Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 15.12.1835 Burgdorf)


F. an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 15.12.1835 Burgdorf)
(2 Entwürfe: a) BN 565, Bl 4-6, undat. Entwurf 1 Bl fol. + 1 B 4° 6 S. b) BN 565, Bl 7-10 dat. Entwurf 2 B fol., 8 S. ohne Adressatangabe)

a) 1. Entwurf

Das Menschengeschl die Menschheit und die Geschlechter Wie erscheint nun in diesem Bilde
In diesem Spiegel das Bild u Wesen der Menschheit
Der Zweck / das Wesen} der Menschheit ist Gottheit darzustellen
Menschheit = erscheinende Gottheit
Beruf der Menschen des Menschengeschlechtes Menschheit also Gottheit darzustellen = erscheinend wahre
Bestimmung der Geschlechter in Wechselseitigkeit, in Wechselseitigem Band der in Einigung u Einigkeit das Einige
Wesen der Gottheit darzustellen
Liebe = Streben in inniger Einigkeit Einigung, Gemeinsamkeit das in sich einige Wesen der Gottheit in
Einigkeit (also Dreyeinigkeit) in der Erscheinung darzustellen.
Einh[eit] Vater Du hast mich als zum Menschen erschaffen
Lehr mich das Wesen des Menschen erfassen
Lehr es mich erschauen in den Regungen meines Innern in meiner Innenwelt
Lehr mich es erschauen in der mich umgeben[den] Natur Außenwelt} Lehr es mich erkennen in den Geschichten die Du schufest.
Lehr es es [2x] mich erschauen in der bisherigen Führung u Entwickelung des Menschengeschl
Lehr es mich schauen in Dir Vater in Deinem Wesen so weit es mein Gemüth ahnet, mein Geist schauet
Die Geburt, das Geboren werden ist die erste wichtige LebensErscheinung Lebensthatsache
Die Eigene Geburt, die Geburt der Geliebesten Theuersten} Es ist ja hochwichtig geboren zu seyn und auch das Leben für sich und andere zu erfassen
Die Geburtstage, die Feste der Geliebesten Theuersten führt am lebhaftesten zu dieser Betrachtung hin
Ich lebe jetzt in den Tagen der Geburtsfeyer Geliebester Theuerster meines Lebens
Ich lebe dadurch in der Erinnerung an den Tag der Eigenen Geburt, des eigenen Geboren seyns
Darum Vater öffne den innern Sinn, das innere Auge meines Geistes daß er das Wesen
des Menschen seine[r] Entwickelung Gang
seine Entwickelung Mittel
seine Entwickelungs Gesetze
die Bedingungen erschaue unter u in welchen es sich am klarsten vollständigsten zum Ziele seiner Vollendung entwickelt.
Ich lebe heute in den Tagen in der Feyer der Geburt derer die am tiefsten in die Entfaltung meines
Lebens eingegriffen A-------e, Wilhelm* E-----e Johannes* Marie und den meiner
eignen Geburt. Mutter Tod/           dadurch in <Frey> am <F---a> 21/IV.
Erziehung durch reine jungfräul Weiblichkeit
Erinnerung an die Mutter    Das Finden jedes Menschen als Repräsent[ant] eines Geschlechtes in sich dem Finden der Geschlecht[er] als rein menschlich
Religion (D[urc]hführung einer Einigung mit dem höchsten Einigen) Bildner Pfleger Bewahrerin der Reinheit des eignen Wesens.
Mit dem bestimmten innern Einigen Leben mit der Mutter beginnt die Befestigung des einigen Lebens
Religion Eltern[-] u besonders Mutterliebe = Eins.
Führen der Mut Kinder d[urc]h die Mutter zur Religion Pflege des Religiösen im Kinde d[urc]h die Mutter
Jeder der MenschheitsErzieher u seine Mutter.
<In> der Liebe wie Person so Religion Forderung u Bedingung nur in der Vollendung Wirkung der Liebe Ziel
Die ächte Jungfrau fordert vom Geliebten hohe Religiosität (Ich vertraue Gott indem ich dich liebe Erfahrung des Selbst<zuFührung> durch die Liebe des Wesens
Liebe = Religion = Einigung mit dem Grund u Wesen aller Dinge
Liebe des Kindes zur Mutter erste Äußerung der Religion – erste Ahnung reiner Alleinigkeit
Religion In u d[urc]h die Trennung ahnen der Einigung (Wichtigkeit u Bedeutung der Geschlechter Wesen der beyden Geschlechter)) Nur durch das Entgegengesetzte wird ja jedes Ding u Wesen erkannt
Erinnerung an Albert[ine] Wesen Emilie u der Mutter Erscheinung Albertinens die Jungfräulichkeit war <ewig> die Pflege der Menschheit
Belege aus der Geschichte u aus dem eignen Leben /
[4R]
Erscheinung der Lieben von A----e E--------e E------e
Freude darüber Pflege derselben
Hohe Ahnung bey Ihrer Verbi[ndun]g
Hohe Ahnung bey Ihrer Trauung
Glück bey dem Erstgebornen
Wirkung des Todts des Erstgebornen Reinhold
Wirkung der Geburt des Zweytgebornen Wilhelm Dritten Johannes
Wirkung der Geburt der Maria
Erscheinung eines Familienganzen
Einer Gotteinigkeit
Was ist sie? Gottheit in Menschheit
Was soll sie? – Gottheit in Menschheit darstellen
Was haben wir zu thun daß sie ihre Bestimmung erreiche? – Treue Pflege
Lebenspflege ist sey unsere Bestimmung
Gottdienen = seine Kinder, seine Töchter Söhne d[urc]h Lebenspflege
also zeigen daß die Erde im Himmel
daß der Himmel auf der Erde
daß wir ein Vorhof der Seeligkeit
hier also Wesen der Menschheit = Erscheinen Gottheit
hier also Bestimmung der Geschlechter in 2 oder 3 von Einzelnen ein Drey einiges zu seyn
hier also Bestimmung der Geschlechter d[urc]h u in der Trennung in Einigung Licht, in dem Entgegengesetzten Wärme Leben das Gleiche zu finden so also Friede u Freude
in u durch Alles zu bringen
Freude im Himmel
Fried auf Erde
Friede u Freude im Leben
Verschwinden alles Lastenden Laster
Liebe = Ahnung jeder wird durch u mit dem andern zu Einem Ganzen zu Einem Mensch
Mann Licht Weib Wärme Leben = Gemüth Wärme Leben u Geist Licht
      Liebe Ein Mensch des Wesens         Liebe ein Mensch der Erscheinung
so gehört hierzu die Familie                    wie hierzu der Leib gehört[.]
