein ganzes Leben
trägt er auf und an der Stirne nicht etwa geschrieben nein klar gezeichnet
und mit ihm tönen alle Akkorde alle Gefühle und Empfindungen meines Lebens
wieder. „Schwarzburg[“] ist der Vermittelungspunkt zwischen Oberweißbach
meinem Geburts- und Leutnitz meinem Stammorte. Hinter Schwarzburg
sehe ich Oberweißbach und mit ihm mein g[an]zes Kindes[-] und Knabenleben soweit
es meine Seele sich aufbewahrt hat. Schilderung auf Schilderung führt mir mein
Leben in Scene und Scene an der Seele vorüber: Gedanken u Thaten; Gefühle
und Handlungen. Weiter „Stadtilm“ Hier drängt sich Blüthenknospe an Blüthen-
knospe an Blüthenknospe wie dort Keim an Keim. Oberweißbach mein Geburts[-]
und Taufort Stadtilm meine Confirmations Stadt oder Ort. Mit diesem
Blatte in der Hand wollte ich ja einmal meinen lieben Pathchen Liedchen singen, Geschicht-
chen erzählen, Mährchen dichten, auch Lehren sagen und Gebetchen lehren, daß es eine
Lust seyn sollte zu hören wenn ich nur erst selbst sprechen gelernt habe. Nun was
ich noch nicht kann, kann ich ja bey meiner Jugend mich erinnernd der Jugend und lernend
von der Jugend - denn ich höre Euer Johannes soll dazu ein herrlicher Lehrmeister
seyn - noch lernen. - Zwischen Stadtilm dem Orte der reinsten und höchsten
jugendlichen Lebensentschlüsse und ihrer höchsten Weihe liegt Königseee in
der Mitte I , der Ort an welchem ich bey Onkel und Tante sagte „ich gehe nach
Hause“, wenn ich von Stadtilm jährlich mehreinmals nach Oberweißbach ging
und „ich gehe nach Hause“ wenn ich von Weißbach nach Stadtilm gieng.
Dieser Ort war in meinem Leben immer wunderbar wie ein Gedanken[-]
strich; wie ein Frage- oder Ausrufe- oder Haltzeichen; Er konnte ja
Middendorff kann es erzählen sein Eingreifen in mein Leben sich nicht versagen
als ich nach Keilhau kam. „Paulinzella“ ja das weckte meinen Blick
in das graue Alterthum in die Sagenzeit, in fromme zurückgezogenheit
in heiliger Scheu gieng ich immer an diesem Orte vorüber, wunderbar mich
nicht in ihn wagend wenn ich von Königsee nach Stadtilm gieng.
Und nun Rudolstadt. Kann ich Rudolstadt sehen ohne Keilhau? - Wenn
ich Rudolstadt sehe, ist es mir immer als sähe ich käme ich eben von Keilhau
oder wollte zurück nach Keilhau und ist Keilhau nicht der Schlußstein meines
Lebens und der Anfang eines neuen? - Liegt bey Stadtilm nicht Griesheim? -
Liegt hinter Stadtilm von Keihau aus nicht Döllstädt. Osterode. Schaut
man von Keilhau über Rudolstadt nicht nach Berlin? Wie oft durchreise
ich Rudolstadt auf dem Wege nach Berlin? - Wie wichtig wurde Schwarz-
burg
und Paulinzella später, wenigstens wie freudebringend und
friedengebend wurden nicht später beyde für all uns alle als alle
uns Keilhau vereinte?-
Sehet so habt Ihr beyde mit dem schönsten Ernste und mit dem liebendsten Sinn
durch diesen Brief durch die klare Stirne zu mir gesagt: „ prü über-
schaue Dein Leben, prüfe Dein Leben, durchlichte Dein Leben, siehe es in
seinem Anfang, seiner Dauer, seinem Ende, siehe es als ein Ganze[s]
in seinem innern und äußern Zusammenhang ehe Du der Mitführer, der
Miterzieher eines neu- rein- und klargeborenn Lichtwesens - unserer
