Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 21.2.1835 (Willisau)


F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 21.2.1835 (Willisau)
(KN 51,5, Brieforiginal 1 Bl 16° 2 S.)

„Abschrift eines Briefes.“
Dem Hochgeachteten Herrn, Herrn F. W. A. Fröbel, Professor an
   der Erziehungsanstalt in Willisau, Kanton Luzern.
(: Der Schreiber dieses Briefes ist einer der jungen Schulmänner welcher erst-
lich an dem Wiederholungskurse Antheil nahmen und welche dann später
nach Beendigung desselben noch auf ohngefähr 6 Wochen, auf Kosten
des Staates mit mir nach Keilhau [sc.: Willisau] giengen :)
Ich habe die Ehre Ihnen Anzeige zu machen, daß ich mich in meiner Schule
gut und wohl befinde. Im Anfange beym Einführen Ihres Unterrichtsganges
habe ich mit meiner Gemeinde nicht das Mindeste zu kämpfen gehabt; jeder
Sachverständige zollte mir in dieser Hinsicht mit Freuden den Beyfall
um die 67 Kinder auf solche Art und Weise zu unterrichten. Dieß gab
mir Muth Ihrem Verfahren immer vollständiger nachzustreben. Auch
erklärte sich die Ehrenhafte Schulcommission, daß diese Art die Kinder
zu unterrichten die wahre und eigentlich für unser Land die erspries-
liche Volksbildung seye – kurz ich schätze mich glücklich von Ihnen so
huldvoll unterrichtet worden zu seyn, und statte Ihnen den auf-
richtigsten und wärmsten Dank meines vollen Herzens ab. –
Möchte die Fürsehung es so leiten und die hohe Landesregierung
meine ihr schriftlich zugesendeten Wünsche erhören, um Sie in Zukunft
wieder an der Spitze unseres Lehrstandes wirken zu lassen; wahr-
lich es würde in unserem Schulwesen bald eine andere, für das ge-
sammte Wohl des Vaterlandes eine heilbringende Aussicht in die
Zukunft haben.
Es würde mich freuen hoffen zu dürfen, künftigen Sommer
eine Zeitlang wieder, Aufnahme in ihrer [sc.: Ihrer] Anstalt finden zu können.
Zuletzt grüße ich Sie, Ihre Frau, und alle diejenigen, die mich
in Ihrer Anstalt kennen gelern[t] haben vieltausendmal freund-
lich und wünsche Ihnen wie auch allen in der Anstalt Befindlichen
immerwährendes Wohlergehen.
Ich habe die Ehre in aller Ergebenheit zu verharren


Corgémont
bey Soncéboz
den 8n Hornung 1835.
Ihr
J. Fuhrer,
deutscher Schullehrer
      in Sombéval et Corgémont
(Cant. de Berne).
[1R]
Von einem andern jungen Schulmann Namens Joh: Beck
welcher mit dem vorstehenden Fuhrer zu mir und meinem
Unterrichte in ganz gleichem Verhältnisse stand, also auch
den Burgdorfer Wiederholungscurs mit machte und nach
Beendigung desselben auf Kosten der Berner Regierung noch
6 Wochen zubrachte; von diesem jungen Manne, jetzt ange-
stellter Schullehrer in Kleindiethwyl, brachte mir jüngst
Langethal von dem Pfarrvicar seiner Kirche mündlich die
Nachricht mit, wie dieser ihm dem Langethal persönlich ausge-
sprochen, daß Becks Schule wohl jetzt zu einer der besten
im Kanton (Bern) gehöre. Irre ich nicht so ist der Pfarr-
vikar auch zugleich Schulcommissionär. Doch dieß ist gleichgültig.
*
Lieber Middendorff Deinen Brief nebst Bewerbung vom 13n d.M.
habe ich heute den 21en Febr erhalten; ich danke Dir herzinnig für
denselben. Außer der Bitte daß Du Dich ja recht schonen mögest
habe ich jetzt nur Zeit im Allgemeinen dieß auszusprechen[:]
Pfleget ja das gesammte das Familienleben als ein inniges Lebens-
ganzes mit dem tiefsten Ernste und mit der höchsten Würde
vergesset ja nie daß jedes Lebensverhältniß und um so mehr
als es ein mannichfaltig zusammengesetztes und ausgebildetes
ist zu einer Zeit auf der Erde nur ein einziges Mal da ist.
Wendet die Worte Goethes: - [„] Es ist außerordentlich welch’ eine
Menge von Vorbereitungen und Zusammentreffen von Umständen
es kostet, ehe nur ein einziger gebildeter Mensch erscheint“ –
nun gar auf eine Familie an; dann werdet Ihr sehen welche
Sorgsamkeit die Pflege einer solchen endlich sich gestalteten
Familie fordert. – Sehet im Spiegel der Geschichte; welche
unendliche Vorbereitung kostete es, ehe nur eine ärmliche
Zimmermannsfamilie in der Geschichte erscheinen konnte, welche
froh seyn musste, daß ihr Erstgeborner ruhig seinen ersten Lebens[-]
schlaf in einer Krippe machen konnte. – Hütet Eure Kinder
vor jeder so wohl geistigen als leiblichen, Verstandes- als Gemüths-
schwächung, und vor jeder Trennung in demselben und unter sich.
Ein Ganzes müssen sie seyn, ung in Leben u Thun. Nächstens mehr v. FrFr
[Rand 1R] Die Menschheit ist ein Lebensbaum, und jeder Baum hat eine Gi[e]belknospe. -