Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Elise Fröbel in Willisau v. 12.7.1835 (Burgdorf)


F. an Elise Fröbel in Willisau v. 12.7.1835 (Burgdorf)
(Reinschrift Gumperda, nicht nachweisbar, ed. Nohl 1931/32, 398)

         Burgdorf Jul. 12. 1835.


Elise!

Dir nur einen Gruß! Ich habe Deiner und unser in dieser Woche
viel gedacht, viel gedacht Deines und unseres Lebens; bey allem Schönen
und Klaren was ich sehe gedachte ich Deiner, und des Klaren und
Schönen was ich in dieser Woche sahe war viel. Herrliche Lilienfülle um-
giebt mich, wie mich auf meiner Burg noch linder Blüthenduft der
Linde umweht. Etwas sehr Schönes sehe ich besonders hier: Lilien und
Rosen in innigem Vereine und zwar wo die Lilien die Rosen umschlossen,
dann wo die Rosen wie eine goldene Krone über den Lilien schwebten
und von diesen umgeben wurden. Gestern war ich in einem Garten in
Oberburg, welch herrliche Blumen und besonders Rosen sah ich dort:
hellröthliche in Sträußen 12 bis 25 und mehr von einem Hauptstengel
alles wie eine einzige Dolte fast gleich Deiner rosigen Schafgarbe. Zu-
gleich faßt ich in einem traulich Zimmer ein Instrument von welchem
gesagt wurde daß es einen schönren Klang habe als das Willisauer, da
dachte ich wäre doch Elise hier. Abends wie ich nach Hause ging fand
ich gleichsam zur Feyer des 11. July unserer Emilie Lebenstag ein
selten schönes Glühwürmchen es war mir als strahle es mir ein seelen-
grüßendes Seelenleben aus. Heut am Morgen brachte man mir blumig
gestalte Butter umgeben von einer Fülle grüner krausiger Blätter zwischen
welchen die schönsten Rosenknospen wie Engelsköpfe im grünen Graße
ruhten. Da dachte ich könntest du dieß doch mit deinen lieben Keil-
hauern genießen wie würde sich M.- freuen wie Elise seiner und meiner
Freude. Dir           Fr. Fr.