Tochter werden willst.“ – Nun die Thatsachen liegen vor Ihr selbst
könnt nun entscheiden. Mir erlaubt nur damit auszusprechen, zu be-
stätigen zu beweisen was ich sagte: - Bis in das kleinste hin und selbst durch
Euern lieben Brief kommt mir der Beweis der Thatsache: „ein großer Zirkel meines
Lebens, ja mehrere derselben sind mit ihm zugleich wieder vollendet. Wie kann
aber auch einer der nicht mehrmal sein Leben vollendet in sich trägt sagen er habe
sich selbst; und wie kann einer der sich nicht selbst hat, - andere sich (ihnen) selbst ge-
ben wollen, sehet so gehet eine Forderung als Nothwendigkeit aus der andern
hervor. Glücklich wenn man nur diese Forderungen alle erfüllen kann um zuletzt
seinen Lebensvorsatz u Entschluß - „die Menschen sich selbst wieder zu geben“
zu erfüllen. - /
[7]
Ich habe oben, Eingangs dieser Nachschrift Langethals erwähnt; ich muß nach dem
nun alles vorstehende von mir ausgesprochen worden ist noch einiges darüber
sagen. Langethal gehört in Bezug auf mein allerinnerstes Streben Leben mir zu den merk-
würdigsten Menschen. Von jeher hat bey meiner vollkommenen Anerkennung seiner
eine eigene mir eigentlich in seinem letzten Grunde unerklärliche Entgegnung in mir
nicht so wohl gegen seine Person als gegen gewisse Arten seiner Auffassung und
Behandlung der Dinge in mir gelegen. Ohngeachtet nun dieser unerklärbaren
innern Entgegnung wurde er fast nur immer um so enger mit meinem Leben
verknüpft ja verwoben. Ich habe ihm dieß auch selbst oft ausgesprochen; da-
zu kommt daß besonders früher gar manches Unangenehme für mich von Langethal
ausgegangen ist wie mir bek namentlich auch von seiner Frau um nur Kleinigkeiten
zu erwähnen einige mir sehr liebe Sachen zerbrochen worden sind. Bey solcher tiefer
innerster Entgegnung die ich ohne sie zu zernichten doch auch nicht hervortreten lies [sc.: ließ]
war es mir immer eine Lebensaufgabe, warum doch wohl eine so enge
äußere Verknüpfung. Fast glaube ich daß mir mit dem Weyhetag, mit der
Absendung der Blätter zum Weyhetage unserer geliebten Tochter die Auflösung
gekommen ist. Ich habe mir früher alle seine Vorzüge genannt, seine Lebenstreue
seine krystallene Klarheit, alles dieß war nicht möglich eine unwillkührliche
Entgegnung zu vernichten. Schon früher habe ich die schönstfacettirten Edelsteine
vom reinstem Wasser, wie man sich ausdrückt unbefriedigt, ja ich möchte sagen,
mißmuthig aus der Hand gelegt, weil sie mir ich möchte sagen immer nur das
Einerley aussprachen. - Ein Thautropfen mit seiner Vergänglichkeit, aber Be-
weglichkeit mit seinem innern Lebensausdruck war mir lieber, konnte mir
mehr eigentliche Seelenfreude, Herzensgenuß geben. Hierinn liegt mir nun die
Auflösung. Denkt Euch nun anstatt einen klaren Edelstein den schönsten Schnee-
krystall denn eigentlich ist es ja für einen Moment und für das Auge das gleiche.
Sehet im Schneekrystall und im Wassertropfen sind die gleichen Lebensgesetze
nur dort fest unbeweglich gleichsam erstarrt, aber hier beweglich und jedes
Bienchen und Gräschen tränkend u.s.w. Ich möchte diese gemeinsamen Lebens-
gesetze die Seele, das Gemüth, Herze in beyden Krystall und Tropfen nennen.
