Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 16.5.1835 (Willisau)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 16.5.1835 (Willisau)
(UBB 8, Bl 16-17, Brieforiginal 1 B 4° 4 S., ed. KG 1883, 88-94. Der Brief wurde zusammen mit dem undatierten vom 17.5.1835 an Langethal geschickt.

Willisau am 16 May 1835.


   Mein lieber Langethal

Möchte ich Deinen heute empfangenen Brief vom 11en d. M. von Brgdrf abgegangen am 12en Dir und
meiner Frau zur Genüge kurz und bündig beantworten.
Ernste Prüfung unseres Berufes; klare Erkennung dessens was wir sollen und somit wollen, oder um[-]
gekehrt dessen was wir nach Erkennung unseres Lebensrufes wollen und dann sollen, endlich festes und
bestimmtes, wankel- und schwankellosest Handeln kann <für> dem uns vorliegenden Fall wie überhaupt
im Leben nur und uns nur zum Ziele führen, denn wie und woher soll Festigkeit und so Ruhe und Gestaltungs[-]
möglichkeit in das Leben kommen wenn sich Niemand dem Schwanken aus tiefer Überzeugung mit Festigkeit
entgegensetzt; alles beruhet aber hierbey auf den richtigen Ort, die rechte Zeit und die angemessene Weise
der Entgegensetzung sonst kann sie mehr zum Fall als zur Erhebung dienen; dieß haben zunächst wir
beyde reiflich zu erwägen. Aus der Anerkenntnis dieser Wahrheit geht nun zunächst für uns und namentlich
für mich folgendes mit Nothwendigkeit hervor. Noch erlaube mir auszusprechen, ehe wir ein entscheidendes Handeln
ergreifen, müssen wir uns auch vorher recht klar machen, daß es sich weder um unsere Sache, noch weniger aber um die
Sache eines einzigen von und unter uns, aber ebenso wenig auch nur um die Sache Einer Zeit z.B. der jetzigen oder nur Eines
Volkes z.B. des unsrigen, sondern daß es sich um die Sache aller Zeiten nicht nur der gegenwärtigen und kommen-
den, sondern auch der Vergangenen, daß es sich um die Sache aller Völker nicht nur der jetzigen und künftigen
sondern auch um die der gewesenen ha kurz, daß es sich um die Sache der Menschheit handelt.- Was wollen wir?
Wollen wir eine andere Weise Ab oder Ba lehren oder ob es besser ist Zeitwort als Wirkewort zu sagen?- Nein! wir wollen den
Menschen den Weg anbahnen selbst zu finden, daß im Leben keine Stückeley und Einzelheit, sondern daß im Leben
Einheit sey weil Einheit des Gewordenen Grund, wir wollen zeigen daß das Leben und die Erscheinungen des Lebens
kein Zufall oder im höheren Sinne des Wortes alles Zu-Fall d.h. alles in dem Streben begriffen sey zur
Einheit zum All zurückzukehren, so daß also alle sogenannten Einzelerscheinu[n]gen des Lebens nur sondernde
Anschau[u]ngen aus dem großen All- und Einleben nur Glieder desselben sind. Wie wollen wir aber die
Menschen, so ein ganzes Menschgeschlechtes und ganze Menschengeschlechter dahin führen dieß zu erkennen?-
Wie anders als daß wir sie die Einheit und das Leben in dem was uns und sie zunächst umgiebt kennen lernen;
das nächste ist ja wie wir schon sehr oft erkannten immer das Wichtigste, wie mir erst noch jüngst einer unser[er] Schul-