Die besondere Bestimmung der Schwesterndrey dieß jede für sich im einträchtigen Familienkreise
u alle 3 gemeinsam, gemeinsam u Einig in der Idee d[urc]h die Idee u den Gedanken zum Anschauen zum Erkennen
zum Nachleben für andere darzustellen, darzuleben.
Und so Schlüssel zur Bedeutung unseres Gesammtlebens, für uns und andere
in der Gegenwart u für die Gegenwart für die Zukunft u Vergangenheit[.]
Eure Pflege meines Lebens ihr 3 hat mich das Leben
so klar in mir d[urc]hleben u erkennen lassen, darum nun auch Euch zu Eurer Lebens Bestimmung
als Dank die klare Blüthe u Frucht desselben geweihet, <gemäß>
zum unvergängl Dank der Menschh[eit] den drey Pflegern ihr alle die <Wesen> werden
die Gott Euch schon schenkte u noch schenken wird. Laßt uns eine gotteinige Familie seyn u bleiben
d[urc]h den Tod der Mütter Reinhold Karl} wo die Ahnung eines höhern innern Lebenszusammenhanges Erziehung = Auffassung Pflege des Menschen Kindes im innern Lebenszusammenhang.
Ehe = Gesetz Kundmachen des innern Lebenszusammenhanges[.] Der Mensch muß im Allgemeinen Lebenszusammenhang u für allgem[einen] Lebenszusammenhang a. handelnd b erkennend aa denkend bb <?> empfindend erzogen werden. Die Bildung des Jünglings und der Jungfrau; die Auffassung und Pflege der Liebe; die Auffassung der Ehe: der Empfängniß
der Schwangerschaft, der Geburt und der Erziehung [steht] im innigsten Zusammenhang mit dem großen Lebensganzen = des inneren Lebensgesetzes. –Mutter Glaube an Gott, Gut d.i. an innern Lebenszusammenhang Adolph: der innere Zusammenhang
frühe Ahnung des innern Lebens Zusammenhanges {Mutterliebe Lebenszusammenhang erste
Thatsache des innern Lebenszusammenhanges}
Erscheinen v. A----e E---------e E-------e
Auch die Ahnung erfüllte tief meine Brust
Menschheit durch Jungfrauenpflege wieder ge<regelte/adelte> Ahnung erfüllt.
Auch so bey <Ane> [sc.: Albertine?] u so bey jeder reinen Liebe
legt die letzte Hand an Euer <Werk macht daß uns dieß mögl werde
diesem ein Asyl zu erbauen, Unsern Kindern denen die uns Gott gab dazu, dafür ein Asyl zu bauen <sie> fordern unsere äußere Geschichte, pflegt nun das Euch zur Pflege anvertraute Leben
ich will demselben ein Asyl (gleichsam eine Insel Kreta sicher bauen wo der Geist das Haus seines <? ?> /
[5]
26 Alle früher und vor uns Vorangegangene sind darum wie für uns so
für die g[an]ze Menschheit; so wie zur Erhebung für uns so zur Erhebung
für die Menschh[eit] gestorben. Das erste werden [wir] finden daß dieß noch
bey den Todten, all unserer Lieben der Fall war deren Tod aus diesem und deßhalb aus dem wahren Gesichtspunkt aufgefaßt wurde
vergl. Tod Reinhold, Tod Wilhelm Karl, Tod Wilhelms Tod Wilhelms [2 x]
27 Dieß muß sich uns also alles in dem Todleben Lebentod, Todgeburt unserer lieben Unbenannten Namenlosen Kleinen aussprechen
28). Wir finden es wieder in der Geschichte
a) bey der Empfängniß der Maria einigte sich Leben u Tod
denn ihr <Gesteig[er]t> werden lag im <?>
b. bey der Geburt Jesu einte sich Todt u Leben (die Verfolgung des Herodes)
c. bey dem Tod Jesu einigt sich Leben u Todt
29.) D[urc]h den Tod im KleinKindes wurde die Form meiner Mutter bekam mein erstes Leben seine höhere Richtung
30. Sie bestätigte sich sie trat wieder hervor wurde als das Andenken an
meine Mutter ein lebenvolles wirkendes Glied in meinem Leben wurde.
Von diesem Augenblicke befestigte sich die höhere (erziehende) Ansicht meines
Lebens funkte der höhere Erziehende Beruf in meinem Leben auf
31. D[urc]h den Tod eines Kindes erhielt wurde unser jetziger nur der Lebenspflege gewidmete Kreis bestimmt
32. Es ist auf das Allerhöchste merkwürdig wie in unserm eigenen u engsten
Kreis die Erscheinung die Einigung von Leben u Todt so höchst geeint u ich möchte
sagen sich gegenseitig fordernd u bedingend ist zur Her-
vorförderung des höchsten wahrhaft einigen bleibenden Lebens
32[a]. In No 29 u 30 erwähnte ich es in Beziehung auf mich
(Vielleicht ließe ich es auch in Beziehung auf meine Frau Eure Mutter in hohem
Sinne, Eure Base, meine Frau aussprechen)
33) in No 31 erwähnte ich es in Beziehung auf die Mitbegründete mit
schaffende Familie des Bruders
darum soll uns das Leben u die Beachtung des Lebens der Todten so heilig seyn als das Leben u die Beachtung des Lebens der Lebenden /
[5R]
34. Die Wichtigkeit Auch in dem Fortgang der Familienentwickelung tritt der
Tod in seiner höchsten Wichtigkeit hervor
35.) Der Tod Wilhelm[s] ist noch nicht in seiner Bedeutung ins Leben eingeführt
worden vielleicht beweist er dieselbe recht einst in seinem Wirken auf
seinen Bruder auf - . So viel ist schon jetzt wahr – daß man fast
wenn man für wir unser Wirken eine höhere Wirksamkeit einen hohen
Beruf als das Wirken der umgebenden Welt annehmen müssen, d[urc]h
die Bedingung des Todes Wilhelms, seiner Krankheit <?> - nur ein
höheres Leben u Wirken erhalten würde, welchem er sonst wohl gänzl
entfremdet worden wäre; überhaupt hätte sich meine Wirksamkeit
ohne Zweifel tief in das Innerste zurück gezogen besonders überhaupt meine g[an]ze Wirksamkeit hätte eine g[an]z andere Gestalt als die jetzige gewonnen wäre Wilhelm mein Mitarbeiter geworden. Wenn einst aus der jetzigen Wirksamkeit für Ferdinand wahrer u höchster Lebenssegen besonders als Familienbegründer hervorgehen
sollte, so kann F[erdinand] nur mit der tiefsten Dankbarkeit an den Tod
seines Bruders denken denn er ist wahrhaft so schaue ich es für ihn
gestorben. Vielleicht hätte sich sogar später der Familie eine Trennung
entwickelt wie die zwischen den sogen. Gesch oder Vr [sc: Volkstädter] Fröbel u
den Keilhauern das heißt mir, oder wie sogar zwischen mir u meinem Bruder
sich zu entwickeln kam.