Genug um zur Sache zu kommen, Langethal brachte mir das Blatt welches ich mit
so großer Sorgfalt behütet und welches ich gern selbst um einiger Unvollkomen-
heiten willen wieder abgeschrieben hätte wenn es möglich gewesen wäre - gerad
mehrseitig in der höchsten Lebensspannung meiner, wo alle das was ich Dir jetzt hier mitge-
theilt hatte in meinem Kopfe u Gemüthe lebte in wenig Worten Dir zur Kunde
auf das Papier zu dragen [sc.: tragen] u.s.w.- „Aber wie konntest Du mir das thun
Langethal“ sagte ich „ich bat Dich doch Du möchtest das Blatt schonen“ u.s.w. Ich war
sehr verdrießlich und wollte fast noch verdrießlicher werden – da sagte mir
Langethal fast bewegt ohngefähr: - Ja wenn Du wüßtest wie es mir leid thut,
ich habe alles um mich her abgewischt, allein es sind auch nur reine Wassertropfen
u.s.w. So wie er dieß gesagt hatte war mein Inneres wie Wachs zerschmolzen, und ich
selbst suchte ihn nun zu zeigen daß es nichts zu sagen habe. - Was war es denn was
diesen Wechsel hervorbrachte? - Um in vorigen Beyspiel zu reden: Ich hatte nun erkannt
daß auch in dem wenn auch klaren doch starren und festen Krystall ein bewegliches
Leben gleich in dem Tau- und Wassertropfen leben. Mit kurzem einfachen Worte: -
Ich hatte darinn Langethals Herz und Gemüth erkannt. Langethal konnte seyn
Gemüthe, sein Herz nicht anerkennend machen. So ist das Auflösen der kleinsten
Lebenserscheinung oft die schwierigste Lebensaufgabe, und was nahe zu liegen scheint
braucht lange Lebenstheile ehe es seine Auflösung bekommt. Innig freuen will ich
mich nun so und gern die Wasserflecken auf der ersten Seite jener Blätter
ertragen wenn sich sogleich durch die That und in einer Lebensthatsache an ihnen
und durch sie bethätigte [sc.: bestätigte] was sie darlegen wollten: - Jeder ächte und ausdauernd
immer grünender zugleich Knospen Blüthen halb- und ganzreife Früchte tra-
gende Lebensbaum muß seine Wurzeln im anerkannten Herzens-
und Gemüthsleben haben; jedes ächt menschliche und menschheitliche
Leben muß dem Herzen, dem Gemüthe entkeimen, entwachsen, ent-
blühen, entfruchten. /
[7R]
Auch etwas politisches habe ich Dir noch zu sagen was mit alle dem was ich in diesen
Bogen aussprach zusammenhängt aber wie? - kannst Du Dir selbst nachweisen
Monarchien und Republiken, das sind jetzt die Polworte der Gespräche
sind ja die Wendepunkte des bürgerlichen Lebens, wie sollten sie nicht auch
einmal meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen hat man doch von beyden
Worten her auch Gelegenheit nehmen wollen mein Wirken zu fällen.
Vor ein paar Tagen wurde mir nun folgendes darüber klar. –
Monarchie und Republik ist in seinem innersten Wesen völlig Eins
und ebendasselbe beyde sind darum dem Wesen nach gleich vollkommen
und - gleich unvollkommen. In beyden Monarchie u Republik herrscht
nemlich wenn jede auf ihrer Stufe gleich vollkommen ist die Einheit
Ein ordnender Grund- und Lebgedanke. Dieß ist in beyden das Über-
einstimmende, in beyden das Vollkommene
Das trennende von beyden ist[:] in der Monarchie tritt der ordnende Grund[-]
und Lebgedanke durch Eine Person repräsentirt und an Eine Person
der Erscheinung geknüpft hervor; aber eben das Persönliche, das Indi-
vidualisirte trübt die Reinheit und Geistigkeit des Grun[d]gedankens
d. h. es ist schwer sich durch die persönlichen Erscheinungen und Eigenheiten,
Eigenthümlichkeiten und somit Unvollkommenheiten zur reinen Anschauung
des allbelebenden Grund- und Lebgedanken emporzuheben; dieß
die Unvollkommenheit der Monarchie als Idee und Ideal aufgefaßt
selbst in der Erscheinung[.]