lehrer an der Luft sehen ließ. Was ist nun aber das allgemeinste was den Menschen umgiebt?- Raum
u[n]d Zeit und die Erscheinungen derselbe Ruhe und Bewegung. Wodurch ist diese Doppelzwey aber am innigsten
mit dem Menschen und mit dessen Seele verbunden (wenn ich ihre höhere Einheit zunächst dahin gestellt seyn lasse)
wodurch anders als Gestaltung (mit Zeichen) und Sprache (Gesang als ihr einig.)?-Darum muß alle Sorgfalt dar[au]f
gewandt werden aller Fleiß, alle Kraft in diese Zwey Raum[-] u Sprachkunde jede für sich und beyde wie[-]
der geeint als große innig einige <Lebensganze / Lebensgänge> darzustellen, ja als (gegenständliche) Bilder des Lebens
darum müssen sie beyde zunächst aus Eurem Geiste bearbeitet werden (- (Später verhält es sich wieder
so mit Natur und Geschichte. Sind auch diese Doppelleben wieder in ihrer Einheit jedes unter sich und
beyde gemeinsam erkannt, so kommt es dahin dieß in sich in[n]ig einige Doppelleben und das vorhin Dar-
gestellte wieder in einer Höhern Einheit
[*Zeichnung mit
  den Wörtern "Raum", "Sprache", "Natur", "Geschichte" und
  <"Leben">, die verbunden sind und auf das Wort "Einheit" in der
  übernächsten Zeile zulaufen*]


Raum   Sprache   Natur   Geschichte
                                                <Leben>
und zuletzt alles Leben in seiner
höchsten Einheit in Gott erkennend und anerkennend, anschauend und darlebend zu machen.
Wie kann aber der einzelne Mensch und ganze Völker zu dieser Einheit im Erkennen und Leben kommen? wie anders als
durch eine demgemäße pflegende Entfaltung seines Lebens, denn was wir ihn im Allleben erkennen machen wollen
muß er ja in sich selbst als Glied dieses Alllebens selbst finden können. Wie nennt man aber jetzt jene pfl[e]g[en]de
Selbstentfaltung, Selbstentwickelung des Menschen? erziehung [sc.: Erziehung], erziehender Unterricht, entwickelnde Erziehung
entwickelnden Unterricht. Aber diesen Unterricht finden wir uns, erkennen wir uns jetzt zu geben berufen, nicht
ist es damit gesagt als bedürfe das Schicksal, die Vorsehung überhaupt unserer ausschließend - aber jetzt will es unser
darüber können wir gewiß seyn, denn es giebt läßt uns den Befehl als an uns ergehend hörend und so
viel wissen wir d[urc]h etwas Sinnliches muß die Vorsehung zum dem sprechen der nur noch auf der Stufe
des sinnlichen stehe, sey es Baum der Erkennt[n]iß, Donner oder Winde und Blitze die sie zu ihren Dienern macht
also wollen wir so lange fechtend stehen bis bessere uns ersetzen, damit unser Bewußtseyn uns in uns we[-] /
[16R]
nigstens das Grabmal der 300 Spartaner setze: hier liegen wir wie das Gesetz nicht ein äußerliches
und endliches sondern ein inneres und ewiges das Gesetz des Lebens uns zu sterben befahl. Ich gedenke immer
des Gebetes des alten griechischen Piloten an den Neptun auf dem stürmischen Meer im Steuern zum Ziel
und Hafen: Du großer Gott kannst mich erhalten, Du großer Gott kannst mich vernichten, aber ich, ich
halte mein Steuer fest und wanke nicht.