Wir sollen weise werden, weise um unserer Kinder willen (ich habe
keine) und uns also nicht scheuen die Wahrheit zu schauen.
36 Besonders anschaul[ich] u nachweisl[ich] ist die Wichtigkeit u die Verknüpfung von Leben u Tod bey den 3 Schwestern welche dad[urc]h gleichsam <in engster
Weise> u Verknüpfung ein[en] Bund <zu> u für höhere Lebensdarstellung
durch die Erscheinung des Todtes erhalten haben. /
[6]
37 A---[e] [sc.: Albertine] die ältere u E-e [Elise] die jüngste stehen unter sich in wahrstem Gegen einigenden Gegensatze
A-e die älteste u verheyrathete verlohr mehrer[e] Kinde[r] Knaben oder was gleich
bedeutend ist gebar dem Himmel mehrere Engel gab dem Himmel Kinder
E-e [Elise] die jüngste die Jungfrau verlohr den Geliebten Fr[eun]d oder was gleich ist gab
uns ein[en] Freund im Himmel
E---e [Emilie] der mittleren u auch im Schicksal vermitteln[den] der schenkte Gott beydes was beyde verlohren, allein der
Tod noch wollte ihr auf
keimendes Leben vernichten wenigstens hemmen und doch wurde es eben
der Tod welcher ihrem Leben die höchste Bedeutung u würde gab. – Siehe
unter den Alpengrüßen den Brief an Ludovika)
38 Diese 3 Schweste[rn] A- E—e u E—e sind also ein wahrer
Treubu Treubund [2x] eine 3 durch in welcher 2 Gegensätze A – E
Verehrung Mutter u Jungfrau durch E-e geeint werden.
39 Diese 3 Schwestern sollen aber die Hohe Bedeutung ihres Lebensbundes
Ihrer Bestimmung auf Erden - die Erde zum Himmel zu führen, den
Himmel auf die Erde zu bringen – das Göttliche in u d[urc]h das Menschliche
darzuleben – welche gleichsam wie d[urc]h den Tod gezeigt gelehrt
so d[urc]h den Tod geweyhet ist geweihet fürs Leben für ächtes
Menschheits leben tief lebendig mit frommem Gemüthe u Herz
ergreifen bewahren u mit frommem Sinn u Handeln im Leben
in inniger LebensEinigung darstellen u darstellend zu machen u so wie <jene dort>
Menschen Hütten am Throne Gottes bauen so sie hier Gottes
hütten u unter u bey den Menschen [bauen.] Der 3 Schwesterbrunnen wollte dieß
längst schon vorandeuten und so bestätigt das Namenlose das dort ausgesprochene Wort.
40. Dieß ist das Höchste u Letzte was ich in dem Frühtod in dem
Todleben und der jüngsten schwinden[den] Erscheinung unseres Namenlosen lehre
- Friede ihm u durch ihn Freude <mit ihm> /
[6R]
41) Die Bedeut[ung] Deutung des 3 Schwesternbundes des Schwestern 3 Bundes ist als[o]
Die Bedeutung des Lebens Bestimmung was das Leben A--e [Albertine] schmerzl lehrte – was das Leben
E-e [Emilie] menschl zeigte - diese Bestimmung soll E—e [Elise] lebenvoll u
freudvoll fühlend u friedvoll wissend mit Selbstbestimmung mit Selbstwahl schauend darstellen
soll E-e zur höchsten höchsten [2x] Stufe des Lebens in sich fühlend mit Selbstbewußtseyn in sich aufnehmen und d[urc]hleben bis
der Allvater ihr eine Lebenswirksamkeit
eine reine zeigt u giebt in welcher sie es mit Bewußtseyn freudvoll
fühlend friedvoll darleben kann u soll
Diese 3 Schwestern sollen also ungetheilt u ungetrennt
innig einig an der Darstellung reiner Menschheit arbeiten
dafür leben und dieß als ihr[e] eigent[lich]ste Bestimmung u Beruf
erkennen.
Zur Erreichung dieser gemeinsamen Bestimmung Darlebung reines Menschheitsleben, Gottheit in Menschheit Himmel u auf Erden sollen sie sich gemeinsam gegenseitig die Hand reichen.
Ich habe die Lebensthatsachen nicht gemacht
Ich deute sie nicht, ich suche nur ihre Bedeutung zu lehren , lehren zu machen
Uns zur <That> den Unseren lehren <zusam[men]>
für uns und all die theuren unsern zum
Frieden zur Freude zum Heile u zum Segen.
Nehmet meine Liebe u mein Leben
aus Eurer Liebe Ein Leben [d]raus
So ists als achtet ihr was ich Kraft <ge>geben
die Mitte dem allerschönsten Straus..

b) 2. Entwurf

[7]
Am 15 Decbr 1835. [Rechts Zeichnung ”FrFrFr an *
  ** * ** an * * *]
Ist unser Leben nach jeder Seite desselben hin wirklich
ganz so ein gemeinsames, wie ich es in mir trage

Es ist mir ganz unerläßlich, für mich ganz unausweichbar
Ich kann es ganz und gar nicht anders, ich muß unser
Leben wirklich in sich nach allen Lebensbeziehungen
hin
wie auch dessen (äußeren) Ausdruck als ein Ganzes, dessen
immerhin seyn möge, in sich wirklich nach allen
Lebensbeziehungen hin als ein gemeinsames also
als dem Wesen Ziele und Zwecke nach als ein in
sich völlig innig Einiges ansehen erkennen; darum so dünkt
es mich kann es Euch auch keinesweges gleich-
gültig seyn, welche Ansicht, welche Überzeugung
ich von einer Lebenserscheinung, von einer Lebensthat-
sache die nun schon mehrmalen in unserm
Kreise wiedergekehrt ist, ich in mir trage; ja ich
glaube Ihr müßt wünschen diese meine Ansicht u
Überzeugung bestimmt von mir zu hören[.]
