Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johann Arnold Barop in Keilhau [zum 29.11.] v. <18.> 11.1835 ( Burgdorf)


F. an Johann Arnold Barop in Keilhau [zum 29.11.] v. <18.> 11.1835 ( Burgdorf)
(KN 52,11, Brieforiginal 2 B 4° 7 ½ S. Gedichtbrief, im Briefkopf Ansicht von Burgdorf. Briefschluß als Entwurf BN 565, 3V. Dieses Gedicht könnte dem Brief an Frankenberg vom <18>11.1835 [zum 29.11.1835] beigelegen sein, den F. Frankenberg in Burgdorf aushändigte. Die beiden Zahlen Zeile 137 stehen unter den Wörtern „Treuen“ bzw. „Theuern“).

[Ansicht von Burgdorf mit Signatur]
Burgdorf
Der
in Liebe, im Leben und im Thun
einigen Familie
Barop Fröbel
Zum 29en Tage im Monat des Vertrauens
18 29 35
XI
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*   *
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Öffnet euch ihr meine Geistesaugen
Daß ihr möget Wonne, Himmelswonne saugen
Wie der Lebenvolle Morgenthau
Sonnenlicht auf blumenreicher Au: -
Einen edlen Menschenbund sollt ihr erschauen,        5.
Wo sich Menschen gleich wie Engel ganz vertrauen,/
[1R]
Wo das Leben aus dem Leben sich erneuet
Wo die Menschheit eines höhern Lebensdaseyn’s sich erfreuet: -
Wo das Hohe, Gute das in Eines Busen lebt,
Alle Herzen des Familienganzen froh erhebt;        10.
Wo das Menschheitleben so der Mutter rein Gemüth des Vaters klaren Geist erfüllt
Sich als einig Engelleben in der heitern Kinder frohem, sinngen Spiel enthüllt;
Gleich als ob ein Herze schlüg in aller Herzen,
So beweget Jedem stets des Andern Lust und Schmerzen;
Was der Eine fühlt und lebt, das leben, fühlen Alle: -        15.
“Einig’s Leben ja im Leben aller walle;
“Wie ihr Leben auch begrenzt in kleinem Raum
“Seyen sie doch alle Eines Zweiges Knospen an des eingen Gottes einge Alllebensbaum.“
Öffne darum dich, du meiner Seele Auge,
Daß sich’s Herz in Thaues Wonne tauche;        20.
Denn zum frohen Lebensfest des Einen
Siehst Du die Familienglieder alle sich in frohen Dank vereinen;
In des Einen Leben hat das Leben Jedes sich gefunden,
In dem Leben Jedes, Aller, ist das Eine Leben frey, entbunden.
Engel, Gott und Menschen bilden hier ein innig Lebensein        25.
Jeder lebet, fühlt und weiß hier was es heißet: leben, lieben, seyn;
Fühlet, wie in solchem Lebensfeste ew’ges Leben waltet
Fühlet, wie aus ihm für Ewigkeiten Seelen- Menschheitleben freudig sich entfaltet. - /
[2]
Ewig werden darum hier nur Lebens-, Liebes- Seyenslieder freudevoll gesungen
Denn den Himmel und die Erde hat ein Liebes-, Lebens- , eines Daseyns Band hier friedevoll umschlungen. –       30.
Und so wend’ ich mich zu Deines Festes Feyer
Barop! die wie Dir, dem Weib’, den Kindern so auch mir dem Euern theuer,
Nicht an Dich mit meinem Gruß allein,
Sondern an Euch alle als ein innigs Lebensein;
Durch Dich einen an die theuern Deinen        35.
Und durch Alle an Dich lieben, theuern Einen: -
Grüß Dich, grüß Euch Gott zu Deinem, zu dem drey-in-einem Lebensfeste!
- Ihr’s ja, Gattin, Gatte, Kinder gebend, nehmend, lebend still begehrt,
Also Euch aus Einem Feste der Feste dreye, ein dreyeinges Fest erstehe; -
Gott, der Vater, schenke Dir und Euch an ihm das Lebensbeste,        40.
