Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Wilhelm Middendorff u. Elise Fröbel in Willisau v. 3.8.1835 (Burgdorf)


F. an Wilhelm Middendorff u. Elise Fröbel in Willisau v. 3.8.1835 (Burgdorf)
(Reinschrift Gumperda, nicht nachweisbar, ed. Nohl 1931/32, 398-400)

Burgdorf am dritten Tag im Monat der Reife 35.


Lieber Middendorff.

Deine liebe Briefsendung vom 2. August hat uns und besonders mich
herzinnig gefreut. Gefreut hat es mich daß du so wohlbehalten nach
Hause gekommen bist; denn dadurch daß mir Langethal sagte, du seyest
nach 12 Uhr abgereist, war ich wirklich Deinetwegen des Verirrens halber
besorgt. Gefreut hat es mich daß Elise den ernsten Rigi besucht hat;
und daß sie mehrfach empfunden, daß auch der Ernst Milde, liebliche
Milde in sich birgt, daß der Ernst den, welcher mit Gottvertrauen im
Gemüthe die Wege geht, auch wenn wohl der äußere Sinn dabey zu
Zeiten etwas ergrauset, zum Himmel erhebt, zum Himmel erhebt ohne ihn
der lieblichen Erde mit ihren klaren Seelenaugen zu entführen, wenn
auch über sie und über alles Niedrige und Schluchtige und Nachtige /
[399]
der Erde zu erheben. Meine theure Elise ich schreibe eigentlich dieß an
Dich und zu Dir allein, es ist mir zu störend erst ein besonderes Papier
zu ergreifen und mich besonders an Dich zu wenden, denn dadurch werden
die Worte gleich anders und sagen nicht mehr, was sie in ihrem ersten
Auftauchen aus der Seele sagen wollten. Du siehest hieraus, meine Elise,
daß mein Gemüth eigentlich zuerst besonders an Dich schrieb, und daß
es sein Recht behauptend, sich besonders zu Dir sich hinwendend, hervor-
drängte. Ich freue mich innig dieser Wahrheit des Gemüthes und was
hätte ich denn für einen Grund seine Wahrheit zu umschleyern. Liebe
Elise! Ich freue mich unaussprechlich Deines hohen, Deines Gottver-
trauens, welches in Deiner Seele ruht. Glücklich wie ein Kind, wie ein
Kind welches seine Seele im Seelenspiegel der Mutter spiegelt, bin
ich, daß ich mich nicht erinnere je der Klarheit und Wahrheit und der
Stärke Deiner Seele mißtraut zu haben, mein Vertrauen zu Dir durch
Mißtrauen getrübt zu haben. Wenn ich bey Deinem Abgang von hier
beym Abschiede in Waldrige eine Frage an Dich that, welcher ich mich
genau wörtlich nicht mehr erinnere, so war es weil es meinem Gemüthe
in jenem Augenblick ein Geschenk gewesen wäre, von Dir durchs Wort
zu hören, was es schon in sich wußte. Siehe Elise, Du findest Dich vom
Vertrauen auf die Erde gesetzt und meynest, daß dieß Gottesvertrauen
Dich auch nicht von der Erde nehmen werde, ehe Du Klarheit, Wahrheit,
Friede und Freyde (Freyseyn) in Dir und um Dich errungen hättest;
siehe Elise so meine ich so sollen auch sich wahrhaft vertrauende Men-
schen in sich nie scheiden und trennen, bis sie gegenseitig Klarheit Wahr-
heit Friede und Freyde errungen, sich erringend gemacht haben. -
Nun wieder in dem Brief an Dich einen Brief an Middendorff. – Ob
ich gleich glaube daß Du Middendorff diesen Brief nicht vor Sonnabends
erhalten wirst, und so Eure Reise schon bestimmt, vielleicht gar schon
angetreten ist, so will ich Dir doch sagen, was Du schon weißt, daß ich
vor Beendigung des Curses nicht nach Willisau kommen kann und somit
wohl schwerlich, wenigstens nicht vor dieser Zeit, irgendeine Reise von
Willisau mit Euch machen kann. Kannst und könnt Ihr beyden aber, Du
und Elise hierher kommen, wie ich Dir sagte an einem Freytag abends,
so müßten dann hier die Umstände und besonders das Wetter bestimmen,
wie wir hier Sonnabend und Sonntag verleben wollen. Immer aber gewiß
uns zur Freude und unserem Innern zum Frieden. Jetzt muß ich
schließen, um noch von 7-8 im Schlosse einer Vorlesung von Dr. Prof.
Hans Schnoll [sc.: Schnell]
über allgemeine Naturgeschichte bey zu wohnen.
Von hier Euch allen die herzlichsten Grüße. Middendorff Deine Briefe
nach Keilhau sind mit der ersten Post abgegangen.
[400]
Lebt recht wohl, lebe wohl Elise, grüße besonders Ferdinand und
Frankenbergs.
Elise D.[ein]

Fr. Fr.

[Nohl: Auf der Außenseite, die die Aufschrift trägt: Der Jungfrau Elise Fröbel in
Willisau. steht am Rande:]
Elise! Was sagt dieß Blatt mit der Blüthe innig eins? -