Wo das Leben in sich einer Menschheit Gesammtheit wirklich mit u ich möchte sagen von Gott Natur
u Geist bestimmt ein in sich wirklich ein innig einiges ist (wie ich unser
Leben schlechterdings gar nicht anders nur fühlen, erkennen und
behandeln kann da will sich auch das was in des einen
Herz, Gemüth u Busen lebt sey es durch Wort That oder
Gefühl, lebt den und am liebsten zwar d[urc]h die That das Thun den
Andern mittheilen; mir ist es aber jetzt nur durch
das theilnehmende mitfühlende, deutende Wort
möglich, und so nehmet es denn auch gütig und in Herzen
einig und mitfühlend auf ja mitlebend auf was
Euch dasGemüth u Ges[innun]g, der Geist u das Leben, als
unsere tiefe Anschauung – in ihrer ganzen vollen Wahrheit leben
die empfundene Überzeugung von der Lebens[-]
erscheinung der Lebensthatsache auszusprechen u mitzutheilen, hat, welche
noch in dem letzten Tag des Monats des Vertrauens
uns mit tiefem Schmerz erfüllte hat; und jenes dieß um so
mehr als diese meine Anschauung einfach und wie sich die
Thatsache im Leben schon mehrmal wiederholt, so auch vom
Gemüthe u Geiste mehrmals wiederkehrend angedeutet
und ausgesprochen worden ist.
Licht    Liebe    Leben
Gestalten    einigt    wirken
Erste Anschauung Alle Lebenserscheinungen Lebensthatsachen , außerdem daß sie äußere
leibl. Physische, endliche irdische sogenannt natürliche – menschliche
d.i. äußerlich nachweisbare besondere Ursache u solchen Grund haben – haben außerdem
auch einen innern geistigen, psychischen, ewigen gleichsam himmlischen sogen
moralischen – göttlich d.i. innerlich tief gegründete Ursache u
solchen Grund.
Zweyte Anschauung. Die äußeren leibl. physischen Gründe u Ursachen
können {je um so} mehr die Kenntniß der Natur des Menschen
uns umgeben gesund ist, auch mit desto größerer mathema
tischer Bestimmtheit dargelegt werden.
Dritte Anschauung: Aber auch diese äußern leibl Gründe u Ursachen
können wieder in innern tiefer liegenden geistigen Ursachen
u müssen eigentl wohl wie alles äußerlich erschei[nen]de im
Innern u Innersten nachgewiesen werden.
Vierte Anschauung: Jene nachweislichen nur äußeren einzelnen Ursachen
so wie auch diese vielleicht nachzuzeichnenden besondern innern Gründe
derselben sollen hier nicht weiter beachtet werden[.]
Fünftens Nur die innere allgemeine Beziehung, die innere An-
schauung, der letzte geistige Zweck der äußern Erscheinung
gleichsam der innere Geist der äußern Lebensthatsache
soll hier aufgefaßt u dargestellt werden und zwar
aus folgenden gestützt auf [folgenden] Gründen
[Hier Randbemerkung:] Diese gegliederte Darlegung der Gründe kann das Gemüth
das weibl[iche] Gemüth überspringen, welche dieselbe in Einigung in sich trägt.
a.Das Leben an sich muß einen bestimmten Zweck haben
b jedes besondere Leben muß einen bestimmten besondern Zweck haben
c also muß auch jede einzelne Lebenserscheinung u Lebens[-]
thatsache in einem bestimmten besondern Leben, so
wohl für dieses Besondere Leben, allein als
auch für das allgemeine Leben wovon es ein
Theil u Glied ist, seinen bestimmten besondern
Zweck haben.
d. Ein bestimmter Zweck kann nur d[urc]h bestimmte Mittel
so wenig artig oder vielartig sie auch immer seyn
mögen, - erreicht werden.
e. Bestimmte Gesetze Mittel aber fordern bestimmte Gesetze
und Anwendung, so wie umgekehrt bestimmte Ge-
setze bestimmte Mittel fordern
f. Wie also auch einen bestimmten besondern Leben
ein bestimmter besonderer Zweck zum Grunde liegt /
[7R]
so liegen ihn auch bestimmte Gesetze u Mittel für
denselben zum Grunde, oder so hat es auch seine bestimmten
Gesetze u Mittel zur Darstellung
g. Diese Gesetze u Mittel müssen sich darum auch in dem aus[-]
gesprochen finden was durch sie dargestellt ist
h. Die Darstellung des allgemein[en] Leben wie des besondern u be-
sondersten ist das Leben in seinen Gesetzen u Mitteln
ist die Welt, die Schöpfung, die Lebensgesetze u
Mittel, wie das Leben selbst müssen sich also in der
Welt oder der Schöpfung ausgedrückt finden, wie sie auch
i. in dem liegen u bedingt seyn müssen, welcher d[urc]h sie
Etwas – die Welt darstellte – also in dem Schöpfer
in Gott.
k. Der Mensch ist ein Theil der Schöpfung der Natur
also müssen auch jene schöpferischen Mittel u Gesetze
so wie jener schöpferische Zweck u.s.w. in ihm ausge-
drückt seyn[.]
l. Der Mensch ist aber ein in sich bewußtes, vernünftiges
(verständiges) Wesen also muß auch der Mensch
sich jener Zwecke oder Zweckes, so wie der Gesetze
u der Mittel d[urc]h welche sie oder er erreicht werden
können sich bewußt werden, sie vernehmen können[.]
m. Wenn er sich derselben aber bewußt werden sie ver-
nehmen kann, so ist es aber auch seine Bestimmung sich derselben
bewußt zu werden[.]
sechstens Denn der Mensch kann (also) die innern allgemeinen Gründe
und Gesetze äußerer Erscheinungen u Lebensthatsachen
erfassen und er soll sie zu erfassen suchen, es geschehe
nun beydes in größerer oder geringerer Annäherung[.]