Das Bewußtseyn: - „Ja, uns ist des Lebens Ziel und Preis, das Leben selbst gewonnen,
“Denn wir fühlen, wissen, leben in der Menschheit hat ein höhres Daseyn froh begonnen;
“Gottes Wesen können wir nun lebenvoll im Leben still ergründen,
“Da wir es als unsern Geist und Wesen, als das eigne Leben finden
“Stets und immer können wir uns nahen nun zu Gottes Thronen,        45.
“Finden, fühlen Gott in unserm Herzen, unserm Thun und Denken wohnen:
„Fühlen unser aller Leben
“Nur als ein Gotteinig’s Leben;
“Alles Leben Seyn
“Als ein innigs Ein.        50.
„Wollen’s darum in uns allen, in der Gattin, in dem Gatten, in den Kindern
Freunden, in den Menschen treulich pflegen
“Zu uns aller, zu der Gattinn, zu des Gatten, zu der Kinder, zu der Menschheit
höchstem Lebensseegen;
“Und begonnen hat für uns der Himmel auf der Erden,
“Nur Ein Ziel hat jedes von uns, nur Ein Streben haben alle:
„ganzer Mensch zu werden;“ “ /
[2R]
„Uns ist Gottheit in der Menschheit neu erschienen:        55.
„Menschen Gotte, ihrem Vater, uns als seine Kinder dienen. –“
Daß zu solch’ Bewußtseyn jedes von Euch die Bedingung lebend in sich trägt,
Dieß ist’s warum heut mein Herz so voll von inn’ger Freude schlägt;
Daß sich Euer Leben Euerm Seelenblicke heut so rein so klar enthüllt,
Dieß mein Herz mit Engelsseeligkeit erfüllt. –        60.
Euch umschwebt so hohe Lebensfreude, in Euch lebt so stiller Seelenfriede
Euer Leben gleicht so einem ew’gen Lebens-, einem hohen Seelenliede. -
Ja, ich habe nun erreichet wonach frühe mein Gemüthe bebend rang
Als beim Fühlen jedes Herzschlags Gott, Natur und Menschheit innig einig ihm zusammenklang: -
Fröhlich, heiter könnte ich nun wieder von Euch Lieben, Theuern gehen,        65.
Denn ich habe Lebens-, hab’ Familienglück und unter Menschen Menschheit blühen sehen:
Mit dem Frieden mit der Freude in der seel’gen Brust,
Voll von Engelswonne Himmelslust
Könnt ich nun aus Eurer, aus der Friedens-, Freuden-Wohnung scheiden,
Wie des Kindes Augen an dem Blumen- , an dem Sternenhimmel hangen        70.
Daraus Leben, Licht und Liebe, alles Hohe, Schöne in sich zu empfangen;
Würde ewig sich die Seele am empfangnen Lebensbilde weiden. –
Glücklich wäre so das Leben für mich, in mir abgeschlossen;
Doch, aus Leben soll stets neues Leben weiter sprossen.
Leben soll nicht Eigenthum nur einger Wengen bleiben,        75.
Nein! gar viele blüh’nde Zweige soll der Menschheitbaum noch treiben;
Immer reiner soll sich Lebenseinklang zeigen
Immer inn’ger soll’n sich Menschen als Geschwister zu einander neigen. -
Viele würden sich auch gerne einen zu der Menschheit sinngem Lebensreigen,
Ließ sich ihnen die Bedeutung nur, des Erdenlebens klarlich zeigen.        80.
Darum sucht ich längst schon nach der Dichtung frischem Lebenswort
So die Menschheit könne leiten zu dem sichern Lebensbord, /
[3]
Welches klar die That, das Leben könnte deuten,
Damit weiter blühten ächte Menschheitfreuden,
Daß ein Jeder in sich selbst den rechten Lebensschlüssel fände        85.
Und so man auch mich in meinem, uns in unserm Thun verstände. –
Was ich suchte hab ich endlich schön gefunden:
Einen Seher, der die That, das Thun in frischen Blumenkranz gewunden. -
Diesen Kranz aus Jahres-, Tages-Blüthenzweigen
Komm’ ich nun als duft’gen Festeskranz Euch hier zu reichen        90.
Laßt an jedem Tag Euch eine Knospe blühend, duftend, fruchtend ihre hohen Gaben spenden,
Wißt, sie wird zugleich und gleicherweise sich zu jedem von uns wenden
Denn was Ihr empfanget, haben auch zum Lebensbuch bekommen
Middendorff und Frankenberg, Elise und die Mutter, wie’s gegeben, haben sie’s genommen: -
Jedem gab’s die Liebe, daß sich’s Leben möge klar darinn abspiegeln,        95.