Alles strebt nach Freyheit allen nach Gleichheit wer mag die Jahrtausende bestimmen[?] "Freyheit u Gleichheit hört m[a]n
schallen" - sang schon vor 40 u[n]d mehr Jahren unser Dichter[.] Wo aber ist Freyheit als wo das Gesetz erkannt
und das erkannte Gesetz des Menschen eigener Wille ist. Aber dieß aufzusuchen ist nicht leicht, ich fast
sage seit 50 Jahren nun ahne ich es und verfolge seine Spur u mit welcher Anstrengungen, dennoch und selbst im Raume wo
es uns doch ruhig so nahe li[e]gt komme ich jetzt erst fast täglich näher zum Ziele, wie viel schwier[i]ger
mit der Sprache welche entstehend wieder schwindet und wo das geschriebene Wort bald fast im Augen[-]
blick des Schreibens in Hinsicht auf sein inneres Lebgesetz eine Leiche wird. Die Schwier[i]gkeiten hier sind ungeheuer denke nur an die Satzl[e]hr[e]
durch Unvollkommenes muß überdieß alles hind[urc]h und der Lehrer muß an seine Schüler noch die
Aufmerksamk Anforderung machen daß er diese Schwierigkeiten mit ihm theile und auf gesetzme[-]
ßigen Wege mit ihm theile. Dieß sind nicht Anforderungen die den trägen Menschen gefallen; ich selbst mich als
auch Bequemlichkeit liebend gäbe 100 mal lieber schon bestimmte Formen wie sie ja als Leichname zu 100 zur
Auswahl vor mir liegen - ich würde damit wer weiß was erla[n]gen - aber ich muß dem höheren Gesetz
gehorchend alles verschmähen um die höhere Lebenseinheit das höhere Lebensganze zu finden und hierbey ist es wie
in der Dichtkunst das läßt sich nicht bestim erzwingen - das ist eine reine Gabe der Muße, das läßt sich
geradwie in jenem Lied von unsern Arndt nicht mit Weh u Ach erzwingen, da heißt es stille gehalten
Freund bis es mir gefällt und ich Zeit habe zu Dir zu kommen[.] Davon wissen die alle Nichts die ihre Kenntniß
einst aus einem Topf wollte sagen einen Kopf in den andern gießen. Mit dem Raum ist es nun beson[-]
ders für den Beobachter anders. Raum ist mehr sinnlich seine Ergebnisse sind mehr krystallisch festge[-]
staltet bleiben[d]. Darum hat der Lehrer hier viel Vorzug. Immer li[e]gt das Ga[n]ze wie ein Mosaik
vor während das Sprachleben und die Sprachgesetze wie eine Musik verschwindet. Was wir
aber in Beziehung auf Form u Zeichnen u jetzt wieder an den 4 Bernern erreichen (Über Loders Leistungen wi[r]st
Du dich wundern) erreichen muß schlechterdi[n]gs an der Sprache erreicht werden. Nur nicht ein Glied
einseitig ausgebildet, leider schon zu viel ist es geschehen. Wir dürfen der Trägheit der Menschen und
ihrer Einseitigkeit nicht schmeiche[l]n Langethal! wir dürfen nicht. Einheit La[n]gethal! Einheit beseele uns so
schrieb ich schon vor 25 Jahren an einen ju[n]gen Burgdorf[er] dortmals in Iferten, dann werden wir siegen.
Man darf uns nicht willkührlich trennen in Form (Muth) u Sprache in Geist u Gemüth in Mann u Weib in
Kopf u Herz. Wir müssen als ein Ganzes frey aus uns selbst bestimmen wie wir na[c]h unsren besten Wissen und
Gewissen unsere Kräfte vertheilen wollen. Es müssen erst einmal zwey Menschen einig seyn ehe es das
Menschengeschlecht u die Menschheit ja ehe es nur ein Volk und die Me eine einzige Familie werden kann[.]