siebentens Dieses führt nun gerade zur Lösung der vorliegenden
Aufgabe zur Auffassung und Anschauung der innersten
Bedeutung der äußerl vor uns liegenden äußerlichen Erscheinung
und Thatsache. –
achtens Was uns im Leben zunächst umgiebt ist uns für das
Leben das wichtigste z.B. Luft, Licht, den Kindern die Eltern
den Eltern die Kinder[.]
neuntens Ebenso was uns im Leben am häufigsten am stetigst
wiederkehrend geschiehet, oder wiederkehrt ist auch eben-
falls für das Leben, das Fortbestehen desselben desselben [2x]
das wichtigste z. B. erwachen – einschlafen – Aufstehen Niederlegen, Geboren werden Sterben; denn mit jedem
Schlage des Uhrpendels Stunde wird auf der Erde ein Mensch geboren, stirbt auf der Erde ein Mensch[.]
zehntens Die durchdringend erfassende Erkenntniß von Geburt u Tod,
von Leben Geborenwerden u Sterben muß also für den Lebenszweck, zur
Erreichung des Lebenszweckes, der Lebensbestimmung auf das Höchste wichtig
seyn, so wichtig als das stetige Einwirken von Luft u Licht u die
Erforschung des Wesens beyder rc.
Elftens. Wir sind Menschen wir haben also auch den be-
stimmten menschlichen Lebenszweck den bestimmten menschlichen
Beruf, die allgemeine menschliche Bestimmung und sollen sie
(jeder getreu seinem besondern Wesen) erreichen /
[8]
Zwölftens Diese Lebensbestimmung kann also aber nur recht er-
kannt und mit Bewußtseyn erreicht werden, d[urc]h klare
und wechselseitige D[urc]hdringung und somit innige Einigung des Wesens von Leben Geburt und Tod, von Geboren[-]
werden u Sterben
Dreyzehntens Wie wir darum nur die bestimmte Wirkung
faßten reines Menschen[-] und Menschheitsleben mit Bewußtseyn
mit klarem Wissen u Selbstbestimmung zu leben, zur
Erreichung unserer Menschen[-] u Menschheits Bestimmung
den ersten Gedank also den ersten Lebens Gedanken in der Seele dachten u festhielten
da trat auch sogleich der Tod zu uns, ja ich könnte fast
sagen der Tod war es welcher der uns erst auf den Weg
des Lebens führte wenigstens nun ihn betreten machte
(: Wenn dieß einzeln nachzuweise[n] nöthig wäre
so bleibt dieß mündl Mittheilung überlassen.
Vierzehntens Seit jener Zeit begleitet uns Tod u Leben
stets so innig einig Hand in Hand d[urc]hs Leben wie Ein[-]
schlafen u Aufwachen denn
a) Wie oft fallen die Geburtstage der Lebenden mit
den Sterbetagen von einem Scheidenden Geliebten <von eins> in eins zu-
sammen (: so ist es merkwürdig daß die jüngste
Todes[-] oder SterbensNachricht wie sie in Keilhau
gerad vor einem GeburtsTag eintra
Hier in <-> Burgdorf
gerad an einem GeburtsTag ankam neml der Ernestines
b. Wie oft fallen nun schon Geburts[-] u SterbeStunden <erscheinender>
Geliebter in eins zusammen.
c. Wie oft kommt uns daher der Tod woher wir
glauben sollten daß uns das Leben kommen sollte
d. Aber ebenso kann auch ich nachgewiesen werden
daß der Tod in unserm Kreise unmittelbar das Leben hervorrief
fünfzehntens Tod u Leben liegt also auch in unserm besondern
Leben innigst nah aneinander begleitet uns innigst Hand
in Hand. Gerad also diese innigste Einigung von Tod
und Leben in unserm besondern Leben die Durchdringung des
Grundes dieser Einigung muß uns zur Erreichung der Bestimmung
unseres Lebens auf das höchste wichtig seyn[.]
sechzehntens Aber was ist uns Leben in vorstehendem
Sinne, was {sagen nennen} wir vom Leben? – Ein stetig sicht-
bares Fortdauern der Lebenserscheinung.
Was ist uns aber der Tod, was nennen wir im vor-
stehenden Sinne Tod? Ein in sich vollendetseyn, minde-
stens ein Abgebrochen seyn der sichtbaren Lebenserscheinung.
Was sagen wir vom Todten? – Er gehe in ein Jen-
seits, in eine bessere ewige Welt u ein solches
Leben!
Was sagen wir vom Lebenden? – Er bleibe im Dieß-
seits in einer unvollkommnen endl Welt u in einem
solchen Leben!
siebzehntens. Was sagt uns also zuerst
Welches hohe Lebensgesetz zeigt uns also zuerst
Welches Mittel zur Erreichung unserer Lebensbestimmung giebt uns also zuerst das /
[8R]
das ununterbrochene innig einige sich Begleiten in unserm Leben
vom Geboren werden u Sterben? –
Es sagt uns: - Die innig einige Erfassung u Erkenntniß von Leben
und Tod ist die erste Bedingung zur Erreichung unserer Bestimmung
Es giebt uns zur Erreichung unserer Bestimmung u d[urc]h diese stetig innig einige
Begleitung von Geburt u Sterben das erste Mittel
Es zeigt uns: die Grenze, die Scheidewand zwischen Tod u Leben,
zwischen Dießseits u Jenseits rc rc solle vernichtet aufge-
hoben werden und seyn[.]
Achtzehn[tens] Wo aber nehmen empfinden wir den Wechsel von Leben u Tod tiefer und lebenvoller
wahr als im Herzen? Was erregt das Herz tiefer als Leben, Geburt u Tod [?]
Wo (mein) das Herz ist, da ist (mein) das Leben. Wen (mein) das Herz
hat, hat (mein) das Leben, bewegt (mein) das Leben, wie ich meinen
(kleinsten) einen kleinen Finger, (mein) ein Augenlied [sc: lid]. Wer (mein) das Herz hat
schafft vernichtenden Gewittersturm oder alles liebend
pflegende Frühlingswetter im Himmel des Herzens.
”Warum soll ich gehen zum Grabe der Geliebten und wann”
sagt der tieffühlende u tiefsinnige Perser ”verschließt es
”ein ander Herz als das meine?” – Sagt anderes selbst
der Menschheitserzieher von dem Wesen u der Wirksamkeit dem Wirken
des Herzens? – Darum seelig wer erkannte Herz
zu nehmen, das Herz zu geben. – Gesegnet Segnend der der
es Lehrte. Gesegnet der der wer es annahm, Beglückend
wer es lebte.