Die Republik ist der reine Gegensatz davon. In Ihr [sc.: ihr] muß der reine
Grund[-] und Lebgedanke herrschen nicht geknüpft werdend an die
Person noch festgehalten und dargestellt durch die Person. Die Re[-]
präsentanten des Grund- und Lebgedankens gleichen höchstens den Let-
tern, Buchstaben in einem Buche an und durch welche sich der Grundgedanke
die LebensIdee kund thun soll und muß; sie sind bedeutungslose Lettern
d.h. sie kehren ins einfache bürgerliche Leben zurück, wenn sie aus dem
bedeutungsvollen zusammenhang wie die Lettern aus der Form in den
Letternkasten zurück getreten sind. In der Republik soll der wirklich
unsichtbare Gedanke herrschen und das einende seyn. Hier die
Schwierigkeit und Unvollkommenheit u die Schwierigkeit und die Viel-
deutigkeit eines einfachen Grund[-] u Lebgedanken; vorher aber schon
u nur das Auffassenkönnen eines rein geistigen unverkörperten
Lebensgedanken.
Jenes erscheint mir wie ein strahlender Punkt man sieht nur
Glanz und keine eigentliche Gestaltung; obgleich Licht das Prinzip der
Gestalt und Farbe ist.
Diese Verfassung erscheint mir wie gleichlaufende Kreise; man
sieht darinne keinen eigentlichen ordnenden Lebens[-] und Beziehungs-
punkt.
Jene die erste Verfassung scheint mir in der Natur repräsentirt und dar-
gestellt durch das Sonnensystem; die Sonne überstrahlt da die Planeten gleichsam
das Volk. Die zweyte Verfassung scheint mir repräsentirt durch den gesammten
Sternenhimmel, man sieht da das Ordnende nicht.
Beide Formen nähern sich da wo in der Monarchie die Stände und wo in der
Republik der Präsident.-
Nun noch eins. Es betrifft die Abreise und Ankunft Gascards bey Euch. Ich habe Euch
seine Bestimmung hierüber geschrieben den 23en d. denkt er abzureisen. Mich dünkt seine
Ankunft bey Euch nicht zu früh. Er nimmt Interesse an unsern und Euern Leben. Vielleicht
kann er die Zeit gleich benutzen um z.B. den Zeichenunterricht zu betreiben; sich mit dem
erdkundlichen Unterricht oder sonst bekannt zu machen. Elise kann vielleicht noch einige
Lehrstunden bey ihm nehmen pp. Auch dünkt es mich wohl gut daß er noch einige Wochen
vor Abschluß des halben Jahres eintritt; damit es sich eher verbreite wenn ich davon Folgen
neu erhöheten Theilnahme erwartet[e]. - Auch ist es mir lieb wenn er sich vorher einlebt
[de]nn ich hoffe und erwarte daß er sich und Ihr ihn als Erziehungsglied finden möget. /
[8]
Seid nun so gut und schreibt mir nun so bald als nur möglich, und sey es in einem
der nächsten Briefe wenn Ihr nach den bis jetzt vorliegenden Umständen
denkt das [sc.: daß] Elise nach der Schweiz abreisen und hier ankommen könnte.
Schreibt mir wie Ihr es mit der Reise zu ordnen gedenket. Ich läugne es
gar nicht daß ich von Elisens Eintritt viel für meine und unsere Schweizer-
wirksamkeit hoffe, denn ich zweifle nicht sie wird nun die Würde und die Kraft
der weiblichen wenn auch noch jungfräulichen Wirksamkeit in einem erziehenden
Kreise tief und lebendig erkannt haben und sich alles beydes hier treu zu bewähren
wissen. Ich erwarte von ihr viel für meine hiesige Wirksamkeit und viel und
wenig gehört dazu bey Festigkeit und Würde ein weibliches sinnig und still
ordnendes Gemüthe. Ob sie mich nach Burgdorf begleiten und Frau Langethal
hierbleiben wird, oder ob die [Frau] Langethal uns nach Burgdorf begleiten wird, noch
weiß ich nichts davon und mag in mir willkührlich nichts bestimmen; an beyden
Orten erwartet sie wie mich dünkt ein schöner wenn auch nicht an beyden ein
gleich schwieriger Wirkungskreis. In beyden Stellungen hoffe und erwarte ich daß
sie für die Erhebung Willisaus wirke. - Sie muß mit den vollsten Vertrauen
zu Keilhau im reinsten schwesterlichen Bunde von Keilhau scheiden, sie wird so
hoffe ich mit dem reinsten vollsten Vertrauen zu mir hier eintreten; in dieser
letzten Hinsicht prüfe sie sich mit dem größten Ernste ehe sie hier eintritt, sollte
sich der leiseste Zweifel in irgend einem Punkt in dieser Hinsicht in ihrer Seele
regen so daß ist es besser sie bleibt ruhig in Keilhau. Laßt mich meine Er-
wartung von ihr wie von ihren Schwestern nicht mit äußerlichen Worten aus-
sprechen; ich habe sie in den „Dreyschwesternbrunnen“ angedeutet. Ich habe nie
mit Worten gespielt es war mir immer hoher Ernst mit dem was ich aussprach
und ich habe jetzt die Hoffnung daß meine Hoffnungen werden erfüllt werden.