Wer kann uns zwingen Langethal uns gegen unsren Willen und Überzeugung zu trennen?- Sind wir
nicht freye Männer, freye Menschen, - wenn wir es nicht sind Du ich wo sind sie zu finden?- Habe ich Dir
das nicht schon oft gezeigt!- Lasse so also unsere Freyheit zur Befreyung des Menschengeschlechtes der Menschheit
durch Ausführung eines ächten Gott u Menschenwürdig erziehenden Unterrichtes benutzen. Lasse die Sache
Rückgä[n]gig gehen lasse Sie [sc.: sie] spotten u sagen wir getraueten uns nicht und wer weiß was dann ihr Lug und
Trug erdichten auch die Natur, die Menschheit u Gott selbst werden uns schon zur rechten Zeit rechtfertigen
wenn wir ihnen nur treu sind, wir wollen nicht für uns stehen aber für sie fallen. Langethal es müßen
wieder moralische Helden aufstehen sonst kann der Menschheit nicht geholfen werden sonst bleibt sie auf der <Hefen>
sitzen [#]. Lasse uns in Anderen wen[i]gstens die Ahnung, die Ahnung von Wollen u Können wecken, so wird auch die That
einst kommen. Auf einen rauhen mit Wasser taufenden Johannes kam ein milder mit Feuer taufender Jesus.
Erinnere mich daran Dir in dieser Beziehung wenn Du kommst noch manches zu sagen.
Doch genug, dasjenige was Du mir als dem Herrn RS. Stähli namentlich u[n]d Her[r]n H. M[.] ausgespro-
chen habend mittheilst, dieß ist mir bis ins Kleinste aus der Seele geschrieben, ­ Nach solchen
Erscheinungen können wir Hoffnung haben zu einem menschwürdigen Lebensziele zu gela[n]gen - wie Du nun zu
diesen Herrn gesprochen und mir geschrieben so schreibe auch an das Erz. Dep.
Jetzt lasse uns nun zuerst noch das einzeln durchgehen:
1., Das Schreiben des Erz. Dep an mich muß meine Antwort bestimmen und bestimmt sie kurz. /
[17]
Es bleibt mir nach dem Schreiben des Erz Dep (von welchem mir gar sehr lieb ist d[a]ß Du es gelesen hast) nur
übrig kurz Ja! oder Nein! zu sagen. Nein! zu sagen wäre ist aber wie die Sachen sich nun mal
gestaltet haben von mir nicht möglich, denn es wäre Arroganz von mir wenn ich sagen wollte weil
ihr mir den Sprachunterricht nicht geben wollt, wozu ihr kein Vertrauen zu mir habt - will ich auch
den Unterricht nicht geben zu welchen ihr Vertrauen zu mir habt. Also ich muß nothwendig ohne
Bedingung von meiner Seite entweder den Antrag annehmen oder Ausschlagen - und ich nehme ihn an wenn
unsere Behörden in Burgdorf was ich nun voraussetze dazu gern ihre Beystimmung giebt[.]
2. Was aber mir nicht verstattet ist, das ist Dir nicht nur erlaubt sondern wie mir es erscheint von
Dir ganz nothwendig zu thun, Du würdest und wenn ich auch in Mitte des Cursus oder gleich nach demselben sterben
sollte ungemein schaden. Dir übertrug man den Sprachunterricht weil imperatorisch eine Meynung eine äußere
es fordert; giebst Du dieser Meynung nach so giebst Du dadurch Ver[an]lassung zu einer neuen Meynung eine äußerer
imperatorisch sich aussprechende Meynung wäre im Stande Dein Handeln zu bestimmen. Hundert auf diese stille
Meynung fußende Anforderungen würden ungeahnet sich Dir nahen und Dein Leben für lange kampfvoll