Neunzehntens. Wenn also die Geliebten unseres Herzens an einen
fernen Ort ziehen, sey es im gleichen Lande, oder in
der Ferne, in das überseeische oder gar in das überir-
dische, gleichsam dort eine neue Colonie zu errichten
so nehmen sie unser Herz mit wie wir das ihrige be-
halten d.h. der Ort das Land ist nun ein Theil von
meinem unsern Ort u Lande geworden, die Grenze zwischen
dem Lande dem Orte wenigstens das Ferne nicht entfernte das
Fremde wird vernichtet, wir können
dann sagen wir bekommen dad[urc]h eine größere, er-
weiterte, oder eine doppelte überhaupt verviel[-]
fachte Heymath.
Zwanzigstens Unsere Geliebten Todten sind also so sagen wir
im Jenseits – im Lande der Vollkommenheit, im Himmel
im Überirdischen, wir sagen auch wohl bey Gott also
ist dad[urc]h a) unser Herz wo sie sind u sie wo unser
Herz ist denn Seelen die sich einmal im
Leben als innig einig fanden können sich nie verlassen als
Gleiche Kinder eines Vaters.
b. durch den Tod unserer Geliebten haben wir alle
gleichsam eine neue Colonie, eine neue Begründung
im Jenseits, im Lande der Vollkommenheit
im Himmel im Überirdischen bey Gott
c. Wir haben also auch dort eine Heymath ( wie
sie wirklich hier noch eine Heymath haben, u
schaffen u wirken u leben u geliebt werden:)
d Sie bauen dort am großen Lebensbau, Lebensdom
wie wir hier[,] sie pflegen dort den großen Lebensbaum
wie wir hier, sie bauen dort menschheitl Lebens
Hütten wie wir hier göttl Lebens Wohnungen bauen sollen
Man fühle, man lebe dieß[e] Wahrheit als ein Leben in sich u vergleiche./
[9]
Einu[nd]zwanzig Die stetig u ununterbrochene Begleitung von Leben
Geburt, geboren werden u Sterben, Tod soll also dem
Menschen zeigen seine Bestimmung sey Vernichtung u Aufhebung
der trennenden scheidenden widerstrebenden entgegensetzenden Grenzen
zwischen ihnen – (also
Aufsuchung der Einigung in der Trennung
des Einzelnen bey der Trennung bey zwischen dem Getrennten
der Gleichheit in dem u unter dem Entgegengesetzten
die Übereinstimmung in dem u unter dem Verschiedenen
und so die nothwendige innere Verknüpfung u das nothwendige
innere Zusammenseyn der Gegensätze z.B. des Endl und
Unendlichen) – und sozuletzt den Himmel auf der Erde, die
Erde im Himmel also das stetige geistige einende
Band zwischen beyden nachzuweisen, lebendig in sich
zu tragen lebendig da[r]zuleben, das ist des Menschen Be-
stimmung
Zweyundzwanzig. Was ist mehr geschickt, geeignet, was einigt mehr
die Bedingung     in sich          in das Land     der Reinheit rc in das Land
   (Wilhelm K.)     (Wilhelm seel) (kleine Kinder)      Vollendung
des Lichtes,      der Liebe      des Lebens zu      Klarheit gehen als
das Vollendete (Karl, Wilhelm) als da s Lebende, nur zum Leben bestimmte
     Reine    (Reinhold)    als das Liebende, und als das Leuchtende
     Klare     (Klara Math.)    Lichtende zum Leuchten zum Lichte schon bestimmte
Darum müssen wir uns sagen nach unserm Dafürhalten und wie
wir einsehen u erkennen müssen giengen auch die Reinen die Klaren
die Vollendeten aus unserm Kreise vor uns hin und daher heraus.
Dreyundzwanzig D[urc]h den frühen Tod unserer Geliebten unserer rein[en] Kinder
wie unserer reinen u kindl Menschen sollte uns also ein Siegel u Zeichen
(so z.B. auch mir besonders d[urc]h den frühen Tod meiner Mutter) gegeben werden
daß wir wirkl nach unsere[r] Ansicht im Lande der Vollkommenheit einen Sitz gleichs eine
Heymath, gleichsam eine vorausgegangene Colonie haben. Eine Kolonie
u so Heymath haben deren Bewohner gleiches Leben, gleiche Liebe
in sich tragen mit uns nach gleichem Lichte streben also gleichen
Lebenszweck haben können mit uns g[an]z gleiches Wesen Wollen u
Wirkens sind.
Vierundzwanzig Der frühe Tod unserer Geliebten theuern, treuen
ist uns also ein Spiegel u Zeichen der Verknüpfung, der innern Einigung
gleichsam der Verschwisterung von Leben u Tod, von Dießseits u Jenseits von
Endl u Unendl vom Unvollkom[mnem] u Vollkomm[nen] vom Himmel u Erde von
Nehmen u Geben überhaupt die Bestätigung des Daseyns eines
einigenden Dritten zwischen u unter zweyen zweyen in sich entgegen[-]
gesetzten.
Fünfundzwanz[ig] Von Verstorbenen aber sagen wir in Beziehung auf ihr
fesselfreyes und somit für uns höheres Leben daß sie am
Throne Gottes nun als sich erkannte GottesKinder leben und so
gleichsam zu uns herüber sprechen, herüber reden [;] lebt auf
der Erden in Euerm menschlichen Leben auch als am Throne Gottes,
denn wir wissen u schauen es nun daß es so ist, damit Euer
Leben jetzt und immer rein mit uns einiges sey u wir uns einst
g[an]z wieder einigen wenn auch ihr strebt; Da aber die Voraus[-]
gegangen[en] eigentl auch unser menschl Leben Liebende sind, so bringen
sie <senden/werden> sie den Himmel zur Erde bringen der Erde Frieden
so wie sie die Erde zum Himmel erheben und dort ewige
Freude schauen machen, sie also vernichten recht eigentl
die Trennung, Spaltung sie heben die ausscheidenden Entgegensetzungen zwischen Erde u Himmel auf
sie einigen beyde sie machen das ErdenMenschenleben himmlischer
himmlisch – das Himmelsleben ich möchte sagen natürlicher
menschlicher d.heißt u ist beydes gleich Göttlich
Sechsu[nd]zwanzig Dieses Anstreben der Einigung von Himmel u Erde,
dieses Anstreben der Vernichtung der Spaltung zwischen Himmel u Erde
u.s.w. dieses Streben nach Nachweisung und Darlebung der innern
nothwendigen Einigung zwischen Himmel u Erde, Dießseits u jenseits
Endl u Unendl das Wahrmachen des Unendl. im Endl. des Göttl im Menschl
ist aber der /
[9R]
Grundcharakter der Grundzug all unseres Lebens u Strebens
all unserer Bestrebungen, darum drücken gleichsam die Voraus[-]
gegangenen das Siegel darauf, sind uns ein Zeugniß u geben das
Zeugniß die Bestätigung, daß unser Streben ächt, wahrhaft
menschl[ich]-göttl[ich] sey u nothwendig Freude in den Himmel bringe
u verbreite u Friede auf die Erde u auf der Erde.
