Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 28.12.1835 (Burgdorf)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 28.12.1835 (Burgdorf)
(KN 52,20, Brieforiginal 1 Bl 16° 2 S. Der Brief wurde vermutlich mit dem an die >Keilhauer Gemeinschaft< v. 27.12.1835 verschickt.)

Gott zum Gruß Barop!   28/XII 35.·.

Weißt Du denn daß Du nun seit Ende Mo-
nat July kein Wörtchen uns geschrieben
hast?- Du wirst sagen: unser Leben ist ein
Ganzes und es macht so den Mitinhalt des
Allgemeinen aus und ist darinn zu lesen.
Gut! aber man hört auch gern einmal et-
was aus dem besondern, wie man sich wohl
gar sehr über eines Gartens ganze Pracht
und Fülle freut allein doch auch gern bey
der Schönheit und dem sinnigen Blühen einiger
Blumen weilt. Ich hoffte in diesen Festtagen
ein paar persönliche Lebensworte von Dir
und Euch beyden zu lesen und von Euern Kindern.
Nun hat mir die zwar herrliche Festgabe
doch dazu die Hoffnung benommen; dennoch
danke ich Dir recht innig nun schon für Deinen Gedanken
die Briefe hierher zu überschreiben denn da-
durch hast Du nicht nur mir und uns allen
viel gegeben ohne den andern nicht nur irgend etwas
zu nehmen sondern ihnen dadurch sogar noch
zu geben. Ja lieber Barop! ich lese in gar /
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sehr vielen kleinen Erscheinungen und Äußerungen
Deine herzinnige Liebe und treue Pflege
des gemeinsamen und besondern Lebens, den-
noch wirst Du mir das Eingangs dieser Zei-
len Ausgesprochene Verzeihen. Barop! Ge-
gensätze berühren sich und der Mensch und
Mann der in Lebenerfassenden Gedanken lebt,
lebt sehr im Kleinen ich lebe oft sehr im
Kleinen: Die Hand der Aufschrift, die Art
der Aufschrift, die Wahl des Umschlages des
Siegels, alles kann mich oft innigst erfreuen.
Diese Kleinigkeiten sind mir die Maaßliebchen
meines Lebens. So blühen auf meinem Ar-
beitstisch von mir in blanken Schaalen
oft mehr als ein halbhundert Maaßliebchen
und die schönsten Lilien und Rosen einigenden
knospenden und strahlenden vergegenwärtigen
mir immer die liebsten Menschen und das
Ganze die Gesammtheit der Menschen- und Lebens-
Kreise welches ich pflegend im Herzen trage.
Mit der treusinnigsten Liebe Euch zum Neujahr

FrFr.

(:Sag doch meiner Pathe Allwina, wenn
sie mich liebte möchte sie doch ein Wahrheit liebendes Kind werden)