2. Und so dienen, daß wir alle immer inn’ger uns verstehen,
1. Sich des Lebens Wahrheit für das Leben und im Leben möge fest besiegeln,
Geistes Einklang in der That des Einzelnen, in Aller Thun zu sehen. –
Uns gemeinsam sey dieß Buch Erkenntnißgarten,
Durch den, wenn wir treu und fleißig ihn abwarten,        100. /
[3R]
Unser Leben, wie es auch persönlich von einander ferne,
Jeder von uns doch als ein im Geiste innig eines kennen lerne.
Solch’ ein Gartenbuch es Jeder finde, daß dadurch die Erde
Uns gemeinsam Lebensgarten, für uns alle Gottesgarten werde.
Werdet nun auch Ihr was Eure Seelen suchen in dem Buche finden,        105.
Wird es Euch zu inn’ger Lebensmittheilung verbinden,
Findet Ihr was unserm Seher klar
Auch in Euerm Leben wahr,
Werden reine Erdenfreuden so als schöne Himmelsblumen Euch umsprießen,
Dann wird auch mein Geist Euch freudig lind im Blumenduft umfließen.        110.
Dann auch lasse Barop! zwischen Euch und unsern Lieben gern
Über unsers Dichters Lebensschauung freyen Seelenaustausch walten,
Daß des schönen, reinen Einzel-Menschenlebens-Kern
Möge hohes, edles Menschheitleben schön entfalten;
Dann wird dennoch, wie getrennt, in welchem Lande auch        115.
Jedem von uns künftig noch der Vater seinen Wirkepunkt anweist
Immer uns durchglühen Eines Lebens Hauch,
Immer innig einen ächter Menschheitgeist;
Und so werden schwinden dem durch Trennung bangen Herzen
Seine herben Seelenschmerzen.        120. /
[4]
Äußrer Trennung ja die innre Einigung entquillet
Seeleneingungsfreude nun das Körpertrennungs Schmerzen das Gemüth erfüllet;
Höchste Lebenseinigung nur der erringet,
Welcher in der Trennung Grund und Wesen dringt.
Jene wird ja von der Trennung unvermeidlich stets begleitet        125.
Einigung darum nicht findet, wer die Trennung meidet
Wer der Trennung Kampf und Schmerzen scheut,
Das verfehlte Ziel zu spät bereut;
Ohne Trennung nie und nirgend werden uns errungen
Ächter Lebensein’gung ew’ge Seegnungen: -        130.
Dieß des Erden-, Menschheit-, Welten-, Gotteslebens größt’Geheimniß, Räthsel muß erkunden
Wer den Schlüssel zu der Deutung seines Lebens, zu dem Erden-, zu der Mensch-
heit, ja zu Gottes Leben strebt zu finden. -
Mittel, Wege, die Bedingungen dazu
- Fühlen wir in uns nur Seelenruh -
Ja, den Schlüssel selbst reicht uns der Seher,        135.
- Den der Geist erkennt als tiefen Lebensspäher -
Reich ich durch dieß Buch, in diesem Buche Euch, Ihr Treuen 14235 Theuern 13425
die mir Gott geschenkt, verbunden;
Denn ich habe es als wahres Lebensbuch bewährt gefunden,
Unter allen Büchern neurer Zeiten die ich kenne
Ist’s das reinste Lebensbuch        140.
Darum förder es uns allen sey – und ich’s nicht nur nenne
Unser Lebensbuch.
Wem ich’s reiche, wem ich’s spende
Reiche ich dadurch für Menschheitleben meine Bruderhände.
Und so nehmt auch Ihr Geliebte! gütig es zu eigen. /        145.
[4R]
Du, o Barop! nimm’s zum Siegel und zum Zeichen,
Daß dem reinen Menschheitleben
Unser Fühlen, Denken, Handeln als ein einigs sey in Treue hingegeben:
Nimms zu Deinem, nimm’s zu unserm Lebensfeste
Als der Gaben beste 150.
    die ich habe.
      Und so
        E
      FrFr.
      ||| ||| |||
    *     *
       *