Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Maria Elisabeth Hoffmeister u. die Tante Hanige in Berlin v. 8.8.1835 (Burgdorf)


F. an Maria Elisabeth Hoffmeister u. die Tante Hanige in Berlin v. 8.8.1835 (Burgdorf)
(BN 486, Bl 31; Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S. Offenbar eine Beilage zu einem Brief Wilhelmine Fröbels an dieselben Adressatinnen.)

Burgdorf in der Schweiz am 8 August 1835


Theure Mutter, geliebte Tante.

Um den Brief meiner lieben Frau nicht ohne meinen
besondern herzinnigen Gruß an Sie abgehen zu lassen,
will ich, da meine treue Wilhelmine so viel von Burg-
dorf geschrieben hat Ihnen doch auch etwas von Keilhau
und Willisau schreiben. In Keilhau führt mein Bru-
der mit seiner Frau beyde noch immer thätig mit der
nöthigen Unterstützung die Wirthschaft fort. Der Führer
der Anstalt ist jetzt dort Barop, indem Middendorff auf
einige Monate eine Geschäftsreise zu uns nach der
Schweiz machen mußte. Gegen den Herbst denkt
letzterer nach Keilhau zurück zukehren. Die innere
Wirthschaft in Keilhau führen abwechselnd die Frauen
von Middendorff und Barop, Albertine und Emilie.
Jede von beyden hat 2 gesunde, kräftige, anlagsvolle sehr
liebe Kinder, sie können uns gar nicht genug freundli-
ches von ihnen schreiben. Jede hat einen Knaben und ein
Mädchen, Albertinens Middendorffs Kinder heißen Allwine
und Wilhelm, die Kinder der Emilie Barop heißen Johannes
und Gertrud, erster[er] ist 3½ Jahr letztere ½ Jahr alt.
Keilhaus erziehende Wirksamkeit hat durch unsere bis
nach der Schweiz verbreitete Thätigkeit auch an er-
neuter Theilnahme gewonnen. Der Zöglinge mögen
jetzt 25 seyn, sämtlich von jüngerem Alter; der
jüngste Brief zeigt mir wieder den Eintritt 2 neuer
Zöglinge an. Barop hat zu seiner Hülfe 4 Lehrer, wor-
unter ein junger Mann aus der französischen Schweiz
, dessen Muttersprache also das Französische ist.- /
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Die Frauen haben zu ihrer Hülfe Laura Bähring, die
Pfarrers Tochter aus Eichfeld.- Der Ertrag des Gütchens
wird durch Verbesserung der Ländereyen, der Gärten
und des Obstbaues immer mehr erhöhet.- Die Erziehungs[-]
anstalt in Keilhau steht wie die in Willisau unter
meiner allgemeinen Leitung.
In Willisau sind die Führer der Anstalt Ferdinand
Fröbel
und ein gemeinsamer Freund von uns allen
Adolph Frankenberg aus der Nähe von Göttingen. Die
Wirthschaft wird von Michaelis an dort allein von
Elise Fröbel, Ferdinands Schwester geführt werden,
weil dann Luise Frankenberg nach Deutschland zu
rück kehrt um sich dort zu verheyrathen. Außer
genannten beyden sind noch in Willisau, ein Lehrer
der französischen Sprache, ein Musiklehrer und 2
Elementarlehrer, der Zöglinge sind gegenwärtig
gegen 50 wovon jedoch nur 8 bis 10 im Schloß selbst
wohnen und speisen, so daß dort täglich nur 18-20
zu Tisch sind, welcher Hauswirthschaft also Elise
mit einer Magd recht gut vorstehen kann.
Keilhau wie Willisau erfreuen sich im hohen
Grade die [sc.: der] Zufriedenheit der theilnehmenden Eltern,
obgleich die Anfeindungen besonders von einem Theile
der katholischen Geistlichkeit im Stillen noch immer
fortwirkt. Auch bey dem Beginn meiner Wirk-
samkeit im Kanton Bern ist der Neid und die Miß[-]
gunst u.s.w. mit gewaltigen Waffen gegen mich
aufgetreten. Hier gehen die Angriffe noch offener,
doch haben sie mir auch bisjetzt hier wenig geschadet.-
Dieß alles glaubte ich sey das Beste was ich Ihnen als kind-
lich hochachtungsvollen und dankbarsten Herzens Gruß ausspre-
chen könnte. Ihr kindlich ergebener Friedrich Fröbel.
Die herzlichsten Grüß[e] an die lieben Verwandten und an Malchen.-