Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Elise Fröbel in Keilhau v. 28.3.1835 (Willisau)


F. an Elise Fröbel in Keilhau v. 28.3.1835 (Willisau)
(Reinschrift Gumperda, nicht nachweisbar, ed. Nohl 1931/32, 395-396)

Willisau am 28en Tage im Monat des keimenden Lebens 1835.


       Elise!

Wenn Euere Ansichten unseres gemeinsamen Keilhauer und Willisauer
Lebens im Allgemeinen und im Besonderen und die deßhalb von Euch
gefaßte Entscheidung noch dieselbe ist, welche mir früher mitgetheilt
worden ist, so bitte ich Dich nun, diese Reise hierher im Vertrauen auf
die weise und liebevolle Leitung unserer Schicksale und in Übereinstim-
mung mit dem Ganzen sobald als möglich anzutreten. Die beyfolgende
Einladung an unseren engsten Lebenskreis enthält alles was ich deßhalb
noch auszusprechen nötig hielt. Ich hielt es für gut, alles was ich für
notwendig erachtete, offen dem Ganzen auszusprechen, damit nicht gleich
die ersten Tage des persönlichen Wiedersehens durch unerfreuliche persön-
liche Mittheilungen möchten getrübt werden. Überhaupt muß ich ja wün-
schen und wünsche ich, daß sich auch Dein hiesiges Leben in der innigsten
Einigung mit dem Leben all der Deinigen in Keilhau fortentwickeln
möge. -
Da ich besonders Dein und Deiner lieben Schwestern Leben als Ein
Ganzleben in mir trage, in Beziehung auf das eine Menschheitsziel, darum
bitte ich Dich, veranlasse Deine lieben Schwäger und zunächst wenig-
stens einen derselben, sey es Barop, sey es M., den "Dreyschwestern-
brunnen" für Deine Schwestern abzuschreiben oder abschreiben zu lassen.
In Beziehung auf Dich, liebe Elise! bitte ich Dich, die mancherley
Lebensmittheilungen, welche ich Dir machte, und die Worte, an welche
ich sie knüpfte, mit hierher zu bringen, um Lebensblüthen und Lebens-
früchte aus ihnen zu entwickeln.
Aber in engster Beziehung auf mich habe ich noch eine ganz besondere
Bitte, bringe ja von Deinen Gesangsnoten und Gesangsstücken so viel
mit als möglich, besonders viel kleine und einfache Sachen, welche Du,
Dir selbst angehörend und ohne von fremder Unterstützung abzuhängen,
ausführen kannst. Besonders von diesen kleinen Liedern bringe un-
mittelbar gleich viele mit Dir. Ich kann dir garnicht sagen wie ich
mich nach einem frischen, kräftigen und reinen Soprangesang sehne,
wie ein Fisch nach frischem Wasser verlangt. Und doch kann ich es hier
kaum 14 Tage haben, dann muß ich ja wieder weiter. -Mein Gemüth
hoffe ich wird sich an Deinem Gesang erheben wie eine seit langem wieder
einmal mit frischem Wasser getränkte Pflanze. Der Arion I. bis IV. Band
ist hier. Grüße innigst wie Deine lieben Eltern, so Deine lieben Schwestern
mit ihren herzigen Kinderkreis von mir. Dieser und Euer aller Wohl- /
[396]
befinden macht mich höchst glücklich. Möchte wie Alwina und Wilhelm
so auch Johannes und die Kleine schon meinen Seelengruß verstehen.
Dein Fr. Fr.