machen einer imperatorisch sich aussprechenden wenn auch scheinbegründeten Mey[n]ung muß man aber
mit categorisch bestimmten Willen entgegen treten. Also wie mich dünkt von Deiner Seite mit der
bestimmten Erklärung, daß Du das Vertrauen würdigest dem entgegen zu kommen Dich bemühen und somit den
Antr[a]g annehmen würdest, jedoch einzig nur unter der einfachen aber bestimmten uneingeschränk Bedi[n]gung daß der Sprach[-]
unterricht Dir u mir gemeinsam übertragen werde so daß die nähere Bestimmung
darüber ganz unserer strengen Prüfung nach bestem Wissen und Gewissen im innersten Interesse
des Cursus überlassen bleibe. Könnte man Dir dieß nicht zugeben so müßtest Du auf die
Übernahme des Dir geschenkten Vertrauens Verzichtleisten. Du kannst diese Forde[r]ung mit allen den
Gründen unterstützen welche Du mir als dem RS. Stähli und H. M. ausgesprochen habend andeutest
also erstlich Deine Urtheilsfähigkeit 2) daß der Lehrg[an]g den Du befolgest derselbe sey den ich aufgestellt
daß Du noch mehr mit der Bearbeitung desselben weil er nicht willkürlich aus meinem Willen sondern aus
dem Geiste unseres gesammten erziehenden Unterrichtsweise wie der mathematische oder Zeichenunter[-]
richt in sich eben so klar und consequent sey und zu denselben sichern anschaulichen Resultaten führe
nur habe der Lehrer das Ergebniß davon bey seinen Schülern nicht so in seiner Gewalt weil überhaupt
die Sprache in ihrem Wesen höhere geistigere oder wen[i]gstens weniger durch sinnliche Anschauungen unter[-]
stützte Anlagen in Anspruche nehme kurz mehr dem schnell zu erfassenden als lange ruhig zu betrachtenden
angehöre wie 3) Würde nun dieser so viel verzweigte und um ihn in sein Leben <zu davon> so schw[i]erige Unterricht Dir allein übertragen bleiben
so müßte es Dir nothwendig am Ende des Cursus gehen wie mir;
die Gefahr und Wirkung davon würde aber nothwend[i]g mehrfach nachtheilig seyn.- (:Meine An[-]
sicht über die Art der Theilung des Unterrichtes will ich Dir dann zur Prüfung vorlegen[.]:)- Könnte man
also nach diesen Deinen jedoch aus der Sache selbst hervorgehenden Gründen nicht uns nach freyer Ein[-]
verständigung den Sprachunterricht nicht übertragen so müßteste [sc: müßtest] [Du] auf das bestimmmtest[e]
und festeste wenn auch auf das dankbarste das Dir zu übertragen zu gedachte Zutrauen ablehnen.
Dieß betraf nur Dich und mich; mich können sie dann behalten oder auch wegthun ist mir gleich.
Unser Sprachbaum und unser Sprachleben soll sich schon später noch entfalten und Schatten Lust u Freude geben.
Über den Musikunterricht habe ich nichts zu sagen.- Über die Religi
Nun kommt daß was Du im Verein in eine Zusammenstimmung mit den Übrigen aber klar u fest zu
bestimmmen hast.
3) daß der Unterricht in 2 Abtheilungen [ge]geben werde 4. daß dazu eigene Hülfslehrer angestellt
werden müssen und daß dieß wieder um Einheit in das Ganze zu bringen schon mit unseren Lehrgang
vertraute nicht aber solche seyn können, welche erst kommen wie mindestens <ihren Lehrga[n]g / ihre Befä[hi]gung> erst zu
prüfen, also Staub u Lehner[.]