Siebenu[nd]zwanzig Alle früheren u vor uns vorausgegangen[en] Lieben sind
darum wie für uns, so wie für die g[an]ze Menschheit; wie zur Erhöhung
für uns, so zur Erhebung für die g[an]ze Menschheit gestorben.
Wir werden dieß finden, daß dieß nachweislich auch bey den
Todten d.h. bey dem Sterben u Gestorbenseyn all unserer Lieben der
Fall war, [wenn] deren Tod aus den wahren u somit auch nach diesen
Gesichtspunkt betrachtet wurde vergl. den Tod Reinholds
Wilhelm K u unseres Wilhelms rc
Achtu[nd]zwanzig Dieß muß sich also alles auch in dem Todleben
Lebentodt, in der Todtgeburt unserer lieben Unbekannten Namen[-]
losen Kleinen aussprechen
Neunu[nd]zwanzig Wir finden das bisher im Besonderen in unserm Leben u Kreis
nachgewiesene da sich Leben u todt zur Erringung zur Erscheinung eines höheren Lebens
auf das innigste einigen u gleichsam zusammenfallen
auch im Allgemeinen u Besondern in der Geschichte wieder
z B.
a)bey der Empfängniß der Maria einigte sich Leben u todt
Leben gab ihr der Geist die Liebe, todt gab ihr zugl das Gesetz
denn ihr Gesteig[er]t werden lag im <Gnadengrade>
b. bey der Geburt Jesu einte sich Leben u Tod
(mehrfach einmal d[urc]h die äußern Umstände
derselben Reiseschwier Reise dann die
Verfolgung Jesu. – So sagt selbst der
hohe Greis, nun kann dein Diener
friedl sterben.)
c. bey dem Tod Jesu einigt sich Leben u todt – Leben ging her-
vor aus dem Tod.
Und noch viele andere Beyspiele in der Geschichte aller Völker
wo sich Leben u Todt zur Erscheinung einer höhern Lebensstufe
einigt eint z.B. bey <Noas> - bey Romulus u Remus selbst
in der Mythologischen Geburt Jupiters
Dreysig Durch den frühen Todt meiner Mutter entwickelte sich
nicht nur eine höhere Richtung, eine Richtung nach Innen u der Beachtung
Pflege des Innern, sondern diese höhere Richtung bekam d[urc]h
den frühen Tod der Mutter den ihr zur Entfaltung so nöthigen
Kreis der Selbstthätigkeit den nothwendigen Gebrauch der
Selbstkraft des eignen Geistes u eignen Gemüthes. Gemüths u Geist
Ein u[nd] dreysig. Diese höhere Richtung trat wieder g[an]z besonders
hervor wurde gleichsam von neuem geboren, bestätigte
sich als der Gedanke an meine Mutter, die Liebe zu meiner
Mutter wieder ein lebenvoll wirkendes Glied in
meinem Leben in meinem Enpfinden Denken Handeln wurde. Von diesem
Augenblicke befestigte sich das höhere Streben mein[es] Lebens
wie zugl ein höheres Leben mein Gemüth u Herz erfüllte, der
höhere zieherische Lebensberuf keimte mir dort selbst unbe-
wußt schon im Gemüthe auf, wenn er bald darauf aus
demselben hervor u ins Leben funkte.
Zwey u[nd] dreysig Durch den Tod eines Kindes erhielt unser jetziger
nur der Lebenspflege gewidmete Kreis seine eigenthüml[iche]
Form.
Drey u[nd] dreysig Es ist nun auf das höchste merkwürdig wie nun
seitdem auch in unserm eigensten engsten Kreis die
Erscheinung von Leben u Todt so höchst geeint, ich möchte
sagen, sich gegenseitig fordernd u bedingend ist zur /
[10]
Hervorrufung Hervorförderung des höchsten, wahrhaft
bleibenden – einigen Lebens, und so tritt auch die Einigung
von Leben u Todt von Tod u Geburt in den Fortgang unserer der
Entwicklung unseres Lebens auf das höchste einwirkend u
{bestimmend hervorrufend} hervor
Vier u[nd] dreysig Der Tod unseres Wilhelm ist wieder in seiner
hohen u vielseitigen Bedeutung von uns erkannt nach ins Leben einge-
führt worden, doch erscheint er jetzt d[urc]h den das Todtleben unserer
jüngsten Unbenannten wieder in einer besondern Wirkung und
beyde Todestage den Lebenstag unseres theuren treuen
einschließen. Vielleicht beweiset u bezeuget erst
später noch der Tod Wilhelms seine Wichtigkeit u Wirk[-]
samkeit in Beziehung auf seinen Bruder sind [sc.: Selbst]. So viel ist
schon jetzt wahr – daß wenn wir unserer bewußten Menschen
pflegenden Wirksamkeit eine besondere allgemeine mensch[-]
heitliche Bedeutung geben müssen Ferd[inand] nur durch die
durch
– ich möchte sagen schon durch den <heimlichen> Tod Wihelms seine nicht zu heilende Krankheit dieser allgemeinen menschheitl
Wirksamkeit erhalten wurde, welcher
sonst Ferd[inand] wohl von sich aus gänzl
entfremdet worden wäre. – Meine Wirksamkeit
hätte sich wohl dad[urc]h das [sc.. daß] Wilhelm am Leben geblieben
wäre früher noch tiefer in das Innerste u besondere ausscheidende
zurück gezogen; überhaupt würde sie
eine ganz andere als die jetzige Gestalt gewonnen
haben wäre Wilhelm – der im Gemüth u Geist mit mir
innig einige [-] mein Mitarbeiter geworden. Ferdinand
würde dann schwerlich in seiner jetzigen Wirksamkeit eingetreten
und ja in sie eingetreten in ihr verblieben seyn[.]
