Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Elise Fröbel in Willisau v. 8.7.1835 (Burgdorf)


F. an Elise Fröbel in Willisau v. 8.7.1835 (Burgdorf)
(Reinschrift Gumperda, nicht nachweisbar, ed. Nohl 1931/32, 396-397)

       Burgdorf am 8en Tage im Monate des reifenden Lebens / VII. / 1835.


Elise!

Nichts konnte ich Dir sagen als ich gestern von Dir und Euch schied,
nichts konnte ich als Dich an mein Herz drücken, Dein Herz an das
meine; was bleibt auch noch zu sagen übrig wenn stumme Rede mehr
spricht als alle Worte zusammen genommen. Als ich heraus kam begrüßte /
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bald im Felde mich rothblühende Schafgarbe und in ihr begrüßtest
Du mich und ich Dich. Siehe wie kleine Handlungen im Leben wichtig
werden können, wenn das Gemüthe sie bewahrend und pflegend in
sich aufnimmt, denn nun trat mir der ganze Spaziergang nach Ettiswyl,
die Freundlichkeit mit welcher Du mich und uns zurückbegleitetest, und
in der drey (treu) aufblühenden Lilie die ich dort fand, Dein ganzes
Bild in die Seele. Da drängten sich bald Gedanken an Gedanken, und
unmittelbare Lebensmittheilung in klarer Seelensprache durch keine äußere
Einwirkung gestört entstieg dem ruhigen reinen Gemüthe, siehest Du,
Elise, so ersetzt klares Seelenleben reichlich dem Gemüthe was persönliche
Trennung ihm zu nehmen scheint. Ich konnte und mochte meinem Ge-
müthe nicht den Glauben nehmen, daß das Deinige dieses Seelenleben
jetzt, oder störte Dich Aeußeres später, mit mir lebtest oder leben
würdest. - Siehe Elise so lebe ich gern, sehr gern das und die Leben,
wo das Herz nur im Herz lebt und man im Herz unmittelbar das Herz
wahrnimmt; darum lebe ich mir gern, sehr gern mit meinem Vater und
meiner Mutter, Deinen Großeltern, mit den verstorbenen Brüdern, be-
sonders auch unserem Wilhelm und Freunden; das Herz ruhet dann
im Herz, wie zwei Thautropfen in einem zusammenfließen; es ist. Es ist
dieß das Leben des höchsten Vertrauens und der höchsten Pflege werth,
es läßt sich nicht willkürlich, auch nicht willkürlich auf die Person
leben, es giebt irdisch nichts, das heißt in unserem Erdenleben, nichts
höheres und reineres was diesem gliche. Es darf Niemand sagen dieses
Leben ist leicht zu leben, es hat keine Realität, keine Wirklichkeit; es
hat die höchste reinste Wirklichkeit; denn wie wir und wenn wir uns
auf Erden für Zeiten trennen und ein Wiedersehen hoffen ja es erwarten,
so weiß auch unsre Seele das Wiedersehen der Vorangegangenen be-
stimmt, denn einst wenn der Mensch die vorangegangenen Freunde wieder-
siehet, wird er sich ebenso freuen in der Zeit der Trennung im Gemüth
Herz im Herz mit ihnen gelebt zu haben, wie sich jetzt der Mensch freut
wenn er auf der Erde nach vorübergehender Trennung mit den Geliebten
wieder vereint lebt, auch in der Trennung mit ihnen geeint und einig
gelebt zu haben. - Dieses Vorgefühl der Freude wollte ich gern mit
Dir theilen Elise, darum diese Zeilen von            Fr. Fr.
Am Rand: Darum machen Personen die wir lieben uns durch das Kleinste
reich. Darum ist auch mein Leben so reich, und so macht uns
Gottesliebe so reich.