4) daß alle gemeinsam den Vorschlag aussprechen daß es nothwendig sey das Schulwesen
Personale durch eine bestimmte Anzeige namentlich mit Hervorhebung des Unterrichtes in
zwey Abtheilungen und der dazu hinlänglich anststellten [sc: angestellten] Lehrer bekannt zu machen. Ich halte
wie ich Dir schon aussprach für gut daß die Lehrer genannt würden, dadurch wird sich ja
gleich noch vor Beginn des Cursus die Meynung des Schullehrer Publikums aussprechen können. /
[17R]
Das Wohnen auf dem Schlosse "ganz unter denselben Verhältnissen wie im vorigen Jahr" ist wie Du
schreibst ist mir sehr recht da kann etwas gearbeitet werden. Denn daß ich Ruhe will und bedarf
darinn hast Du ganz recht deßhalb gäbe ich gern, freudig gern heute lieber als morgen die Theilnahme
an den Curs ganz auf, wenn ich nach meinem Wunsche ja Bedürfniß handeln dürfte; allein ich denke ich darf
nicht fallen lassen was die Vorsehung anbahnte darum leiten mich rein höhere Gründe so auch bey der
Sprache, die Sprache entwickelt sich mir stündlich in gestaltetem Leben und die Ausführung meiner und
unserer Sprachansicht stellt sich mir immermehr als das vollendetste Welt- und Lebganze dar, ja dieser
innige lebenvolle einige Zusammenhang und die Größe des Ganzen ihr so tiefes Eingreifen in die
wichtigsten Lebensrichtu[n]gen macht eben ihre Bearbeitung ihre Durchdringung, ja zu nächst ihre einfache
und wie man es nennt praktische d.i. von allem Selbstdenken entfernte nur äußerlich todte Darstel[l]ung
so schwer; allein es muß auch in Beziehung auf diese Sprachbearbeitung und Sprachansicht mit der
von vielem anderen heißen: ­ Der Baustein den die Bauleute verworfen haben ist zum Eckstein
geworden. Dringen wir mit dieser Sprachansicht durch, faßt sie im Volke Wurzel, so ist der einzeln[e]
Mensch so sind die Völker und die Menschheit gerettet. Sie erfüllt mich oft in ihrem Wesen während
des Studiums und besonders des Lehrens wo alle Geistestthät[i]gkeit nur auf den einen Punkt gerichtet sind
mit Staunen und da entfährt mir denn ein Wort des gewaltigen Lebensgetriebes was freylich oft für die Umgebung
unverständlich ist wie es mir mit dem Worte Leben in Burgdorf gieng[.]
Du hast weiter recht da Du sagst: Das Erz[.] Dep. so wie alles ist in der Hand des Volkes; wer das
Volk hat hat jenes, das Volk hat aber wer ihr Gemüth hat u liebt; um ihnen aber dieß zu zeigen
muß man nicht gleich dem Volke oder zum Volke werden sondern man muß das Volk jener schönen
Lebensansichten erheben, was muß das Volk wie der Erzieher zu artige Knaben behandeln; man
darf nicht wo man Recht hat um Kampf oder Krieg zu vermeiden
nachgeben sonst hat man ver[-]
lohren
. Braucht uns das Volk nicht gut so kann es uns an die Seite setzen, wir brauchen das
Volk nicht wir suchen Menschen und die finden sich ganz abgesehen vom Volke! Also strenge Durch-
führung des Rechtes und Gesetzes auch dem Volke gegen über wo man Recht hat. Und wer sind denn
die imperatorisch fordernden Umstände?- Wäre einer sage ein Einziger im Canton Bern der den
Gegenstand einer ernsten Prüfung unterwürfe ich will nicht sagen unterwerfen könnte und wenn
er mit den Ergebniss der Naturangemessenheit kräftig aufträte wer! ich sage wer würde etwas
sagen[?] Von wem ist denn das Urtheil ausgegangen unter wem herrscht denn die Meynung mein Sprach[-]
unterricht sey unpraktisch gewesen? Bey <Nickli> dem neuen Director und pp.- Was nennen
denn diese Menschen praktisch was nicht gleich lehrt: Ich Endesunterschrieben[er] rc? ­ oder
ein Nebensatz ist der welcher mit daß oder denn einleitet? - praktisch aber ist doch wohl das was