möge sie - ich bitte sie daß sie sich vor ihrer Abreise darüber recht klar werde,
recht klar selbst durchs Wort mit denen zu welchen sie das höchste Zutrauen hat zu
ihren Schwestern - möge sie den hohen Lebenspreiß der sie erwartet nicht
willkührlich einem häuslichen Leben opfern von dem sie sich nicht mit höchster
Klarheit des Herzens u Gemüthes aussprechen kann - daß es nicht früher oder [später]
ein zerbrochenes werde. - Elise ist so glücklich gewesen und ist noch so glück-
lich in den Kreisen, Leben und Familien ihrer Schwestern häusliches und
eheliches Glück Frieden Freuden und Seegnungen kennen zu lernen. Die höchste
innere Seelenharmonie schafft solche Lebenserscheinungen. Hüte sich die theure Elise
für [sc.. vor] einen Gedanken; er ist die Klippe an der das häusliche und eheliche Glück
nothwendig scheidert [sc.: scheitert] es ist der kleine Gedanke: - Das wird sich gewiß geben
daß [sc.. das] wird sich ausgleichen, die Kraft meines Gemüthes die Gewalt meines
Herzens wird das ändern können der kleinste Ritz im klaren Glase wird
zuletzt zum Sprung und Bruch [führen.] Reinheit u Klarheit im Leben in der Tiefe
des Gemüthes und Herzens daß [sc.. das] sey das Entscheidende im Herzen und Gemüthe
der Jungfrau bey ihrer Wahl.
Soll ich in Verhältn Beziehung auf sie und das sie hier erwartende Verhält-
niß wiederholen was ich in den beyden letzteren Briefen Dir über weib-
liche Wirksamkeit in Beziehung auf Menschenerziehung schrieb.[?] Möchte Elise
welche äußere einzelne oder verknüpfte Stellung sie auch erwartet die
hohe Bestimmung Ihres [sc.: ihres] Geschlechtes allem zuvor festhalten und erfüllen
Miterzieherin der glücklichen Nachwelt zu werden.-
Ist’s möglich daß Elise noch vor Ostern hier eintreffen kann? –
*
Endlich und zuletzt da ich wünsche daß Ihr mich in meinem Innersten kennen möget: -
es hat mich wahrhaft beglückt daß Ihr Barop und Emilie Euern Lebensbrief
an mich mit den Worten „Die Deinen“ schließet, nicht, nicht um dadurch
mir etwas anzueignen sondern damit wir stets gemeinsam
Seyn und Ihr, Ihr und Seyn
seyn möget; darum auch Dein und Euer FriedrichFröbel.
*

Dieser Brief ist hier zur Post gegeben Montags den 9en Februar.
[Rand] Daß Euch alle gemeinsam und jeder Einzeln die
theilnehmendsten Grüße und Seegenswünsche senden wißt Ihr.
Ferdinand konnte nicht schreiben.
[Rand 1V]
Middendorffen von uns die herzlichsten Grüße und
innigste Theilnahme an seiner steigenden Gesundheit.
Er möge sich ja schonen. An Alle Grüße von Allen.
[8R]
Dieser Brief ist am vorigen Posttag liegen geblieben