Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die Armenkommission in Burgdorf v. 22.11.1835 (Burgdorf)


F. an die Armenkommission in Burgdorf v. 22.11.1835 (Burgdorf)
(StABurgdf Band 7, 1835 = Sig. B 42, S. 318-321, Brieforiginal 1 B fol 2 S., ed. Geppert 1976, 330f.)

An die Tit. Armencommission zu Burgdorf.

Die Beschaffenheit der in dem hiesigen Waisenhause
angestellten Dienstboten machte es nothwendig, dieselben
ihres Dienstes zu entlassen, und andere an ihren Platz
anzustellen. Die Tit. Armencommission genehmigte
nicht nur unsre deßhalb gethane dringende Vorstellung,
sondern machte in einem Schreiben vom 8. Octbr. durch
bestimmte Forderung diese Entlassung uns zur Pflicht.
Durch öffentliche Ausschreibung haben wir bis jetzt eine
Hausmagd gefunden, die den Bedürfnissen des Waisen-
hauses, so weit durch sorgfältige Prüfung dieß zu er-
forschen möglich war, wohl zu genügen die Hoffnung macht.
Die unerläßliche Bedingung ihrer Anstellung war ein höherer
Lohn, als der bisherige, anerkannt niedrige von 22 Kronen
jährlich. Wir kamen am 11. Novbr mit ihr überein,
daß sie alles in allem, d.h. auch mit Einschluß des Haft-
und Neujahrgeldes, 28 Kronen erhalten solle.
So kömmt der jährliche Lohn 24 Kronen 16 Batzen,
welcher auch sonst gar nicht ungewöhnlich ist. Aber auch
selbst diese Erhöhung haben wir nur nach Rücksprache
mit Herrn Meyer gemacht, welcher der Meynung
war, wie wir, daß man, wenn sich eine gute Person
finde, einige Kronen nicht ansehen dürfe. Dieser /
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schon für das Privatleben geltende Grundsatz muß natürlich
für ein öffentliches Erziehungshaus, sofern es ernste Aufgabe ist,
den Endzweck desselben zu erreichen, von erhöhter Gültigkeit seyn.
Die Befolgung desselben kann somit nicht im Widerspruche seyn mit
dem umgebenden Leben und seinen Gebräuchen, was sich ja auch
schon darin zeigt, daß der jährliche Lohn von 24 Kronen 16 Btzen
für eine Hausmagd gar nicht ungewöhnlich ist. Wir können darum
die Zuschrift der Tit. Armencommission unterm 14. November,
worin uns "die Weisung ertheilt wird, bey der Anstellung von
"Diensten die hiesigen Gebräuche in Bestimmung des Lohns zu
"beobachten, und keineswegs die gewöhnliche Belöhnung zu über-
"schreiten," nur einem Mißverständnisse zuschreiben, und wer-
den demnach, sofern uns nicht eine andere, dem Zwecke ent-
sprechendere Handlungsweise nachgewiesen werden kann, nach
eben demselben Grundsatze fernerhin verfahren. Ueberhaupt
müssen wir der Tit. Armencommission die Zusicherung aussprechen,
daß wir, so wie in dieser, so in jeder Beziehung nur nach
reifer Ueberlegung und mit klarer Berücksichtigung der
Gesammtumstände handeln.
Mit Hochschätzung unterzeichnet sich

Friedrich Fröbel, Vorsteher
     des Waisenhauses.

Burgdorf am 22. Novbr
       1835. /

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Der Tit. Armencommission
der Stadt Burgdorf
      hieselbst