den Menschen zu allseitiger Tüchtigkeit und Brauchbarkeit wenn auch zuerst nur befähigt.-
Darum müssen wir um des Volkes willen um dessen Erhebung willen die Sache dur[ch]führen - (denn aller
Sprachunterricht ist bis jetzt nur ein mehr oder minder modifizirter mechanischer dressirender
äußerlich formender)[.] Nun geschähe das auch wenn Du ganz allein den Sprachunterricht hättest - aber die
Gegner würden sich so am Ende der Sache erfreuen, aber die Idee verläugnen; sie würden den
Gedanken die Idee zur Methode zur Lehrweise machen; die Verallgemeinerung eines erziehenden Unterrichts
wäre wieder auf la[n]ge hinausgeschoben denn darinn liegt es ja eben daß jene von einzel[ne]n Unter-
richtsfächern wie von einzelnen Büchern darüber sprechen wir aber von Einheit des Unterrichtes als
einem intelligenten Leben sprechen.- Diese Idee werde ich aber treu verfolgen wenn sich auch alles
von mir trennte und wenn ich mich von allem trennen müßte was dieser Idee nicht nur entgegen son[-]
dern sie nicht {fördern / anerkennen} und schon dadurch ihre Entfaltung hindern würde.-
Nun hast Du alles was Du bedarfst und mehr als Du bedarfst. Meine Beystimmung kannst
Du vorläufig mit der Bemerkung daß ich sie persönl wenn es noch noth ist auch schriftlich geben werden in Rückbeziehu[n]g auf das
an mich erlassene Schreiben mit Bestimmtheit abgeben. Dir zur Notiz sage
ich nur noch da die Sprachdarstel[lun]g jetzt bey den hiesigen Schullehre[r]n große[n] Beyfall und freudige
Bearbeitung rc[.] rc[.] erregt hat so würde ich mir diesen Unterricht vorbehalten, dann weil sie nun gefunden
wie dieser Unterricht eigentlich die Grundlage der Satzlehre nemlich die praktische Erfahrung und Vor[-]
arbeit dazu wäre, auch die Satzlehre beydes in der 1en Abtheilung. Doch über dieß können wir uns noch [verständigen,]
(Schluß an den Rändern von 17RV/16V)
ich will Dir meine Gründe dazu zur Prüfung vorlegen. Du siehest es bliebe Dir so ein hübscher Theil des Sprachunterrichtes[.]- Wegen der Sprach[-]
anschauung habe ich Dir so noch mehr mitzutheilen. Auch hat in Burgdorf dieser Unterricht den Schullehre[r]n <sehender> Sprachgeb. sehr gefallen.-
In No 57 und 58 des schweizerischen Beobachters sind Artikel Bättwyl - <was Wartenseen> u B[u]rgdorf und mich betreffend. In No 57. mit der Bemerkung (Eingesandt.) ohne Zwei-
fel von Hofwyl. Mich betreffend heißt es hier. Und noch merkwürdiger ist es, daß man, trotz den mit Herrn Fröbel im letzten Sch. N. C. [sc.: Schullehrer Normal Cursus] zu B[u]rgdorf gemachten Erfahrungen, vernehmen muß wie diesen
die Oberaufsicht über die Anstalt zu Bättwyl und die Leitung des Burgdorfer Waisenhauses an vertraut worden seyn soll. Den An-
fang dieses Aufsatzes macht eine <Verkleineru[n]g> des zu Bättwyl angestellten Lehrers. Hierauf hat der Verein in No 58 erste Seite 2e Spalte geantwortet.-
Von Keilhau sind keine Briefe angekommen.- Weil Du schon am 24' von hier weg mußt so wäre es gut wenn Du vielleicht schon am 22en
kämest um einpacken zu helfen. Aber wie soll ich denn mein Bett fortbringen ich habe ja keine Tonne hier?- Euch allen die herzlichsten Grüß[e] Dein
Fr Fr

[am Seitenrand 16R folgende Ergänzung mit Einfügungszeichen, das im Text nicht zu finden ist; der Satzzusammenhang wird gestört, vermutete Bezugsstelle im Text markiert:]
# vielleicht besser Wahrheitshelden, Männer die für eine Idee nicht nur zu sterben, sondern zu leben <veranlaget> und - <da> der Mensch sich es in Hinsicht auf Prüfung leicht
macht, darf dieß nicht nur einer sond. <müßen> mehrere
gemeinsam seyn.