Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 27.2.1835 (Willisau)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 27.2.1835 (Willisau)
(KN 51,6, Brieforiginal 1 Bl 4° 2 S., Blattkopf: Lithographie mit Unterschrift "Willisauer Erziehungsanstalt")

Geschrieben in der WILLISAUER ERZIEHUNGSANSTALT, am 27 Februar 1835.


An die sämmtlichen Glieder der Keilhauer Erziehungsanstalt.


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Gottes Seegen
zu klarem, kräftigen gemeinsamen Wirken zum Heil der Menschheit
Euch allen zum Gruß!

Bisher habt Ihr uns oft aus Eurer Mitte zum öfteren Gehülfen und Mit-
arbeiter zu unserm Werke hierher gesandt; auch wir senden Euch hier ein-
mal einen Gehülfen und Mitarbeiter bey Euerm Werke von hier, in
der Person des Herrn Gustave Gascard aus Neuveville auch Neuenstadt
am Bieler See genannt. Vorzüglich wird er als Lehrer der französischen
Sprache, welches seine Muttersprache ist Euch helfend zur Seite stehen, doch
hoffen wir, daß er auch sonst mit seinen mannichfachen Kenntnissen und
Fertigkeiten Euern und unsern gemeinsamen erziehenden Zweck, wel-
ches auch der seine ist, wesentlich fördern wird.
Zwar kennen wir denselben persönlich nur wenig, doch hat er in der
kurzen Zeit seines Hierseyns auf uns alle einen Wohlwollen und Ver-
trauen erweckenden Eindruck gemacht; überdieß ist derselbe in einem /
[1R]
sehr achtbaren erziehenden Wirken früher als Zögling, später und bis jetzt
als Lehrer gewesen und ist so als Glied des Ganzen, mit - sich stets bewahrter
Liebe und Achtung desselben, in demselben herauf gewachsen. Aus diesen
Ursachen hat er auch den Ruf zu Euch zu gehen und gemeinsam mit Euch
und für Euch zu arbeiten mit großer Freudigkeit angenommen. Und so senden
wir Euch denselben auch mit der freudigen Hoffnung, daß auch Ihr in demselben
einen treuen Gehülfen, einen, Euch bald freundschaftlich verbundenen Mitar-
beiter, Ihr Jüngeren, und Zöglinge aber in ihm einen so liebenden als treuen
Lehrer und heitern Genossen Eures frohen Jugendlebens und Ihr alle in ihm
einen lieben Freund und ächten Lebensgenossen finden werdet.
Wir wünschen nur daß er, auch Euch gleich bey seinem Erscheinen in Euerm
Kreise mit ähnlichem Wohlwollen und Zutrauen und so freudiger Hoff-
nung erfüllen möge,- worüber nun schon indem Ihr dieses leset oder
höret, die Entscheidung Euch vorliegt. Wir wünschen und sind gewiß, daß
auch Ihr, alle und jedes in seinem Verhältnisse zu ihm dahin wirken werdet
daß unsere Hoffnungen sich rechtfertigen und Euere und unsere Erwartungen sich bethätigen [sc.: bestätigen].
Innig freuen wir uns dieses neuen durch Gesinnung Wort und That ge-
genseitigen Lebensbandes mit Euch. Möge es für uns alle seegensreiche und
unvergängliche Früchte zum Wohle einzelner Menschen und der Menschheit bringen.
    Die Willisauer Erziehungsanstalt,
           in deren Namen
der Euch und Ihr gemeinsame Vater und Pfleger:
      FriedrichFröbel.