Wenn nun einst aus der jetzigen Wirksamkeit einst
für Ferdinand besonders als einstiger Familienbegründer
u Familienvater wahrer u höchster Lebensseegen
hervorgehen sollte, so kann Ferdin[and] nur mit der tiefsten
höchsten Dankbarkeit Rührung an den Tod seines Bruders [denken], denn er ist wahr-
haft auch im Besondern – so schaue ich es – im Besondern für ihn
gestorben.
Gar vieles giebt der Tod Wilhelm’s auch zu bedenken, denn
d[urc]h denselben stellte sich gar vieles in andere Verhältnisse. Viel[-]
leicht hätte sich sogar später ohne demselben in der Familie eine
LebensTrennung entwickelt wie die zwischen den sogen. Vkstdtr [sc:: Volkstädter] Fröbeln
u Keilhau das heißt mir, oder wie sie sogar einmal zwischen
meinem Bruder u mir sich zu entwickeln kam.
Wir sollen weise werden, weise um unserer Kinder
willen, darum sollen wir uns also nicht scheuen die klare
Wahrheit klar u hell zu schauen.
Fünf u[nd] dreysig. Besonders anschaul[ich] u wichtig erscheint mir
die Einigung von Leben u Tod in d Leben der drey Schwestern
welche gleichsam dad[urc]h eine eigene Verknüpfung ein[en] Bund
zu u für höhere ja die höchste Lebensdarstellung
gleichsam eine eigene Weise dazu dafür erhalten haben
welches ich so schaue
Sechs u[nd] dreysig Al-e [Albertine] die ältere u E-e [Elise] die jüngste /
[10R]
stehen unter sich im eigentlichen Gegensatze
A-e die ältere u verheyrathete Mutter, welcher schon
einige Kinder Knaben bald nach ihrer Geburt oder was
gleichbedeutend ist gebar dem Himmel nahe Engel
E-e [Elise] die jüngere Jungfrau welcher der Freund oder
was gleich ist gab uns ein Freund im Himmel
E---e [Emilie] die mittlere Schwester deren Leben das rein entgegengesetzte vom Leben ihrer
Schwester ist aber ebendad[urc]h
wieder zwischen beyden vermittelnd Emilien schenkte
Gott beydes was jede von beyden verlohr; allein der
Tod noch wollte auch ihr aufkommendes allgemein
menschheitl Leben vernichten und doch wurde es eben
dieser Tod welcher ihrem Leben die höchste menschheitl
Bedeutung gab. – Siehe den Alpengruß an <S- x-x-a>
Sieben u 30 Die Einigung von Leben Tod weyhete und einte also das Leben der
3 Schwestern recht eigentl zur Treu, Dreybund zu
u welchen das Mütterl[iche] u zugleich an sich entgegengesetzte Leben der 2 Schwestern durch das Leben
der mittleren vermittelt wird
Acht u dreysig Diese drey Schwestern sollen darum sollen aber
eben darum, so schauet es der Geist, die hohe
Bedeutung ihres durch Leben u tod Einigung geweyheten
LebensBunde erfassen; auch einsichtig machen somit ihre Bestimmung auf Erden
die Erde zum Himmel zu führen, den Himmel auf die
Erde zu bringen – das Göttliche d[urc]h das Menschliche
u somit Gottheit in Menschheit darzuleben zu
machen – erfüllen erfassen, welche und diese Lebensbestimmung welche
gleichsam d[urc]h den Tod stets mit dem Leben immer geeinten Tod
gezeigt u gelehrt so d[urc]h solchen Tod geweyhet
worden ist, für Lebens für ächtes Menschheitsleben
tief u lebendig mit frommem Gemüthe u Herzen ergreifen u bewahren
u mit frommem Sinn u Handeln im Leben und inniger Lebens[-]
einigung darstellen u darstellend zu machen u so wie
gleichsam die vorausgegangenen Menschenhütten am Throne
Gottes so sie gleichsam Gotteshütten in den Menschenwohnungen
bauen[.]
Der 3 Schwesterbrunnen so wie noch früher (1830)
die Weihe zu dem Sohn Geburt wollten das frühe
vorandeuten
Neun u dreysig Die Deutung des 3 Schwesternbundes ist also
1) die Bedeutung des Lebens, die Bestimmung des Lebens welche das
Leben A--ns [Albertinens] schmerzl. betrifft
2. Die Bedeutung des Lebens, die Bestimmung des Lebens welche das
Leben E—e [Emiliens] menschlich zeigt
3. Diese Bestimmung soll E—e [Elise] lebendig u freudvoll, fühlend
u friedvoll mit Selbstwahl u Selbstbestimmung pflegend
in sich aufnehmen und zur höchsten Stufe des Lebens in sich sehnend u klar darleben
bis der Allvater ihr <auch> solche Lebenswirksamkeit
giebt u zeigt in welcher sie es mit Bewußtseyn freudvoll fühlend u schauend friedvoll darleben kann u soll
Diese 3 Schwestern sollen also im Geiste i[nni]g eins im Gemüthe ungetheilt u ungetrennt als Eine Person u ein Wesen
an der Darlebung reiner Menschheit Gottheit in Menschheit Himmel auf Erden arbeiten dafür leben und als ihre eigendste Bestimmung ihren eigensten Beruf
erkennen u so zur Erreichung
desselben sollen sie sich Gemeinsam gegenseitig die Hand reichen. –
40. Dieß ist das höchste u letzte was ich in dem Todtleben auf der jüngsten schwindenden Erscheinung unseres Namenlosen lese. Friede ihm u d[urc]h ihm Friede uns.
41. Der Geist hat die hier gevorgeführten Lebensthatsachen nicht einmal ihren Zusammenhang gemacht, ja er deutete sie nicht einmal, so er suchte um ihre durch sich Selbst
Uns u den Unsern Dank zu lehren u lehren zu machen für uns und alle die theuern Unsern jetzt u künftig
zum Frieden zur Freude zum Heile u zum Seeg[en]
Von dem Endlichen –vom Beschränkten sollen wir uns lösen
Zum Unendl zum Unbeschränkten Ewigen zur Menschheit    grab
Gottheit zur Gottheit in der Menschheit sollen wir den
Blick den Blick zu ihrer Darlebung, Darstellung unserer g[an]zen Kraft wenden[.]